V-Disc Sessions

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gypsy tail wind
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V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



Ein Faden für die Mosaic-Boxen mit V-Disc-Aufnahmen und auch gerne zu weiteren Veröffentlichungen von V-Discs.

Zur Vorgeschichte: Zwischen Oktober 1943 und Mai 1949 wurden tausende V-Discs hergestellt und vertrieben. Sie wurden im 12" 78 rpm Format hergestellt und auf ganz dünnen Plastik gepresst - biegbar, sozusagen unzerbrechlich und mit über fünf Minuten Platz pro Seite. An sich hätten die Platten nach dem Krieg vernichtet werden müssen, aber sie überlebten in Sammlungen und in Estrichen von Veteranen. Das V-Disc-Programm ist einer der seltenen Fälle, in denen Firmen und Individuen ohne auf Profit aus zu sein zusammenspannten. Ein Lieutenant (Robert Vincent), der einst mit Thomas Edison gearbeitet hatte, rief Major Howard Bronson an (ehemaliger Bandleiter von John Philip Sousa und inzwischen Vorsteher der Music Section der Army) mit der Bitte, dass den Soldaten mehr Musik zugeschickt werden konnte, vielleicht auch solche, die speziell für die Soldaten hergestellt wurde. Ein anderer Major (Howard Haycraft) fand im Pentagon eine Million herumliegen und so ging das Projekt los. Vincent heuerte Steve Sholes an, der für RCA als A&R-Mann u.a. Sessions von Sidney Bechet und Jelly Roll Morton betreut hatte. Tony Janak (Columbia), Morty Palitz (Decca, Columbia) und Walt Heebner (RCA) stiessen dazu. Sie produzierten und betreuten die Sessions, überwachten die Produktion und kontrollierten die Qualität - vom ersten Moment im Studio bis zum fertigen Produkt. Und während 15 Monaten war auch George T. Simon dabei, schon berühmt als Schreiberling für Metronome. Er stellte Musiker zusammen und produzierte diverse Sessions. Später erinnerte er sich, wie Vincent ihm gesagt habe: "Just go ahead and record whomever you want, just as long as they'll do it for free" (Zitat und überhaupt Infos aus dem Booklet der Small Group-Sessions-Box).

Dass es "for free" sein musste, hatte einen Grund. Der trägt den Namen James Caesar Petrillo, Boss der mächtigen American Federation of Musicians, der in seinem Büro in Chicago hinter schusssicherem Glas sass, weil er so diktatorisch - und stets auf den eigenen Vorteil bedacht - agierte. Am 31. Juli 1942 hatte er einen Streik ausgerufen, der sich auf alle instrumentalen Aufnahmen bezog. Sänger*innen konnten weiterhin aufnehmen, aber in der Regel nur mit Gesangsbegleitung (oder mit den seltenen Musikern, die nicht Mitglied der Gewerkschaft waren und dem Streik nicht verpflichtet). Ziel des Streiks war, dass Royalties in den Recording and Transcription Fund einbezahlt werden mussten, den Petrillo, nicht etwa die Musiker, aufgesetzt hatte. Vincent fragte bei Petrillo und der gab grünes Licht, dass die Musiker für die Armee ohne Bezahlung aufnehmen durften - vorausgesetzt, nach dem Krieg würden alle Platten zerstört (im Booklet der Mosaic-Box gibt es in Foto, auf dem mit einem grossen Hammer Master vernichtet werden). Weil die Musiker darunter litten, seit einiger Zeit keine Platten mehr machen, ihre aktuelle Musik nicht anhören zu können, waren sehr viele bereit, für V-Disc aufzunehmen. Unr in wenigen Fällen kassierte Simon Absagen - etwa von Harry Carney und Lawrence Bron, die ihm sagten, "if you are asking us to do it for the Army, forget it - not when you consider the way they have been treating our people".

Sie kamen wurden auf ganz dünnes, biegbares Vinyl gepresst ("Vinylite"), das in wasserdichten Kisten mit jeweils 100 Nadeln drin verschickt, es wurden extra V-Disc-Plattenspieler hergestellt, und bis zur Einstellung des Programms 1946 wurden wohl um die 8 Millionen Platten verschickt
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »

Statt im Hörfaden hier:

Ich hänge immer noch fiebrig daheim herum und trinke Tee und allmählich obsiegt die Langeweile - den Roman über Hazel Scott hab ich durch (es gibt noch einen groben Schnitzer, wenn vor einer Aufzeichnung einer ihrer TV-Shows, "ihr Trompeter Max Roach ... mit Drumsticks auf dem Besprechungstisch rumtrommelt" ... dass wer ohne tiefere Kenntnis Mingus halt auch 2025 noch "Charlie" nennt, muss man wohl hinnehmen bzw. vielleicht war's für die Zeit auch sogar noch korrekt, ich weiss nicht, ab wann genau er den Diminutiv ablehnte ... sehr unschweizerisch, das). Also hör ich jetzt mal von vorn das Classic V-Disc Small Group Jazz Sessions 11-CD-Set von Mosaic, das zwar schon eine Weile hier ist, aus dem ich aber erst ganz weniges angehört habe. Die Musik ist nach Stil bzw. Formationsgrösse gruppiert, los geht es mit Dixieland-Sessions, verteilt auf die ersten beiden CDs.



Die erste Session gehört keinem geringeren als Bunk Johnson, dem grossen Star des Dixieland-Revivals, der im Januar 1946 zwei Stücke für V-Disc aufnahm - mit dabei Jim Robinson, George Lewis, Alton Purnell, Lawrence Marrero, Alcide "Slow Drag" Pavageau und Red Jones. Die Band wurde live im Stuyvesant Casino in New York aufgenommen, was wohl seine Tücken hatte, denn die Session besteht zum grössten Teil aus rejects - die Menge im grossen Saal war schlicht zu lärmig. Der Leader ist lässig hinter dem Beat in King Olivers "Snag It" und glänzt mit seinem tollen Ton. Ansonsten ist das einfach eine sehr lebendige Dixie-Session, besser als viele aus der Zeit ... und dass die Stücke 5-6 Minuten dauern durften, weil die V-Discs ja auf 12" 78rpms gepresst wurden, ist ein Glück.

Session zwei gehört der Original Dixieland Jazz Band, die Ende Dezember 1943 schon zum wiederholten Mal wiederbelebt wurde. Vom Original-Line-Up waren diesmal Eddie Edwards (tb), Frank Signorelli (p) und Tony Spargo (d) dabei, den Lead übernimmt erwartungsgemäss gekonnt Bobby Hackett (cor), dazu kommt noch Brad Gowans, ein Alleskönner zwischen Kornett, Valide (einer Posaune zwischen Ventil- und Zugposaune, die er herstellen liess) und Klarinette, der hier letztere spielt. Das ist super, weil es viel lockerer wirkt als so manche Dixieland-Session - auch als die Originalaufnahmen der ODJB. Gerade Edwards spielt recht freie Verzierungen und schlittert herum, dass es eine Freude ist, während Hackett und Gowans dafür besorgt sind, dass das immer höchst musikalisch bleibt.

Session drei gehört dann dem zweitgrössten aller Musiker aus New Orleans, Sidney Bechet. Da wird's wieder formalistischer, mit Vic Dickenson (an dem liegt das nicht), Don Donaldson, Ernest Meyers und Wilbert Kirk. Auch Bechet wurde im Dezember 1943 aufgenommen und spielt ein paar alte Evergreens (daran liegt es schon eher): "After You've Gone", einen "V-Disc Blues", in den u.a. der "Bugle Call Rag" eingearbeitet ist, und hinter "Bechet Parades the Blues" verbirgt sich der "St. Louis Blues". Dazu kommt ein "Medley of Parodies" mit Gesang vom Bassisten Meyers: aus "Tangerine" wird "Gasoline", "Nagasaki" hat natürlich immer einen Beigeschmack, erst recht im Kontext von "music for morale" im zweiten Weltkrieg ...



Die letzte Session auf der ersten CD ist eine V-Disc All Star Jam Session featuring Jack Teagarden and Louis Armstrong - die erste im Mosaic-Set, die von George T. Simon produziert wurde. Dezember 1944 jetzt - und Mr. Louis war gar nicht eingeplant, der guckte nach dem Auftritt mit seiner Big Band einfach im Studio vorbei ... Hackett ist wieder dabei, dazu Billy Butterfield, Lou McGarity, Ernie Caceres (cl), Nick Caiazza (ts), Johnny Guarnieri, Herb Ellis, Al Hall, Cozy Cole im öffnenden "Jack Armstrong Blues" (eigentlich "Play Me the Blues") - und das Line-Up verrät, dass wir hier schon mit einem Bein im Swing stehen. Teagarden und McGarity singen und spielen im Dialog, bevor dann Armstrong unverkennbar an der Trompete abhebt. Auch hier: dass sie fünf Minuten Zeit haben, ist ein Glück! Auf den weiteren Stücken der Session sind Hot Lips Page, Red McKenzie, Teagarden und am Schluss nochmal Armstrong ("I'm Confessin' That I Love You" mit Gesang) die Stars, es gibt in der Band ein paar Verschiebungen: Bill Clifton, Sid Weiss/Felix Giobbe, Specs Powell sind als Ersatz für Guarnieri, Hall und Cole auch mit dabei. Armstrong und Page spielen nur oder fast nur auf ihren jeweiligen Stücken, die anderen Bläser sind wohl immer alle dabei - und sie kriegen alle ihre Spots. Die Leader singen stets, nur von Teagardens zwei Stücken ist "If I Could Be with You" ein reines Instrumental. Hot Lips Page kann leider echt nicht gut singen, aber sonst sind hier wirklich alle auf der Höhe ihres Könnens und die Aufnahme klingt auch super, wovon nicht zuletzt die Drummer sehr profitieren, z.B. Specs Powell im grandiosen Trommel-Intro zu "Sheik of Araby", in dem Page an der Trompete fantastisch ist (bevor er dann wieder singt). Eine wunderbare Session, die allein V-Disc schon als wichtige Institution etabliert hätte, wie Michael Steinman in den Liner Notes zu Recht schreibt.

Die alternate Takes - hier einer von der ODJB und je einer der beiden Armstrong-Stücke von der All-Star-Session - sind am Ende der CDs gruppiert. Gute Idee, wenn man die CDs als ganze hört ... und daraus scheint Mosaic es tatsächlich angelegt zu haben mit der Art und Weise, wie die Musik gruppiert wurde. Funktioniert für die erste CD denn auch sehr gut.
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



Die zweite Small-Group-CD öffnet mit zwei Sessions vom Oktober 1944 von Muggsy Spanier, einem Trompeter, der auch semi-professioneller Boxer und sein limitiertes Repertoire an Phrasen mit einem ähnlichen Punch spielt, wie er anscheinend im Ring agierte. Etwas vorhersehbar, aber nicht ohne Charme. Lou McGarity, Pee Wee Russell, Boomie Richman, Jess Stacy, Hy White, Bob Haggart und George Wettling sind bei der ersten Session dabei und die Sidemen sorgen dafür, dass keine Langweile aufkommt. Russell ist eh immer hörenswert. McGarity leider ein ziemlich vergessener Musiker, der aber echt gut war. Und Richman speilt ein schlankes, an Lester Young erinnerndes Sax (nicht so toll wie Caiazza bei den All-Stars, aber passt schon sehr gut) und die Rhythmusgruppe mit Ex-Hermanite Hy White an der Gitarre und den treibenden Drums von Wettling ist auch toll. In "Pee Wee Speaks" ist Russell auch als Sänger zu hören - und Spanier ist im langsamen Tempo plötzlich richtig charmant. Im letzten Stück, "Pat's Blues", erweist Bob Haggart sich als guter whistler, White kriegt ein paar Takte - und Russell steuert ein solistisches Highlight bei, das fast absurd anfängt und dann über den Blues-Akkorden von Stacy die Kurve kriegt.

Bei der zweiten Session fünf Tage später übernehmen Peanuts Hucko, Bud Freeman, Dave Bowman und Trigger Alpert an Klarinette, Tenorsax, Piano und Bass. Spanier, McGarity, White und Wettling sind wieder dabei. Adas Material ist eher noch klassischer als bei der ersten Session (wo's neben den zwei genannten Originals noch "That's a Plenty", "Squeeze Me" und "Jazz Me Blues" gibt): "Tin Roof Blues" (plus ein alternate Take), "Cherry" (Don Redman), "Royal Garden Blues", "You Took Advantage of Me" (Hucko ist hier gut - plus zwei alternate Takes) und als Highlight - nicht zuletzt dank Wettling - und Closer "China Boy". Freeman verfügt über eine sehr viel breitere Palette als Richman, Bowman füllt vielleicht etwas zu sehr - mit den Dixie-Arrangements der Bläser gibt's manchmal etwas Dichtestress.

Bild

Die letzte Session der zweiten CD stammt von Wild Bill Davison, der im März 1944 im Columbia-Studio aufgenommen wurde, mit George Lugg, Pee Wee Russell, George Bushkin, Eddie Condon, Pops Foster und Kansas Fields sowie Edmond Hall (nicht auf "Honeysuckle Rose") und James P. Johnson sowie Jimmy Rushing (nur auf "The Blues"). Auch Davison ist ein etwas eindimensionaler Musiker, der hier zudem nicht den besten Tag hatte - damals erschien kein Stück von der Session, die Master Takes erst später als A-Seite auf einer LP (Aircheck 31, Bild oben). Es gibt hier auch ein paar Unsicherheitsfaktoren: anscheinend ist war bei der Session auch eine Filmcrew zugegen, die vielleicht ablenkend wirkte. Und Steinman meint zumindest im Waller-Stück James P. Johnson am Piano zu hören. Ein Teil der Leute hier spielte am Vorabend mit Condon in der Town Hall - vielleicht wurde die Session auch einfach etwas zu früh angesetzt, bevor die Musiker sich erholen konnten. "Honeysuckle Rose" ist in zwei Takes erhalten, Soundcheck und dann ein Master. Die Band klingt recht entspannt. In "Ain't Gonna Give Nobody None of My Jelly Roll" (auch zwei Takes) ist Hall der Star. Das grosse Highlight hier ist der neunminütige "The Blues". Bushkin sitzt zunächst am Piano, doch später hören wir - neben all den Condon-Leuten und Rushing (mit Hall in der Begleitung) - auch ein langes Piano-Solo von James P. Johnson.
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



Bob Crosby ist dann ein Name, den ich noch kaum auf dem Schirm hatte - und das ist nach der ersten Session auf CD 3 auch nichts, was ich ändern müsste. Der jüngere Bruder von Bing singt auch, aber leider ziemlich platt und mit wenig gefühltem Engagement - und leitet seine gute Band, die Bob-Cats, ein Dixieland-Oktett, das hier als "V-Disc Bob-Cats" auftritt und auch noch die Sängerin Martha Tilton mitbringt (die im Opener, dem Stück auf der Platte oben, den Gesang des Leaders einigermassen ausbügeln kann - leider nur hier, sonst ist er allein). Yank Lawson, Ward Silloway, Hank D'Amico, Boomie Richman, Dave Bowman, Herb Ellis, Bob Haggart und George Wettling sind dabei Anfang April 1945 (Simon produziert), eine tighte Band mit gutem Swing (Wettling!) und auch dem einen oder anderen starken Solo - vor allem von Lawson.



Hot Lips Page singt "Uncle Sam is no woman" im Opener der Eddie Condon Session, die folgt. März 1944 mit Sterling Bose, Miff Mole, Pee Wee Russell, George Schroeder, Condon, Bob Casey und Joe Grauso. Weil die Platten ja lang sind, passt schon mal zwei Stücke auf eine Seite, wenn sie etwas kürzer als im üblichen 10" 78 rpm-Format gehalten werden (der "Tin Roof Blues" dauert 2:10, "Ballin' the Jack" 2:40). Das klingt erneut alles etwas müde (und Page kann nicht gut singen, auch wenn Condon da offensichtlich anderer Meinung war) ... und warum neben der halbstündigen AFRS-Platten von Condon für die Soldaten auch noch V-Discs gemacht werden mussten, ist auch nicht klar. Irgendwer (der Produzent der Session ist unbekannt) hielt das wohl einfach für eine gute Idee. Am besten, lebendigsten, klingt die Band im Closer "Ballin' the Jack". Grauso treibt sie mit einem eigenwilligen Beat an, Mole und Russell spielen ordentliche Soli (nachdem Page - vermute ich, kenne Bose nicht - durch ist, der nicht besonders mitreissend ist).



Manche Plattenseiten wurden auch von zwei Bands geteilt - hier ein Stück von Gene Krupa mit Anita O'Day und eins von der feinen, von Simon produzierten Session mit Bud Freeman vom Oktober 1945 mit Lawson, Bill Mustard, Peanuts Hucko, Buddy Weed, Carmen Mastren, Trigger Alpert und Ray McKinley. "The Latest Thing in Hot Jazz" (lief unter Eight Squares and a Critic) und "For Musicians Only" (Bud Freeman and the V-Disc Jumpers) kommen mit einer albernen, in britischem Englisch erzählten Story von Freeman. Im zweiten stellt er die Musiker mit Fantasienamen ("Apple Sweet", "Alfred Tweetsyou", "Richard Scotchandsoda" oder so ähnlich) vor und die spielen dann einen satirischen Takt "ultramodernen" Jazz (Alpert spielt "Salt Peanuts", nachdem davor McKinley als "Johnny Peanutbutter" vorgestellt wurde) - doch im zweiten Teil geht es dann zum Glück zur Sache. Nach den zwei albernen Stücken gibt es mit "Love Is Just Around the Corner" (The V-Disc Jumpers) und "Coquette" (Bud Freeman and His Boys) noch zwei normale Stücke und die sind super. Lawson im Lead ist toll, Weed steuert interessante Piano-Passagen bei (das kurze Solo in "For Musicians Only" ist irre), McKinley ist ein weiterer toller Drummer, den man hier hören kann - und der Leader ist natürlich auf der Höhe, ganz besonders in "Coquette".



Mache V-Discs gab es in mehreren Versionen - hier die Army, die Navy und die Marine-Version "Good Night Sweetheart" von Connee Boswell, aufgenommen im Juli 1945 mit Allen Hanlon an der Gitarre. Ein bewegendes Miniatur-Meisterwerk in knapp zwei Minuten. In "Shine On Harvest Moon" (ich hab das Stück erstmals auf "Coleman Hawkins Encounters Ben Webster" gehört, es wurde von zwei Vaudevillians komponiert, eins davon eine Frau Jack Norwoth und Nora Bayes) geht wieder im Duo los, aber dann steigt die ganze, exzellente Band ein: Lawson, Vernon Brown, D'Amico, Richman, Arnold Ross, Felix Giobbe und George Wettling. Die Hommage an die Heimatstadt, "Way Down Yonder in New Orleans" kommt inklusive "verse" (mit Boswell selbst am Piano) daher, und langsam steigert die Band die Intensität - Richman spielt ein feines Solo, das sich nahtlos aus dem Ensemble herausschält. Der Closer, "Bell Bottom Trousers", ist dann eine Variante der Folk-Ballade "Rosemary Lane", in der ein Matrose eine Hausangestellte verführt. Hier stossen die drei von Boswell gecoachten Paulette Sisters dazu. Boswell hat jedenfalls - keine Neuigkeit, ich weiss - eine echt tolle Stimme.



Joe Bushkin nahm im Juli 1948 je ein Stück im Quartett, eins mit grösserer Band und eins als Begleiter der Sängerin Liza Morrow auf - mitten im zweiten, praktisch das ganze Jahr 1948 andauernden, von James C. Petrillo initiierten "recording ban". Morrow hatte eine kurze aber erfolgreiche Karriere. In den Jahren 1944-48 trat sie mit Eddie Condon oder Benny Goodman auf, ist auch in einem Soundie mit George Paxton dabei. 1956 hatte sie als Kit Carson einen Hit mit "Band of Gold". Hier singt sie "I May Be Wrong" - und direkt nach der Boswell-Session hört man, dass einige Zeit vergangen ist. Die Band - Roy Eldridge, Fred Ohms, Peanuts Hucko, vermutlich Bill Vitale (steht überall, aber ein Tenorsax ist nicht zu hören), Buskin, Jack Lesberg, Morey Feld - rifft und klingt anders. Nach Lektüre des Line-Ups ist auch klar, wer neben Bushkin noch zu hören ist: natürlich der Trompeter mit dem bissigen Sound. Im Oktett-Stück "The Song Is Ended" übernimmt Buck Clayton an der Trompete und Ernie Caceres stösst am Barisax dazu (sein Name wiederum fehlt überall) - ein entspannter Jam mit Soli von allen, wofür in fünf Minuten auch Zeit ist (Steinman schreibt vom "trombonist Mustard, otherwise hidden in the brass sections of Charlie Spivak and Vaughn Monroe's bands - Bill ist der zugehörige Vorname, woher die Idee kommt, weiss ich nicht, Steinman kommentiert das nicht weiter und nennt auch nie den ganzen Namen). Den Abschluss macht dann "Sweet Georgia Brown" im Quartett mit Peanuts Hucko an der Klarinette - eine tolle Performance, in der Bushkin überraschend extrovertiert daherkommt und man Morey Felds tolles Spiel schön studieren kann.



CD 3 endet mit einer Session des Drummers Johnny Blowers, Aufgenommen Ende August 1947 mit Chris Griffin, Herb Winfield, Bill Stegmeyer (cl/as), Peanuts Hucko (ts), Dave Bowman, Guy Smith (elg) und Sid Weiss. Blowers schreibt in seiner Autobiographie, wie er nach zahlreichen V-Disc-Sessions (mit Sinatra, Herman, Yank Lawson usw.) gerne eine als Leader gemacht hätte. Er hatte sich bei einer Red Norvo-Session 1943 mit dem Produzenten Tony Janak angefreundet und dieser lud ihn tatsächlich vier Jahre später ein, eine eigene Session zu leiten. "Club Blowers Shuffle" ist in Wahrheit eine Hommage und bietet die Gelegenheit, die guten, aber wenig bekannten Leute der Band zu hören: den Posaunisten Winfield, der 1922 erstmals aufgenommen, u.a. mit Paul Whiteman gespielt hat, bis 1930 aktiv war und dann in den Jahren 1946-49 nochmal auftauchte, und den E-Gitarristen Guy Smith, der ebenfalls bis 1942 recht regelmässig aufgenommen hat. Die anderen Musiker sind bekannter, die meisten von vor allem als Studio-Musiker. Im zweiten Stück, der "Cowbell Serenade", ist es ein Genuss, den gut aufgenommenen Drums von Blowers - natürlich mit prominenter cowbell - zu lauschen, aber auch dem soliden Swing der ganzen Band, die die Riffs auf uns niederprasseln lässt. Stegmeyer (cl, im ersten Stück kriegt man ihn am as) und Hucko steuern vor dem abschliessenden Schlagzeug-Solo auch gute Passagen bei.
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



CD 4 öffnet mit drei Sessions von Peanuts Hucko von April, Mai und Juni 1947, wieder zurück an der Klarinette, seinem Hauptinstrument - und es gibt da gleich noch eine Version von "Sweet Georgia Brown" zum Einstieg, die damals aber nicht erschien. Gut möglich, weil Hucko ja schon auf der Version mit dem Joe Bushkin Quartet der Solist war. Beim zweiten Stück, "Blintzes Bagel Boogie", dient "Now's the Time" als Basis. Wir lassen den Dixieland allmählich hinter uns, es gibt raffinierte Arrangements und eine tolle Band, die auch ihre Soli kriegt: Bobby Hackett, Fred Ohms, Cliff Strickland (ts), Charlie Queener, Jack Lesberg, Morey Feld - und nur auf verschollenen Outtakes auch hier schon dabei die Sängerin Liza Morrow (sie sang "The Man I Love" und "My Melancholy Baby"). Strickland ist der nächste unbekannte Musiker hier, der ganz gute Soli spielt, was auch für Fred Ohms an der Posaune erneut gilt.

Von der zweiten Session überlebte leider sogar nur ein einziges Stück, "Stealin' Apples" - doch das hat es in sich! Dave Tough übernimmt am Schlagzeug, Huckos Klarinette ist das einzige Blasinstrument, Lou Stein, Mundell Lowe und Lesberg bilden mit Tough die Rhythmusgruppe. Das Stück erschien in den Siebzigern auf einer LP der IAJRC. Und das ist dann wirklich kein Dixieland mehr. Vom Stück gibt es bekanntlich eine berühmte Goodman-Aufnahme (mit Fats Navarro) - aber diese hier kann auch mithalten. Lowe und Stein spielen ziemlich moderne Soli, Lesberg gelingt es, einen Walking-Bass zu spielen, der nicht völlig antiquiert wirkt - durch Vereinfachung und wiederholte Töne. Leider klingt die Aufnahme, die von der LP überspielt wurde, nicht halb so gut wie der Grossteil der Box, die wo immer möglich direkt von V-Discs überspielt wurde (inkl. Testpressungen und was immer halt als beste Quelle aufzutreiben war).

Bei der dritten Session ist die Band nochmal dieselbe, es gibt jetzt vier Stücke, ein Thema mit "Peanuts" (aber doch nicht die gesalzenen, das wäre für die Leute wohl doch etwas zuviel gewesen) liegt in der Lust mit "Peanut Butter" und "Stolen Peanuts", was nochmal "Stealin' Apples" ist (ich nehme an, die vielen "thinly veiled" Anleihen hatten was mit Royalties zu tun, leider wird das in den Liner Notes nicht kommentiert). Dazu gibt es "Someday Sweetheart" und "I Must Have That Man" - und es gibt wieder besseren Sound, wovon Tough und Lowe am meisten profitieren. Eigentlich ist das, 1947, bereits zeitloser Mainstream-Jazz, wie man ihn sonst eher erst so ab 1954 kriegen kann. Und das ist die Musik, die jemand wie Hucko machen wollte, wenn er - vermutlich - den Rücken frei hatte und machen konnte, was er wollte (Tony Janak, der Columbia-Mann, hat die erste und dritte Session produziert, bei der zweiten weiss man's nicht). Echt schön, jedenfalls!



Die zweite Hälfte von CD 4 gehört zu den Passagen aus der Box, die ich schon mal angehört hatte. Sie gehört je einer längeren Session von Jo Stafford und Mildred Bailey sowie den ersten Aufnahmen von Martha Tilton. Stafford ist immer eine Freude zu hören, eine hervorragende Sängerin, die leider relativ selten mit Jazz-Bands ins Studio ging (in der Regel war ihr Ehemann Paul Weston als Arrangeur und Bandleader für die Musik zuständig). Im April 1945 nahm sie unter Simon ind en RCA Studios eine Session mit einer Ban auf, deren Mitglieder wir bis auf einen inzwischen kennen: Billy Butterfield, Lou McGarity, Hank D'Amico, Boomie Richman, Billy Rowland (das neue Gesicht am Piano), Hy White, Jack Lesberg und George Wettling. "Blue Moon" ist gleich zum Einstieg ein Höhepunkt - die gehaltenen Töne von Stafford, die Growl-Kommentare von Butterfield mit dem Plunger, Richman mit einem perfekten kurzen Statement. In ihrer kurzen gesprochenen Einführung weist Stafford zu Recht darauf hin, bei McGarity genau hinzuhören, was zum Glück D'Amico nicht aus dem Konzept bringt, der nach seinem Solo an der Reihe ist. Die viereinhalb Minuten ermöglichen hier eine Art Performance, wie sie Billie Holiday knapp zehn Jahre später regelmässig für Verve machte - mit noch besseren bzw. wenigstens prominenter besetzten Bands, die ebenfalls Raum kriegen und ganze zu einem echten Ohrenschmaus für Jazzliebhaber*innen macht. "Down That Lonesome Road" ist das zweite Stück - nach der Rubato-Passage mit Piano geht es hier mit Rubato und Gitarre los - Rowland und White machen das beide hervorragend. Im gesprochenen Intro hebt Stafford Butterfield hervor, der ein langes Solo am offenen Horn spielt und die leicht gedämpfte Stimmung des Arrangements und des Gesangs perfekt aufnimmt - ganz wie es danach Rowland in seinem Intermezzo tut, während dem der Bläser-Satz pausiert ... was man erst fast nicht bemerkt, weil er so perfekt ans Trompetensolo ansetzt. Für die nächsten drei Stücke gibt es keine gesprochenen Intros - die Session war mit sechs 4-5minütigen Stücken sehr produktiv. "Bakery Blues" ist natürlich ein Stück mit double entendre Lyrics ("my bakery ist the best one anywhere") - nichts, was man Stafford wirklich abnimmt, aber ihr Gesang ist auch hier erstklassig. Butterfield, Richman und besonders McGarity glänzen. In "Baby, Won't You Please Come Home" ist dann Butterfield wieder der Co-Star (mit Wettling hinter sich), während Stafford mit einer beeindruckenden Leichtigkeit über dem Beat schwebt. "Am I Blue" öffnet wieder mit Rubato und Gitarre zum Gesang, Richman und Rowland sind hier besonders gut - und ein unerwarteter Tempo- und Tonartwechsel markieren, dass das hier "hot music" ist, nicht etwa "sweet". Wettling wird dann im Intro für den Closer "I'm Coming Virginia" herausgestrichen. Wieder Rubato-Intro mit Piano, und dann ein recht zügiges Tempo mit der tollen Band, deren Musiker sich hier nach Stafford jeweils zu zweit einen Chorus teilen. Ein grosses Highlight und eine echte Entdeckung, diese Session - das könnte statt eine knappe halbe Stunde auch drei- oder viermal so lang weitergehen!



Mildred Bailey wurde im November 1943 nur mit Teddy Wilson am Klavier aufgenommen. Vier Stücke entstanden, alle mit kurzen gesprochenen Ansagen von Bailey. Und los geht es natürlich mit ihrem Hit "Rockin' Chair". Die Sängerin und der Pianist waren befreundet und arbeiteten zwischen 1935 und 1949 regelmässig zusammen - doch vermutlich nur dieses eine Mal im Duo (produziert hat Steve Sholes, der RCA-Mann im Produzenten-Kollektiv). Das Format ist einfach: Bailey singt einen Chorus, Wilson spielt einen, Bailey kehrt nochmal für einen halben zurück. In "Sunday, Monday or Always" gibt es noch ein tolles Piano-Intro und eine schöne gemeinsame Coda dazu. Die Novelty-Nummer "Crap Your Fat" scheint von Johnny Burke zu stammen. Im tollen Closer "More Than You Know" kriegt Wilson dann nur das Intro, danach singt Bailey ihre eineinhalb Chorusse. Auch das eine wunderbare Session - aber von einer Sängerin, die ich dank ihres eigenen Mosaic-Sets schon vor Jahren als eine grossartige Künstlerin kennengelernt habe (und die dankbarerweise vor allem Jazz aufgenommen hat). (Diese Session hatte ich dann auch schon auf der Classics-CD "1943-1945" von Bailey ... bei der Staffford-Session habe ich drei der sechs Tracks in einer JSP-Box ... aber mir hilft hier der Kontext und der gute Sound bei Mosaic echt, um das alles wirklich wertzuschätzen ... so gut manches bei JSP auch klingt, Design und Layout sind derart fürchterlich, da kann ich schwer ganz davon abstrahieren.)



Die nächsten drei Sessions gehören der Sängerin Martha Tilton sowie dem Sänger Jack Leonard. Im ersten Stück, der ersten Session (Oktober 1945) Hoagy Carmichaels "Two Sleepy People", singen die beiden zunächst ganz charmant im Duett, doch er Gesangspart vom Posaunisten Trummy Young ist dann das Highlight (im Vergleich wirkt Leonard schnell ziemlich flach) nebst kurzen Soli von Nick Caiazza und Bill Stegmeyer (cl). Young kriegt hier allerdings Lyrics, die der vielfach begabte George T. Simon, der hier produzierte, extra für ihn verfasste - und er kriegt Back-Up von Roy Eldridges gedämpfter Trompete. In "Thanks for the Memory" klingt Leonard gerade zu zögerlich - und nach ihm überraschenderweise auch Eldridge. Beide kriegen die Kurve, aber eine gute Aufnahme ist das nun wirklich nicht, auch wenn Billy Rowland ein ganz gutes Piano-Solo spielt und Trummy Young danach seine Posaune singen lässt. Erst danach ist Tilton auch nochmal zu hören - und die ist in einer ganz anderen Klasse als Leonard, den man besser heimgeschickt und seine Parts Trummy Young gegeben hätte. Neben den schon genannten sind noch Allen Hanlon, Trigger Alpert und Specs Powell dabei. Die Arrangements hat möglicherweise Dave Mann übernommen. Die CDs sind hier so satt gefüllt (eher selten bei Mosaic), dass das instrumentale Stück der Session, das unter "Bill Stegmeier and His Hot Eight" lief, "Tea for Two", die fünfte CD der Box öffnet. Hier explodiert Eldridge förmlich mit dem ersten Solo, bevor Trummy Young übernimmt, der bald "Fit as a Fiddle" zitiert. Rowland klingt ein wenig wie Guarnieri - was durchaus ein Kompliment ist. Stegmeier ist dann an der Klarinette fast zart, trotz des schnellen Tempos - ein schöner Kontrast zum fast ruppig einsteigenden Caiazza, auf den Alperts am Bass folgt, bevor Eldridge, Young und Powell ihre überschüssige Energie im stompenden Outro loswerden können. Auch hier profitieren alle vom zusätzlichen Platz, den das Format bietet, exakt fünf Minuten dauert das Stück.



Die zweite Session von Martha Tilton - zum Glück ohne singenden Sidekick - ist vom Mai 1945, also von Mosaic wohl aus Zeitgrunden verkehrt herum programmiert. Hier hat Sy Oliver die guten Arrangements geschrieben und die Band ist auch wieder grosssteils bekannt, mit einem neuen Gesicht: Billy Butterfield, Vernon Brown, Joe Dixon (cl - der Neue), Nick Caiazza, Billy Rowland, Hy White, Felix Giobbe, George Wettling. "Beyond the Blue Horizon" ist eher ein Pop- als ein Jazz-Song, aber dank Olivers Arrangement und den Beiträgen vor allem von Butterfield und Vernon Brown verbleibt das nicht der Lethargie der Gesangs-Chorusse (Jo Stafford hätte auch diese erstklassig geschafft, Tilton macht ihre Sache nicht schlecht, aber das ist bei so einem Song, der fast nur aus Haltetönen besteht, auch sauschwer). Brown spielt dann ein schönes Intro für "Out of Nowhere" und begleitet danach Tilton mit Dämpfer. Die Sängerin klingt hier ziemlich gut - und noch besser klingt Caiazza in seinem Solo, dem ein Statement von Butterfield vorangeht, das etwas zu sehr am Thema klebt. "If I Had You" beginnt sehr schön, mit Stimme und ganz wenig Piano dazu. Dann steigt die Rhythmusgruppe ein und die Bläser spielen Liegetöne dazu. Brown und Dixon spielen gute Soli, Caiazza tritt in den Dialog mit Riffs der ganzen Band - und Butterfield schraubt dann mit Wettlings Support die Temperatur hoch, so dass Tiltons Wiedereinstieg beinah antiklimatisch wirkt - aber eben auch sehr reizvoll von der Arrangement-Idee her. Gefällt mir sehr gut, dieses Stück. "I'm in the Mood for Love" ist das letzte Stück dieser Session - hier bleibt nach dem Intro mit Gitarre das Balladentempo und alle kriegen ihre Spots - auch das eine superbe Performance, auch wenn Tilton nie eine Lieblingssängerin wird.

Die Dramaturgie der Box funktioniert auch bei intensivem Hören sehr gut. Und sie zeigt auf, wie viele der Musiker hier - z.B. Billy Butterfield - mühelos zwischen Dixieland und Swing hin- und herwechseln konnten.



Im Juli 1945 nahm Simon auch mit Jack Leonard und Sy Oliver eine Session auf. Leonard singt drei Stücke, Oliver das vierte - und natürlich hat er alles arrangiert. Jimmy Maxwell, Billy Pritchard, Hank D'Amico und Charlie Ventura sind die Bläser, Billy Roland, Allen Hanlon, Al Hall und Specs Powell bilden die Rhythmusgruppe. Im ersten Stück, "Sleepy Time Gal", finde ich Leonard recht charmant, die Unsicherheit gibt seiner Performance etwas Berührendes - jedenfalls ist das nicht flach und emotionslos. Die Highlights sind aber die Passagen für die Instrumentalisten mittendrin, die in den Dialog treten - zuerst die zwei Blech-, dann die Holzbläser. "I Don't Know Why" ist erstmals in der Mosaic-Box zu hören - und auch das ist eine überraschend gute Nummer. Pritchard (den kenne ich überhaupt nicht) spielt ein tolles Posaunensolo nach dem Gesangschorus, das sich vor Tommy Dorsey verneigt. Gute Statements von Rowland, Ventura (er hält sich für seine Verhältnisse zurück und gestaltet ein echt starkes Solo) und Maxwell (er zitiert "Just a Gigolo") folgen. "Honey" mit jumpendem Beat à la Basie ist die letzte Nummer von Leonard - und der kurze Gesangschorus ist überraschend okay (nach der Session mit Tilton ist das hier alles viel besser als befürchtet) - die folgenden Soli der Instrumentalisten sowieso. Ventura legt vor, Rowland folgt, D'Amico und Maxwell setzen die Glanzlichter - und Specs Powell ist im ganzen Stück toll. "Seventh Avenue" hat Powell mit Irene Higginbotham komponiert, Trummy Young hatte es im Januar 1945 für Continental zum ersten Mal aufgenommen - bei einer Session für die Ewigkeit, denn zwei junge Musiker namens Dizzy Gillespie und Charlie Parker wirkten mit. Die Version mit Oliver wirkt daneben etwas schief - und Steinman hat extra den Gitarristen Nick Rossi um eine kleine Analyse gebeten, die im Booklet wiedergegeben wird (es gibt Verschiebungen um einen Halbton zur Originaleinspielung im "main melody hook" und Young ist in der Ausgestaltung einfach funkier, während Olivers Version mehr straightforward ist).

Hier höre ich dann für heute mal auf, nach elf (von fünfundzwanzig) Stücken von CD 5 - denn als nächstes folgt ein langes Piano-Segment, das mit ausgedehnten Solo-Sessions von Art Tatum und Fats Waller beginnt. Thema für einen anderen Tag.
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



Von Art Tatum gibt es in der Mosaic-Box zwei Solo-Sessions, seltsamerweise ist die spätere zuerst programmiert: aufgenommen in den NBC Studios in L.A., vermutlich am 21. Januar 1946 und von Tony Janak produziert (der mal besser noch schnell einen Klavierstimmer organisiert hätte - aber Tatum scheint das nicht zu stören). Die frühere fand am 26. Oktober 1945 in den World Studios in NYC unter George T. Simons Leitung statt. Wie üblich sollte man von Tatum nicht zu viel am Stück hören oder ein paar Pausen einschalten. Das sind trotz der erwähnten Probleme mit dem Instrument in L.A. wundersame Aufnahmen, jede für sich ein Kleinod in der üblichen Tatum'schen Üppigkeit und Verspieltheit. Und dass er sich auch mal mehr Zeit nehmen kann, ist natürlich toll (bei der L.A.-Session ist nur "Where or When" fast vier Minuten lang, "Night and Day" dauert gerade mal 1:28, ist aber natürlich trotzdem komplett).

Die Session aus New York profitiert von einem gestimmten Klavier, aber leider klingt die Aufnahme (oder sind es die Quellen/Transfers?) nicht so lebendig. Zum Einstieg spielte Tatum ein Gershwin-Medley ("Summertime", "The Man I Love", "I Got Plenty O' Nuttin'" und "It Ain't Necessarily So"), danach "She's Funny That Way" in einem gemächlichen Stride-Tempo, ein fast vierminütiges "Lover", "Body and Soul" (mit "Nobody Knows the Trouble I've Seen"-Zitat), und zum Abschluss je ein Ellington- und ein Basie-Stück, "I'm Beginning to See the Light" und "9:20 Special".



Die erste Hälfte der sechsten CD der Box gehört dann Fats Waller - er spielt Klavier, Orgel und singt, die zehn Stücke entstanden alle an einem einzigen Tag im September 1943 in den RCA Victor Studios in NYC (Steve Sholes). Neben Klassikern wie "Ain't Misbehavin", "Solitude", dem Spiritual "Sometimes I Feel Like a Motherless Child" oder Carmichael/Loessers "Two Sleepy People" spielte Waller mehrere Medleys ein, von denen aber nur gerade eines - mit den eigenen "Slightly Less Than Wonderful" und "There's a Gal in My Life", für die George Marion Jr. die Lyrics schrieb - die Extraspielzeit des Formats wirklich auch (5:39 - ich hab nicht geguckt, ob das die längste in der Mosaic-Box enthaltene Plattenseite ist, gut möglich). Drei Monate nach der Session war Waller tot - ein Glück also, dass er früh bereit war, für V-Discs aufzunehmen. Einige der Stücke - auch die zwei vom überlangen Medley - stammen aus dem Score zu Wallers Musical "Early to Bed", das im Mai 1943 in Boston Premiere feierte und kurz darauf für acht Jahre am Broadway lief. Aufnhahmen des originalen Cast (aus dem Waller, der zunächst nur auftreten, nicht komponierten sollte, wieder rausflog, weil der Produzent ihn für zu unzuverlässig hielt) gibt es natürlich wegen des ersten Recording Ban keine. "Martinique" klingt wie Wallers Version eines Stückes von Louis Moreau Gottschalk - da treffen Jazz, Broadway und die Salonmusik des 19. Jahrhunderts zusammen. Irgendwo auf halbem Weg macht sich in den Ansagen allmählich der Whisky bemerkbar, den Waller bei der Session trank, Cutty Sark laut den Liner Notes der Mosaic-Box, was im Rückblick gut passt, denn die Brauerei gehört seit ein paar Jahren zum französischen Konzert Martinique, während das Musical von Waller/Marion im Martinique der Zwischenkriegszeit angesiedelt ist). Wallers Spiel bleibt aber gut, im "Waller Jive" oder auch in "Hallelujah", das nicht perfekt ausgeführt, aber dennoch erstaunlich ist - unglaublich virtuos und dennoch total relaxed. "A Birdie's Lament (That's What the Bird Said to Me)" war dann zu sehr mit Doppeldeutigkeiten durchsetzt, als dass es damals hätte erscheinen können (es landete mit dem nächsten Stück, der Hommage an Marihuana "If You're a Viper (The Reefer Song)" auf einer nicht autorisierten Platte auf dem Label Jolly Roger). Zum Ende der Session wechselt Waller dann an die Orgel für "Solitude", "Bouncin' on a V-Disc" und den schon erwähnten Spiritual - hier hat die Session endgültig die spätnächtliche Atmosphäre von Musik unter Freunden ... was wohl mit der tatsächlichen Tageszeit bei der Aufnahme übereinstimmt.
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



Als nächstes - den ganzen zweiten Teil der sechsten CD einnehmend - kriegen wir eine Art ideale Dixieland-Session der Zeit. 22. Juni 1948 (Tony Janak, WOR Guild Theatre and Playhouse, NYC) mit Bobby Hackett, die auch eine typische Condon-Session. Cutty Cutshall, Peanuts Hucko (cl), Ernie Caceres (bari), Charlie Queener, Condon, Irv Manning und Morey Feld sind dabei - und wie auf der abgebildeten LP (nur zwei Stücke erschienen auf V-Disc-Platten) kriegen wir das ganze im Ablauf, mit Studio-Unterhaltungen und ein paar False Starts und Breakdowns zwischen den Stücken. Von "Oh Baby", dem Opener mit Band-Intros durch Kenton, gibt's zwei komplette Takes, jeweils über sechs Minuten lang. "Wrap Your Troubles in Dreams", "Struttin' with Some Barbecue", "On the Sunny Side of the Street", "My Honey's Lovin' Arms" und "Fidgety Feet" folgen. Bobby Hackett ist hier wirklich der Star, er führt die Band gekonnt durch die Stücke, übernimmt den Lead in den Arrangements und tut das immer mit Geschmack und seinem vielschichtigen Ton. Und wie der etwa in "Wrap Your Troubles...." zeigt, mit vollendeter Eleganz. Das scheint sich auch auf Cutshall, Hucko und Caceres zu übertragen, die ihrerseits geschmackvolle Soli beitragen. Condon selbst ist immer wieder gut zu hören, seine Rhythmusgitarre sollte man nicht leichtfertig abschreiben - er war gut! Charlie Queener mag wenig bekannt sein, aber auch er spielt hier hervorragend, ebenso wie Manning und natürlich Feld. (Auf der Classics-CD 1947-50 scheint die Session zu fehlen, ich höre sie heute daher ziemlich sicher zum ersten Mal bzw. die ersten beiden Male, weil das so gut ist.)



Warum die Hackett/Condon-Session mitten ins Piano-Segment eingeschoben wurde? Keine Ahnung, aber das wird mit der unmittelbar folgenden Session aufgefangen, denn die gehört dem Duo Joe Bushkin/Bobby Hackett. Im selben Studio in New York Ende Oktober 1948 nahmen die beiden fünf Stücke auf, von denen die ersten beiden in der Mosaic-Box ihre erste Veröffentlichung sehen, "Anything Goes" und ein alternate Take von "You Do Somethin' to Me" (mehr als eiene Minute länger als der Master). Dessen Master erschien als einziges Stück der Session auf einer V-Disc, das leider unvollständige "Soft Lights and Sweet Music" (1:39 kurz) dann auf der schon erwähnten IAJRC-Platte. Die beiden hatten - vor allem bei Condon - zu der Zeit schon über ein Jahrzehnt zusammen Musik gemacht, und für ihre Session wählten sie Stücke, die hauptsächlich als melodische Vehikel funktionieren. Natürlich kann Bushkin sich im Duo auch viel mehr entfalten als in Bands. Gerade "Anything Goes" entpuppt sich als tolle Ergänzung. Hackett spielt mit Dämpfer und Bushkin bewegt sich mit etwas blumigem Spiel auf Augenhöhe, das Duo tanzt durch Cole Porters Stück. An die zwei Outtakes kam Mosaic dank eines Hackett-Fans und Sammlers, der wohl die Acetat-Platte zur Verfügung stellte, von der die ganze Session überspielt wurde.



Wir sind im Piano-Segment und da passt vielleicht die kleine Boogie-Session von Meade Lux Lewis vom November 1943 (L.A., Morty Palitz) hierhin? Der "Doll House Boogie" erschien damals auf einer V-Disc, der "V-Disc Stomp" in zwei Teilen (die beide auf eine Plattenseite gepasst hätten) später teils auf der IAJRC-Platte und der längere Teil 2 auf einer Document-CD von Lewis. Ob das mit der Celesta hier wirklich eine gute Idee war, bezweifle ich eher, weil dem Stück nach dem Wechsel vom Klavier der Boden rausfällt. Aber gut, es geht ja um eine Puppenstube ... nach zu vielen Chorussen kommt das Klavier zurück, zunächst simultan (Celesta mit der rechten, Klavier mit der linken Hand), dann für den Abschluss zweihändig. Im V-Disc Stomp bleibt Lewis glücklicherweise am Klavier - und das macht entsprechend deutlich mehr Spass (auf der entsprechenden Classics-CD ist nur der "Doll House Boogie" zu finden).

Im Februar 1945 wurde in den World Studios in L.A. auch The King Cole Trio für V-Disc aufgenommen - mit Nat Cole (p/voc), Oscar Moore und Johnny Miller. Hier wurden natürlich alle sechs Stücke auf V-Discs veröffentlicht. "A Pile of Cole" und "A Trio Grooves in Brooklyn" sind Instrumentals, in "If You Can't Smile and Say Yes, Please Don't Cry and Say No", "Any Old Time (I Love to Make Love to You)", "Bring Another Drink" und "Candy" präsentieren Cole in seiner Doppelrolle als Sänger und Pianist. Damit ist hier für alle etwas dabei ... wobei ich bei Cole den Gesang und das Piano kaum trennen kann, gar nicht trennen will. So schön die Instrumentals sind, sein Gesang ist fast immer top - auch wenn er einen heute veraltet wirkenden Text wie den von "Bring Another Drink" singt.



Schon im August 1943 nahm Hazel Scott eine Session für V-Disc auf - die im Mosaic-Set leider unvollständig ist: es fehlt das Stück "People Will Say We're in Love" (solo, anscheinend mit Gesang, aber ich kann meine CD nicht finden, um das nachzuprüfen), das auf einer V-Disc und einer Classics-CD zu finden ist - und es fehlen leider auch die beiden unveröffentlichten Stücke der Session, "Get on Board, Lil Children" (solo, p/voc) und "I Guess I'll Have to Change My Plans" (duo, ohne voc). Nach "Body and Soul" solo folgen zwei Stücke, die vonHazel Scott and Sidney Catlett, "Honeysuckle Rose" und "'C' Jam Blues". Im Solo steigt Scott tief in die Tradition des Jazz-Pianos ein, beschwört Hines und Wilson herauf. Nach dem Rubato-Einstieg wechselt sie in ein mittelschnelles Tempo mit Stride-Anklängen - und singt einzelne ihrer rasanten Phrasen mit (was den Diskographien, auch der im Mosaic-Set, reicht, um überall "voc" bzw. "vcl" dazuzuschreiben. Noch einmal zieht sie das Tempo kurz an, fällt jedoch schnell ins Rubato zurück und schliesst diese eindrückliche Version wieder mit üppigen Akkorden und zahlreichen Verzierungen ab. Eindrucksvoll. Mit Catlett erreicht die Musik nochmal ein anderes Level, er scheint jede ihrer Bewegungen vorwegzunehmen und steuert nach dem Solo-Intro eine perfekte Begleitung bei. In Wallers Stück tanzt er mit den Besen, in der schnellen Version von Ellingtons Jam-Session-Favorit wird er schon im Thema zum vollwertigen Duo-Partner.



Ende Mai 1946 ging auch der siebzehnjährige André Previn für V-Disc ins Studio - in L.A. und mit vermutlich Irving Ashby, Red Callender und möglicherweise Lee Young. Den Einstieg macht ein Duo mit Callender über "I Cover the Waterfront". Er klingt understated im Vergleich mit den meisten anderen Pianisten auf diesen Sessions - aber allen, die Previn kennen, ist klar, dass das auch bei ihm eher die Ausnahme war - auch in dieser Session. Harmonisch ist Previn in anderen Gefilden unterwegs, sein Spiel klingt zugleich aber auch fast klassisch - auch so eine Art Vorwegnahme von Mainstream-Jazz vielleicht. In "What Is This Thing Called Love?" und "September in the Rain" perlen die Läufe und werden die Changes erweitert - und es wirkt oft so, als stürzten Previns Hände fast frei auf die Tastatur nieder. Im Closer "I've Found a New Baby" wird dann alles etwas zu viel - und da ist dann der ganze, virtuose Previn zu hören: eindrücklich, aber nicht sehr tiefschürfend.

Von Loumell Morgan hatte ich noch kaum gehört, bevor ich seinen Namen hier las. Von ihm kriegen wir zwei Sessions zu hören, beide im Cole-Trio-Format. Morgan nahm 1939-41 an mehreren Sessions von Slim Gillard und Slam Stewart teil. Sein Trio war in New York populär, ab 1944 sorgte es für die Pausen-Unterhaltung im Three Deuces und es trat auch in drei Soundies auf. Das Trio macht auf Show, baut Comedy und Harmonie-Gesang ein. Bei der ersten Session von ca. September 1943 mit Ham Jackson und Duke Jones gibt es vier Stücke, alle mit Trio-Gesang. Neben den Standards "Blues in the Night" und "Them Their Eyes" gibt es die Novelty-Nummer "Slender, Tender and Tall" und zum Abschluss das Cole-Cover "Hit That Jive, Jack!". Bei der zweiten Session im Februar 1945 ist Jimmy Smith anstelle von Jones am Bass dabei und es gibt nur zwei Stücke, "Take Me Out to the Ball Game" mit Trio-Vocals und "Good Enough to Keep", was nicht anderes als "Flying Home" ist. Das ist alles reichlich bemüht - selbst der instrumentale Closer, den das Trio so schnell nimmt, dass es fast darüber stolpert.

Schlussrunde für den Moment (es geht noch weiter mit ein paar Pianist*innen in kleinen Ensembles, bevor etwas grössere Swing-Bands folgen), Page Cavanaugh, den Pianisten, kenne ich zwar nicht, aber er hat mit Al Viola einen einigermassen populären Gitarristen in seinem Trio, das Lloyd Pratt am Bass vervollständigt. Dieses Trio war in den Vierzigern und Fünfzigern aktiv, oft wohl auch mit Gesang - auf den es hier netterweise verzichtet. "When the Gooses Come Back to Massachussetts" und Benny Goodmans "Shivers" haben sie an einem unbekannten Datum 1946 in NYC für V-Disc eingespielt. Nach den Antics von Morgan ein etwas versöhnlicherer Ausklang der siebten CD der Mosaic-Box (der unveröffentlichte alternate Take von Bushkin/Hackett ist am Ende der CD programmiert - in diesem Fall meiner Meinung nach ein Fehler, aber das war halt die Idee, die auf den ersten CDs schon etwas geholfen hat).
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »

Es müsste "geese" heissen - aber gut, der Song hinterliess sonst keine Spuren im Netz (immerhin einen gibt es einen Datenbank-Eintrag mit zwei der drei Namen, die - nur Nachnamen, der dritte ist Taylor - auch bei Mosaic stehen).

Und war mir auch erst heute aufgefallen ist: die Genre-Bezeichnungen auf den Platten: "Standards", "Dixieland", "Sweet", "Swing", "Piano", "Instrumental" "Novelty" usw.

Wofür die Buchstaben vor "Release" stehen, ist mir unbekannt ... "DD", "FF" "FFF", "JJ", "M", "Y" usw.
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



Auch Teddy Wilson stand V-Disc gleich zu Beginn zur Verfügung - er spielte im August 1943 (Morty Palitz, Columbia Studios NYC) mit Joe Thomas, Edmond Hall und Sid Catlett "How High the Moon" und "Russian Lullaby" ein, letzteres in zwei Takes (wie auf CD 7 der Mosaic-Box gibt es damit auch auf CD 8 am Ende einen einzigen alternate Take zu hören - etwas schneller, etwas freier, aber mit unsicherem Schluss und frühzeitigem Abbruch). Das sind zwei meisterhafte Aufnahmen, mit dem üblichen Paradox aus mühelos dahingleitendem Swing und der Wilson'schen Zurückhaltung, die auch in der Band gespiegelt wird. Hall geht nach vorn, Thomas spielt wenige Töne (aber die überlaufen mit Gefühl) - und Catlett ist des Leaders Gegenpart: er spielt sparsam Besen (auch im Solo in "How High the Moon") und dennoch gestaltet er alles aktiv mit und ist ständig präsent.

Erskine Butterfield ist der nächste für mich neue Name in der Box. "Jump" steht als Stilbezeichnung auf dem Label. Er habe ein kurzes Leben (1913-1961) gehabt, sei aber als Solo-Entertainer sehr populär gewesen, so Steinman. Sein erster Gig war 1937 mit Noble Sissle gewesen, als Bechet dort der Star war. Bis zum Recording Ban von 1942 nahm Butterfield für Decca fast ein Dutzend mal auf, die Musik scheint in die Richtung von Fats Waller zu gehen. Bei der Session in Camp Lee, Petersburg, VA im April 1945 hatte Butterfield Al Norris, den Gitarristen der Lunceford-Band, und Duke Jones am Bass dabei und nahm zwei fremde Hits auf: "Hit That Jive, Jack!" von Nat Cole mit Bandgesang und "Piano Boogie" von Earl Hines (der vollständige Titel bei Hines: "Boogie Woogie on the St. Louis Blues"). Der besondere Aufnahmeort hat gemäss Steinman den Grund, dass Tony Janak (der Toningenieur/Produzent), der Komponist Frank Loesser und andere aus dem V-Disc-Programm für sechs Wochen "basic training" dorthin gesandt wurden - und nebenbei ein paar Platten machten. Das Ergebnis mit Butterfield ist solide und etwas brav. Es macht allerdings Spass, Norris in einer kleinen Combo zu hören - auf die Schnelle sehe ich bei Discogs nichts, wo das auch noch möglich sein könnte



Auch beim The Vivian Garry Trio kriegen wir einen tollen Gitarristen zu hören: Arv Garrison. Garry spielt den Bas und singt, Wini Beatty sitzt am Klavier und singt ebenfalls. In "Where You At", das ein wenig wie ein Vorläufer von Songs von Dave Frishberg klingt, singen die Frauen gemeinsam, Garrison spielt ein kurzes Solo. "Baby I'm Gone" - wieder mit Gesang der beiden Frauen, kommt mit sehr relaxtem Groove und ein paar Stoptime-Momenten daher. Das ist alles sehr hip und macht viel Spass ... deutlich mehr als die Musik der Männer, die in ähnlichen (fremden) Gefilden fischten und in der Box zu hören sind. Die zwei Stücke sind leider kurz - sie hätten auch auf die üblichen 10" 78er Platten gepasst.

Dick Farney (1921-1987) ist der nächste neue Name - geboren in Rio de Janeiro (als Farnésio Dutra e Silva) und wie in der Ansage zu erfahren ist noch nicht lange im Land. Seine Session fand im Juni 1947 in New York statt und auf den meisten Stücken ist Slam Stewart als Co-Leader genannt. "Somebody Loves Me" beginnt mit ziemlich gutem Crooning (bisschen Akzent hat er) und feiner Piano-Begleitung, dann geht das Tempo hoch für Stewarts brummgesangiges Arco-Solo und bleibt oben für den zweiten Durchgang mit Farney. "These Foolish Things" und "Worth Duckin'" sind dann instrumentale Nummern, zumindest was Farney anbelangt - und sein Klavierspiel erweist sich als harmonisch reichhaltig. Von Stewart wird er solid begleitet - und mittendrin gibt es dann die gestrichenen/gesungenen Soli. Der Closer ist dann eine mit Armee-Melodien und -Rhythmen durchsetzte Novelty-Nummer.

Und damit ist das Piano-Segment durch, weiter geht es auf CD 8 noch mit ein paar Swing-Combos und dann einer Session von Betty Roche.
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Re: V-Disc Sessions

Beitrag von gypsy tail wind »



John Kirby and His Orchestra ist ein Revival des famosen Sextetts, immerhin mit der Hälfte der Originalbesetzung im Studio in New York im November 1943: Charlie Shavers, Buster Bailey und der Leader, dazu Drummer Bill Beason (der Originaldrummer O'Neil Spencer starb 1944, nachdem er die Band davor krankheitshalber verlassen hatte), Clyde Hart am Piano und George Johnson am Altsax (Billy Kyle und Russell Procope leisteten Dienst). "Do You Savvy?" zeigt, dass die zusätzliche Spielzeit tatsächlich zu einer äusserst entspannten Performance frühen kann. Das gelingt im Basie-Swing von "9:20 Special" allerdings auch in unter drei Minuten. "Tunisian Trail" und Lecuonas "Crossroads" sind Etüden in Exotismus, vor allem die erste wirklich charmant. In der zweiten spielt Beason einen leichten Swing an den Besen, der stellenweise etwas von der Wucht von Catlett hat.

Beim Catalina Sextette handelt es sich um eine Gruppe aus der Maritime Service Training Station Band - mehr weiss man da wohl nicht, aber ein paar der Leute waren ziemlich bekannt. Das Line-Up der LA-Session vom August 1945: Manny Stevens (t), Mahlon Clark (cl), Pat Leonard (ts), Mark McIntyre (p), Russ Morhofff (b), Glenn Waller (d). Der Klarinettist hatte 1941 bei Will Bradley gespielt und blieb bis in die Siebziger aktiv, der Pianist nahm u.a. mit Artie Shaw und Sinatra auf. Morhoff nahm 1937/38 mehrmals mit Frank Trumbauer auf und Glenn Waller war der bevorzugte Drummer von Pee Wee Hunt. Leonard scheint ausser dieser Session keine Jazz-Aufnahme hinterlassen zu haben. Das ist eine wirklich schöne Session mit guten Arrangements (inkl. sowas wie Riffs der anderen Bläser hinter den Soli), durchaus beachtlichen Soli und einem guten Swing. Und interessante Stücke obendrein: "Skrontch" von Ellington, Shavers' Evergreen "Undecided" und als drittes und letztes Stück "Now Hear This", was eigentlich "Just a Riff" ist, ein Stück, das Sid Catlett komponiert hat - aufgenommen im März 1944 mit Ben Webster, an dessen Stil sich Leonard hier orientiert.



Eine meiner liebsten Bandsängerinnen aus der Zeit ist sicherlich Betty Roché, die fünfzehn Jahre später noch ein paar feine LPs nachlegte. Sie singt nur im September 1945 nur ein Stück, der Rest gehört Dave Matthews (ts/arr) und der Band. Diese stellte George T. Simon zusammen und sie ist hervorragend besetzt mit Al Killian, Lou McGarity, Ray De Geer (as - nie gehört den Namen), Bob Dawes (bari), Marty Napoleon, Hy White, Al Hall und Jimmy Crawford. "Trouble, Trouble" ist eine Leonard Feather-Pastiche - die Lyrics sind am Anfang einigermassen stringent und fliegen dann auseinander. Roché hatte das Stück 1944 mit einer Band um Earl Hines eingespielt. Matthews, Killian (zurückhaltend, zum Glück) spielen Begleitparts hinter der Sängerin. Danach kriegen McGarity und DeGeer (mal am Stück, mal mit Abstand geschrieben) Platz für ein gute kurze Soli, von denen das des Posaunisten wirklich toll ist. Stoptime und dann eine prominente Gitarre beim Wiedereinstieg von Roché, die hier alles zeigt, was sie kann, inklusive Scat-Gesang und ein Zitat von "Blues in the Night". Fünfeinhalb Minuten dauert das tolle Stücke. Danach ein entspannt jumpender Groove im "Five O'Clock Drag" aus dem Ellington-Buch. Killian zitiert dies und das und geht am Ende seines Solos auch in die Höhe, macht das aber alles recht geschmackvoll. Der Leader klingt danach auch stark nach Ben Webster. Der Closer der Session (und abgesehen vom alternate Take von Wilson der achten CD), "Snarehead", ist ein tolles Mood-Piece, das auch ganz in der Ellington-Tradition steht, mit kurzen Soli der meisten Bläser: Kilian mit Dämpfer, De Geer kurz vorm Growl, ein paar Momenten von Dawes, der auf der ganzen Session in den Sätzen glänzt - und am Ende wohlverdient auch noch ein paar Takten für Al Hall. Eine feine Session!



Die nächste Session ist berühmt - und das völlig zu Recht. Woody Herman leitet hier eine fabelhafte Band. Der Stepptänzer Bunny Briggs kriegt auch einen Credit (die Band hinter ihm ist unbekannt, aber auch nur am Ende ganz kurz zu hören). Ein Stück lief unter dem Namen Vanderbilt Stars. Sieben Stücke hat die von George T. Simon im Vanderbilt Theater in New York Ende Januar 1945 versammelte Band eingespielt - das erste, ein Feature für Briggs über "Stompin' at the Savoy", erstmals im Mosaic-Set zu hören. Dabei sind in unterschiedlichen Besetzungen: Ray Wetzel, Charlie Shavers, Bill Harris, Herbie Fields, Flip Phillips, Ben Webster, Don Byas, Georgie Auld, Marjorie Hyams, Ralph Burns, Billy Bauer, Chubby Jackson, Johnny Blowers und Herman(cl/voc) selbst. Bei den Vanderbilt Stars ist das Line-Up grösser, wächst zur vollständigen Big Band an, u.a. mit Sonny Berman im Trompetensatz, und mit Dave Tough statt Blowers. Die sechsminütige "Northwest Passage" (Burns-Herman-Jackson), zwei Wochen vor dieser Session von Jacksons Band für Keynote aufgenommen, präsentiert die Band in einer packenden Swing-to-Bop-Nummer irgendwo zwischen Basie und Goodman (das Stück erschien erst später auf einer Stash-LP). Herman sagt die Solisten an: Phillips, Auld, Fields (das grenzt an eine Parodie, ), Hyams (die erst am Ende angesagt wird), Harris, Herman, und in den Riffs am Ende Wetzel (eher geschmacklos), Harris und Blowers. "Somebody Loves Me" ist dann eine Gesangsnummer für Herman, begleitet von Hyams. Dann folgen Soli von Harris und Phillips, der schon nach Ben Webster klingt, bevor dieser im Anschluss gleich selbst zu hören ist, bevor Herman das Stück abschliesst.

Webster ist dann für "John Hardy's Wife", ein Stück von Mercer Ellington, zurück, spielt gleich das erste Solo zum Einstieg, gefolgt vom einzigen anderen Bläser hier, auf den Webster dann gleich nochmal folgt und Chorus um Chorus einen Gang hochschaltet, bis er sich verliert und an einem Riff hängenbleibt ... die Rhythmusgruppe spielt weiter, Burns soliert kurz bis sie ein Ende finden. Ein Trainwreck von solcher Güte, dass es damals auf V-Disc erschien, obwohl das eigentlich ein Breakdown ist. Aber das Solo von Webster gibt's halt nur hier und das hätte sich auch nicht wiederholen lassen. In "J.P. Vanderbild IV" (erstmals 1981 in England erschienen) sagt Herman wieder die Solisten an - es handelt sich um eine etwas schnellere Variante der "Northwest Passage", in der das Tempo instabil ist. Zwischen Philips und Auld kriegen wir hier auch noch Don Byas zu hören, dann Charlie Shavers als nächstes (hart an der Grenze des guten Geschmacks, ich würde es glauben, wenn mir hier wer sagt, das sei Al Killian), Fields (fängt besser an aber entgleist dann doch wieder völlig in groteske Girlanden - Steinman schreibt: "Listeners must find their own adjectives for Fields' solo" - game, set, match), Hyams, Harris, Herman, und in den Riffs am Ende Hyams, Jackson und Blowers.

Obwohl schon zwei Runden JATP-ähnlicher Zirkus aufgeführt wurde, waren die Musiker noch nicht am Ende. Es folgt die gross besetze Nummer mit "Billy Bauer's Tune (Pam)" - ein Mood Piece für Bauers Tochter Pamela, vermutlich von Ralph Burns arrangiert. Die Solisten sind nicht klar, aber vermutlich Sonny Berman, nicht Herman sondern möglicherweise Sam Marowitz - und eben: vermutlich Dave Tough am Schlagzeug. Den Abschluss macht dann eine entspannte Version von "Just You, Just Me", das mit einem langen Solo von Hyams beginnt. Es folgen Harris, Auld, Phillips (oder: Phillps, Auld) und dann eine Art Kollektiv-Improvisation zum Abschluss (auch dieses Stück erschien erst viel später auf einer LP auf dem frz. Label Caracol, die bei Discogs nicht zu finden ist).

Was bei der Session im Vergleich mit fast allen bisher gehörten aus dem Set bemerkenswert ist: wie elegant und flüssig Ralph Burns und Chubby Jackson agieren - wir sind hier zwar noch im Swing, aber die Leute haben offene Ohren und man merkt, dass allmählich eine neue Ära beginnt.



Im April 1947 nahm Bob Haggart eine Session für V-Disc auf. Mit dabei bei Bob Haggart and His Boys: Chris Griffin, Peanuts Hucko, Toots Mondello, Art Drellinger, Stan Freeman, Danny Perri, Haggart und Bunny Shawker. Vom "Indian Love Call" entstanden ganze drei Takes, einer davon erstmals im Mosaic-Set zu hören, keiner auf einer V-Disc. Auch der "Bye-Bye-Blues" erschien erst später (auf derselben Jazz Unlimited CD wie einer der schon bekannten Takes von "Indian Love Call", dessen anderer auf der schon mehrfach erwähnten kanadischen IAJRC-Platte landete). "Stand Still Stanley" mit tollen Soli vom Pianisten, dem das Stück gewidmet ist, aber auch von Perri an elektrischen Gitarre, Trompeter Griffin, Drellinger am Tenor- und Mondello am Altsax, und "Haggart's Lady" erschienen damals. Die Band ist tight, zugleich frei und präzise - ein Hybrid aus Tanz- und Jazzband mit Elementen aus Swing und Dixieland - und im Riff von "Bye Bye Blues" auch durchaus Bop. Die Musiker haben so viel Spass bei der Sache, dass zwischendurch auch mal ein Ausruf von den Mikrophonen eingefangen wurde.

Bop? Ja, Bop-Elemente tauchen auf CD 9 des Sets vermehrt auf, auch bei der nächsten Session von Stan Hasselgard and His Group. Der jung verstorbene, von Benny Goodman protegierte Klarinettist aus Schweden nahm im November 1948 für V-Disc auf und hatte Barbara Carroll, Chuck Wayne, Clyde Lombardi, Mel Zelnick und in zwei der drei verspätet bei Hep erschienen Stücken noch der Sänger Jackie Searle. Nur "Cottontop" erschien damals auf einer V-Disc - und es präsentiert aufs Schönste Hasselgards Können. Im direkten Vergleich mit Hucko davor klingt er etwas kühler, spitzer - aber die Eleganz und Leichtigkeit ist beeindruckend und er geht über die enge Harmonik der Swing-Ära hinaus. "You Took Advantage of Me" gehört mehr oder weniger Searle, der sehr entspannt klingt. Dazwischen gibt es ein paar kurze Soli und danach geht Searle mit den erweiterten Changes des Arrangements mit. "(Where Oh) Where Has My Little Dog Gone" hat ein gewisser Septimus Winner komponiert. Hasselgard geht kurz nach draussen eine Rauchen, Carroll übernimmt den boppigen Solo-Part, bevor Searle mit Scat-Gesang wieder einsteigt. Im letzten Stück, dem instrumentalen "Pepper (Patsy's Idea", das auf den Changes von "Deep Purple" beruht, gelingt Hasselgard der Spagat zwischen Swing und Bop perfekt. Was aus ihm geworden wäre, wenn er nicht fünf Tage später bei einem Autounfall ums Leben gekommen wäre?
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00