Ich höre gerade ... Jazz

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gypsy tail wind
DJ
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

Das Bennie Green Album mit Ammons auf Blue Note ist ja sehr toll. In die Richtung hätte es da schon weitergehen können... ich denke da z.B.an Stanley Turrentine, für den Blue Note dann ja auch mal eine grosse Band aufgeboten hat.

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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

ah, Bennie Green mit Gene Ammons bei BN hatte ich vergessen! dieses seltsame Album mit Howard McGhee (das) ist ja auch sehr schön, vielleicht war Prestige von 1962 auch nicht das beste Label für ihn - in dem Sinne, dass man immer wieder ähnliche Sachen gemacht hat, die sich gut verkauften... in den späten 60ern passte es dann besser (und das Label hatte sich auch verändert, es gab tolle Produzenten wie Bob Porter... aber das ist alles sein eigens Thema)


Don Thompson – Country Place

auf den eigenen Leaderalben nur ein Begleitinstrument spielen? das ist doch trist... so oder ähnlich muss es sich Don Thompson gedacht haben... und deshalb spielt er auf den meisten seiner gar nicht so wenigen eigenen Alben Klavier oder Vibraphon, auch wenn er eigentlich als Bassist bekannter ist (zB mit Paul Desmond oder John Handy). Bei diesem Album von 1975 konnte er sich scheinbar nicht zwischen Klavier und Vibraphon entscheiden, das wurde mit Overdubs gelöst... Bass und Schlagzeug übernehmen Gene Perla und Joe LaBarbera sehr kompetent. Bin sehr zufrieden mit dieser neuen Platte, Mainstream Jazz der 70er irgendwo zwischen Maiden Voyage und ECM, aber dabei mit einem Optimismus, den ich so vielleicht tatsächlich am meisten aus dem Vibraphonjazz jener Jahre kenne (ich denk an manche Sachen von Gary Burton, oder an die Bobby Hutcherson BN Alben aus den frühen 70ern)
redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


Leo Wright - Flöte + Alt-Sax

hier dachte ich zunächst, ich hätte ein unfassbares Schnäppchen... aber scheinbar ist die Mono-Ausgabe, die ich hab, deutlich weniger gesucht, als die Stereo... Aufgenommen 1965 in Dresden, zwei Amerikaner, Wright und der Pianist und Sänger Candy Green, André Condouant aus Guadeloupe an der Gitarre, und zwei Westdeutsche an Bass und Schlagzeug, Wolfgang Kraesse und Hartwig Bartz... tatsächlich ist das hier gar nicht so weit weg von der Ammons Band eben, halt noch ein paar Jahre früher, aber auch hier gibt es eine Mischung aus Bebop, Blues und Boogaloo... und Condouant an der Gitarre ist ziemlich gut, für mich der beste Solist hier, und gar nicht so weit weg von George Freeman, er hat was ähnlich perkussives und versponnenes... aber Wright ist super, Green als Sänger tut überhaupt nicht weh, und hier und da kann man hören, warum Hartwig Bartz um 1960 als der beste europäische Schlagzeuger galt... Albert Mangelsdorf hat in Interviews mal gesagt, er habe neben Bartz und Peter Trunk das Gefühl gehabt, viel weniger zu können als die anderen in der Band... ab den frühen 60ern hatte er sein Leben dann wohl nur noch punktuell halbwegs im Griff - aber hier spielt er nochmal sehr schön.
soulpope
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Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »

redbeansandrice hat geschrieben: 06 Jul 2026, 09:55 ah, Bennie Green mit Gene Ammons bei BN hatte ich vergessen! dieses seltsame Album mit Howard McGhee (das) ist ja auch sehr schön, vielleicht war Prestige von 1962 auch nicht das beste Label für ihn - in dem Sinne, dass man immer wieder ähnliche Sachen gemacht hat, die sich gut verkauften... in den späten 60ern passte es dann besser (und das Label hatte sich auch verändert, es gab tolle Produzenten wie Bob Porter... aber das ist alles sein eigens Thema)


Don Thompson – Country Place

auf den eigenen Leaderalben nur ein Begleitinstrument spielen? das ist doch trist... so oder ähnlich muss es sich Don Thompson gedacht haben... und deshalb spielt er auf den meisten seiner gar nicht so wenigen eigenen Alben Klavier oder Vibraphon, auch wenn er eigentlich als Bassist bekannter ist (zB mit Paul Desmond oder John Handy). Bei diesem Album von 1975 konnte er sich scheinbar nicht zwischen Klavier und Vibraphon entscheiden, das wurde mit Overdubs gelöst... Bass und Schlagzeug übernehmen Gene Perla und Joe LaBarbera sehr kompetent. Bin sehr zufrieden mit dieser neuen Platte, Mainstream Jazz der 70er irgendwo zwischen Maiden Voyage und ECM, aber dabei mit einem Optimismus, den ich so vielleicht tatsächlich am meisten aus dem Vibraphonjazz jener Jahre kenne (ich denk an manche Sachen von Gary Burton, oder an die Bobby Hutcherson BN Alben aus den frühen 70ern)
Ich bevorzuge Don Thompson als Bassisten eindeutig (vor allem mit dem "Canadian Trio), aber diese Rolle wird hier durch Gene Perla bestens befüllt .... und kammermusikalischen Schönklang bietet diese Scheibe allemal ....
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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


The Lou Bennett Trio Live at Club Saint-Germain

ziemlich klassischer Orgeljazz von 1980... mit mehr André Condouant, der mir allerdings auf dem Wright Album besser gefällt als hier...
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lotterlotta
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

gypsy tail wind hat geschrieben: 06 Jul 2026, 09:51 Das Bennie Green Album mit Ammons auf Blue Note ist ja sehr toll. In die Richtung hätte es da schon weitergehen können... ich denke da z.B.an Stanley Turrentine, für den Blue Note dann ja auch mal eine grosse Band aufgeboten hat.

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Barney Rachabane – Tegeni/Mafuta (EP)
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....ein schönes programm, die alex express ist klasse! die barney rachabane hab ich irgendwie verpennt, mal schauen ob ich die noch bekomme....
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
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Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice hat geschrieben: 06 Jul 2026, 09:33
Friedrich hat geschrieben: 05 Jul 2026, 15:35
thelonica hat geschrieben: 05 Jul 2026, 10:03 Bild

GENE AMMONS - Nice An' Cool

Hier im Stream. Ammons mit einem Balladen Programm (überwiegend), besser wird es wahrscheinlich heute nicht. Es gibt Platten mit mehr Action, z.B. die spätere "The Chase" mit u.a. Dexter Gordon, Steve McCall und Wilbur Campbell. Und Ammons mit unterschiedlichen Drummern zu hören ist auch meistens spannend, aber "Nice An' Cool" hat mehr gemeinsam mit den Hawkins Alben für Prestige/Moodsville, thanks to Richard Wyands. Beim Jazz Profile von NPR wurde erwähnt, dass Ammons zu den Bestsellern bei Prestige zählte. Die Musik lief auch im Radio, Miles verkaufte sich zeitweise nicht ganz so gut, was man sich heute nicht mehr ganz so gut vorstellen kann (vielleicht auch, weil die Aufnahmen von Miles schon ein paar Jahre alt waren).
Der würde auch gut in den Tenor Titanten-Thread passen!

Soweit ich weiß, war Gene Ammons zu Lebzeiten ein Star! Seine Musik wurde auch auf Singles veröffentlicht und steckte wohl in den afro-amerikanischen Bars in den Juke Boxes. Er war mehrfach wegen Drogengeschichten jahrelang (einmal von 1962-69!) im Gefängnis. Prestige nahm vor dem Antritt der Haftstrafe reichlich Musik mit ihm auf und veröffentlichte sie nach und nach, so dass er zumindest in dieser Form in der Szene präsent blieb. Und als er wieder draußen war, veröffentlichte Prestige ein Album mit Titel "The Boss Is Back!"

Aber das kann man in dem von Dir erwähnten NPR Jazz Profile sicher auch alles nachhören. Danke für den Hinweis!

Immer irgendwo im Spannungsfeld von Bop, R&B und Balladen, hier und da etwas an den Zeitgeschmack angepasst. Etwas kritisch höre ich, dass er seine Musik über die Zeit relativ wenig entwickelt hat. Im Grunde blieb er immer bei seinen Leisten, manchmal kann das auch etwas schlicht und auf die Dauer redundant wirken. Aber es kommt halt auf die Dosis an, die man zu sich nimmt.

Hier jetzt auf den Plattenteller gelegt:

Bild

Gene Ammons- The Gene Ammons Story - The 78 Era
(Aufnahmen 1950/51 und 1955)

30 Stücke aus drei Jahren, die damals auf 78er-Singles gepresst wurden. Das heißt, Gene Ammons hat allein in dieser Zeit mindestens 15 Singles (A+B-Seite) veröffentlicht!
knifflig, was das "relativ wenig entwickelt" betrifft, ich find die Sachen aus den späten 40ern klingen schon noch mehr nach Bebop als die Sachen aus den späten 50ern... und sowas wie Boss Tenors in Orbit klingt für mich eindeutig nach den 60ern... und dann gibt es die erwähnte Lücke von einigen Jahren - und mit dem, was zwischen 1962 und 1969 im Jazz passierte, hat er sich auf Platte nicht so viel auseinandergesetzt... und von den Sachen nach dem Comeback wär schon das meiste 1962 noch nicht denkbar gewesen, dafür ist zuviel Soul und CTI drin (ich denk an Alben wie Brasswind). Klar, im Blue Note Hard Bop ist er nie angekommen, schwer zu sagen was passiert wär, wenn man ihn neben Kenny Dorham oder Grant Green auf ein Blue Note Album gesetzt hätte... weil's so schön ist:

Gene Ammons (ts); King Kolax (tp); Wallace Burton (p); George Freeman (eg); Chester Williamson (b); Bob Guthrie (d).

die ganz lange Antwort auf die Frage "Wer war King Kolax?" findet man hier bei der Red Saunders Foundation...
Hmmm...naja...okay ....

Ich hatte mal eine Phase, in der ich einige Gene Ammons Alben gekauft habe. Mir kam es so vor, dass er wenige sehr gute, einige gute aber auch viele nur okay-e Alben gemacht hat. Oder dass er sich innerhalb einer begrenzten Zeitspanne eigentlich oft wiederholt hat. Ich denke, er hat oft das gemacht, was der Markt wünschte. Und wenn es im Trend lag, hat er sogar eine pseudo Bossa Nova-Platte gemacht - die für ihn völlig untypisch ist, ich aber originell finde und sehr mag. Er war halt eine Marke, die Prestige offenbar gepflegt hat und zu vermarkten wusste. Da er 1962 bis 69 nichts neues aufnehmen konnte, zeigen die unmittelbar davor auf Halde produzierten Alben aber auch zwangsläufig keine große Entwicklung - verkauft haben sie sich trotzdem.

Am Ende habe ich nur wenige Alben von ihm behalten und aus dem Rest eine Mix-CD destilliert. Die ist dann aber auch sehr gut.

Aber stimmt schon, natürlich gibt es bei ihm über den langen Zeitraum von den späten 40ern bis in die frühen 70er eine Entwicklung. Wenn man heute innerhalb kurzer Zeit viele 50er/60er Jahre-Alben von Gene Ammons hört, die damals innerhalb eines viel größeren Zeitraums veröffentlicht und gehört wurden, wirkt das aber natürlich anders, als wenn man das damals über Jahre verteilt gehört hat.

Gene Ammons war bei Prestige tatsächlich ein Verkaufsschlager. Ich habe diese The Prestige Story-Box, darauf ist Gene Ammons als leader mit 5 Tracks und damit am häufigsten vertreten. Bob Weinstock schreibt in den liner notes, dass er mit Gene Ammons "people music" produzierte, "That's what you got from Gene", und einige seiner Alben "huge best-sellers" waren. Aber das ist ja auch nicht verkehrt.

Hier jetzt:

Bild

The Gene Ammons Story : Organ Combos (Aufnahmen 1960/61, Compi 1977)

Aufnahmen aus den 3 Alben Twistin' The Jug, Angel Eyes und Velvet Soul. Schon sehr gut und das schmusige Angel Eyes war damals sogar ein Hit.
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

Die Rachabane ist rein digital, aber auch auf dieser Compilation (LP/CD/MC) zu finden:
https://www.discogs.com/master/714909-V ... ican-Horns

Weiter ging es hiermit:



Tete Mbambis– Did You Tell Your Mother
Pat Matshikiza – Sikiza Matshikiza
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

Bei Ammons würde ich schon umdrehen: viele gute und einige okaye. Aber wo bei 50+ Alben "viele" und wo "einige" liegt, ist wohl unterschiedlich (frag drei Leute, was "häufig" heisst und du kriegst Antworten im Bereich 20–90%).
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Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Friedrich »

gypsy tail wind hat geschrieben: 06 Jul 2026, 12:47 Bei Ammons würde ich schon umdrehen: viele gute und einige okaye. Aber wo bei 50+ Alben "viele" und wo "einige" liegt, ist wohl unterschiedlich (frag drei Leute, was "häufig" heisst und du kriegst Antworten im Bereich 20–90%).
Ja, so ist das wohl. Ist halt meine subjektive Wahrnehmung, die auf einer Erfahrung beruht, die ich vor inzwischen schon einigen Jahren gemacht habe und damit zwangsläufig nicht mehr ganz frisch ist. Aus heutiger Perspektive würde ich das vielleicht relativieren. Und dass Ammons versuchte, auf den Bossa-Zug aufzuspringen (aber ganz woanders landete), kann man ihm sowieso nicht zum Vorwurf machen. Das gleiche hat ja sogar Coleman Hawkins - und zwar treffsicherer - gemacht.

Ich habe ja auch gar nichts gegen Brother Jug und lege die paar Alben oder Compis, die ich von ihm habe, gerne auf.
Zuletzt geändert von Friedrich am 06 Jul 2026, 14:09, insgesamt 2-mal geändert.
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