Ich höre gerade ... Jazz

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lotterlotta
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

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.....mal wieder kenny drew im trio, nur ohne drums, stattdessen an der gitarre philip catherine, der titeltrack ist zum niederknien, wie sich drew und catherine umgarnen, dieses fast zärtliche umspielen, einfach wunderschön......
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
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lotterlotta
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

hurley hat geschrieben: 29 Apr 2026, 14:57
lotterlotta hat geschrieben: 28 Apr 2026, 18:28 Bild

....je öfter ich mir diese scheibe anhöre, desto mehr wundere ich mich darüber, dass er nicht mehr unter seinem namen herausbringen konnte....
Das hat mich auch immer gewundert, wenn gleich das Album auch erst beim zweiten oder dritten Mal richtig zu begeistern wußte.
...gut ding will weile haben.....mir hat es vor allem seite 2 sehr angetan, die schlug gleich beim ersten hören ein.....
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
soulpope
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Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »

Friedrich hat geschrieben: 29 Apr 2026, 15:01
soulpope hat geschrieben: 29 Apr 2026, 09:14
Friedrich hat geschrieben: 28 Apr 2026, 23:13


The Lounge Lizards (1981)

Ich frage mich, was eigentlich stärker im kollektiven Gedächtnis verankert ist – die Musik der Lounge Lizards oder das Image der Lounge Lizards? ....

Produziert hat kein geringerer als Teo Macero, der um die gleiche Zeit auch Miles Davis’ Comeback Album The Man With The Horn aufnahm ....
Für mich wird John Lurie immer eine Kunstfigur bleiben, welche im Jim Jarmusch "low budget movie" aka "Stranger than Paradise" abgebildet ist .... übrigens kein Zufall, dass in "Down by Law" neben Lurie auch Tom Waits zu einer filmischen Kunstfigur wird, in welche er seit 1980 bereits musikalisch mutierte (die Fans seiner Karriere ab dieser Zeit mögen mir verzeihen) ....

Die Produktion von Teo Macero steht sinnbildlich für den Status des Jazz in den mitt80ern, als sich der Neotraditionalismus (aka "Young Lions") bereits totgelaufen hatte, der Free Jazz in der eigenen Nische verblieb und ergo alte Helden wiederbelebt werden konnten/mussten .... Miles Davis (sic !) ....

Ich habe die Jim Jarmusch Filme damals gesehen (mochte "Stranger than Paradise" besonders), habe die Lounge Lizards Scheibe gekauft (diese als "zeitgeistig" wahrgenommen) .... und erinnere mich gerne an diese Zeit in meinem Leben zurück ....
Klar waren die Lounge Lizards eine Inszenierung! .... Zeitgeistig? Ja, okay! Ist das gut? Ist das schlecht? Sowohl als auch? Weder noch? ;-)

.... John Zorn (*1953) wird übrigens ausführlicher behandelt. Der lief erst Mitte der 80er zu großer Form auf. Beim LL-Debut hörte ich aber auch schon etwas, das JZ zur Kunstform entwickelte, das Collageprinzip, die „Schnitttechnik“, überhaupt die Neigung, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.
Ja der "Zeitgeist" .... Gut ? Schlecht ? Oder soso ? Hängt vom jeweiligen Zuhörer ab .... mich hat das damals unterhalten, eine Tiefe schien nicht beabsichtigt .... Fazit : aus der "Zeitzeugensicht" eher eine Zeiterscheinung ....

Apropos John Zorn ; das um diese Zeit (1986) veröffentlichte "Sonny Clark Memorial Album" (Black Saint) vermittelt deutlich Freude an der Verfremdung eines verinnerlichten historischen Materials .... pointierte Revolte statt .... Retorte ....
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



John Coltrane – The Tiberi Tapes: A Preview of the Mythic Recordings | Ohne Zugang zu Plattenläden zu haben, die sich ums Jazzpublikum scheren, bin ich froh, dass man das eine oder andere RSD-Release inzwischen problemlos ein paar Tage später online kriegen kann ... hier hätte es allerdings auch die CD-Alternative aus Japan gegeben, die eigentlich mehr mein Ding gewesen wäre. Aber jetzt dreht die Platte - und klingt eigentlich genau so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Man hört kaum was vom Bass von Steve Davis (wenn Coltrane aussetzt schon, wenn er spielt nicht), nicht sehr viel vom Piano (sobald Coltrane aussetzt ist das Level der Aufnahme halb so hoch wie mit ihm) - man kann La Rocas Schlagzeugspiel ganz gut erahnen, und Coltrane selbst klingt recht gut. Bisschen nervig ist, dass wer (Tiberi?) in "Giant Steps" immer wieder ins Mikrophon lacht, nach Phrasen von Coltrane, die er für besonders gelungen hält. Vielleicht schon eins übern Durst intus oder bekifft. Vor allem aber ist der Sound über längere Strecken konsistent, heisst es wabert nicht ständig was rum wie bei vielen solchen alten Audience-Recording-Bändern. Und das macht für mich am Ende eine durchaus hörbare Sache daraus. Und dass "Satellite" kaum je und "Giant Steps" auch nicht viel öfter zu hören sind, ist ja ein Punkt, von dem wir's schon hatten. Unterm Strich: froh, hab ich zugegriffen, froh ist das greifbar ... wäre ja auch irgendwie lachhaft gewesen, wenn ausgerechnet ich die Platte nicht hätte.
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salamandersalat
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von salamandersalat »

soulpope hat geschrieben: 29 Apr 2026, 09:14 Für mich wird John Lurie immer eine Kunstfigur bleiben, welche im Jim Jarmusch "low budget movie" aka "Stranger than Paradise" abgebildet ist .... übrigens kein Zufall, dass in "Down by Law" neben Lurie auch Tom Waits zu einer filmischen Kunstfigur wird, in welche er seit 1980 bereits musikalisch mutierte (die Fans seiner Karriere ab dieser Zeit mögen mir verzeihen) ....
Tom Waits Enscheidung konsequent als Kunstfigur zu agieren, steht bei mir ähnlich hoch im Kurs wie die Entscheidung der Beatles die unergiebigen Live-Auftritte endlich sausen zu lassen und sich dem Studio zu widmen. Es gibt nichts zu verzeihen. ;)
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

Friedrich hat geschrieben: 29 Apr 2026, 15:01
Ich kenne mich nicht gut damit aus, was Ende der 70er / Anfang der 80er im Jazz los war. Sicher gab es auch viele parallele Entwicklungen. Aber der wirklich heiße Scheiß war Jazz damals wohl nicht mehr. Dexter Gordons (*1923) homecoming 1976 schien ein großes Ding gewesen zu sein, spricht aber auch nicht gerade für frischen Wind. Young Lion Wynton Marsalis (*1961) spielte bei Art Blakey (*1919) und veröffentliche 1982 sein Leader-Debut. Miles (*1926) tauchte 80/81 aus der Versenkung auf. John Lurie (*1953) veröffentlichte 1981 (also mit Ende 20) das LL-Debut . Ob Blakey, Gordon, Miles und Marsalis das überhaupt wahrgenommen haben?

Ich habe mal in meiner alten Ausgabe von Behrendts Jazzbuch (2005) gestöbert: Da wird immerhin einiges über die No Wave / Noise Music (sic!) geschrieben und John Lurie einmal erwähnt. Als typisch für die frühen 80er sehen Behrendt bzw. Co-Autor Huesmann ein postmodernes anything goes, in dem Traditionalisten, Eklektizisten und Modernisten aller couleur gleichermaßen ihren Platz finden. John Zorn (*1953) wird übrigens ausführlicher behandelt. Der lief erst Mitte der 80er zu großer Form auf. Beim LL-Debut hörte ich aber auch schon etwas, das JZ zur Kunstform entwickelte, das Collageprinzip, die „Schnitttechnik“, überhaupt die Neigung, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.
mit der schnitttechnik waren sie ja bei macero in guten händen... was deinen punkt angeht, dass es ende der 70er, anfang der 80er viele parallele entwicklungen gab, hast du sicherlich recht. wenn man sich allein das berliner-jazzfest-programm von 1981 ansieht, gibt es neben den lounge lizards (mit rosen statt lindsay) erstaunlich viele spannende bands mit frischen konzepten, die mit mainstream oder loft kaum was zu tun hatten: james 'blood' ulmer natürlich (1980-83 war er am populärsten), material (lassell, sharrock, billy bang) und defunkt (mit den frühen m-base-leuten kim clarke und kelvyn bell, außerdem vernon reid), alles quasi schon labor für m-base, downtown-szene und black-rock-coalition, zwischen denen es später auch viele überschneidungen gab.

ich mag das lizards-debüt sehr gerne, vor allem wegen der störgitarre, aber auch evan lurie habe ich als musiker immer sehr ernst genommen.
soulpope
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Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »



Red Rodney Ira Sullivan Quintet mit Gary Dial (p) + Jay Anderson (b) + Jeff Hirshfield (dr) "live" am 8ten November 1981 @ Jazzfest Berlin .... man konnte damals vorort den "Humus des Modernen Jazz" (Zitat Michael Naura) sprießen hören ....
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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

gypsy tail wind hat geschrieben: 29 Apr 2026, 14:50
redbeansandrice hat geschrieben: 29 Apr 2026, 14:11
gypsy tail wind hat geschrieben: 29 Apr 2026, 13:04 Wie war nochmal die Connection von Akagi zu Graillier, hast Du dazu nochmal mehr rausgekriegt?
Graillier bezog sich auf den Post drüber, nichts mit Akagi
Ach, sorry, komplettes Durcheinander, hatte irgendwie den Post hier mit Graillier verknüpft ... pardon!
Hab gestern nochmal gesucht, aber krieg es nicht mehr auf die Reihe... was ich erinnere ist, dass Marshall Hawkins der High School Band Director von irgendwem war, der später berühmt wurde, und ihn oder sie an die Szene heranführte... aber Akagi kann es eigentlich nicht gewesen sein, der ist zu alt und ich hab auch gestern so schnell nichts gefunden...


Manny Albam And His Jazz Greats - Steve's Songs

hab ich mir gestern geschenkt, ich hätte gerne was tolleres gefunden, aber man hat es nicht perfekt unter Kontrolle - meine Ausgabe ist allerdings mono, ohne den roten Fremdkörper auf dem Cover... Manny Albam, Arrangeur und Dirigent, spielt auf diesem Album von 1958 Musik des Fernsehmoderators Steve Allen, den wir links im Bild sehen... ein Alec Wilder Album wär mir lieber gewesen, aber gut, so läuft das nicht... in den ersten Sekunden ist das so richtig platte Big Band Musik, furchtbar, aber später gibt es auch ruhigere Momente, und im zweiten Durchlauf hab ich mich langsam reingehört... die Solisten sind erstklassig, Al Cohn, Gene Quill, Nick Travis, Ernie Royal, Bob Brookmeyer, Eddie Costa (vib) und Dick Katz... und gerade in den ruhigeren Momenten ist das Album teilweise wirklich super.
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Louis Armstrong and His All Stars - In Concert | Bei mir lief gestern vor dem Konzert noch diese Neuheit zum ersten Mal - ein grosszügiger Mitschnitt vom Januar 1959 in Kopenhagen. Geht mit "When It’s Sleepy Time Down South" eher nachdenklich los, danach folgen eine ganze Menge von Klassikern: "Basin Street Blues", "Tiger Rag", "Mack the Knife" ... mittendrin (zweites Set? hab die ausführlichen Liner Notes von Ricky Ricciardi noch nicht gelesen) nochmal "Sleepy Time" gefolgt von "Black and Blue" und "Do You Know What It Means to Miss New Orleans", dann Steigerung bis zu "When the Saints..." (das Armstrong erst als Jazz-Nummer etabliert hatte) und danach noch eine tolle Zugabe mit dem "Royal Garden Blues". Sehr gute Qualität der Aufnahme ... und Armstrong vor dem Herzinfarkt, den er später im Jahr 1959 erlitt, noch in wirklich guter Form.
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lotterlotta
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

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...hier nochmals ein wenig nachlese von meinem label des jahres 2025:

3tm-lake, 2019 erschienen, im rahmen meines we jazz kaufrauschs zugelegt
annti lötjönen bass
jussi kannaste tenor saxophon
teppo mäkynen drums and souds

eine spährisch-meditative soundreise, ein tiefer see der im wind leicht hin und her wabert, die zeit und das umfeld vergessen lässt, das tenor leuchtet gelegentlich wie plötzlich einfallende lichtbitze durch den wolkenteppich als reflektion auf er der oberfläche des sees, man steigt in die kühle oberfläche ein und hat doch das gefühl langsam aber sicher aus der tiefe eine aufsteigende wärme zu verspüren die einem das gefühl der geborgenheit vermittelt...


kannaste4-out of self and into others, april 2025
jussi kannaste, tenor saxophone
tomi nikku, trumpet
petter eldh, double bass
joonas riippa, drums

hier wird man gleich zu beginn erst einmal wachgeschreckt durch kannaste um dann von seinem solo wieder langsam aber ruhig grundiert zu werden um schockartig in den sound der kompletten band überführt zu werden, nikku zum tenor hinzutritt um dann zu solieren bis kannaste wieder einsteigt, ein auf und ab im ersten stück um dann in einem ruhigen fluss der bläser mit feiner grundierung durch eldh und riippa überzugehen, ein abwechslungsreiches album bei dem man merkt, dass sich die musiker schon in den unterschiedlichsten formationen begegnet sind und sie sich gegenseitig raum geben um ihre stärken zu zeigen...... jeder spricht für sich und doch sehr viel miteinander, sehr hörenswert....
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