Ich höre gerade ... Jazz

Benutzeravatar
lotterlotta
Beiträge: 225
Registriert: 13 Jan 2026, 22:49
Wohnort: im öden wald
Has thanked: 15 times
Been thanked: 39 times

Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

Bild

.....mal wieder kenny drew im trio, nur ohne drums, stattdessen an der gitarre philip catherine, der titeltrack ist zum niederknien, wie sich drew und catherine umgarnen, dieses fast zärtliche umspielen, einfach wunderschön......
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
Benutzeravatar
lotterlotta
Beiträge: 225
Registriert: 13 Jan 2026, 22:49
Wohnort: im öden wald
Has thanked: 15 times
Been thanked: 39 times

Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

hurley hat geschrieben: 29 Apr 2026, 14:57
lotterlotta hat geschrieben: 28 Apr 2026, 18:28 Bild

....je öfter ich mir diese scheibe anhöre, desto mehr wundere ich mich darüber, dass er nicht mehr unter seinem namen herausbringen konnte....
Das hat mich auch immer gewundert, wenn gleich das Album auch erst beim zweiten oder dritten Mal richtig zu begeistern wußte.
...gut ding will weile haben.....mir hat es vor allem seite 2 sehr angetan, die schlug gleich beim ersten hören ein.....
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
soulpope
Beiträge: 773
Registriert: 14 Mär 2023, 22:05
Has thanked: 98 times
Been thanked: 94 times

Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »

Friedrich hat geschrieben: 29 Apr 2026, 15:01
soulpope hat geschrieben: 29 Apr 2026, 09:14
Friedrich hat geschrieben: 28 Apr 2026, 23:13


The Lounge Lizards (1981)

Ich frage mich, was eigentlich stärker im kollektiven Gedächtnis verankert ist – die Musik der Lounge Lizards oder das Image der Lounge Lizards? ....

Produziert hat kein geringerer als Teo Macero, der um die gleiche Zeit auch Miles Davis’ Comeback Album The Man With The Horn aufnahm ....
Für mich wird John Lurie immer eine Kunstfigur bleiben, welche im Jim Jarmusch "low budget movie" aka "Stranger than Paradise" abgebildet ist .... übrigens kein Zufall, dass in "Down by Law" neben Lurie auch Tom Waits zu einer filmischen Kunstfigur wird, in welche er seit 1980 bereits musikalisch mutierte (die Fans seiner Karriere ab dieser Zeit mögen mir verzeihen) ....

Die Produktion von Teo Macero steht sinnbildlich für den Status des Jazz in den mitt80ern, als sich der Neotraditionalismus (aka "Young Lions") bereits totgelaufen hatte, der Free Jazz in der eigenen Nische verblieb und ergo alte Helden wiederbelebt werden konnten/mussten .... Miles Davis (sic !) ....

Ich habe die Jim Jarmusch Filme damals gesehen (mochte "Stranger than Paradise" besonders), habe die Lounge Lizards Scheibe gekauft (diese als "zeitgeistig" wahrgenommen) .... und erinnere mich gerne an diese Zeit in meinem Leben zurück ....
Klar waren die Lounge Lizards eine Inszenierung! .... Zeitgeistig? Ja, okay! Ist das gut? Ist das schlecht? Sowohl als auch? Weder noch? ;-)

.... John Zorn (*1953) wird übrigens ausführlicher behandelt. Der lief erst Mitte der 80er zu großer Form auf. Beim LL-Debut hörte ich aber auch schon etwas, das JZ zur Kunstform entwickelte, das Collageprinzip, die „Schnitttechnik“, überhaupt die Neigung, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.
Ja der "Zeitgeist" .... Gut ? Schlecht ? Oder soso ? Hängt vom jeweiligen Zuhörer ab .... mich hat das damals unterhalten, eine Tiefe schien nicht beabsichtigt .... Fazit : aus der "Zeitzeugensicht" eher eine Zeiterscheinung ....

Apropos John Zorn ; das um diese Zeit (1986) veröffentlichte "Sonny Clark Memorial Album" (Black Saint) vermittelt deutlich Freude an der Verfremdung eines verinnerlichten historischen Materials .... pointierte Revolte statt .... Retorte ....
"I'm not much but I'm all I have" (Philip K. Dick)
Benutzeravatar
gypsy tail wind
DJ
Beiträge: 907
Registriert: 15 Mär 2021, 00:06
Has thanked: 166 times
Been thanked: 89 times

Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



John Coltrane – The Tiberi Tapes: A Preview of the Mythic Recordings | Ohne Zugang zu Plattenläden zu haben, die sich ums Jazzpublikum scheren, bin ich froh, dass man das eine oder andere RSD-Release inzwischen problemlos ein paar Tage später online kriegen kann ... hier hätte es allerdings auch die CD-Alternative aus Japan gegeben, die eigentlich mehr mein Ding gewesen wäre. Aber jetzt dreht die Platte - und klingt eigentlich genau so, wie ich es mir ausgemalt hatte. Man hört kaum was vom Bass von Steve Davis (wenn Coltrane aussetzt schon, wenn er spielt nicht), nicht sehr viel vom Piano (sobald Coltrane aussetzt ist das Level der Aufnahme halb so hoch wie mit ihm) - man kann La Rocas Schlagzeugspiel ganz gut erahnen, und Coltrane selbst klingt recht gut. Bisschen nervig ist, dass wer (Tiberi?) in "Giant Steps" immer wieder ins Mikrophon lacht, nach Phrasen von Coltrane, die er für besonders gelungen hält. Vielleicht schon eins übern Durst intus oder bekifft. Vor allem aber ist der Sound über längere Strecken konsistent, heisst es wabert nicht ständig was rum wie bei vielen solchen alten Audience-Recording-Bändern. Und das macht für mich am Ende eine durchaus hörbare Sache daraus. Und dass "Satellite" kaum je und "Giant Steps" auch nicht viel öfter zu hören sind, ist ja ein Punkt, von dem wir's schon hatten. Unterm Strich: froh, hab ich zugegriffen, froh ist das greifbar ... wäre ja auch irgendwie lachhaft gewesen, wenn ausgerechnet ich die Platte nicht hätte.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00
Benutzeravatar
salamandersalat
Beiträge: 181
Registriert: 07 Dez 2023, 17:38
Has thanked: 120 times
Been thanked: 38 times

Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von salamandersalat »

soulpope hat geschrieben: 29 Apr 2026, 09:14 Für mich wird John Lurie immer eine Kunstfigur bleiben, welche im Jim Jarmusch "low budget movie" aka "Stranger than Paradise" abgebildet ist .... übrigens kein Zufall, dass in "Down by Law" neben Lurie auch Tom Waits zu einer filmischen Kunstfigur wird, in welche er seit 1980 bereits musikalisch mutierte (die Fans seiner Karriere ab dieser Zeit mögen mir verzeihen) ....
Tom Waits Enscheidung konsequent als Kunstfigur zu agieren, steht bei mir ähnlich hoch im Kurs wie die Entscheidung der Beatles die unergiebigen Live-Auftritte endlich sausen zu lassen und sich dem Studio zu widmen. Es gibt nichts zu verzeihen. ;)
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
Benutzeravatar
vorgarten
Beiträge: 106
Registriert: 04 Dez 2023, 09:13
Has thanked: 18 times
Been thanked: 31 times

Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

Friedrich hat geschrieben: 29 Apr 2026, 15:01
Ich kenne mich nicht gut damit aus, was Ende der 70er / Anfang der 80er im Jazz los war. Sicher gab es auch viele parallele Entwicklungen. Aber der wirklich heiße Scheiß war Jazz damals wohl nicht mehr. Dexter Gordons (*1923) homecoming 1976 schien ein großes Ding gewesen zu sein, spricht aber auch nicht gerade für frischen Wind. Young Lion Wynton Marsalis (*1961) spielte bei Art Blakey (*1919) und veröffentliche 1982 sein Leader-Debut. Miles (*1926) tauchte 80/81 aus der Versenkung auf. John Lurie (*1953) veröffentlichte 1981 (also mit Ende 20) das LL-Debut . Ob Blakey, Gordon, Miles und Marsalis das überhaupt wahrgenommen haben?

Ich habe mal in meiner alten Ausgabe von Behrendts Jazzbuch (2005) gestöbert: Da wird immerhin einiges über die No Wave / Noise Music (sic!) geschrieben und John Lurie einmal erwähnt. Als typisch für die frühen 80er sehen Behrendt bzw. Co-Autor Huesmann ein postmodernes anything goes, in dem Traditionalisten, Eklektizisten und Modernisten aller couleur gleichermaßen ihren Platz finden. John Zorn (*1953) wird übrigens ausführlicher behandelt. Der lief erst Mitte der 80er zu großer Form auf. Beim LL-Debut hörte ich aber auch schon etwas, das JZ zur Kunstform entwickelte, das Collageprinzip, die „Schnitttechnik“, überhaupt die Neigung, in unterschiedliche Rollen zu schlüpfen.
mit der schnitttechnik waren sie ja bei macero in guten händen... was deinen punkt angeht, dass es ende der 70er, anfang der 80er viele parallele entwicklungen gab, hast du sicherlich recht. wenn man sich allein das berliner-jazzfest-programm von 1981 ansieht, gibt es neben den lounge lizards (mit rosen statt lindsay) erstaunlich viele spannende bands mit frischen konzepten, die mit mainstream oder loft kaum was zu tun hatten: james 'blood' ulmer natürlich (1980-83 war er am populärsten), material (lassell, sharrock, billy bang) und defunkt (mit den frühen m-base-leuten kim clarke und kelvyn bell, außerdem vernon reid), alles quasi schon labor für m-base, downtown-szene und black-rock-coalition, zwischen denen es später auch viele überschneidungen gab.

ich mag das lizards-debüt sehr gerne, vor allem wegen der störgitarre, aber auch evan lurie habe ich als musiker immer sehr ernst genommen.