Der letzte Film, den ich gesehen habe

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motörwolf
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Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

https://forum.rollingstone.de/foren/top ... be-vol-ii/

Es ist mir eine Ehre, diesen Thread aus dem RS-Forum hier wieder zu eröffnen!

Um später meine 2026er Filme hier komplett zu haben, rette ich mal eben jene von drüben.

Five Nights at Freddy’s 2 (Emma Tammi, 2025)

Schon Teil 1 war kein guter Film, doch als Freund des Horrorgenres habe ich ihn natürlich trotzdem geschaut. Und als jemand, der gerne Filmreihen u.ä. vollständig sieht, wenn sie einmal begonnen wurden, ging ich gestern auch in Teil 2, obwohl die Kritiken erneut nicht gut waren (nach den Überschriften zu urteilen, lesen tue ich die immer erst nach dem Film). Was soll ich sagen, außer dass auch dieser Film ziemlich übel ist. Gerettet wird er ein Stück weit dadurch, dass er recht gut ausschaut, aber der komplette Rest des Films ist schlimm. Die Dialoge sind zu keiner Zeit realistische Gespräche, das miese Schauspiel macht die Sache nicht besser. Das fällt aber zunächst gar nicht so sehr auf, so stark ist man als Zuschauer bemüht, der wirren Inszenierung irgendwie beizukommen und zu verstehen, was man da gerade sieht (man sollte unbedingt vorher noch einmal die Inhaltsangabe von Teil 1 lesen, bevor man Teil 2 schaut, und selbst dann ist die Story wirr erzählt; Spoiler: es hat zum Beispiel etwas gedauert, bis mir klar war, dass es zwei Pizzerien gibt). Der Film ist aber nicht nur wirr, er ist auch äußerst spannungsarm und sehr, sehr unblutig. Die Zielgruppe scheint mir eher so um die zwölf Jahre alt zu sein, was natürlich blöd ist, wenn es dann trotz der Harmlosigkeit eine FSK 16 gesetzt hat. FSK 12 wäre eigentlich angemessener gewesen, doch leider ist ja nach aktuellem Recht die 12er-Freigabe gleichzeitig eine Freigabe ab 6, wenn die Kinder begleitet sind, und dass wäre in meinen Augen dann doch etwas früh. IMHO sollte es zwei unterschiedliche FSK 12 geben für solche Fälle, einmal so, wie es jetzt ist, und eine echte Freigabe ab 12. Egal, zurück zum Film, denn ich will noch kurz an ein paar Szenen verdeutlichen, was den Film so mies macht. Da ist zum Beispiel eine Szene, in der die 11-jährige Heldin des Films, Abby, mit einer der Animatronics, Chica, ein Taxi besteigt. Natürlich ist es dem Filmteam komplett egal, dass Chica dafür eigentlich zu groß ist (das zieht sich durch den ganzen Film, die Dinger passen einfach durch keine der zu sehenden Türen und sind eigentlich zu steif, um gebückt hindurch zu treten). Natürlich ist Chica aber nicht nur groß, sondern auch schwer, also neigt ihr Einsteigen den Wagen stark zur Seite, man glaubt fast, dass er gleich einfach zusammen bricht. Und ebenso natürlich spielt das eine Sekunde später keine Rolle mehr, als man den Wagen völlig gerade und ohne jedes Problem wegfahren sieht. An einer anderen Stelle ist eine der Figuren, Vanessa, im Auto unterwegs und wird plötzlich und unerwartet angegriffen, denn eine der Figuren hat sich auf dem Dach festgekrallt und auf den passenden Moment zur Attacke gewartet. Es folgt ein wenig Hick-Hack, bevor Vanessa scheinbar entkommen kann. Bei ihrer Flucht ist es jetzt interessant zu sehen, welche Kameraperspektiven verwendet werden. Denn die Kamera tut alles, um zu verhindern, dass der Zuschauer sieht, dass das Monster noch immer auf dem Dach ist. Leider geschieht das extrem plump, und jeder, der mehr als einen Film gesehen hat, weiß auch, dass die Szene noch nicht vorbei ist. Ähnliches gibt es im Film immer wieder zu sehen. Durch die Position der Kamera wird der Zuschauer vom Auftauchen der Animatronics „überrascht“, und gleiches gilt für die Menschen im Film. Bloß sollte das nicht so sein, denn ihre Perspektive und die der Kamera sind offensichtlich andere, und was der Kamera verhüllt bleibt, sollte den Figuren sichtbar sein. Kurz, es ist ein Grauen, aber nicht so, wie es der Horrorfilmfan sich erhofft hat. Maximal 2/10 Punkten

Song Sung Blue (Craig Brewer, 2025)

Ziemlich schöner Film, geht direkt ins Herz. Empfehlung! 8/10 Punkten

Greenland 2 (Ric Roman Waugh, 2026)

Solider Film, der die Qualitäten des Vorgängers aufnimmt und erneut stärker die Familie in den Fokus rückt als die Katastrophe selbst. Neu ist wenig an der Geschichte, dennoch bleibt der Film die ganz Zeit über spannend. Wer Teil 1 mochte, kann hier bedenkenlos rein gehen. Gute 7/10 Punkten.

Send Help (Sam Raimi, 2026)

Raimi präsentiert hier einen wilden Genre-Mix aus Thriller, Survival-Drama, RomCom und Horror. Linda Liddle (Rachel McAdams) ist eine wichtige, aber leider sozial total unsichere und rechte tölpelhafte Mitarbeiterin einer großen Firma, deren neuer Chef, der das Unternehmen geerbt hat, sie verachtet und ihr eigentlich kündigen will. Er gibt ihr jedoch eine letzte Chance, sich auf einer Geschäftsreise zu beweisen. Auf der Reise stürzt das Flugzeug ab, und bis auf Linda und ihren Chef sterben alle. Die zwei retten sich auf eine Insel, wo sich ihr Verhältnis dreht, denn Linda ist zufällig Survivor-Fan und absolut in der Lage, die Situation in der Wildnis zu meistern.

Der Film macht vieles richtig, besonders die Besetzung ist wirklich gut gelungen. Allerdings gibt es auch ein paar Mankos. Wirklich übel ist beispielsweise der Look eines Tieres, das Linda jagt. Das ist schlimmer CGI-Schrott. Da die Szene aber nicht allzu lang ist, kann man das verschmerzen. Wesentlich störender fand ich die Entwicklung der Linda-Figur. Diese wird irgendwann vom Opfer zum Täter und verbreitet dabei mehr Leid, als ihr widerfahren ist. Ja, Macht korrumpiert. Doch wofür Linda im Film zu töten bereit ist, steht in keinem Verhältnis zum Akt des Tötens. Mich hat der Film ab dieser Stelle etwas verloren. 6,5/10 Punkten.

28 Years Later: The Bone Temple (Nia DaCosta, 2026)

DaCostas Film ist ein absoluter Hammer geworden, der den direkten Vorgänger locker in den Schatten stellt. Allerdings ist der Film nur schwer genießbar, die Gewalt in diesem Werk ist wahnsinnig unangenehm zu schauen. Bereits die Eröffnungssequenz mit Spike und den „Powerrangers“, die fast nahtlos an den Vorgänger anknüpft, fühlt sich für den Zuschauer zunehmend beklemmender an und bereit fast körperliche Schmerzen. Dabei ist das Gezeigte letztlich (optisch) relativ harmlos, es gibt eine, immerhin tödliche, Stichverletzung zu sehen. Doch der Weg dahin, und noch viel mehr die Folgen davon, lassen den Zuschauer in ein tiefes emotionales Loch fallen. Aus diesem kommt man auch kaum mehr heraus, solange diese Figuren auf der Leinwand zu sehen sind (die Sequenz in der Scheune, Herrgott). In einem zweiten Handlungsstrang folgen wir Dr. Ian Kelson und dem Alpha aus dem letzten Teil, und so hart die Szenen mit den Jugendlichen sind, so seltsam berührend sind die Szenen mit diesen beiden. Denn Kelson schafft es, eine Art Beziehung zum Alpha aufzubauen. So etwas hat man im Genre schon gesehen, aber nicht so wie hier. Beispielsweise hat diese Beziehung starke homoerotische Untertöne, und das nicht etwa nur wegen des gewaltigen Penis des Alpha (ist der echt?).

Im Finale führen beide Handlungsstränge zusammen, und was Ralph Fiennes hier als Dr. Kelson für eine Show liefert, hat mir im Kino die Tränen in die Augen getrieben. Vor Glück und Dankbarkeit, diese fantastische Szene im Kino sehen und hören zu dürfen. Mindestens innerhalb des Genres ein Meisterwerk, ich gebe 10/10 Punkten.

Primate (Johannes Roberts, 2025)

Netter Tierhorrorfilm, dessen besondere Stärke der Affe ist, der hier von einem Menschen gespielt wird. Das sieht richtig gut aus, und man ist dankbar, dass hier kein CGI eingesetzt wurde. Auch sonst macht Film Spaß und ist ansprechend inszeniert. Lediglich ein Punkt störte mich gewaltig, und das bereits von der allerersten Szene an. Die Figuren verhalten sich immer wieder so unfassbar dumm, dass man weinen möchte. Bleiben wir als Beispiel bei der Eröffnungssequenz: hier geht ein Tierarzt in Bens Gehege, einem Schimpansen, der ganz offensichtlich krank ist. Später im Film erfahren wir, dass der eigentlich im Haus lebende Affe von seiner „Familie“ über Nacht eingeschlossen wurde, weil der durch einen Biss eine Infektion bekommen haben könnte. Und kranke Tiere können nun einmal unberechenbar und gefährlich sein. Unser Tierarzt jedoch geht in den Käfig, lässt die Tür offen, will Ben eine Injektion per ganz normaler Spritze verabreichen. Wahnsinnig professionell. Auch will ich nie wieder sehen, wie der tot geglaubte Killer / das tot geglaubte Monster noch ein letztes Mal angreift. Hat denn in diesem Film niemand Zombieland gesehen und die Regeln gelernt? Trotz dieser Schwachpunkte lohnt sich der Film für Genrefans, und für diese gebe ich 7/10 Punkten.

The Housemaid – Wenn sie wüsste (The Housemaid, Paul Feig, 2025)

Komischer Film. Ich kenne die Vorlage nicht, der Film jedenfalls ist teilweise ganz schön trashig geworden. Es gibt jede Menge Twists (die mich nicht besonders überrascht haben), eine exaltierte Hauptfigur (Amanda Seyfried) und eine cheezy Story (diese Sexszenen!) um deren Mann und das Hausmädchen (Sydney Sweeney, die mit den guten Jeans / Genen). Es wurde relativ viel gelacht im Publikum, auch von mir, aber ich bezweifle, dass Feig all diese Lacher intendiert hatte. Allerdings ist der Film auch über weite Strecken sehr unterhaltsam und spannend, das Ende gar ziemlich heftig. Ich bin völlig planlos, wie ich diesen Film bewerten soll.


Zuletzt gesehen:

Return to Silent Hill (Christophe Gans, 2026)

Ein mysteriöser Brief seiner verstorbenen Frau Mary sorgt dafür, dass James nach Silent Hill zurückkehrt, wo ihre Liebe einst begann. Dort erwartet ihn ein Alptraum...
Das ist seit sehr langer Zeit der erste Film gewesen, bei dem ich ständig dem Impuls widerstehen musste, das Kino zu verlassen. Es mag sein, das Gamern, die die Spielvorlage kennen, der Film besser gefallen wird, doch für sich allein kann der Film kein Stück weit bestehen. Ohne Vorwissen ist es zum Teil gar nicht so leicht zu verstehen, was einem da gezeigt wird. Gut nur, dass es einen auch nicht sonderlich interessiert. Das liegt zum Teil daran, dass auch die Hauptfigur relativ wenig echtes Erstaunen zeigt, obwohl ihm Unglaubliches begegnet. Zum anderen wurzelt des Zuschauers Desinteresse der fehlenden Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern, die von der geringen Überzeugungskraft der Kennenlernstory noch befeuert wird. Da sieht man James, der stoned und viel zu schnell in seinem Muscle Car unterwegs ist und dabei beinahe Mary überfährt. Die wollte zwar gerade aus der Stadt raus, und das mit gutem Grund, wie sich später herausstellt, doch weil ihr Koffer bei dem Beinaheunfall kaputt gegangen ist, lässt sie ihren Bus fahren und steigt ausgerechnet zu dem Idioten ins Auto, der sie gerade fast gekillt hat. Ist klar... Glaubhafter wird die Romanze nicht mehr, weswegen man kaum glauben mag, dass James sich all dem Horror aussetzt, der ihm in Silent Hill begegnet, um Mary wiederzufinden. Viel eher ist man geneigt zu glauben, der Mann würde sich voll laufen lassen, ein durchziehen und dann in Selbstmitleid versinken. Aber egal, wer braucht schon eine gute Story, wenn Atmosphäre und Bilder stimmen? Und das tun sie, bestimmt zwei Minuten lang. Dann hat man genug Ascheregen gesehen. Dachte wohl auch Gans und quält unsere Augen dann mit CGI, das uns 1985 bestimmt verblüfft hätte. Schon damals hätte man jedoch Perücken und falsche Bärte bereits deutlich glaubhafter eingesetzt. 0,5/10 Krankenschwestern
Zuletzt geändert von motörwolf am 23 Feb 2026, 03:04, insgesamt 3-mal geändert.
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Mirror Man
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Mirror Man »

Habe von dem Film bisher nur Schlechtes gelesen und werde daher wohl verzichten. Dabei finde ich Teil 1 ziemlich genial, schade.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

Danke für den Start! Bei mir gibt's hoffentlich morgen und Montag wieder was zu vermelden :-)
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Mirror Man »

Hier lief gestern Trap: No Way Out von M. Night Shyamalan.

Leider insgesamt enttäuschend. Josh Hartnett fand ich gut, die Tochter von Shyamalan kann zwar singen aber nicht schauspielern und mit zunehmender Dauer wurde der Film immer haarsträubender.
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

Mirror Man hat geschrieben: 21 Feb 2026, 08:52 Habe von dem Film bisher nur Schlechtes gelesen und werde daher wohl verzichten. Dabei finde ich Teil 1 ziemlich genial, schade.
Ich lese kaum Kritiken, besonders nicht vor dem Filmbesuch. Natürlich habe ich dennoch mitbekommen, dass niemand ein gutes Haar an dem Film lässt. Aber sowas hält mich selten ab, doch ins Kino zu gehen. Und meistens ziehe ich daraus zumindest irgendeinen Gewinn. Bei Megalopolis von Francis Ford Coppola zum Beispiel war es immerhin spannend zu sehen, wie ein so großer Regisseur an seinen Visionen scheitert (und nebenbei bemerkt, viel an der Kritik an dem Film war einfach Unfug). RTSH ist aber so übel, den würde ich nicht einmal bei SchleFaZ unterbringen wollen.
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

Mirror Man hat geschrieben: 21 Feb 2026, 09:35 Hier lief gestern Trap: No Way Out von M. Night Shyamalan.

Leider insgesamt enttäuschend. Josh Hartnett fand ich gut, die Tochter von Shyamalan kann zwar singen aber nicht schauspielern und mit zunehmender Dauer wurde der Film immer haarsträubender.
Den mochte ich.
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Mirror Man
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Mirror Man »

Echt? Fand das erste Drittel noch ganz interessant aber dann wurden mir die Kapriolen der Handlung doch zu dumm.
(Möchte jetzt nicht spoilern zumal ich nicht weiß wie ich die hier markieren kann.)
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

Meinen Text im RS-Forum zu Trap muss ich nach Feierabend mal suchen. In der Cineplex-App habe ich 4/5 Sternen gegeben.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Vorhin im Kino: My Father Is My Mother (Ang Tatay Kong Nanay) (PH 1978) von Lino Brocka - sehr berührend, auch wenn leider die bestellte Kopie nicht gezeigt werden konnte (die gezeigte Version, was immer es war - "Digital SD" steht auf der Website - war etwa so schlecht, wie die Fassungen auf YT, aber immerhin zu zwei Dritteln oder so Englisch untertitelt).

https://filmpodium.ch/film/172452/my-fa ... -my-mother
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

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Mercy (Timur Bekmambetow, 2026)
In nicht all zu ferner Zukunft werden besonders schwere Verbrechen von einem KI-Gericht verhandelt, bei einem Schuldspruch stirbt der Verurteilte noch im Gerichtssaal. Einen Anwalt hat der Angeklagte nicht, aber immerhin 90 Minuten Zeit, sich zu verteidigen. Dazu hat er Zugriff auf umfassende Ressourcen in Form von Rechenleistung, Polizeiakten, Überwachungsvideos, Datenbanken und nicht zuletzt möglichen Zeugen, die mit ihm sprechen müssen. Der Gerichtssaal selbst ist fast so etwas wie das Holodeck der Enterprise, so dass der Angeklagte sich quasi selbst mitten ins Geschehen versetzen kann. Der Film erzählt die Geschichte des Cops Chris Raven, der seine Frau ermordet haben soll und sich nun vor dem Gericht wiederfindet, dass er selbst einst mit erschaffen hat.
Die kurze Zusammenfassung der Handlung und der Regisseur legen es schon nahe, Mercy ist mit dem Desktop-Thriller-Genre eng verwandt, auch wenn hier kein klassischer Desktop-Screen mehr vorhanden ist (bzw. viel mehr als das). Sich von den ganz starren Regeln des Genres zu lösen ergibt durchaus Sinn, nicht zuletzt macht Mercy optisch mehr her als manches Artverwandte. Die Production Values sind aber auch schon das einzig Gute am Film, sofern man nicht bereit ist, einfach jede gebotene Kröte zu schlucken, die die Handlung bietet. Von Beginn an macht Bekmambetow dem Zuschauer klar, dass er der technischen Entwicklung misstraut und die Idee eines KI-Gerichts für wenig überzeigend hält. Dennoch schwelgt er geradezu in den Möglichkeiten, die die Technik bietet, und er geht sogar so weit, dass er die KI völlig unironisch vermenschlicht, sie vom neutralen Instrument der Gerechtigkeit zur aktiven Helferin der Angeklagten macht. So verhilft die Technik, vor der der Film warnen soll, dem Film Dank einer Selbsterkenntnis zum Happy End. Und *plop,* es verpufft jede Aussage. Bleibt nur ein ganz nett anzusehender, Dank der Krimihandlung, wenn Raven den wahren Mörder sucht, leidlich* spannender Film, der problemlos direkt bei Netflix hätte landen dürfen. 3/10 Todesurteilen

*Der Mörder war mir relativ früh klar.