Der letzte Film, den ich gesehen habe

Benutzeravatar
FifteenJugglers
Beiträge: 84
Registriert: 09 Nov 2024, 11:33
Has thanked: 14 times
Been thanked: 24 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von FifteenJugglers »

salamandersalat hat geschrieben: 29 Jul 2026, 23:03 Apropos Bildstörung: Weiß jemand von euch, was mit dem Kölner Label geschehen ist? Die Web-Auftritte werden nicht mehr betreut, Die Erde ist ein sündiges Lied war die letzte neue Veröffentlichung. Jahre her.
Absolut wahnsinniger Katalog, in vorbildlichen Editionen.
Ein Freund kennt jemanden, der da arbeitet (gearbeitet hat?). Ich frage mal nach.

So lange musst Du mit ChatGPT vorlieb nehmen:

Nach allem, was öffentlich nachvollziehbar ist, gibt es keine Hinweise darauf, dass das Independent-Label Bildstörung aufgekauft wurde oder ein Insolvenzverfahren durchlaufen hat.

Was sich derzeit feststellen lässt:

Die letzten physischen Veröffentlichungen des Labels stammen tatsächlich aus dem Zeitraum 2023. Seitdem sind keine neuen Blu-ray- oder DVD-Ankündigungen erschienen.
Ich konnte keine Meldung über eine Insolvenz, kein eröffnetes Verfahren und auch keine Nachricht über einen Verkauf oder eine Übernahme des Labels finden. Auch in den üblichen Branchenmeldungen wäre ein solcher Schritt wahrscheinlich erwähnt worden – entsprechende Berichte fehlen.
Ebenso gibt es keine Pressemitteilungen oder Branchenberichte, die auf eine Einstellung des Geschäftsbetriebs hindeuten.

Das spricht eher für eines der folgenden Szenarien:

Das Label ruht faktisch. Gerade kleine Independent-Publisher arbeiten oft projektbezogen. Wenn keine neuen Lizenzen wirtschaftlich darstellbar sind, kann ein Label über längere Zeit ohne offizielle Auflösung inaktiv sein.

Lizenzprobleme und Marktentwicklung. Der Markt für anspruchsvolle Blu-ray-Editionen ist seit einigen Jahren deutlich schwieriger geworden. Viele kleine Labels veröffentlichen nur noch sehr wenige Titel oder konzentrieren sich auf den Vertrieb bereits erschienener Filme.

Keine öffentliche Kommunikation. Manche Kleinstlabels stellen ihre Aktivitäten schlicht ein, ohne dies offiziell bekanntzugeben.
Benutzeravatar
salamandersalat
Beiträge: 509
Registriert: 07 Dez 2023, 17:38
Has thanked: 297 times
Been thanked: 137 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

gypsy tail wind hat geschrieben: 30 Jul 2026, 20:38 Ich werd mal reinschauen, hab den zweiten schon mal halb im linearen Fernsehen erwischt bevor "Sinners" rauskam und fand da schon Anknüpfung Punkte.
Nach deinem Statement zum Hollywood-Kino finde ich das bemerkenswert.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
Benutzeravatar
salamandersalat
Beiträge: 509
Registriert: 07 Dez 2023, 17:38
Has thanked: 297 times
Been thanked: 137 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

FifteenJugglers hat geschrieben: 30 Jul 2026, 21:58
salamandersalat hat geschrieben: 29 Jul 2026, 23:03 Apropos Bildstörung: Weiß jemand von euch, was mit dem Kölner Label geschehen ist? Die Web-Auftritte werden nicht mehr betreut, Die Erde ist ein sündiges Lied war die letzte neue Veröffentlichung. Jahre her.
Absolut wahnsinniger Katalog, in vorbildlichen Editionen.
Ein Freund kennt jemanden, der da arbeitet (gearbeitet hat?). Ich frage mal nach.
Das ist lieb. Danke!
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
Benutzeravatar
FifteenJugglers
Beiträge: 84
Registriert: 09 Nov 2024, 11:33
Has thanked: 14 times
Been thanked: 24 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von FifteenJugglers »

motörwolf hat geschrieben: 27 Jul 2026, 02:03 Bild

Backrooms (Kane Parsons, 2026)

Clark ist als Architekt gescheitert und betreibt nun den heruntergekommenen Möbelladen Cap'n Clark's Ottoman Empire. Seine Ehe ist ebenfalls gescheitert, er ist Alkoholiker. Immerhin ist er in Therapie. Eines Abends stößt Clark nach Problemen mit der Elektrik seines Möbelladens auf eine Art Portal in der Kellerwand. Auf der anderen Seite findet er die Backrooms, endlose, sinnlose Räume, zum Teil voll mit seltsam verfremdeten Objekten, zum Beispiel einen riesigen Haufen an Möbeln, die wie miteinander verwachsen aus dem Boden ragen. Und das ist nur der Anfang der Seltsamkeiten.

Der Film ist der vorläufige Höhepunkt eines Phänomens, das vor ein paar Jahren in Internet seinen Anfang nahm. Parsons griff damals die Creepypasta der Backrooms auf, die ihren Ursprung im Foto eines verlassenen Möbelladens hat, das als Beispiel für ein beunruhigendes Bild gepostet wurde. Parsons erster Youtube-Kurzfilm dazu war ziemlich erfolgreich, und so baute der Teenager am heimischen PC ein regelrechtes Filmuniversum auf aus über 20 Kurzfilmen. Zur Vorbereitung auf den Film habe ich diese alle geschaut. Das ist ziemlich herausfordernd, denn all diese Filme sind wie Puzzleteile, die selbst korrekt zusammen gelegt noch kein klares Bild ergeben. Man erkennt ein Motiv, aber es fehlen viele Details. Und auch die Puzzleteile selbst sind voller kleiner Rätsel. Ein Beispiel: in einem der Filme zeigt der mitlaufende Timecode das Datum 29.02.1990. Das muss man erstmal aktiv wahrnehmen um überhaupt bemerken zu können, dass es dieses Datum gar nicht gab. Was das wiederum für den laufenden Film bedeutet, muss der Zuschauer selbst entscheiden. Wurde das Material gefälscht, verändern oder stören die Backrooms den Zeitablauf? Man sieht schon, die Reihe braucht Aufmerksamkeit.
Diese bekam sie schließlich sogar in Hollywood, und Parsons durfte seinen Kurzfilmen den aktuellen Kinofilm folgen lassen. Den man übrigens auch sehr gut schauen kann, ohne sich vorher mit dem Phänomen zu beschäftigen.
Der Film selbst ist deutlich konventioneller inszeniert, folgt viel stärker einem klaren Erzählfaden. In der Serie gab es zwar Figuren, die in mehreren Filmen vorkamen, aber selbst von diesen weiß man nachher wenig. Vielleicht den Namen, eine Funktion, ein, zwei Erlebnisse der Figur in den Backrooms. Der Film dagegen zeigt zum ersten Mal die Vorgeschichte einer Figur, zum ersten Mal überhaupt können wir im Backrooms-Universum von einem Charakter sprechen. Und zum ersten Mal wird tatsächlich eine Geschichte von Anfang bis Ende erzählt. Das hat natürlich den Vorteil, dem Publikum deutlich zugänglicher zu sein als die fragementierte Serie. Andererseits verschiebt sich dadurch automatisch der Fokus von den Backrooms selbst auf die Figuren. Bisher interessierte an ihnen nur, ob sie die Backrooms überleben, jetzt auf einmal soll die Figur selbst Interesse wecken. Das ist schon in Ordnung, klappt auch ganz gut, aber persönlich hätte ich auch kein Problem damit gehabt, ohne großen Rahmen einfach zwei Stunden Clark durch die Backrooms zu folgen. Denn die sind im Kino nochmal deutlich beeindruckender als zuhause die Youtube-Version. Die Räume entstanden für den Film als echte Sets, und diese Sets verfehlen ihre Wirkung nicht. Diese widerlich gelben, endlosen Räume, das gräßliche Licht von ständig surrenden Leuchten, seltsame Fundstücke wie der Pappaufsteller eines Höhlenmenschen, der immer wieder die vielsprachige Grußbotschaft wiederholt, die die NASA der Voyager-Sonde mitgegeben hat. All das ist so wirkungsvoll, man hätte die Hintergrundgeschichte von Clark gar nicht gebraucht für einen guten Film.
Ein solcher liegt hier aber dennoch vor. Clark trägt als Figur, und wenn man bedenkt, dass Parsons noch nicht einmal zwanzig Jahre alt ist und hier zum ersten Mal eine Spielfilmfigur enteickelt hat, ist die Figur sogar bemerkenswert tief. Und die Entwicklung, die Clark durchlebt, ist mal mindestens.... interessant. Aber dazu will ich hier nichts verraten.
Das der Film optisch und vom Sounddesign her überzeugt sagte ich ja schon. Ich war hier ausnahmsweise mal mit meiner Frau im Kino, und die meinte später, noch nie im Kino einer solch beklemmenden Atmosphäre ausgesetzt gewesen zu sein. Jetzt schaut sie nicht so viele Filme wie ich, aber ich verstehe die Aussage. Und allein scheint sie ja nicht zu sein mit diesem Eindruck, wenn man den Erfolg und das Feedback zum Film in den sozialen Medien betrachtet. In meinen Augen ist der Hype durchaus berechtigt, daher gebe ich 9/10 toten Möven (und ringe mit mir, noch mehr zu geben, schon wegen Parsons Alter)
"Backrooms" war auch der Film, den ich zuletzt gesehen habe (ist jetzt aber schon eine gute Woche her). In der "Everything Must Go"-Version - da gibt es im Anschluss an den Film noch einen Kurzfilm, der wahrscheinlich deutlich stärker in Richtung der YouTube-Serie geht und demnächst auch auf YouTube zu finden sein soll (ich habe die Serie noch vor mir).
Deine Gedanken finde ich interessant. Ich weiß nur nicht, ob ein reiner, ich sage mal, Exploration Horror Film über die volle Laufzeit getragen hätte. Es wäre ein anderer Film geworden - keine Ahnung, ob besser oder schlechter.
Mein Gesamteindruck von dem Film ist ebenfalls stark. Ich wäre aber eher bei 8/10.
Benutzeravatar
gypsy tail wind
DJ
Beiträge: 1406
Registriert: 15 Mär 2021, 00:06
Has thanked: 323 times
Been thanked: 223 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

salamandersalat hat geschrieben: 30 Jul 2026, 22:00
gypsy tail wind hat geschrieben: 30 Jul 2026, 20:38 Ich werd mal reinschauen, hab den zweiten schon mal halb im linearen Fernsehen erwischt bevor "Sinners" rauskam und fand da schon Anknüpfung Punkte.
Nach deinem Statement zum Hollywood-Kino finde ich das bemerkenswert.
Der Mensch ist ein kompliziertes Tier!

Und "Backrooms" geh ich Samstagabend gucken.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
Benutzeravatar
gypsy tail wind
DJ
Beiträge: 1406
Registriert: 15 Mär 2021, 00:06
Has thanked: 323 times
Been thanked: 223 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Samstagabend im Kino: Backrooms (US 2026) von Kane Parsons. An sich ziemlich toll ... aber mein übliches Problem mit dem Genre: sobald es konkret und blutig wird, langweile ich mich. Immerhin bleibt in diesem Fall alles ziemlich rätselhaft, was dem Film unbedingt zu Gute kommt. Also: fängt super toll an, man gerät als erstes gleich mal mitten ins Geschehen, erst dann zoomt der Film quasi heraus und führt uns neu ans Thema heran, gemeinsam mit Clark, der auch eine Therapeutin besucht, um seinen Alkoholismus und die Trennung von seiner Frau zu verarbeiten. Die Therapeutin arbeitet sich ihrerseits an einem Kindheitstrauma ab - aber all das ist nicht wichtig, sie wird über Clark in die Backrooms reingezogen und diese morphen dann tatsächlich weiter ... was ich von den ersten Einstellung an erwartet habe. Das ist schon alles ziemlich toll und wie gesagt: dadurch, dass auch die blutigen Szenen keine Erklärungen liefert, der Film jede Eindeutigkeit umschifft, bleibt er auch am Ende ziemlich toll.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
Benutzeravatar
salamandersalat
Beiträge: 509
Registriert: 07 Dez 2023, 17:38
Has thanked: 297 times
Been thanked: 137 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Zuletzt gesehen:

Bild

Give Us the Money (Regie: Bosse Lindquist - Schweden/Großbritannien/USA/Äthiopien, 2012) 6,5/10
Flickan som lekte med elden (Regie: Daniel Alfredson - Schweden/Dänemark/Deutschland, 2009) 4/10
Rafea: Solar Mama [Why Poverty?-Cut] (Regie: Jehane Noujaim/Mona Eldaief - USA, 2012) 7/10
Dust Bunny (Regie: Bryan Fuller - USA, 2025) 7,5/10
Primate (Regie: Johannes Roberts - USA, 2025) 6,5/10
Open Range (Regie: Kevin Costner - USA, 2003) 7/10
Education Education (Regie: Weijun Chen - China/Südafrika, 2012) 7/10
Elephant (Regie: Gus Van Sant - USA, 2003) [Re-Watch] 7,5/10
Elephant [Kurzfilm] (Regie: Alan Clarke - Großbritannien/Nordirland, 1989) 8/10
Poor Us: An Animated History of Poverty (Regie: Ben Lewis - Niederlande, 2012) 6,5/10
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
Benutzeravatar
FifteenJugglers
Beiträge: 84
Registriert: 09 Nov 2024, 11:33
Has thanked: 14 times
Been thanked: 24 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von FifteenJugglers »

Zuletzt gesehen:

"The Invite" (Olivia Wilde, 2026)

Ein miteinander fremdelndes Ehepaar bekommt mit, dass seine Nachbarn Swinger sind und ist von der Idee angeturnt. Ich hatte zuerst keine Lust auf diesen Film, auch weil er zu 99% in einem einzigen Appartement spielt und ich sowas immer schwierig finde (wie soll das nicht theaterhaft rüberkommen?). Aber ich mochte "Booksmart", und so habe ich mir den Film dann doch angeschaut.
Der Film liefert auch gute Unterhaltung ab und gibt den prominenten Darsteller*innen (Seth Rogen, Edward Norton, Penelope Cruz und Wilde selbst) viele Möglichkeiten zu glänzen. Trotzdem reicht nichts im Film an die tolle Splitscreen-Eröffnungssequenz heran, auch wenn es ein paar interessante Spielereien mit der Tiefenschärfe gibt. Inhaltlich bietet der Film leider auch nicht viel Neues. Wie gesagt: gute Unterhaltung, mehr nicht. 7/10
Benutzeravatar
Mirror Man
Beiträge: 806
Registriert: 20 Feb 2026, 08:45
Has thanked: 92 times
Been thanked: 58 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Mirror Man »

FifteenJugglers hat geschrieben: 06 Aug 2026, 08:45 auch weil er zu 99% in einem einzigen Appartement spielt und ich sowas immer schwierig finde (wie soll das nicht theaterhaft rüberkommen?)
Ich mag ja sowas, unter meinen liebsten Filmen sind welche mit einem so reduzierten Setting, z.B. "Der Gott des Gemetzels" oder "Hautnah". Beide basieren auf Theaterstücken.
Benutzeravatar
Jan Lustiger
DJ
Beiträge: 923
Registriert: 04 Dez 2023, 12:05
Has thanked: 104 times
Been thanked: 187 times

Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Jan Lustiger »

FifteenJugglers hat geschrieben: 06 Aug 2026, 08:45 weil er zu 99% in einem einzigen Appartement spielt und ich sowas immer schwierig finde (wie soll das nicht theaterhaft rüberkommen?)
Rope?! Ich würde die Gegenfrage stellen: Warum soll es nicht theaterhaft rüberkommen? Wieso ist das für dich prinzipiell etwas Schlechtes?

Zurück zu „Für Cineasten“