
Bill Doggett - Moondust for Dancers in Love
Bill Doggett - On Tour
diese zwei King Alben von Bill Doggett, mutmasslich aus dem gleichen Konvolut wie das Lockjaw Album, kamen dann gestern auch noch mit... gleiches Label, nur ein paar Jahre liegen zwischen den Alben... aber es ist eine Menge passiert, Doggett hatte mit Honky Tonk einen der grossen frühen Hits des Soul Jazz... und plötzlich wurden auf den Albumcovers andere Menschen abgebildet, die andere Dinge taten, ein Produkt für kuschelnde weisse Menschen wurde zu einem Produkt für nicht-weisse Menschen in bester Stimmung - und natürlich tat das was mit der Musik...
Moondust sieht auf dem Papier erstmal toll aus, Percy France (ts), Billy Butler (g), Shep Shepherd (dr) und der Leader an der Orgel... eine Platte mit Percy France kann man nicht stehenlassen, nein... Sonny Rollins hat erzählt, dass France damals Mitte der 40er einer der besten anderen jungen Saxophonisten im Viertel war... er ist nicht fantastisch dokumentiert, aber dies und das gibt es. Tatsächlich scheinen die lineups etwas komplizierter zu sein (s
hier) aber zumindest France ist fast überall zu hören... Das Album ist eine der ersten 12in LPs im King Katalog und man hat sich ein ganz besonderes Balladen-Konzept überlegt, das für heutige Ohren etwas eintönig ist... zumal prä-Jimmy Smith Orgel vielleicht doch nicht so ein tolles Balladeninstrument ist, wie man damals dachte... damals hat der Sound der Hammondorgel den Menschen so viel Freude gemacht, dass das Tenor von France oft erst gegen Ende des Tracks für sein Solo ausgepackt wird, während die Melodien fast alle von der Orgel gespielt werden... ist das jetzt Jazz? dazu müsste man wohl konzentriert nachhören ob ein erheblicher Teil der Tracks mindestens einen Chorus hat, in dem improvisiert und nicht bloss die Melodie verziert wird... ist vielleicht nicht so wichtig. Es gibt schönes Tenor zu hören, und auch gute Momente der Gitarre.
Der Soul Jazz von Doggett, der auf On Tour zu hören ist, geht heute etwas leichter ins Ohr - kein Wunder, diese Art Musik war nicht nur populär sonder auch ziemlich einflussreich, nicht nur im Jazz sondern auch im R&B und frühen Rock... und heute wissen wir auch, dass selbst auf einem Balladenalbum etwa ein Drittel der Stücke Schritttempo erreichen müssen, Moondust war erst das zweite Album des Labels. Auch On Tour ist ein bisschen einförmig, aber das Stück, dass hier immer wieder gespielt wird, ist ein ganz anderes: Es gibt einen Vamp, der sich durch das ganze Stück zieht, ein bisschen Melodie am Anfang, aber eigentlich geht es nur um den Vamp, der hier und da durch Soli von Saxophon oder Gitarre überlagert wird... auf der B Seite gibt es sogar zwei langsamere Tracks, die für ein bisschen Abwechslung sorgen... heute (oder 1962) würde man das wohl noch konsequenter mischen, aber Alben waren damals noch neu.