Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

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gypsy tail wind
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Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von gypsy tail wind »



Ich mache dann mal einen Sammelthread - @Friedrich hat schon recht :-)

Hier soll es ca. um Jazz von den frühen/mittleren Dreissigern bis in die mittleren Vierziger gehen - stilistisch ungefähr das, was zwischen New Orleans/Dixieland Jazz und Bebop liegt. Zeitlich wäre 1935 oder 1936 bis 1946 in etwa eine typische Definition, aber es geht früher los und ist wie so oft eh nicht klar abgrenzbar. Natürlich lief der alte Jazz parallel dazu weiter - was hier kein Thema ist, das wäre dann ein separater Faden, der nur @redbeansandrice und mich interessiert - aber warum auch nicht. Und natürlich gab es auch nach 1944 noch Swingmusik - die Big Bands hielten teils noch etwas länger durch und viele Musiker der Swing-Ära machten noch lange weiter: Coleman Hawkins, Ben Webster, Roy Eldridge, Benny Goodman, Teddy Wilson, um nur mal ein paar wenige zu nennen - und das darf hier natürlich alles gerne auch mit rein.

Swing war damals auch Popmusik - und klar, wie immer in der us-amerikanischen Kultur wurden die besten Elemente der minoritären Musik der Schwarzen geplündert (die damals als "race music" vermarktet wurde, bei den Major Labeln oft auf Billig-Schienen, die auch Ende der Zwanziger noch länger "akustische" Aufnahmen anfertigten, während die weisse Musik bereits auf das "elektrische" Aufnahmeverfahren gewechselt hatte. Benny Goodmans Band wurde erst 1936 richtig gut, als er Arrangements von Jimmy Mundy in sein Band-Buch integrierte - und vor allem auch welche von Fletcher Henderson (und seinem Bruder Horace - beide wirkten auch als Pianisten bei Goodman, Henderson hatte davor seine eigene Band geleitet, mit der er und sein Sideman Don Redman den Big Band Jazz erst erfunden und davor Leuten wie Louis Armstrong und Coleman Hawkins zum Durchbruch verholen hatten). (Das feine schottische Label Hep Records hat vier thematische Goodman-CDs herausgebracht, "Plays Fletcher Henderson", "Plays Jimmy Mundy" und dann auch zwei, die weissen Arrangeuren gewidmet sind, die ebenfalls hervorragende - aber anders geartete - Musik für Goodman schrieben: "Plays Mel Powell" und "Plays Eddie Sauter" - ich kenne die Ausgaben allerdings nicht).

Swing war also Pop, Swing war Tanzmusik, manches davon ist auch ziemlich banal - und heute nicht immer zu unrecht eher in Vergessenheit geraten. George T. Simon hat ein umfangreiches Buch über die Big Bands und ihre Leader verfasst (ich hab leider nur die gekürzte dt. Ausgabe von Hannibal), Und natürlich gibt es Gunther Schullers umfangreiches "The Big Band Era", das auf meinem Stapel ungelesener Jazz-Bücher liegt ...

--

Hier ein paar Links zu Fäden, in denen es hauptsächlich um Swing-Musik geht:

Capitol Records - Jazz-Sessions der Vierziger- und Fünfzigerjahre
Der Capitol-Katalog geht stilistisch auf beide Seiten über Swing hinaus - mit traditionellem Jazz einerseits, Bebop und Cool andererseits - und natürlich wurde Capitol, spätestens mit den Beatles, zum Major Label, aber das ist dort nicht das Thema.

H.R.S. Records - Hot Records Society (1938-1947)
Geht nach "hinten" stilistisch auch in den alten Jazz zurück.

V-Disc Sessions
Zwischen 1943 und 1949 wurden tausende Platten für den Vertrieb in der US-Armee hergestellt und zur Unterhaltung - und zur Aufrechterhaltung der Truppenmoral - an die Soldaten im Kriegsdienst verschickt. Das Programm ging durch alle Stile (Klassik, Pop, Country, Jazz ...) und nicht zuletzt die grossen Label (Columbia, RCA Victor) stellten zahlreiche Produktionen zur Verfügung, die auch als V-Discs vertrieben wurden. Daneben entstanden aber auch dedizierte Sessions, viele von ihnen von George T. Simon (der als Herausgeber von Metronome damals mit allen Leuten im Jazz- und soweit Swing eben Pop war auch im Pop-Bereich bekannt war) produziert und manchmal mit Bands, die aufgrund vertraglicher Verpflichtungen im kommerziellen Rahmen gar nicht möglich gewesen wären. Stilistisch geht es auch hier im Jazz-Bereich über den Swing hinaus, v.a. wieder in Richtung alter Jazz, aber teils auch eher in Richtung Rhythm & Blues (eine neue Pop-Musik, die Fortsetzung inkl. Aneignung kennen wir ja alle).

Black & White Records - Jazz and More, 1943-1949
Die Zeit nach dem Kriegseintritt der USA. war wirtschaftlich schwierig für die Musikindustrie - und gerade da entstanden auch diverse unabhängige Label. Neben Capitol z.B. auch Black & White .... auch hier gibt es neben Swing recht viel alten Jazz, aber auch wieder Rhythm & Blues und zudem die eine oder andere modernistische Big Band, wie sie auch in Kalifornien (Stan Kenton, der bei Capitol gross wurde) oder im Osten bei (Boyd Raeburn bei Savoy, Claude Thornhill, Gil Evans, der mit Miles Davis auch bei Capitol aufnahm) gegen Ende der grossen Big Band-Zeit entstand.

Ein weites Feld ... falls weitere Fäden dazu kommen, werde ich sie hier einpflegen.
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gypsy tail wind
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von gypsy tail wind »

Ein paar Sachen aus dem Hörfaden rübergeholt:
gypsy tail wind hat geschrieben: 05 Apr 2026, 09:26

Classic Vanguard Jazz Piano Sessions | Daraus bisher die zwei Alben von Sir Charles Thompson (Quartett mit der Basie-Rhythmusgruppe vom Januar 1954 und Trio mit Skeeter Best/Aaron Bell vom Februar 1955), das Solo-Album von Bobby Henderson (November 1956) und jetzt das "Mel Powell Septet" (Dezember 1953 mit Buck Clayton, Henderson Chambers, Edmond Hall, Steve Jordan, Walter Page und Jimmy Crawford) - inklusive die auch auf der Platte enthaltene "Sonatina for Piano" in drei Sätzen (I. Vivace, II. Chorale Variations, III. Largo Assai - Allegro). Powell ist hier neben den Duos von Ruby Braff mit Ellis Larkins die Hauptattraktion (je zwei CDs, vier - von denen "Septet" die erste ist - bzw. drei LPs) und das hab ich tatsächlich noch ein paar Dinge zu entdecken. Ich bin Mosaic echt dankbar für die zwei Vanguard-Boxen (und wünschte mir - not gonna happen, ich weiss - ein drittes mit den Modern Jazz-Sessions des Labels aus den frühen Jahren ... heute gehört der Katalog übrigens auch zu Concord, fiel mir auch grad erst auf).


gypsy tail wind hat geschrieben: 05 Apr 2026, 11:30

Mel Powell Trio - Borderline / Thigamagig | Die nächsten zwei Alben, mit einer Woche Abstand im August 1954 aufgenommen, sind auf dem Papier vielleicht nicht so überraschend (keine Sonatinen oder andere "klassische" Kompositionen, die bei Powell später auch zwölftönig/seriell wurden) - aber dennoch voller unerwarteter Wendungen und von grosser Vielseitigkeit: es werden Experimente aller Art mit swingendem Playing verbunden. Das erste Trio greift mit Paul Quinichette und Bobby Donaldson das altgediente Goodman-Line-Up auf, bietet Originals mit avancierter Harmonik und sehr eigenem Charakter neben "klassischen" Jazz-Tunes, in denen Quinichette in seinen Lester Young-Modus fällt. Anderswo ist es gerade sein besonderer Ton, der der Musik eine zusätzliche Sprödheit gibt, was echt gut passt. Powell erweist sich als Experimentator voller Ideen und mit ganz eigenen Klangwelten. Käme das nicht aus dem Swing sondern dem Modern Jazz würde man statt von "Kammerjazz" eher von "Third Stream" reden - aber beide Etiketten greifen zu kurz. Und ich greife einen Punkt auf, den ich im alten Piano-Trio-Faden gemacht habe: auch hier zeigt sich, dass beim Klavier die Grenzen zwischen den Jazz-Stilen/Epochen verschwinden, dass sich moderne Harmonik nahtlos neben Stride-Einflüsse gesellen, dass die Brüche mühelos - manchmal innerhalb zweier Takte in einem Stück - überwunden werden bzw. gar nicht erst da sind oder sich eben eher im Rhythmischen zeigen, während Melodie und Harmonik mühelos mit dem mithalten kann, was die Bopper und ihre Nachfolger/Kollegen im Cool Jazz, so machten. Und dabei wirkt das hier oft deutlich weniger steif als so manches Westküsten-Experiment. Das bewahrheitet sich alles auch beim zweiten Album, auf dem Ruby Braff den Bläser-Posten übernimmt. Braff zeigt hier immer wieder seinen besonderen (und vielschichtigen) Ton, hat keinerlei Mühe mit den Stücken, die manchmal auch klassische Elemente einbringen (aber keine Vermischung à la Third Stream machen, das steht hier eher gleichberechtigt nebeneinander - auch wieder innerhalb der Stücke), in "Bouquet" klingen der erste und der letzte Teil der ABA-Form wie eine Trompetensonate.

Bild

Mel Powell – Out on a Limb | Das letzte Vanguard-Album von Mel Powell entsteht am 19. Oktober 1955 und erscheint im 12"-Format. Zehn Kollegen, eine Marathon-Session. Wir hören Powell im Trio mit Tommy Kay (g - ehemals bei Jimmy Dorsey und Teil der Band von Mildred Baileys Radio-Show "Music 'Till Midnight") und Arnold Fishkin (b - von Lennie Tristanos Band, davor in verschiedenen Big Bands) (zwei Stücke) und einmal mehr mit Braff/Donaldson (zwei alte Klassiker: "Beale Street Blues" und "Rosetta"), mit Al Mattaliano (t - damals bei Kenton), Peanuts Hucko (cl - dank den Armstrong All Stars und der Band von Lawrence Welks TV-Show wohl der damals bekannteste Name), Nick Caiazza (ts - in den Dreissigern und Vierzigern Mitglied diverser Big Bands), Kay, Fishkin und Bobby Donaldson (vier Stücke) sowie mit Skeeter Best (g), Oscar Pettiford (b) (zwei Stücke im Trio) plus Braff und Donaldson (zwei Stücke im Quintett). Das ergibt 41 Minuten Musik, die auf einem als "composition recital" konzipierten Album veröffentlicht wurde, wie Thomas W. Cunniffe im Mosaic-Booklet schreibt. Auch hier mischt sich vieles: Swing, Einflüsse aus dem West Coast Jazz ... und im Opener "Gone with the Wind" (im Trio mit Gitarre/Bass) auch tatsächlich hübsche Kontrapunkt-Passagen, wie sie z.B. auch beim Modern Jazz Quartet zu hören sind. Hauptsächlich aber gibt es im ersten Teil mit dem Septett tighte, attraktive aber mir eine Spur zu aufgeräumte Arrangements und gute Soli, besonders vom Leader, der einen echt besonderen Touch hat - irgendwo zwischen Teddy Wilson und John Lewis möchte ich sagen, aber das greift sicher viel zu kurz, denn auch Waller grätscht immer wieder herein. Im Arrangement von "Stompin' at the Savoy" gibt es schöne Soli von allen, nicht nur von Hucko und dem auch anderswo glänzenden Caiazza sondern auch von Mattaliano und Kay.

Auf der B-Seite gibt es dann das Quintett - doch nur in zwei der sechs Stücke. Eingerahmt wird die Seite von den zwei Stücken mit Braff/Donaldson, auf das erste folgen die zwei mit Best/Pettiford, danach die zwei vom Quintett. Das ist keine Fortschreibung von "Thigamagig" - was man bei der Wahl der Stücke auch eher nicht erwartet hätte, aber bei Powell weiss man wirklich nie. Die Musik ist gradlinig und druckvoll - einfach guter Mainstream-Jazz, wie er auf zahlreichen Platten der "Vanguard Jazz Showcase"-Reihe zu finden ist. Braff growlt altmodisch durch den Blues von W.C. Handy, in "Rosetta" solieren alle drei hervorragend. In "Three Little Words" glänzt Best mit einem tollen Gitarrensolo (gefolgt von einem ebenso tollen Solo des Leaders), während in "You're Lucky to Be Me" Pettiford überragend gut spielt - in der Begleitung wie im Solo. Im Quintett verschwinden die Gitarre in die Begleitung, zu hören gibt es "Liza" (mit überragendem Braff - und Bass-Begleitung beim Besen-Solo der Drums) und "The Best Thing for You" (auf vielen Veröffentlichungen falsch als "The Best Things in Life Are Free" angegeben).

Unter dem Strich kein so tolles Album wie die beiden mit den Trios oben - aber zugleich ein hervorragendes Showcase für Mel Powell - als Komponist, als Arrangeur, als Bandleader ... und vor allem als Pianist, als der er in all den Settings glänzt.
gypsy tail wind hat geschrieben: 05 Apr 2026, 19:33
redbeansandrice hat geschrieben: 05 Apr 2026, 18:09 Danke für das Feedback zu der Mosaic Box, da sind ja schon wirklich tolle Sachen drin wie die Braff Larkins Duette und die Trios von Mel Powell, das ist allererste Liga... Hab ich alles noch nicht in gescheiten Ausgaben... Bobby Henderson interessiert mich ja auch sehr, weil ich die späten Aufnahmen super finde, aber das Album ist eher nichts besonderes, oder?
Hab nur die Powell-Alben richtig aufmerksam angehört, da die mir bisher am wenigsten vertraut bis unbekannt waren... von Henderson kenn ich bisher nichts Weiteres, aber diese Session finde ich auch nicht so super. Die Geschichte dahinter aber schon (John Hammond fand ihn über ein Jahrzehnt später zufällig unter anderem Namen irgendwo in der Provinz bei einem ungeplanten Stopover auch der Suche nach etwas Jazz wieder – genauer müsste ich morgen nachlesen... Ach so, steht auch im Wiki-Eintrag).
redbeansandrice hat geschrieben: 05 Apr 2026, 20:53 Noch genauer steht es in dem Artikel auf Hank O Neal's website, der wohl nur noch via archive zugänglich ist, hatte ihn mal verlinkt aber weiß nicht mehr wo... Das Detail, das bei Wiki nicht steht, war, dass Henderson irgendwie zwei verschiedene Familien hatte, und die zwei Namen und zwei Wohnorte wichtig waren, um das zu ermöglichen... "Sich zu Ehren von Buddy Bolden umbenannt" hatte ich irgendwie nie ganz glauben können... Ich such den Link bald nochmal
redbeansandrice hat geschrieben: 06 Apr 2026, 08:14
redbeansandrice hat geschrieben: 05 Apr 2026, 20:53 Noch genauer steht [die Geschichte von Bobby Henderson] in dem Artikel auf Hank O Neal's website, der wohl nur noch via archive zugänglich ist, hatte ihn mal verlinkt aber weiß nicht mehr wo... Das Detail, das bei Wiki nicht steht, war, dass Henderson irgendwie zwei verschiedene Familien hatte, und die zwei Namen und zwei Wohnorte wichtig waren, um das zu ermöglichen... "Sich zu Ehren von Buddy Bolden umbenannt" hatte ich irgendwie nie ganz glauben können... Ich such den Link bald nochmal

Hier ist der Link zu dem Bobby Henderson Essay, wenn man links runterscrollt sieht man, was es sonst noch gibt, Earl Hines, Joe Strummer, Cyrus Chestnut, Ornette Coleman... A Home in the Clouds ist wirklich super
gypsy tail wind hat geschrieben: 06 Apr 2026, 09:34 Danke - bei Cunniffe geht die Story so, eine zweite Familie wird da natürlich nicht erwähnt, aber es gibt noch etwas mehr Infos zu Hendersons frühen Jahren:
One night in 1956, John Hammond was driving back to New York City from Canada. Sensing that he would not arrive home at a reasonable hour, he decided to stay the night in Albany. In search of a little live jazz to relax him before bed, Hammond stopped at a local jazz club called the Kerrie Blue, where a pianist named Judy Bolden was playing. He soon realized that Bolden was actually Bobby Henderson, his old friend from Depression-era Harlem. The two men were reunited after 23 years apart, and based ont he music played that night, Henderson became the newest addition to Vanguard's artist roster. In the old days, the pianist had studied and played with Fats Waller (who he claimed as a distant relative) and he first met Hammond when he was the fiancée [sic] and accompanist for Billie Holiday. He could have made his debut recordings with Billie, but he failed to show up for a scheduled date, claiming to Hammond that he had been arrested for sitting on the subway. Hammond also tried to have Henderson join the New York musician's union, but Henderson was hesitant to undergo the mandatory sight-reading test. Before long, Henderson moved to Albany and changed his professional name. His rediscovery by Hammond led Henderson to a few productive years in the spotlight. He performed at the Newport Jazz Festival with Ruby Braff and Pee Wee Russell, and he appeared on the Vanguard album, A NIGHT AT COUNT BASIE'S (found on Mosaic MD7-280), where Basie called Henderson one of his favourite pianists. He recorded two solo albums for Vanguard [im Mosaic-Set und auch bei Discogs gibt's nur eines, "A Handful of Keys", das andere ist "Call House Blues", Vanguard VRS 9017] before disappearing again. He resurfaced in 1969 to record two more solo LPs or Chiaroscuro and, by the end of that year, he had passed away.
Das das andere Vanguard-Album weggelassen wird, mag man verstehen ("an album that was probably a mistake [...] on a tack-hammer piano" steht im Essay), aber dass es nicht mal erwähnt wird, ist schon ein starkes Stück.
gypsy tail wind hat geschrieben: 06 Apr 2026, 17:24


Ruby Braff & Ellis Larkins – 2 Part Inventions In Jazz, Vols 1 & 2 / Two by Two: Ruby and Ellis Play Rodgers and Hart - Schlussrunde mit dem Vanguard Piano Mosaic. Grossartige, allerdings lange nicht angehörte Aufnahmen.

Ein Film zu Hart kommt ja demnächst – und scheint super zu sein.
gypsy tail wind hat geschrieben: 01 Mai 2026, 18:29

Und jetzt diese Schrott-Compilation mit Aufnahmen von Tommy Dorsey und seiner Band - auf CDs 1 und 2 geht es zweimal von 1935 bis 1945 bzw. bis 1947, CD setzt dann 1946 an und reicht dann bis 1950. Auf CD 4 gibt es Aufnahmen von 1954/55. Für wen, der nicht streamt und bei der Band echt nicht besonders viel haben muss, ist das wohl okay ... es gibt um 1937 herum da und dort etwas Bunny Berigan und (vermutlich) Bud Freeman, schlechte Vocals von Jack Leonard, okaye von Edythe Wright, schwer erträgliche von Connie Haines, und auch mal was von Frank Sinatra (die Aufnahmen hab ich dann in einer anständigen Ausgabe). Und es gibt hervorragende Drums von Dave Tough. Und natürliche die elegante Posaune des Leaders. In den frühen Vierzigern dann auch Buddy Rich, um 1946747 herum dann Alvin Stoller, Charlie Shavers und Buddy DeFranco. (Dass manche Sessions an zwei oder drei Stellen auftauchen ist allerdings schon idiotisch, und dass die Line-Ups teils unvollständig oder falsch abgedruckt sind, viele Sessions unvollständig ... wirkt alles eher zufällig und natürlich bei dem Label maxima lieblos.)
gypsy tail wind hat geschrieben: 19 Mai 2026, 08:22 Die Montgomery-Veröffentlichungen von Resonance müsste ich auch längst mal wieder anhören!



Bin bei Goodman ins Jahr 1934 gekommen. Irgendwann übernimmt dankenswerterweise Jack Teagarden die meisten Vocals für Männer und mit Helen Ward taucht auch die erste, ganz gute Sängerin auf ... Gene Krupa ist dann auch schon dabei - in der Box sind nur die frühen kleineren Besetzungen und danach die Aufnahmen mit der Big Band drin, die Trio/Quartett-Aufnahmen mit Krupa, Wilson und Hampton (und Tough) fehlen ebenso wie das spätere Sextett mit Christian - aber das kommt mir entgegen, denn die kleinen Besetzungen schätze ich nun wirklich sehr und habe davon seit Ewigkeiten die offiziellen Veröffentlichungen (und als Lückenfüller noch ein anderes Membran-Set mit 6 CDs, das die ganzen Trios/Quartette und hintenraus einiges von den Capitol-Sessions dupliziert, dazwischen aber die Aufnahmen mit Christian weglässt, aber ab 1941 bis zum Beginn bei Capitol einige Sachen enthält, die mir nur hier vorliegen).

Richtig gut ist die Band 1934 jedenfalls noch nicht. Rhythmisch ist alles noch ziemlich steif, die Arrangements sind noch sehr undifferenziert, da wird einfach gerifft, die halbe Zeit klingt es so, als würden die einfach alle dasselbe spielen und dabei ist das nicht mal interessant gesetzt. Das oben sind dann wohl die Vorlagen, von denen die Leute von Membran sich bedient haben-

gypsy tail wind hat geschrieben: 18 Mai 2026, 20:53

Bei mir die Tage mehr, was mit den Label-Fäden der letzten Tage zu tun hat ... neulich Frank Sinatra in frühen Jahren, Glenn Miller und auch die ersten Sachen von Benny Goodman, als er in Chicago Ende der Zwanziger erste Aufnahmen machte. Die billige 20-CD-Box (enorm Platzraubend, da jede CD in einem Standard-Jewelcase steckt) gab's mal für fast kein Geld - wo weiss ich nicht mehr, 9.90 bei Zweitausendeins oder sowas. Klanglich ist das sicher nicht schlechter als die Classics (vielleicht die Vorlagen?) ... und die Musik ist, wenn sie zum Jazz tendiert, schon ziemlich gut. Die Vocals sind halt, wie bei allen weissen Bands der Zeit, kein Pluspunkt, weil da irgendwelche Herren mit süssen Stimmen und gerne ungünstig eingesetztem Vibrato schlechte Texte singen - aber wie bei Berigan oder so gibt es auch hier genügend gute Soli drumherum - aber es gibt eben auch schon auf der ersten CD die erste Session aus New York (7. November 1930), wo das alles in den süsslichen Pop kippt mit Glenn Miller oder Tommy Dorsey an der Posaune. Aber schon irgendwie witzig, in "Linda" Harold Arlen als Sänger zu hören, auch wenn die Performance dadurch nicht besser wird. Generell: je kleiner und bekannter die Besetzung, desto besser die Musik. Und die allererste Session aus Chicago (23. Januar 1928 mit Jimmy McPartland-cor, Glenn Miller-tb, Vic Breidis-p, Dick Morgan-g, Harry Goodman-tuba und Bob Conselman-d/vib) ist schon ziemlich gut und sehr gradlinig. Danach tauchen Leute wie Wingy Manone, Charlie Teagarden, Bud Freeman, Joe Sullivan oder Ray Bauduc in den Line-Ups auf, Eddie Lang an der Gitarre ... aber die machten halt alle alles damals - und die vielen Vocals sind echt nicht der Hit. Ich bin jetzt im Frühjahr 1931 (zweite CD) und inzwischen sind auch Bunny Berigan und Gene Krupa dabei, was die Qualität der Solos und den Beat verbessert ... aber die Sänger (Dick Roberton, Smith Ballew) hätte es halt echt nicht gebraucht. Gegen Ende der CD taucht dann (November 1933) einmal auch Billie Holiday auf.
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von gypsy tail wind »

Wenn irgendwer sonstwas zum Reinkopieren hat, bitte macht das selbst - ich mag nicht den ganzen Hörfaden durchgucken, hab nur das rübergeholt, woran ich mich grad erinnern konnte.

Die Emmanual "Duke" Brooks Posts aus dem Hörfaden habe ich nicht zusammengesucht, die müsste man zusammen mit denen aus dem dem V-Disc-Faden anderswo kompilieren, aber das ist hier der Job von @thelonica oder @redbeansandrice. Dazu nur ein Link, auf den ich grad stosse - da hatte sich wer vor bald 10 Jahren auch schon mal die Arbeit gemacht, 1951 als Todesdatum rauszusuchen:
https://www.facebook.com/EricScottReed/posts/emanuel-wuxtra-duke-brooks-1921-1951not-to-be-confused-with-dudley-duke-brooks-f/1411584232266449/
Und das Unglück, das zum Tod führte, gehört dann vielleicht in diesen Kontext?
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von redbeansandrice »

wegen Brooks hab ich inzwischen einiges mehr und würd gerne einen separaten Thread für diese Recherchen starten, quasi die Fortsetzung des Chuck Thompson Threads... weiss aber noch nicht, wann ich die Zeit haben werd...



das ist einer Artikel zu dem Unglück, es passierte also in Fairview, Pennsylvania, bei Erie, am Ufer des Erie-Sees irgendwo in der Mitte zwischen Buffalo und Cleveland... weit weg von zu Hause (und der Flut), 20 Wagons eines Güterzuges sind entgleist und wohl teilweise umgefallen, darunter der mit Brooks. Einer der Artikel behauptet, Brooks habe laut seiner Familie in Erie, PA, in einer Band gespielt, er hatte einen Bruder in Cleveland, den wollte er vielleicht besuchen - oder er wolle einfach wieder in den Süden... es ist auf jeden Fall ganz schön weit nördlich... und auf den ersten Blick nicht auf einer logischen Route von zB New York nach St Louis... aber ich weiss auch nicht viel über solche Routen...
Zuletzt geändert von redbeansandrice am 21 Mai 2026, 13:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von Talking Head »

Danke für den Thread, gypsy. Macht Spaß hier mitzulesen!
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von kathisi »

redbeansandrice hat geschrieben: 21 Mai 2026, 09:19 wegen Brooks hab ich inzwischen einiges mehr und würd gerne einen separaten Thread würde diese Recherchen starten, quasi die Fortsetzung des Chuck Thompson Threads... weiss aber noch nicht, wann ich die Zeit haben werd...



das ist einer Artikel zu dem Unglück, es passierte also in Fairview, Pennsylvania, bei Erie, am Ufer des Erie-Sees irgendwo in der Mitte zwischen Buffalo und Cleveland... weit weg von zu Hause (und der Flut), 20 Wagons eines Güterzuges sind entgleist und wohl teilweise umgefallen, darunter der mit Brooks. Einer der Artikel behauptet, Brooks habe laut seiner Familie in Erie, PA, in einer Band gespielt, er hatte einen Bruder in Cleveland, den wollte er vielleicht besuchen - oder er wolle einfach wieder in den Süden... es ist auf jeden Fall ganz schön weit nördlich... und auf den ersten Blick nicht auf einer logischen Route von zB New York nach St Louis... aber ich weiss auch nicht viel über solche Routen...
Ich denke mal, jeder Weg in den Westen und Süden mit der Eisenbahn führte damals über Chicago.
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von kathisi »

Danke für den Thread - sehr interessante Lektüre, auch wenn ich die Musik selbst nicht so schätze.
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von kathisi »

gypsy tail wind hat geschrieben: 21 Mai 2026, 07:54

Ich mache dann mal einen Sammelthread - @Friedrich hat schon recht :-)



Ein weites Feld ... falls weitere Fäden dazu kommen, werde ich sie hier einpflegen.
Gypsy, hast Du eigentlich schonmal darüber nachgedacht, aus Deinem riesigen tollen Archiv von Beiträgen hier und im RS Forum ein Buch über Jazz zu stricken? Oder auch mehrere - Material genug ist da!

Ich hätte ja Angst, dass das alles irgendwann verloren geht.
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von gypsy tail wind »

Schön, dass hier Interesse besteht!

Unbedingt ein eigener Faden zu Brooks @redbeansandrice - und auch gerne einfach einen zu Brooks und wenn es anderswo weitergeht neue Fäden (am Thompson-Faden fand ich etwas schwierig, dass er sich in mehrere Richtungen aufspaltete - klar, um Hawes ging es im nur soweit es Thompson betraf, aber wo Bradford da rein kam und welche Posts jetzt an welche Recherche anknüpften, war nicht mehr immer nachvollziehbar, wenn man nicht ständig alles verfolgte und ein supergutes Gedächtnis für solche Dinge hatte).

@kathisi - ich glaub nicht, weil die Form hier ja erlaubt, wild zu plündern und zu paraphrasieren, mal mit und mal ohne Quellenangaben - und das auch auf ungeprüft auf Basis von Sekundärquellen und in Form von Halbwissen, Eindrücken und dem einen oder anderen quasi essayistischen Gedanken. Das würde meinen eigenen Ansprüchen an eine halbwegs seriöse Publikation niemals genügen bzw. müsste komplett anders angegangen werden, was dann wiederum viel Arbeit bedeuten würde.
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von kathisi »

gypsy tail wind hat geschrieben: 21 Mai 2026, 11:37 Schön, dass hier Interesse besteht!

@kathisi - ich glaub nicht, weil die Form hier ja erlaubt, wild zu plündern und zu paraphrasieren, mal mit und mal ohne Quellenangaben - und das auch auf ungeprüft auf Basis von Sekundärquellen und in Form von Halbwissen, Eindrücken und dem einen oder anderen quasi essayistischen Gedanken. Das würde meinen eigenen Ansprüchen an eine halbwegs seriöse Publikation niemals genügen bzw. müsste komplett anders angegangen werden, was dann wiederum viel Arbeit bedeuten würde.
Sehr Schade - es wäre es wert!!!!
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