
Die 6, 7 oder 8 jährige Ida zieht mit ihren Eltern und ihrer etwas älteren autistischen Schwester Anna in eine Hochhaussiedlung. Da Sommerferien sind, sind die meisten anderen Kinder mit ihren Familien verreist. Nur ein paar Außenseiter sind zuhause geblieben, darunter Ben, mit Migrationshintergrund, der offenbar oft umziehen muss und von älteren Jungs schikaniert wird, Aisha, dunkelhäutig mit auffälligen Pigmentstörungen im Gesicht, beides Kinder alleinerziehender Mütter, die sich eine Urlaubsreise wohl nicht leisten können. Die neu zugezogene Ida freundet sich mit den beiden an. Ben zeigt ihr, dass er durch Kraft seiner Gedanken Gegenstände bewegen kann. Zunächst ist das ganz harmlos, wenn er einen Flaschendeckel umherfliegen lässt. Nach und nach zeigt sich auch, dass Ben, Aisha und die autistische Anna über Gedanken miteinander kommunizieren und sich gegenseitig beeinflussen können. Doch bei harmlosen Spielereien bleibt es nicht. In Ben hat sich viel Frustration angestaut, die sich in gewalttätigen Aggressionen entlädt. Er entdeckt, dass er mit seinen übersinnlichen Fähigkeiten andere Menschen manipulieren kann. Er gerät zunehmend außer Kontrolle und Ida, Aisha und Anna versuchen verzweifelt ihn aufzuhalten.
Der Film ist langsam erzählt, keine Actionsznen, wenige, meist nicht mal direkt gezeigte Gewaltszenen. Seine Spannung bezieht der Film zum einen daraus, dass wir über Ida, die das alles beobachtet, einen Schlüssellochblick in diese geheime Welt der Kinder bekommen, die anderen verborgen bleibt. Von außen sieht das alles harmlos aus, fast idyllisch, die Kinder spielen ja nur. Das Grauen spielt sich im Verborgenen ab. Zum anderen sind es die filmischen Mittel, die Eskil Vogt (Regie und Drehbuch) und sein Kameramann Sturla Brandth Grøvlen einsetzen, die diesen Film enorm spannend und beängstigend machen. Langsam kriechende Kamera, Einstellungen, bei denen man erst nach einer Weile merkt, dass das Bild auf dem Kopf steht, Unschärfen, Schnitt, Gegenschnitt, wechselnde Perspektiven. In der mehrere Minuten langen Schlussszene wird kein einziges Wort gesprochen, es gibt auch kaum Bewegung und trotzdem oder gerade darum ist die Spannung bis zum Zerreißen.
Gespenstisch, grausam, kaum zu ertragen.
Großartige Kinderdarsteller! Ich frage mich, wie die Kinder auf diesen Film reagieren. Sowas kann man ihnen eigentlich nicht zumuten!
Horror ist eigentlich nicht mein Genre und wird es auch nie sein. Auch The Innocents wird kein persönlicher Lieblingsfilm werden. Er ist aber ein sehr subtiler Psycho-Horrorfilm, bei dem sich das Grauen und die Angst langsam anschleichen und einen packen. Sehr verstörend und sehr beeindruckend.
Übernatürliche starke **** 1/2
