

Ich bin wieder in England mit dem Proper 4-CD-Set von Ronnie Scott, "Boppin' with Scott". Los geht das im Dezember 1946 mit der Band von Jack Parnell, einer Art Shearing-Combo (Parnell-vib, Norman Stenfalt-p, Dave Goldberg-g und Charlie Short-b) mit Scott am Tenorsax und zwei Stücken, dann ein Feature mit der Big Band Band von Ted Heath - und Scott klingt hier noch sehr nach Coleman Hawkins (oder Webster, Byas) - grosser, weicher Ton, noch nichts von dieser krassen Kantigkeit, die ihn später besonders machen sollte. Die erste ganze Session ist dann die er Esquire Five vom Januar 1948 mit Ralph Sharon am Klavier (und Pete Chilver-g, Jack Fallon-b, Carlo Krahmer-d). Das ist recht typischer europäischer Jazz irgendwo zwischen Bop und Cool mit hübschen, oft etwas hektischen Ensembles - aber die Stimme am Tenorsaxophon klingt allmählich recht interessant, der Ton wird schlanker, die Phrasierung präziser, das Spiel allgemein etwas druckvoller. Das "Jazz at the Town Hall Ensemble" nahm dann im März zwei zweiteilige Singles auf - wieder mit Leuten, die ich grossteils - abgesehen von der Sax-Section - nicht kenne: Reg Arnold-t, Denis Rose-t/p, John Dankworth-as, Scott-ts, Jimmy Skidmore-ts, Bernie Fenton-p, Fallon-b, Krahmer-d. Die letzten Aufnahme auf CD 1 lösten u.a. den Kauf des Proper-Sets aus, denn das Ronnie Scott Club XI Boptet gab's in Japan auch auf CD, einem Reissue der Esquire-Platte unten, auf der neben acht Stücken von Scotts Band auch vier vom John Dankworth Quartet zu finden sind, die bei Proper natürlich fehlen. Hier sind im April 1949 dabei: Denis Rose-t, Johnny Rogers-as, Scott-ts, Terry Polalrd-p, Lennie Bush-b, Tony Crombie-d und Ginger Johnson-bgo (interessante Personalie das, geboren 1916 in der Nähe von Lagos, bei Esquire auch auf Aufnahmen von Kenny Graham's Afro-Cubists dabei, von denen bei Esquire auch ein Album mit Scott erschienen ist - auch die beiden Alben habe ich als Jaapn-Reissues gekauft, bevor ich dann eben Scotts frühe Zeit etwas vertiefen wollte und beschloss, dass das Proper-Set in diesem Fall keine so schlechte Option sein sollte, trotz der unvermeidbaren Überschneidungen).

Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz #176: 13.10.2026, 22:00