CO STREIFF RUSS JOHNSON QUARTET with Christian Weber and Gerry Hemingway - Oracle
PUNKT.VRT.PLASTIK (Kaja Draksler/Petter Eldh/Christian Lillinger) - Kompress
Gestern liefen bei mir noch die zwei anderen Intakt-Neuheiten (neben der neuen Archiv-Perle von Irène Schweizer) - und von der ersten bin ich ziemlich begeistert. Die Band gibt es jetzt schon lange (zunächst mit Julian Sartorius am Schlagzeug), im November hoffe ich, sie auch wieder mal live zu hören ... Johnson und Streiff lernten sich vor ca. 20 Jahren bei einer gemeinsamen Tour mit zwei Bands kennen, in denen eine*r von ihnen spielte. Streiff hatte gerade eine Vakanz an der Trompete in ihrem Sextett und Johnson übernahm den Posten. Danach erinnern sie sich so, dass die/der jeweils andere die Idee gehabt hätte, ein gemeinsames Quartett zu gründen, in dem sie spontanere, freiere Musik mit mehr Raum für Soli spielen könnten. Neben dem Sextett (2007 als Double Bill mit dem Susie Ibarra Trio bei Fabrik Jazz) gab es dann auch mal ein fabelhaftes Dolphy-Trio von Johnson und Streiff und Hemingway (2011 beim Unerhört). Das Quartett hörte ich live dann so 2018/19, als auch schon Hemingway am Schlagzeug sass. Das neue Album präsentiert Ausschnitte der (verpassten) 2023er-Tour (Johnson lebt irgendwo ausserhalb von Chicago und man trifft sich seit Jahren für eine jährliche Tour), aufgenommen von Christian Weber. Wie jedes Mal brachten die Co-Leader*innen ein paar neue Stücke mit, es gibt aber auch ein Wiedersehen oder -hören mit einem schon bekannten in neuem Gewand. Und wie immer ist das Musik, die absolut nicht auf den Effekt aus ist sondern sich allmählich aus dem Augenblick heraus entwickelt. Weber hat mal sowas gesagt in der Art, dass er beim Spielen stets an das denke, was gleich kommen würde, aber auch immer im Kopf habe, was gerade gewesen sei, und dass ein Spiel so dem Beliebigen, Willkürlichen entgehe. Das passt vielleicht ganz gut auch als Beschreibung für dieses Quartett.
Mit dem neuen Album von Punkt.Vrt.Plastik tat ich mich etwas schwerer, das scheint mir eine Ansammlung von Fragmenten zu sein (11 Stücke in 43 Minuten, nur wenige länger als 4 Minuten) - aber irgendwann war ich dann drin und fand den Flow doch wieder ziemlich toll.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #175 – 08.09.2026, 22:00