Gene Ammons

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thelonica
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Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

thelonica hat geschrieben: 21 Feb 2026, 00:12 Bild
GENE AMMONS - Blue Gene

Für mich ist Gene Ammons mit akustischen Instrumenten (mit Kenny Burrell gefällt er mir schon auch) etwas interessanter. Das hat hier viel mit Mal Waldron zu tun, der wohl noch alle Stücke von "Blue Gene" geschrieben hatte, Art Taylor an Drums und Doug Watkins am Bass plus Ray Barretto und Idrees Sulieman und Pepper Adams. Der Sound von Ammons konnte sich schön entfalten mit der Begleitung von Mal Waldron. Beim späteren Waldron fehlt mir mehr die leichte funkyness, wie er hier rhythmisch Akzente setzte und sich bewegte sagt mir sehr zu. Nach Aussagen von Art Taylor und Waldron spielten beide gerne mit Ammons und das hört man diversen Aufnahmen schon an. Die Quinichette Session mit dem Stück "Cool-Lypso" ist auch richtig toll. Die Rhythmusgruppen aus dieser Zeit (mit Art Taylor oder z.B. mit Ed Thigpen oder Jerry Segal) möchte ich noch etwas mehr erkunden.
thelonica hat geschrieben: 21 Feb 2026, 12:24 Bild

GENE AMMONS ALL STARS - Jammin' In Hi Fi with Gene Ammons

"Pennies From Heaven" ist vielleicht mein Lieblingsstück von diesem Album, Ammons spielte fantastische Intros und Outros auch bei anderen Stücken. Jammin' ist daher vielleicht ein bißchen "übertrieben". Paul Chambers, Waldron und vor allem Kenny Burrell lassen die Aufnahme wirken als hätten sie doch mehrmals geprobt. Besonders der Walking Bass in four von Chambers hält alles zusammen bei Stücken mit einer Länge von über 10 Minuten. Ach ja, auch bei "Blue Gene" swingt es sehr. Im langsamen Tempo über längere Zeit (10 min. plus) zu spielen erfordert ziemlich viel Konzentration, das ist gar nicht einfach. "Idle Moments" von Grant Green mit Al Harewood an den Drums wäre dafür ein gutes Beispiel.
thelonica hat geschrieben: 24 Feb 2026, 13:26
thelonica hat geschrieben: 21 Feb 2026, 00:12 Bild
GENE AMMONS - Blue Gene

Für mich ist Gene Ammons mit akustischen Instrumenten (mit Kenny Burrell gefällt er mir schon auch) etwas interessanter. Das hat hier viel mit Mal Waldron zu tun, der wohl noch alle Stücke von "Blue Gene" geschrieben hatte, Art Taylor an Drums und Doug Watkins am Bass plus Ray Barretto und Idrees Sulieman und Pepper Adams. Der Sound von Ammons konnte sich schön entfalten mit der Begleitung von Mal Waldron. Beim späteren Waldron fehlt mir mehr die leichte funkyness, wie er hier rhythmisch Akzente setzte und sich bewegte sagt mir sehr zu. Nach Aussagen von Art Taylor und Waldron spielten beide gerne mit Ammons und das hört man diversen Aufnahmen schon an. Die Quinichette Session mit dem Stück "Cool-Lypso" ist auch richtig toll. Die Rhythmusgruppen aus dieser Zeit (mit Art Taylor oder z.B. mit Ed Thigpen oder Jerry Segal) möchte ich noch etwas mehr erkunden.
Beim letzten Stück (Hip Tip) ist mir noch aufgefallen, wie weit die Musiker sich teilweise vom Be Bop entfernen, wie effektiv u. clever diese Arrangements/Stücke doch sind. Der Anfang von "Hip Tip" beginnt mehr wie ein Trauerzug, das Thema könnte auch von Mingus sein, bis Ammons das Thema erneut kurz vorstellt auf dem Tenor, allerdings eher wie vielleicht Johnny Hodges, danach geht es dann über in einen Blues, der gefühlt viel mehr mit Round Midnight zu tun hat. "Blue Greens & Beans" ist tatsächlich mehr Big Band, Art Taylor hält sich zurück mit Be Bop Vokabular, interessant zu hören. Interessant zu hören, dass Hard Bop, Soul Jazz und Big Band Swing auch gleichzeitig gehen mit diesen Musikern, wenn ein Drummer einfach etwas anders spielt, was Taylor offensichtlich drauf hatte. Pepper Adams und Idrees Sulieman setzten das aber auch gekonnt um, gefühlt gibt es hier fast vier Leader (Ammons, Waldron, Adams u. Sulieman). Aus dem ersten Stück werde ich nicht ganz schlau, Waldron schrieb "Blue Gene" für Ammons. Es lässt etwas an Webster/Ellington mit mehr längerer Laufzeit (ca. 12 Minuten) denken. Adams, Sulieman, Waldron und Watkins solieren allerdings nach Ammons, Art Taylor spielte mit Besen bei diesem Blues.

thelonica hat geschrieben: 27 Feb 2026, 11:46 Bild

GENE AMMONS - Hi Fidelity Jam Session/The Happy Blues

Ammons und Art Farmer spielten beide in Big Bands, vielleicht haben Ammons Alben u.a. deswegen mehr einen Ensemble Sound/Konzept, ich höre das hier mehr als Ensemble, weniger als Jam. Das erste Stück The Happy Blues ist z.B. eindeutig mehr lässige "Tanzmusik" (Jahre vor sowas wie "Madison Time"), das Intro davon beginnt mit Piano, Bass und Drums bevor die Bläser mit einem Riff einsetzen. Art Farmer hatte The Happy Blues geschrieben. Art Farmer spielte allerdings auch bei Johnny Otis, Jay McShan, (u. Lionel Hampton/Quincy Jones) obwohl man Art Farmer vielleicht sonst weniger mit Blues und Rhythm & Blues Bands verbindet. Aber Ammons und Farmer passen nicht nur auf dem Papier zusammen, musikalisch ergänzten sie sich hier ganz gut. "Can't We Be Friends" zeigt das besonders gut, das Stück ist auch eher Tanzmusik, die Performance von Ammons und Farmer bringt es noch auf ein anders Level, die Rhythmusgruppe blieb die meiste Zeit gemütlich locked in beim Groove, was bei Ammons meistens gut passt. Das Solo von Art Farmer ist grandios (Note für Note könnte man Farmer mit Harry Sweets Edison oder Kenny Dorham verwechseln!), Jackie McLean und Duke Jordan übernehmen danach noch. Ein Fragezeichen bleibt für mich der zweite Track "The Great Lie" - eine bekannte (?) Cab Calloway Nummer. Die neuere Version ist schon echt super. Beim Calloway Original könnte u.a. Ike Quebec zu hören sein (Anmerkung: Die Calloway Version war wohl eher mit Chu Berry, ein Favorit u.a. von Coleman Hawkins. Ammons spielte The Great Lie" wahrscheinlich schon etwas früher in der Woody Herman Band, weswegen die spätere Version von Ammons auch ziemlich ausgereift und dennoch frisch klingt. Der Vorschlag "The Great Lie" zu spielen kam übrigens von Art Taylor, s. LP),. "Madhouse" (von McLean) der letzte Track bricht dann mit der Gemütlichkeit, das ist vom Tempo her ein ziemlicher fordernder Mix aus Mambo, Be Bop (weniger Hard Bop), eigentlich mehr was für Tanz Champions (und über 6 Minuten lang).
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Re: Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

thelonica hat geschrieben: 28 Feb 2026, 19:56 Bild

GENE AMMONS - Boss Tenor

Das ist auch ein sehr tolles Album. Aus der Perspektive der Rhythmusgruppe wird es sogar noch interessanter, musikalisch ist es oft nahe beim Coleman Hawkins Quartett, Tommy Flanagan spielte hier mit Ammons mindestens genauso einfühlsam. Ammons verstand es auch mit Space innerhalb der gespielten Musik umzugehen. Art Taylor hatte 1992 etwas zu Gene Ammons zu erzählen, s. https://tedpanken.wordpress.com/2017/04 ... n-in-1992/.
AT: Yeah, Gene was great. First of all, my mother was a big Sonny Rollins fan for this piece, “This Love Of Mine,” that he did at one time — I think Blakey and Kenny Drew and I think Percy Heath was the personnel on that. She loved that record. But when she heard “Canadian Sunset,” Gene Ammons got her. She loved Gene Ammons. So I had to play this record. I’d have something on, and I’d have to put “Canadian Sunset” on. She liked that piece...

He had that big sound, you know. God, he had this big sound. And he would tell me, “When we get to the end of the chorus, I want you to drive me and kick me and spur me on and everything.” It was a great learning experience, because he was so much more experienced and so much older. I learned so many different things from Gene Ammons. Plus, he was such a sweetheart, one of the sweet guys of the music business.

AT: Well, Gene Ammons is… He’s quite a topic right there, you know, because he’s not spoken about that much these days. We would be on those record dates, you know, with Jackie and Coltrane and all those people, and Gene…I mean, whatever he said, nobody questioned anything. Because he was a master musician, first of all, plus he was a great, great creative person and a great improviser, had tremendous imagination. Looking back, I can picture it in my mind right now, these sessions we would do with Jug. Everybody was so thrilled just to be in his presence. And to be on the record date with him, that was a big thing in itself.

thelonica hat geschrieben: 03 Mär 2026, 19:18 Bild

GENE AMMONS - Funky/Hi Fi Jam Session

Eine neu Anschaffung mit "Boss Tenor" zusammen. Der teils große Sound von Ammons war bei "Stella By Starlight" den anderen Musikern nicht im Weg, Waldron oder Kenny Burrell wussten wie sie den (mit weniger Lautstärke) gut komplimentieren konnten. Die zwei Stücke von Jimmy Mundy sind mir weniger bekannt. Art Taylor zusammen mit Doug Watkins wäre wahrscheinlich meine Lieblings Rhythmusgruppe bei Gene Ammons, obwohl es da noch mehr interessantes Material gibt (u.a. mit Junior Mance, Gene Wright, Blakey und Wes Landers).

thelonica hat geschrieben: 04 Mär 2026, 11:59 Bild

GENE AMMONS AND HIS ALL STARS - Groove Blues

Zwei Stücke von Waldron, eins von Ammons plus "It Might As Well Be Spring", so ist hier die Reihenfolge. Bei "It Might As Well Be Spring" hatte ich mehr die (etwas schnellere) Version von Kenny Dorham (Album Blue Spring) in Erinnerung, andere Versionen nicht, obwohl die von Ike Quebec (1961) bekannter sein dürfte. Coltrane ist hier bei drei Stücken auf dem Altsaxofon zu hören, was schon spannend ist. Pepper Adams, der auch mal in der Woody Herman war, spielte auf den ersten beiden Stücken. Stellt sich die Frage, ob man die Capitol Aufnahmen von Herman mit Ammons hören sollte? Vielleicht schon, denn da wurde Ammons gefeatured, "Not Really The Blues" (Johnny Mandel) wurde sogar nochmal für Prestige aufgenommen. Insgesamt macht das Album Spaß, Jerome Richardson ist bei drei Stücken auf der Flöte zu hören, Quinichette auf zwei Stücken und Mal Waldron überzeugt. "Ammon Joy" von Mal Waldron hätte man vielleicht als Albumtitel nehmen können.

thelonica hat geschrieben: 20 Jun 2026, 16:36 Bild

WOODY HERMAN AND HIS ORCHESTRA - Early Autumn

Terry Gibbs bekam schöne Features bei "More Moon" und "The Great Lie", Gene Ammons war allerdings der Hauptgrund die LP zu holen. Das Solo von Stan Getz bei "Early Autumn" machte ihn über Nacht bekannt - das Stück ist aus der "Summer Sequence" (der letzte Part daraus) von Ralph Burns, obwohl das heute vielleicht kaum noch jemanden interessiert. Und das Solo von Gibbs bei Autumn ist auch fein, ansonsten hört man ihn schon mehr als Be Bop Musiker ("Keeper of the Flame" von Shorty Rogers).
Gene Ammons ist auf der zweiten Seite wieder vertreten. "The Great Lie" (Andy Gibson, Cab Calloway), mit einem Arrangement von Neal Hefti, erschien wohl zum ersten Mal auf dieser LP, Ammons nahm den Titel später für eine seiner Prestige LPs mit anderer Besetzung erneut auf. Weitere Highlights: Tenderley, Rhapsody In Wood und Starlight Souvenirs. Bob Graf, der mit Clark Terry (und Grant Green) in St. Louis zu tun hatte, bekam ein Solo bei "Sonny Speaks (diese Aufnahme entstand im Juni 1950 in Nashville).
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Re: Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

redbeansandrice hat geschrieben: 23 Jun 2026, 13:54

Gene Ammons & Sonny Stitt – Boss Tenors In Orbit!

kenn ich natürlich schon länger, hält ein bisschen Geraschel auf der Platte zum Glück aus... Working Bands waren bei Verve ja nicht selbstverständlich... aber wenn es "William James", "Donald Patterson" (so heissen sie hier, ist ja ein etwas förmlicherer Rahmen) und Paul Weeden sind, wir scheinbar eine Ausnahme gemacht... zu Recht, denn sie waren Anfang der 60er eine der besten Bands im Orgeljazzfach.
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Re: Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

thelonica hat geschrieben: 05 Jul 2026, 10:03 Bild

GENE AMMONS - Nice An' Cool

Hier im Stream. Ammons mit einem Balladen Programm (überwiegend), besser wird es wahrscheinlich heute nicht. Es gibt Platten mit mehr Action, z.B. die spätere "The Chase" mit u.a. Dexter Gordon, Steve McCall und Wilbur Campbell. Und Ammons mit unterschiedlichen Drummern zu hören ist auch meistens spannend, aber "Nice An' Cool" hat mehr gemeinsam mit den Hawkins Alben für Prestige/Moodsville, thanks to Richard Wyands. Beim Jazz Profile von NPR wurde erwähnt, dass Ammons zu den Bestsellern bei Prestige zählte. Die Musik lief auch im Radio, Miles verkaufte sich zeitweise nicht ganz so gut, was man sich heute nicht mehr ganz so gut vorstellen kann (vielleicht auch, weil die Aufnahmen von Miles schon ein paar Jahre alt waren).

Friedrich hat geschrieben: 05 Jul 2026, 15:35
thelonica hat geschrieben: 05 Jul 2026, 10:03 Bild

GENE AMMONS - Nice An' Cool

Hier im Stream. Ammons mit einem Balladen Programm (überwiegend), besser wird es wahrscheinlich heute nicht. Es gibt Platten mit mehr Action, z.B. die spätere "The Chase" mit u.a. Dexter Gordon, Steve McCall und Wilbur Campbell. Und Ammons mit unterschiedlichen Drummern zu hören ist auch meistens spannend, aber "Nice An' Cool" hat mehr gemeinsam mit den Hawkins Alben für Prestige/Moodsville, thanks to Richard Wyands. Beim Jazz Profile von NPR wurde erwähnt, dass Ammons zu den Bestsellern bei Prestige zählte. Die Musik lief auch im Radio, Miles verkaufte sich zeitweise nicht ganz so gut, was man sich heute nicht mehr ganz so gut vorstellen kann (vielleicht auch, weil die Aufnahmen von Miles schon ein paar Jahre alt waren).
Der würde auch gut in den Tenor Titanten-Thread passen!

Soweit ich weiß, war Gene Ammons zu Lebzeiten ein Star! Seine Musik wurde auch auf Singles veröffentlicht und steckte wohl in den afro-amerikanischen Bars in den Juke Boxes. Er war mehrfach wegen Drogengeschichten jahrelang (einmal von 1962-69!) im Gefängnis. Prestige nahm vor dem Antritt der Haftstrafe reichlich Musik mit ihm auf und veröffentlichte sie nach und nach, so dass er zumindest in dieser Form in der Szene präsent blieb. Und als er wieder draußen war, veröffentlichte Prestige ein Album mit Titel "The Boss Is Back!"

Aber das kann man in dem von Dir erwähnten NPR Jazz Profile sicher auch alles nachhören. Danke für den Hinweis!

Immer irgendwo im Spannungsfeld von Bop, R&B und Balladen, hier und da etwas an den Zeitgeschmack angepasst. Etwas kritisch höre ich, dass er seine Musik über die Zeit relativ wenig entwickelt hat. Im Grunde blieb er immer bei seinen Leisten, manchmal kann das auch etwas schlicht und auf die Dauer redundant wirken. Aber es kommt halt auf die Dosis an, die man zu sich nimmt.

Hier jetzt auf den Plattenteller gelegt:

Bild

Gene Ammons- The Gene Ammons Story - The 78 Era
(Aufnahmen 1950/51 und 1955)

30 Stücke aus drei Jahren, die damals auf 78er-Singles gepresst wurden. Das heißt, Gene Ammons hat allein in dieser Zeit mindestens 15 Singles (A+B-Seite) veröffentlicht!
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Re: Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

thelonica hat geschrieben: 05 Jul 2026, 19:19 Bild

GENE AMMONS - The Soulful Moods Of Gene Ammons

Davon gibt es ein Reissue von 2023, aber ich streame die Aufnahmen. Patti Bown am Piano hat hier tolle Beiträge, u.a. bei "Three Little Words" und besonders auch "You'd Be So Nice To Come Home To". Und Ammons startete "Skylark" mit Sounds im Intro, die eher nach einer Flöte klingen, vergleichbar mit Yusef Lateef vielleicht. Das Album ist vielleicht nicht ganz so toll wie "Eastern Sounds", aber die Musik bleibt hier auf eine positive Art uplifting, was viel mit dieser Gruppe und Ammons zu tun hat. Patti Bown wirkt vielseitig, Begleitung ist super, mal dezent und ab und an etwas expressiver. Mit Lee Morgan hat sie wohl nicht gespielt, aber ich höre ein paar kleine Gemeinsamkeiten mit Harold Mabern (Erroll Garner) hier und da.
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Re: Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

Bild

GENE AMMONS - Young Jug

Die Classics sind im Detail vielleicht etwas interessanter, weil hier geht es erst 1949 los mit Aufnahmen für Aristocrat und später dann Chess Records. Die ersten zwei Tracks sind mit einer Band von Tom Archia. Das Material wurde von Keepnews und Bob Porter für GRP Records kompiliert: Es ist dennoch nicht uninteressant, es gibt "More Moon" (von Shorty Rogers, die Version der Woody Herman Band ist von 1949), "Tenor Eleven" ein Stück das 1950 aufgenommen wurde (mit Junior Mance), ein sehr einfühlsames "Goodbye" in echt langsamen Tempo mit einer gewissen Dramaturgie. Ammons spielte so eine Ballade wie "Goodbye" fast im Stil von Don Byas, aber etwas karger (Quartet), abgründiger vielleicht und langsamer. Gene Wright am Bass ist bei den Aufnahmen ab Mai 1950 auch zu hören.

Die Versionen von "Old Folks", It's The Talk Of The Town", "Once In A While" und "My Foolish Heart" sind sehr toll.

Hier ist kein Altsaxofonist mit dabei, Sonny Stitt spielte Bariton manchmal mehr im Hintergrund und solistisch ist Ammons der absolute Mittelpunkt. Die Version von "Pennies From Heaven" zündet bei mir nicht so richtig, irgendwie ist die auf dem späteren Prestige Album (mit Kenny Burrell) sehr viel toller. Ammons spielte "Pennies" in etwas mehr als sechs Monaten bei Herman aber auch. Aufnahmen für Mercury (1949/1950) und Prestige (1950/1951/1953) findet man dann sicherlich auf den Classics und Prestige Compilations.
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Re: Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

Hier gibt es ein größeres Interview mit Mal Waldron. Ted Panken hatte zwei Treffen mit ihm und fügte diese beiden Interviews zusammen. Das erst Treffen mit Waldron fand im August 2001 statt. Btw., Ammons und Waldron wurden beide 1925 geboren, letztes Jahr wurden also zwei centennials verschlafen(?). Vielleicht hat mal jemand einen Video im Forum gepostet, aber mehr passierte sonst wohl nicht. Was Waldron den Komponisten bei Prestige angeht, kann ich ihn noch nicht gut begreifen, Waldron hatte Komposition und Theorie studiert (ich nicht) und damit sicherlich Ansätze entwickelt, die das Komponieren beschleunigen. Darüber sprach er auch. Außerdem hatte er z.B. "Stablemates" von Benny Golson aufgenommen, aber das mag ein Vorschlag von Gigi Gryce gewesen sein. Manchmal höre ich Kompositionen des jüngeren Waldron irgendwie in der Nähe von Mingus oder Golson, aber Waldron hatte natürlich musikalisch noch andere Interessen (Hawkins, Herbie Nichols, Monk, Parker, Swing, Bud Powell, Cecil Taylor etc). Es ist schwieriger, das Ganze retrospektiv einzuordnen. Golson und Waldron hatten jedenfalls die Fähigkeit für andere Hornplayer zu komponieren, oder wollten die eigenen Stücke selber spielen, während bei Mingus oft die Ebene anders war, die Musik von Mingus hat mal mehr mal weniger einen "Workshop Charakter" und weitere verschiedene Eigenschaften. Beides hat seine Qualitäten, wenn man überlegt was ein Lee Morgan fast im Alleingang mit den Stücken von Golson machen konnte. Oder Idrees Sulieman mit Stücken von Waldron.

https://tedpanken.wordpress.com/2011/08 ... his-birth/
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Re: Gene Ammons

Beitrag von redbeansandrice »

ich wander auch mal hierüber...
gypsy tail wind hat geschrieben: 08 Jul 2026, 07:33
redbeansandrice hat geschrieben: 07 Jul 2026, 10:22
Gene Ammons 1947-1949

Musik aus dem Bebop Untergrund, Leute wie Junior Mance, Gene Wright, den Komponisten A.K. Salim, Earl Coleman, Leo Parker... kennt man eigentlich von anderswo her, und vor allem von später... aber hier 1947 waren sie alle beisammen und nahmen zusammen mit Ammons in leicht verschiedenen Lineups gar nicht so wenig Musik auf, die zwar irgendwie Bebop ist, aber auch schon Aspekte des Mainstreams der 50er vorwegnimmt
Ich hör da auch Parallelen zur Musik von James Moody, grad in der Verbindung von Bop und Elementen aus Rhythm & Blues ... ob das jetzt eine Vorwegnahme ist oder ob's solche Musik halt auch einfach in den mittleren Vierzigern schon gab, müsste man wohl genauer erörtern (ich tendier eher zu letzterem ... quasi so, wie es von Swing immer auch eine Seitentür zur Pop-Tanzmusik gab, wurde das halt auch im Bop irgendwie fortgeführt, passt halt nicht so zum sexy underground Image der winzigen New Yorker Clubs mit ihren kompromisslosen Avantgardisten).
ja, schwierig das mit dem Untergrund... diese Geschichte, dass alle unsere liebsten Hard Bop Musiker Ende der 40er auftauchten, um dann ein paar Jahre R&B spielen zu müssen, bis sie ab Mitte der 50er endlich richtig losjazzen durften... Das ist eine komische Geschichte und da gibt es dutzende Beispiele, Hampton Hawes, Elmo Hope, Johnny Griffin, Wes Montgomery, Teddy Edwards, Hank Jones, Junior Mance, John Coltrane, der ja erst bei Dizzy Gillespie war und dann bei Earl Bostic, Gay Crosse, Johnny Hodges... und klar, vielleicht waren die Gigs dort oder bei Cootie Williams oder Joe Morris am Ende doch nicht so schlimm, wie es manche Jazzpuristen gerne gesehen hätten... der Trigger um das vom Untergrund zu schreiben war wohl das auftauchen des Sängers und Komponisten Marcel oder Marcelle Daniels, den man sonst von Elmo Hope's Rikers Island Projekt kennt...

was auf jeden Fall auch so ist: auf den Classics CDs ist die kritische Masse beisammen und klar überschritten, in diesen 70 Minuten Blöcken kann man die Musik kaum konsumieren :) aber kriegt schon mit was da alles nebeneinandersteht, Tenor-Battles, Balladen, teilweise mit reichen Arrangements, Calypsos oder dergleichen, Blues-Gesang aber auch Scat... Ammons hat echt viel aufgenommen.

diese Compilation, die du, thelonica, da gehört hast, hatte ich vergessen, aber ich bild mir ein, die wär sehr gut programmiert - hatten wir es da im alten Forum mal drüber? Und in der Tat die Tracks mit Archia sind super... dafür gibt es bei den Classics ein paar schöne Alt-Soli, vor allem von einem Flaps Dungee, aber auch von Stitt.
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Re: Gene Ammons

Beitrag von thelonica »

Du wolltest über Gene Ammons im Zusammenhang mit Chicago schreiben, wovon ich wenig Ahnung hatte. Vielleicht sollte ich das auch übernehmen, aber ich habe es mir nicht zugetraut. Ich habe Ammons irgendwann schon als eigenes Thema begriffen, aber noch nicht so intensiv gehört, das kam dann später. Die NPR Jazz Profiles über Gene Ammons und Tommy Flanagan habe ich mir tatsächlich öfters angehört, weil die einfach sehr gut sind, aber in der Zeit wollte ich nicht aktiv ein Instrument spielen (oder erlernen), was sich rückblickend merkwürdig anfühlt.
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Re: Gene Ammons

Beitrag von Friedrich »

Friedrich hat geschrieben: 05 Jul 2026, 15:35
thelonica hat geschrieben: 05 Jul 2026, 10:03 Bild

GENE AMMONS - Nice An' Cool

Hier im Stream. Ammons mit einem Balladen Programm (überwiegend), besser wird es wahrscheinlich heute nicht. Es gibt Platten mit mehr Action, z.B. die spätere "The Chase" mit u.a. Dexter Gordon, Steve McCall und Wilbur Campbell. Und Ammons mit unterschiedlichen Drummern zu hören ist auch meistens spannend, aber "Nice An' Cool" hat mehr gemeinsam mit den Hawkins Alben für Prestige/Moodsville, thanks to Richard Wyands. Beim Jazz Profile von NPR wurde erwähnt, dass Ammons zu den Bestsellern bei Prestige zählte. Die Musik lief auch im Radio, Miles verkaufte sich zeitweise nicht ganz so gut, was man sich heute nicht mehr ganz so gut vorstellen kann (vielleicht auch, weil die Aufnahmen von Miles schon ein paar Jahre alt waren).
Der würde auch gut in den Tenor Titanten-Thread passen!

Soweit ich weiß, war Gene Ammons zu Lebzeiten ein Star! Seine Musik wurde auch auf Singles veröffentlicht und steckte wohl in den afro-amerikanischen Bars in den Juke Boxes. Er war mehrfach wegen Drogengeschichten jahrelang (einmal von 1962-69!) im Gefängnis. Prestige nahm vor dem Antritt der Haftstrafe reichlich Musik mit ihm auf und veröffentlichte sie nach und nach, so dass er zumindest in dieser Form in der Szene präsent blieb. Und als er wieder draußen war, veröffentlichte Prestige ein Album mit Titel "The Boss Is Back!"

Aber das kann man in dem von Dir erwähnten NPR Jazz Profile sicher auch alles nachhören. Danke für den Hinweis!

Immer irgendwo im Spannungsfeld von Bop, R&B und Balladen, hier und da etwas an den Zeitgeschmack angepasst. Etwas kritisch höre ich, dass er seine Musik über die Zeit relativ wenig entwickelt hat. Im Grunde blieb er immer bei seinen Leisten, manchmal kann das auch etwas schlicht und auf die Dauer redundant wirken. Aber es kommt halt auf die Dosis an, die man zu sich nimmt.

Hier jetzt auf den Plattenteller gelegt:

Bild

Gene Ammons- The Gene Ammons Story - The 78 Era
(Aufnahmen 1950/51 und 1955)

30 Stücke aus drei Jahren, die damals auf 78er-Singles gepresst wurden. Das heißt, Gene Ammons hat allein in dieser Zeit mindestens 15 Singles (A+B-Seite) veröffentlicht!
Meine Bemerkung, Gene Ammons hätte seine Musik über die Zeit "relativ wenig entwickelt" war etwas vorlaut, nicht besonders gut informiert bzw. beruhte eher auf einer nicht besonders guten Erinnerung. Ich hatte mich vor inzwischen langer Zeit mal für Ammons intersssiert und einige Alben erworben, darunter wohl auch einige, die er unmittelbar vor seiner Inhaftierung 1962-69 während eines sehr kurzen Zeitraums aufgenommen hatte. Ich denke, die kamen mir zwangsläufig etwas eintönig vor und ich verlor das Interesse. Er hat aber auch sehr viel aufgenommen und veröffentlicht, da bleiben Wiederholungen nicht aus. Wobei umgekehrt ausgerechnet die paar Alben und Compilations von ihm, die ich noch habe, der Behauptung einer fehlenden Entwicklung widersprechen. Boss Tenor (Mainstream, wenn man so will), Bad Bossa Nova (Fake Latin) und Twistin' The Jug (Organ Combo) sind ja sehr unterschiedlich - und sogar innerhalb eines Zeitraums von nur etwa 2 Jahren (1960-62) aufgenommen worden. Es ist offenbar nie zu spät, eigene Vorurteile zu revidieren.
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)