
Ich höre gerade ... Jazz
- gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Buddy DeFranco – Free Sail | Wo mir neulich das Progressive-Album recht gut gefiel jetzt auch noch das hier, Choice, 1974, gleiches Line-Up aber ganz andere Leute, anderes Label, völlig andere Musik: Victor Feldman (p/elp), John Chiodini (g), Victor Sproles (b), Joe Cocuzzo (d). Das E-Piano ist ein leichter Schock zum Einstieg, aber der Sound passt sehr gut zur Klarinette, die hier etwas kühl klingt. Das ist natürlich, pardon the pun, sehr viel progressivere Musik als später bei Statiras (für den progressiv wohl zeitlebens mehr oder weniger als Bebop definiert war). Eine starke zweite Stimme wie Farlow auf dem späteren Album vermisse ich auch nicht, die Rhythmusgruppe klingt gut (Sproles!) und Piano und Gitarre fügen sich echt gut zusammen. Vermutlich hilft es da, dass die Klarinette weniger voluminös und raumgreifend ist als das Sax, viel mehr Frequenzen frei bleiben. "Threat of Freedom", der zwölfminütige Opener, ist eine Art Suite in vier Teilen ("Learning to Love", "Interlude", "The Brink of Love" und "Escape"), und das ist wirklich progressive Musik - wie gesagt etwas kühl, aber ziemlich faszinierend. Mit "Please Send Me Someone to Love" geht die Temperatur hoch, Chiodini kriegt einen anderen Sound (erinnert mich ein wenig an Montgomery, aber das hat glaub mehr mit Phrasierung als Sound zu tun), Feldman spielt rollende Blues-Riffs. Auch in Teil zwei gibt es "Free" - und zwar gleich doppelt. "Free Fall" (Feldman) und das Titelstück (vom Gitarristen Jim Gillis, der exakt einen Credit als Musiker hat auf einem anderen DeFranco-Album von 1976) umrahmen eine schnelle Version von "Yesterdays". Das Titelstück am Ende dauert fast 10 Minuten und Feldman spielt auch wieder E-Piano - und so kriegt das Album auch eine Art Symmetrie mit dem kurzen, boppigen Feldman-Stück in der Mitte, umrahmt von Standards und in der äussersten Schicht die anspruchsvollen längeren Tracks.
Echt keine Ahnung, warum ich das Japan-Reissue damals, als die Choice-Reihe lief (2020, zu dem Reissue dieses Albums gibt es bei Discogs keinen Eintrag), nicht geholt hatte ... bin froh, hab ich das nachgeholt! Auf dem CD-Reissue gibt es noch jeweils etwas kürzere Alternate Takes von "Free Fall" und "Free Sail".
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00
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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Diese Kenton Presents Serie suche ich schon länger in alten Ausgaben, gerade auch Musulli, hab aber bisher erst das Bob Cooper Album... Dabei sollte das alles nicht schwer zu finden sein...gypsy tail wind hat geschrieben: 29 Mär 2026, 09:54
Boots Mussulli – Little Man: 1954-1956 Quartet Sessions | Noch was vom Stapel aus Paris und wieder hauptsächlich Altsax im Quartett (manchmal spielt Mussulli Barisax). Da und dort nicht weit von Johnson weg, aber dann doch aus anderen Ecke. Krupa, Kenton, Ventura - auch Mussulli hat Parker gehört, und auch er spielt mit dem Background wenig überraschend gern mal ein Showtune ("El Morocco" ist immerhin ein Original, "Tico Tico" am Barisax ist natürlich eine gute Nummer, aber viel Substanz hat sowas nicht). Zur Kulisse gehört hier Boston - und so gibt es hier Ray Santisi am Klavier zu hören - mit John Carter und Peter Littman bei der ersten Session (14. Juni 1954) und Max Bennett und Shelly Manne bei der zweiten (7. November 1954). Sieben der elf Stücke sind noch 1954 auf der 10"-LP von Mussulli in der "Kenton Presents"-Reihe herausgekommen, später gab es davon eine 12" mit allen elf Tracks.
Als Bonus hat man bei Fresh Sound noch die Quartett-Stücke von der LP "Toshiko - Her Trio and Her Quartet" von Toshiko Akiyoshi beigefügt, aufgenommen im Juli 1956 in New York, wohl mit Wyatt Ruther und Ed Thigpen (es gab auf dem auch drei Trio-Tracks - und bei manchen Einträgen sind die Rhythmusgruppen andersrum vermerkt, das wären dann Oscar Pettiford und Roy Haynes mit dem Quartett und Reuther/Thigpen mit dem Trio - Bruyninckx sagt allerdings dasselbe wie die LP-Rückseite von damals und die FSR-CD, vermutlich also eher ein Fehler bei Discogs, der allerdings auffällig konsistent ist: CD-Einträge von 1994, 1997, 2008 sowie die undatierte LP geben Pettiford/Haynes für die Quartett-Session an). Ich tippe eher auf Thigpen hier ... jedenfalls fehlt der typische Haynes-Sound, aber ich bin mir grad unsicher, ob er den 1956 schon hatte oder erst ein paar Jahre später? Jedenfalls ist das ein schöner Bonus - auch wenn es natürlich schade ist, dass die drei Trio-Stücke fehlen.
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- gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Ich hab von der Serie zunächst einfach das gekannt, was im kleinen Mosaic-Set ist - also Holman, Cooper und Rosolino, mit unveröffentlichtem Material von Holman, dessen Beiträge ich dort deutlich besser finde als die von Cooper (ist ja bekannt, dass ich Cooper nicht so mag). Claude Williamson und Sal Salvador gibt es u.a. auch noch.
Vorhin:

Dave Burrell/Motoharu Yoshizawa – Dreams | Eine Aufnahme aus Tokyo vom 30. November 1973 - zwei seitenfüllende Tracks, der erste "Red - Black", der zweite "Green - Daydream". Und ja: das ist genau die Strayhorn-Komposition, in die das Set mündet, das sehr wild und frei beginnt und zwischendurch und am Ende auch beinah zarte Momente hat, in denen der Klangstrudel fast zum Stillstand kommt. Schön.

Phil Woods Quartet - Warm Woods | Jetzt ein Album von Woods, das gut bei Johnson ansetzt - aber auch rasch klar macht, warum Woods es geschafft hat und Johnson nicht. Um die Zeit herum (1956/57) war Woods wirklich super, sein Ton oft etwas aufgerauht, kratzig, alles sehr lebendig, die Musik atmet und ist intensiv, aber zugleich auch poetisch und kondensiert, manchmal fast karg. Etwa wenn in "Wait Till You See Her" plötzlich Klavier und Drums aussetzen und Woods nur noch mit dem Bass von Sonny Dallas spielt. Bob Corwin und Nick Stabulas sind noch dabei. Und weil ich - pfui! - die Lonehill-CD davon habe, gibt's noch unmotivierte Bonustracks, zwei Sessions aus der ungefähren zeitlichen Umgebung. Zuerst eine der drei Sessions (zwei davon mit Woods) von "Shades of Sal Salvador", dem zweiten Bethlehem-Album des Gitarristen (der nach dem Debut auf Blue Note sein zweites Album für die Kenton Presents Reihe machte). Woods, Eddie Bert, Eddie Costa, John Williams, Dallas und Jimmy Campbell sind zu hören. Die letzte Session stammt dann wohl tatsächlich von einer frühen Fresh Sound-CD (die sonst die zwei Woods-Sessions von "Shades of Salvador" enthält) und ist im August 1957 mit Burt Collins, Nat Pierce, Barry Galbraith, John Drew (wer?) und Gus Johnson entstanden. Besser hätte ich mal ein Japan-Reissue von "Warm Woods" gesucht ... aber egal, so wichtig ist mir Phil Woods nicht.
Vorhin:

Dave Burrell/Motoharu Yoshizawa – Dreams | Eine Aufnahme aus Tokyo vom 30. November 1973 - zwei seitenfüllende Tracks, der erste "Red - Black", der zweite "Green - Daydream". Und ja: das ist genau die Strayhorn-Komposition, in die das Set mündet, das sehr wild und frei beginnt und zwischendurch und am Ende auch beinah zarte Momente hat, in denen der Klangstrudel fast zum Stillstand kommt. Schön.

Phil Woods Quartet - Warm Woods | Jetzt ein Album von Woods, das gut bei Johnson ansetzt - aber auch rasch klar macht, warum Woods es geschafft hat und Johnson nicht. Um die Zeit herum (1956/57) war Woods wirklich super, sein Ton oft etwas aufgerauht, kratzig, alles sehr lebendig, die Musik atmet und ist intensiv, aber zugleich auch poetisch und kondensiert, manchmal fast karg. Etwa wenn in "Wait Till You See Her" plötzlich Klavier und Drums aussetzen und Woods nur noch mit dem Bass von Sonny Dallas spielt. Bob Corwin und Nick Stabulas sind noch dabei. Und weil ich - pfui! - die Lonehill-CD davon habe, gibt's noch unmotivierte Bonustracks, zwei Sessions aus der ungefähren zeitlichen Umgebung. Zuerst eine der drei Sessions (zwei davon mit Woods) von "Shades of Sal Salvador", dem zweiten Bethlehem-Album des Gitarristen (der nach dem Debut auf Blue Note sein zweites Album für die Kenton Presents Reihe machte). Woods, Eddie Bert, Eddie Costa, John Williams, Dallas und Jimmy Campbell sind zu hören. Die letzte Session stammt dann wohl tatsächlich von einer frühen Fresh Sound-CD (die sonst die zwei Woods-Sessions von "Shades of Salvador" enthält) und ist im August 1957 mit Burt Collins, Nat Pierce, Barry Galbraith, John Drew (wer?) und Gus Johnson entstanden. Besser hätte ich mal ein Japan-Reissue von "Warm Woods" gesucht ... aber egal, so wichtig ist mir Phil Woods nicht.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

...magie pur...
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
- gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Equal Interest - Equal Interest | Nach dem Konzert vom Freitag mal wieder ein Anlauf mit diesem Trio: Joseph Jarman spielt Flöte, Altsax, türkische Handtrommeln, eine vietnamesische Oboe und Windglocken, Leroy Jenkins die Violine und die Viola, und Myra Melford neben dem Klavier auch - recht oft - Harmonium. Das bewegt sich zwischen imaginierter Folklore, Tänzen (es gibt ein "Rondo for Jenny" von Jarman), Drones und freier Improvisation, die mal wild, mal minimalistisch in Riffs verbissen ist. Faszinierend, aber richtig warm werde ich mit dem Album bisher nicht.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
von equal interest habe ich noch nie gehört...
bin eventuell gerade in einer ähnlichen ecke unterwegs:

roscoe mitchell, the flow of things (1986)
ich dachte, das passt vielleicht in mein as-quartet-programm, aber mitchell spielt auf 3 von 4 stücken mit zirkularartmung sopransaxofon, und 2 davon so, dass er mir dabei sämtliche gehirnwindungen verknotet. das altsax packt er für "cards for quartet" aus, eine sehr schöne minimalismus-studie, in der alle ins halbdunkle tupfen. jodie christian am klavier kenne ich bisher kaum (obwohl auch aacm-veteran), die beiden anderen schon: malachi favors und steve mccall.
bin eventuell gerade in einer ähnlichen ecke unterwegs:

roscoe mitchell, the flow of things (1986)
ich dachte, das passt vielleicht in mein as-quartet-programm, aber mitchell spielt auf 3 von 4 stücken mit zirkularartmung sopransaxofon, und 2 davon so, dass er mir dabei sämtliche gehirnwindungen verknotet. das altsax packt er für "cards for quartet" aus, eine sehr schöne minimalismus-studie, in der alle ins halbdunkle tupfen. jodie christian am klavier kenne ich bisher kaum (obwohl auch aacm-veteran), die beiden anderen schon: malachi favors und steve mccall.
- kathisi
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Die hab ich in dieser Woche auch gehört, verknotete Gehirnwindungen inklusive. Anstrengend, aber für mich am Ende nicht belohnend. Andere Alben von ihm schätze ich sehr, dies ist nichts für mich!vorgarten hat geschrieben: 29 Mär 2026, 16:54 von equal interest habe ich noch nie gehört...
bin eventuell gerade in einer ähnlichen ecke unterwegs:
roscoe mitchell, the flow of things (1986)
ich dachte, das passt vielleicht in mein as-quartet-programm, aber mitchell spielt auf 3 von 4 stücken mit zirkularartmung sopransaxofon, und 2 davon so, dass er mir dabei sämtliche gehirnwindungen verknotet. das altsax packt er für "cards for quartet" aus, eine sehr schöne minimalismus-studie, in der alle ins halbdunkle tupfen. jodie christian am klavier kenne ich bisher kaum (obwohl auch aacm-veteran), die beiden anderen schon: malachi favors und steve mccall.
Love Goes On!
Re: Ich höre gerade ... Jazz
geht mir ähnlich. live wäre das was anderes.kathisi hat geschrieben: 29 Mär 2026, 17:04Die hab ich in dieser Woche auch gehört, verknotete Gehirnwindungen inklusive. Anstrengend, aber für mich am Ende nicht belohnend. Andere Alben von ihm schätze ich sehr, dies ist nichts für mich!vorgarten hat geschrieben: 29 Mär 2026, 16:54 von equal interest habe ich noch nie gehört...
bin eventuell gerade in einer ähnlichen ecke unterwegs:
roscoe mitchell, the flow of things (1986)
ich dachte, das passt vielleicht in mein as-quartet-programm, aber mitchell spielt auf 3 von 4 stücken mit zirkularartmung sopransaxofon, und 2 davon so, dass er mir dabei sämtliche gehirnwindungen verknotet. das altsax packt er für "cards for quartet" aus, eine sehr schöne minimalismus-studie, in der alle ins halbdunkle tupfen. jodie christian am klavier kenne ich bisher kaum (obwohl auch aacm-veteran), die beiden anderen schon: malachi favors und steve mccall.


