

Bei mir die letzten Tage:
Randy Weston Big Band - Montreux Jazz Festival 1985
Randy Weston & Monty Alexander - Festivals de Jazz de Montreux, Zaragoza et Ramatuelle 1988
Billy Taylor – It's a Matter of Pride
The Phil Woods Quintet – American Songbook
Michel Graillier – Sweet Smile
Die drei "neuen" Weston-Alben sind gemeinsam eine echte Bereicherung, auch wenn das Fazit für die zwei Alben mit Band ähnlich sind: da ist nicht unbedingt was Neues zu hören, sondern man kriegt die Musik, die Weston in den Neunzigern ständig aufnahm (und aufführte, auch wenn ich leider nie in den Genuss gekommen bin) einfach schon einige Jahre früher. Und wie ich schon schrieb, fällt das auch 1985 nicht vom Himmel sondern setzt die paar orchestralen Alben von Anfang der Siebziger fort - und ist natürlich auch nie weit von der Solo-Musik, auf die Weston im Plattenstudio in der Zeit von 1974 bis 1989 mehr oder weniger beschränkt war. Auch als Solist war Weston immer ein Komponist, ein konzeptionell denkender Musiker, der seine Klangwelt auch ganz alleine erschuf. Das Duo mit Alexander (und den jeweiligen Percussionisten, Eric Asanté und Bobby Thomas) funktioniert überraschenderweise wirklich hervorragend - und ich kann verstehen, warum das in die dreiteilige Reihe aufgenommen wurde. Auch, dass ein paar Stücke sogar in zwei Versionen zu hören sind, finde ich überhaupt nicht störend. Die Erklärung dafür ist, dass die Konzerte mit Sets der Pianisten allein begannen und dann erst gegen Ende jeweils beide zu hören waren. Die 70 Minuten oder so auf dem Album (die letzten vier, fünf Minuten sind Interview-Schnipsel, vermutlich von direkt nach einem der Konzerte im Backstage-Bereich) bieten wohl einen recht grossen Anteil der jeweiligen gemeinsamen Sets (sonst hätte man wohl kaum mehrmals Stücke dupliziert).
Das späte Taylor-Album ist eine tolle kleine Entdeckung. Aufgenommen vermutlich 1993, jedenfalls 1994 bei GRP erschienen (produziert von Michael Abene und Taylor), mit einer tollen jungen Rhythmusgruppe (Christian McBride und Marvin "Smitty" Smith) und drei Gästen, die jeweils separat auf vier, drei bzw. zwei Stücken mitwirken: Ray Mantilla (cga), Stanley Turrentine (ts) und Grady Tate (voc) - auf fast allen der elf Stücke, von denen der Closer ein Piano-Solo ist). Den eleganten Gesang von Tate hätte ich nicht unbedingt gebraucht, aber er stört auch keineswegs - und fügt sich ins Gesamtbild ein, denn bei den zwei Gesangsnummern handelt es sich wie bei allen Stücken des Albums um Taylor-Originals, und so ergibt sich eine Art Werkschau, die trotz der ständigen Besetzungsänderungen sehr kohärent wirkt und auf jeden Fall hörenswert ist.
Woods ist ein etwas schwierigerer Fall - wie Taylor ein Discogs-Beifang, hier v.a. weil Bill Charlap am Piano sitzt, dazu die langjährigen Woods-Regulars Steve Gilmore und Bill Goodwin und der ebenfalls regelmässig an der Seite des Saxophonisten zu hörende Trompeter Brian Lynch. Das ist superkompetenter, aber sehr aufgeräumter Bebop, als Vorlagen dienen zehn Klassiker von Arlen ("When the Sun Comes Out", "Let's Fall in Love", "World on a String", "Right as Rain"), Gershwin ("A Foggy Day", "Summertime"), Porter ("Under My Skin", "I Concentrate on You", "Every Time We Say Goodbye") und Kern ("All the Things You Are"). Aufgenommen 2002 aber erst 2006 veröffentlicht. Die schönsten Momente sind die mit Woods an der Klarinette ("Summertime", "World on a String"), ansonsten ist das einfach super gut gespielter, quasi klassifizierter Bebop, ohne das Wilde und auch etwas ohne das Leben, das den frühen Aufnahmen innewohnt ... Repertoiremusik auf höchstem Niveau. Dass Woods für die Musik dennoch brennt, immer gebrannt hat, wird schon klar ... aber ich finde jetzt von den zwei grad entdeckten Woods-Aufnahmen aus den Nullern das Live-Album mit den Streichern doch ein gutes Stück besser.
Das Graillier-Album dann ... zum Kitagawa-Album dazu genommen, das ich schon erwähnt hab, ist nicht so ganz mein Fall. Oder anders gesagt: es leidet daran, das Alby Cullaz auch 1996 (live im Duc des Lombards) kein besonders guter Bassist war und er im Klangbild des Albums zugleich sehr prominent, mit leicht zweifelhaftem Sound, platziert ist. War jetzt zweimal im Player und gefällt insgesamt schon nicht schlecht - von Graillier als Leader hab ich auch sonst echt nichts bisher (das Duo-Album mit Alain-Jean Marie, "Oiseaux de Nuit", ist noch irgendwo, hab ich grad gar keine Erinnerung mehr dran).
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00