Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

Sitze krank im Bademantel auf dem Sofa. Hatte es mit letzter Kraft geschafft, aus der Öffentlichen Bibliothek einige DVDs auszuleihen.

Zwischen den Jahren (Lars Henning, Deutschland 2016)

Becker, der immer nur mit Nachnamen genannt wird, hat wegen Doppelmordes 18 Jahre im Knast gesessen und arbeitet jetzt verbittert nachts als Wachmann. Zufällig kommt es zu einer Begegnung zwischen Becker und Dahlmann (auch nur mit Nachnamen), dem früheren Ehemann und Vater von Beckers damaligen Opfern. Der hat den Tod von Frau und Tochter nicht verwunden, ist seelisch gebrochen und finanziell ruiniert. Und er ist davon besessen, Rache zu nehmen.

Es kommt zu einem zermürbenden grausamen Duell dieser zwei gezeichneten Figuren, die von ihrer Vergangenheit eingeholt werden. Beide sind traumatisiert und einsam. Becker versucht zwar, sich im Leben neu einzurichten, scheitert aber immer wieder an den Umständen und sich selbst. In beiden Figuren brodelt etwas, was den Topf zwangsläufig irgendwann zum Überkochen bringen muss. Der früherer Täter wird zum Opfer und jeder Versuch, die immer weiter eskalierende Situation zu entschärfen, scheitert.

Ein langsam und beklemmend erzählter Film Noir, angesiedelt in den Sozialbausiedlungen, Gewerbegebieten und Eckkneipen einer anonymen deutschen Großstadt. Genau so ungeschönt wie die Settings sind die dargestellten Menschen, allen voran großartig Peter Kurth als Becker, Catrin Striebeck als Rita und Karl Markovics als Dahlmann.

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Ich vergebe bittere, sehr starke ****.
„Wenn der Rhythmus uns begeistert, so erwacht das magische Bewusstsein.“ (Peter Michael Hamel)
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

Moon (Duncan Jones, Großbritannien, 2009)

In einer nicht näher definierten nahen Zukunft ist Sam Bell ist das einzige Besatzungsmitglied einer Mondbasis, auf der Lunar Industries Ltd. auf der erdabgewandten Seite des Mondes weitgehend automatisiert Helium-3 für die Energieversorgung der Erde produziert. Seine einzige Gesellschaft ist ein intelligenter sprechender Roboter, sein einziger Kontakt zur Erde sind zeitversetzt übermittelte Videonachrichten. Durch einen Satellitenausfall ist eine Direktverbindung schon lange nicht mehr möglich. Seine 3-jährige Schicht auf dem Mond ist fast beendet und Sam freut sich darauf, bald zu Frau und Kind auf die Erde zurückzukehren.

Als er nach einem Unfall, bei dem er schwer verletzt wird, aus der Bewußtlosigkeit erwacht, trifft er auf der Basis völlig irritierend auf einen zweiten Menschen - der ebenso Sam heißt und auch genau so ausieht wie er, jedoch jünger und unverletzt. Wer ist der "gleiche Fremde"? Wo kommt er her? Welcher der beiden Sams ist der "eigentliche" Sam Bell? Oder bildet sich Sam das alles nur ein? Nach anfänglicher gegenseitiger Ablehnung und Streitereien verbünden sich die zwei Sams und kommen dem Geheimnis auf die Spur.

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Man mag an der Wahrscheinlichkeit, dass jemand 3 Jahre lang allein auf einer Mondstation stationiert ist, zwar als ziemlich gering einschätzen. Am Ende, wenn sich alles auflöst, erscheint das aber sogar glaubwürdig. Wenn man sich auf dieses Szenario einlässt, erzeugt der Film eine spannende, absurde und geheimnisvolle Athmosphäre. Lange Zeit weiß man als Zuschauer nicht, was da eigentlich passiert und ob man dem, was man sieht, trauen kann.

Der Film spielt weit überwiegend innerhalb der Mondbasis, unterbrochen nur von gelegentlichen Ausflügen auf die Mondoberfläche. Mit Ausnahme von Gesichtern auf Videomonitoren spielt auch nur ein einziger Schauspieler (Sam Rockwell) mit. Ein Kammerspiel, ohne große Action, ohne großen Tricks, in dem wir alles nur aus der Perspektive von Sam sehen. Zwischenzeitlich weiß man als Zuschauer aber auch nicht, aus der Perspektive von welchem der beiden Sams man es sieht.

Man könnte hier Themen wie Kapitalismuskritik, die Macht von Tech-Großkonzernen, tatsächliche oder gefühlte Individualität und die Austauschbarkeit des Menschen im großen Getriebe des Wertschöpfungsprozesses herauslesen. Zum Glück drängen sie sich aber nicht eindeutig auf. Das darf der Zuschauer selbst entscheiden.

Ich vergebe lunare ****.
Zuletzt geändert von Friedrich am 21 Sep 2026, 11:58, insgesamt 1-mal geändert.
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gypsy tail wind
DJ
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Gerade im Kino: Laudry (Uhlanjululo) (CH/ZA 2025) von der Regisseurin Zamo Mkhwanazi. Ein Junge träumt 1968 davon, Musiker zu werden. Seine Familie hat etwas Geld, da der Vater eine Wäscherei leitet. Doch diese liegt in in einem weissen Viertel und soll nun endgültig enteignet werden. Der Vater wird beim Gang aufs Amt schikaniert und dann ins Gefängnis geworfen, der Junge, der natürlich die Wäscherei übernehmen soll, besucht die Geliebte des Vaters, eine Sängerin, und bittet sie, in ihrer Band mitspielen zu dürfen. Und wird dann vor die Wahl gestellt, einem Beamten Informationen zu liefern, damit dieser den Vater freilassen kann ... so in etwa. Wobei ich die jüngere Schwester noch nicht mal erwähnt habe, den beklemmenden Alltag im gerade die Schikanen hochschraubenden Apartheidstaat, die Verbote, den tief in den Strukturen der ganzen Verwaltung verankerten Rassismus usw. Bei Festivals läuft der Film seit letztem September, aber regulär ins Kino kam er Anfang August und obwohl ich nicht vollkommen begeistert bin, bin ich doch froh, ihn noch erwischt zu haben. Jedenfalls ein beachtliches Langfilm-/Spielfimdebut der in Durban geborenen Regisseurin.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz #176: 13.10.2026, 22:00
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Zuletzt gesehen:

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Lethal Weapon [Director's Cut] (Regie: Richard Donner - USA, 1987) 7/10
Lethal Weapon 2 [Director's Cut] (Regie: Richard Donner - USA, 1989) 6/10
Marty Supreme (Regie: Josh Safdie - USA, 2025) 7,5/10
Mr. K (Regie: Tallulah H. Schwab - Niederlande/Belgien/Norwegen, 2024) 7,5/10
Memoirs of a Geisha (Regie: Rob Marshall - USA, 2005) 5/10
Lethal Weapon 3 [Director's Cut] (Regie: Richard Donner - USA, 1992) 7/10
Lethal Weapon 4 (Regie: Richard Donner - USA, 1998) 5/10

Hat Mel Gibson gewusst, welche Botschaften sich durch die Lethal Weapon-Reihe ziehen (End Apartheid, Pro-Choice, Anti-NRA) oder ist er einfach erst später verrückt geworden? Im vierten Teil fragt man seinen Charakter Riggs sogar: "Are you jewish?" Und er antwortet: "Not necessarily." Fairerweise muss man anmerken, dass die liberalen Claims die Produktion nicht davor schützen homophobe Gags aus der Klamottenkiste und anti-chinesische Ressentiments auszupacken. (Komischerweise findet sich hier keine Tibet-Propaganda.)
Im Vergleich zu den Produktionen, die zur gleichen Zeit aus Hongkong kamen, kann man Hollywood-Action schon ein wenig Kindergeburtstag attestieren. Auch dieses Problem lösen die Amis einfach mit Geld: Man lockt die Stars des Auslands nach Los Angeles und verheizt sie in schnell vergessenen Durchschnittsfilmchen. So auch Jet Li, der in Lethal Weapon 4 mit Chris Rock darum wetteifern darf, wer den dämlicheren Gesichtsausdruck sportet.
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

Stereo (Maximilian Erlenwein, Deutschland, 2014)

Erik (Jürgen Vogel) hat sich aufs Land zurückgezogen, bastelt in seiner Werkstatt an alten Motorrädern und hat ein Verhältnis mit Julia (Petra Schmidt-Schaller), der jungen hübschen Mutter einer süßen kleinen Tochter. Doch dann dringt ein geheimnisvoller bösartiger Verfolger (Moritz Bleibstreu), den nur Erik sieht und hört, in diese Idylle ein. Nach und nach wird erkennbar, wer dieses Gespenst ist und und was es mit Eriks verdrängter Vergangenheit zu tun hat.

Auch wenn die Ausgangssituation schon etwas klischeehaft ist, scheint man es hier zunächst mit realen Menschen zu tun zu haben, in die man sich einfühlen kann. Im Verlauf des Filmes wird es aber immer grotesker und plakativer: Es tauchen grimmige, mit Akzent sprechende Gangster auf, eine Wunderheilerin, ein düsterer unterirdischer Nachtclub, in dem nicht gefeiert sondern eine Orgie mit viel nackter Haut zelebriert wird, ein psychopathischer Oberschurke, bei Schlägereien fließt Blut in Strömen und es werden ganze Magazine leer geballert. Am Ende fahren Erik und Julia auf dem Motorrad in die Nacht - oder zumindest ist das Eriks Phantasie. Die Charaktere werden zu Figuren. Eriks psychisches Problem, das Ursache seiner Wahnvorstellugen ist, rutscht da etwas in den Hintergrund.

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Ich erkenne da die Absicht, auch mal im deutschen Film einen mysteriösen, finsteren und reißerischen Psychothriller zu inszenieren. Das wirkt auf mich aber etwas bemüht und nicht ganz überzeugend. Es kommt mir so vor, als hat ein Tatort-Team versucht, einen David Lynch-Film zu machen, oder einen von Winding Refn oder Frank Miller. Gut gemeint, ich finde das eigentliche Szenario von Eriks verdrängter Vergangenheit und die schauspielerischen Leistungen auch ziemlich stark. Aber irgendwie wirkt das auf mich wie ein film-gefördertes deutsches Imitat amerikanischen Genre-Kinos. Was es auch ist, wie Regisseur Maximilian Erlenwein im Interview offen bekennt - und auch davon erzählt, wie schwer es ist, in Deutschland einen Genre-Film zu machen.

Ich vergebe mysteriöse ***.
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Außerdem gesehen:

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National Lampoon's Loaded Weapon 1 (Regie: Gene Quintano - USA, 1993) [Re-Watch] 7/10
The Fighter (Regie: David O. Russell - USA, 2010) 8/10
Blow-Up (Regie: Michelangelo Antonioni - Großbritannien/Italien, 1966) [Re-Watch] 9/10
Source Code (Regie: Duncan Jones - USA/Frankreich, 2011) 6/10
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Stormy Monday
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Stormy Monday »

Bis heute nicht verstanden, trotz mehrfacher Sichtung, was an Blow Up so toll sein soll. Die Yardbirds? Kann mir jemand 9 von 10 erklären?
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Diese ganz eigene Art wie Antonioni Räume und Bewegung inszeniert, in einem farblich kühlen Grundton, aufgebrochen durch kleine, knallige Farbakzente. Zugegeben, dies findet sich auch in anderen Filmen des Regisseurs, ich mag das aber sehr. Und die stille Sequenz, nur untermalt durch das Rauschen des Winds in den Bäumen, als Hemmings die Fotos im Park schießt. (Später im Finale des Tennismatches wiederholt, bis die imaginären Ball/Schläger-Geräusche einsetzen.) Die Yardbirds wirken eher ein wenig aufgepappt und etwas zahm...das ist ja auch eine Studioaufnahme, die da über die "Live"-Bilder gelegt wurde, oder?
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latho
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von latho »

Antonioni ist der, der die Unsicherheit über das Erzählte in den Film gebracht hat. In allen Filmen ist das, was wir sehen war und schlüssig. Bei Antonioni nicht, seine Filme sind so nicht schlüssig und unsicher, wie es das Leben manchmal ist.
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Stormy Monday
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Stormy Monday »

salamandersalat hat geschrieben: 23 Sep 2026, 21:00 Diese ganz eigene Art wie Antonioni Räume und Bewegung inszeniert, in einem farblich kühlen Grundton, aufgebrochen durch kleine, knallige Farbakzente. Zugegeben, dies findet sich auch in anderen Filmen des Regisseurs, ich mag das aber sehr. Und die stille Sequenz, nur untermalt durch das Rauschen des Winds in den Bäumen, als Hemmings die Fotos im Park schießt. (Später im Finale des Tennismatches wiederholt, bis die imaginären Ball/Schläger-Geräusche einsetzen.) Die Yardbirds wirken eher ein wenig aufgepappt und etwas zahm...das ist ja auch eine Studioaufnahme, die da über die "Live"-Bilder gelegt wurde, oder?
Verstand immer, wohin die Reise gehen sollte, aber war mir einfach zu langweilig, der Film. Wie vieles anderes Gejazzte in der Zeit. Das mit den Yardbirds seh ich auch so.
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