Jazzbücher

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Friedrich
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Re: Jazzbücher

Beitrag von Friedrich »

lotterlotta hat geschrieben: 26 Mai 2026, 11:23
Friedrich hat geschrieben: 26 Mai 2026, 09:23
vorgarten hat geschrieben: 24 Mai 2026, 16:48

ich habe das jetzt mal schnell durchgelesen und bin wenig angetan. es ist zwar eine ganz okaye synthese von all dem, was man über davis weiß und was andere geschrieben haben, aber es hat demgegenüber wenig neues zu bieten. das lektorat ist unterirdisch, es gibt sehr schiefe formulierungen und wiederholungen, da hat niemand mehr drübergeschaut, scheint es. das schlimmste ist, dass hentz überhaupt keine sprache für musikalische prozesse hat, auch kein musiktheoretisches wissen (ich ja auch nicht), gleichzeitig liegt da der fokus und es reichen ihm plattitüden. ermüdend, dass bei jedem musiker im miles-orbit ein kleines wikipedia-exzerpt eingebaut wird, dann aber werden leute wie jarrett vergessen. und die idee, erst die comebackphase nachzuerzählen und dann geburt bis rückzug, finde ich jetzt auch nicht so produktiv. ich habe insgesamt den eindruck eines schnell zusammengeschusterten überblicks.

etwas dezidierter als vielleicht andere autoren zuvor kritisiert hentz miles' verhalten gegenüber frauen und geht da auch in den widerspruch zu szwed, aber so richtig gut recherchiert ist das leider auch nicht, eher eine meinung.
Schade aber Danke! Da kann ich mir die Anschaffungskosten für dieses Buch und die Zeit, es zu lesen offenbar sparen.
.....ich hatte es schon bestellt und werde mir im urlaub trotzdem die zeit dafür nehmen....
Mach das! vorgarten ist ein von mir geschätzter aber auch scharfer Kritiker. Vielleicht liest und siehst Du das Buch ja anders.

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In der aktuellen Ausgabe der Jazzthetik ist zum Jubeljahr (natürlich) auch ein Text über Miles Davis, und zwar vom Autor der besagten Biografie, Stefan Hentz. Im Grunde ein Kurzabriss von Miles Biografie und nichts neues (*). Interssanter finde ich da schon das Titelfoto von Miles Davis in den 80ern mit seinem Ferrari. Im Heft sieht man ihn auch mal am Steuer. Die Fotos stammen aus einem neuen Fotoband von Ralph Quinke, der Miles im Jahr 1989 in dessen Haus in Malibu besuchte.



Miles und die Autos: Das wäre auch ein interessantes Thema! Seine Vorliebe für italienische Supersportwagen ist ja bekannt. Herbie Hancock, der selbst Autoliebhaber war / ist, warnte ihn wohl mal vor einem dieser Gerfährte: "It's dangerous!" Miles fuhr 1972 seinen Wagen zu Schrott und brach sich dabei beide Beine, was wohl zu chronischen gesundheitlichen Problemen führte und zu seinem Absturz Mitte der 70er beitrug. Gas geben passte gut zu ihm, rechtzeitig Bremsen weniger.

(*) Edit: An zwei Punkten habe ich aber was zu meckern: Dass Hentz den Kriegseintritt der USA ins Jahr 1942 verlegt (richtig: Dezember 1941) ist zwar etwas ungenau, aber verzeihlich. Wenn er schreibt "Die beiden Plattenfirmen einigen sich darauf, dass Columbia Aufnahmen mit Davis macht, die jedoch erst veröffentlicht werden, wenn die vier Alben veröffentlicht sind, die er Prestige noch schuldet. So kommt es zwischen 1955 und 1957 zu der interessanten Konstellation, dass Davis für Prestige noch das Material für 4 Alben aufnimmt", ist das aber schon ziemlich doof, da Miles diese 4 Prestige-Alben alle 1956 aufnimmt und sie erst nach den ersten Columbia-Alben veröffentlicht werden. Oder sind da einfach nur Satzbausteine falsch zusammenkopiert, Wörter oder "vorher" und "nachher" verwechselt worden und niemand hats gemerkt?
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gypsy tail wind
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Re: Jazzbücher

Beitrag von gypsy tail wind »

Der Markt ist ja gesättigt mit Büchern über Miles Davis, da kann man schon bisschen wählerisch sein. Im Jazzclub läuft vor dem Konzert gerade "Kind of Blue", komplett, momentan das überirdische Solo von Coltrane in "Flamenco Sketches". Und ich frage in die Runde, ob hier wer dieses Buch kennt, zu dem ich kürzlich eine Empfehlung aufgeschnappt habe:

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James Kaplan: Three Shades of Blue. Miles Davis, John Coltrane, Bill Evans and the Lost Empire of Cool
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kathisi
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Re: Jazzbücher

Beitrag von kathisi »

gypsy tail wind hat geschrieben: 28 Mai 2026, 20:12 Der Markt ist ja gesättigt mit Büchern über Miles Davis, da kann man schon bisschen wählerisch sein. Im Jazzclub läuft vor dem Konzert gerade "Kind of Blue", komplett, momentan das überirdische Solo von Coltrane in "Flamenco Sketches". Und ich frage in die Runde, ob hier wer dieses Buch kennt, zu dem ich kürzlich eine Empfehlung aufgeschnappt habe:

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James Kaplan: Three Shades of Blue. Miles Davis, John Coltrane, Bill Evans and the Lost Empire of Cool
Ich habe es gerade gelesen - fasst viel von dem zusammen, was in den anderen Biographien auch ausgebreitet wird, Aber sehr gut geschrieben und ich hatte bisher wenig biographisches zu Coltrane und Evans gelesen. Von daher mein Interesse an dem Buch.
Ich finde es immer wieder spannend, auch die zeitgeschichtliche und gesellschaftliche Seite immer mal wieder vor Augen geführt zu bekommen, in der sich diese Musik entwickelt hat und mit der sich die Musiker auseinandersetzen mussten. Und die unterschiedlichen Charaktere sind ganz gut herausgearbeitet.

Also für mich als Laien gut und interessant, für den Fachmann wohl viel Redundanz.
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gypsy tail wind
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Re: Jazzbücher

Beitrag von gypsy tail wind »

Danke. Was ist denn die These mit dem "lost empire"? Nur ein guter Titel oder gibt's da was Interessantes dazu? Vor allem Coltrane und Cool liegt ja nicht direkt auf der Hand.
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Re: Jazzbücher

Beitrag von kathisi »

Die Bedeutung von Cool in diesem Zusammenhang ist nicht auf den Begriff "cool Jazz" gemünzt, sondern ist auf die Rolle des Jazz als wichtige und trendbeherrschende Musik in den 50ern - im Sinne von: es war cool und relevant, Jazz zu hören -und der Verlust dessen mit dem Beginn der 60er und der Verschiebung der Aufmerksamkeit hin zum Rock.
Er sieht hier "Kind of Blue" als Höhepunkt und Wasserscheide - und beschreibt, wie Davis und Coltrane mit dem Bedeutungsverlust umgehen und auch gegenwirken wollen, während Evans dafür aufgrund seiner Persönlichkeit und der Drogenprobleme die Kraft fehlt.

Von daher passt der Titel schon.
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Re: Jazzbücher

Beitrag von gypsy tail wind »

Danke, das hatte ich mir fast gedacht mit der Verwendung von "Cool" im Titel. Weil es gerade passt: Rob Luft meinte vorhin im Konzert bei der Ansage vor "Lonely Woman", 1959 sei ein bedeutendes Jahr im Jazz gewesen. Für die einen der Anfang, für sie anderen das Ende des Jazz, je nachdem, ob man jazztechnisch nach Links oder nach Rechts tendiere.
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Re: Jazzbücher

Beitrag von kathisi »

gypsy tail wind hat geschrieben: 28 Mai 2026, 23:03 Danke, das hatte ich mir fast gedacht mit der Verwendung von "Cool" im Titel. Weil es gerade passt: Rob Luft meinte vorhin im Konzert bei der Ansage vor "Lonely Woman", 1959 sei ein bedeutendes Jahr im Jazz gewesen. Für die einen der Anfang, für sie anderen das Ende des Jazz, je nachdem, ob man jazztechnisch nach Links oder nach Rechts tendiere.
Er kommentiert das nicht positiv oder negativ sondern zeigt auf, das der kommerzielle Bedeutungsverlust auch Freiräume für
kreative Neuanfänge geschaffen hat. Aber diese dann in der popkulturellen Nische. Davis kämpft um Relevanz durch bedingte Anpassung und Mitgestaltung nahe am Trend, Coltrane nutzt die Freiräume, um sein Ding zu machen, da der Druck des kommerziellen Erfolg habe müssens ja weg ist.
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Re: Jazzbücher

Beitrag von atom »

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Passend zum Jahr 1959 ein Buch über das bei SWR in einer der Juniläumssendungen zu Miles gesprochen wurde. Ich habe es aber noch nicht gelesen. Dank Open Access aber als PDF frei verfügbar.

Frédéric Döhl: Jazz 1959 - Kleine und große Geschichten aus einem goldenen Jahr (Transxcript, 2024)
Der Esquire verkündet es Anfang Januar 1959 auf seiner Titelseite: »The Golden Age of Jazz«. Und meint damit das Hier und Jetzt: »Now is the time!« Was für eine Prophezeiung! Denn Alben wie Kind of Blue und Mingus Ah Um, The Shape of Jazz to Come und Time Out, Moanin' und Giant Steps, die in den Monaten danach erscheinen, bilden bis heute den Kern des Jazzkanons. Im Rückblick ein ›annus mirabilis‹. Nur liegt noch keine dieser Platten vor, als der Esquire herauskommt. Wie kann das sein? Frédéric Döhl rekonstruiert die Soundscape des Jazz jener Ära. Und vermittelt hierüber, wie wichtig es ist, dem eigenen Gehör zu folgen, um die Geschichte einer Musik zu erzählen – auch im Zeitalter von TDM, KI und ChatGPT.
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gypsy tail wind
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Re: Jazzbücher

Beitrag von gypsy tail wind »

Danke euch. Beide Bücher und klingen ziemlich interessant!
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Re: Jazzbücher

Beitrag von gypsy tail wind »

Ich weiss nicht, ob Tobi Müller hier als mehr oder als weniger scharfer Kritiker denn vorgarten gilt, aber in der gestrigen WOZ handelt er im Geburtstagsartikel zu Davis' 100. Hentz' Buch in drei Sätzen ab: "Hentz nimmt den Musiker in Schutz vor konservativen Kritikern, die sein Werk begleitet haben, als steckten wir in diesen Debatten noch mittendrin. Das Buch beginnt überraschend mit der von vielen verschmähten Spätphase. Danach liest es sich eher wie eine fleissige Chronik für jene, die sich einen Überblick verschaffen wollen." (WOZ Nr. 22, 28. Mai 2026, S. 19)
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