Sehr schöner Post! Und ja, dass es einen Platz für einen Hit wie das Köln Concert gab, das leuchtet mir ein.... Und ja, wenn man sich die Diskografie ansieht, dann war Facing You vielleicht zu früh und jazzig (muss es mal wieder hören) und die Sun Bear Concerts waren vielleicht tatsächlich als Nachfolger gedacht, aber dass sie sich als 10LP Set nicht in den gleichen Stückzahlen verkaufen würden, konnte auch nicht überraschen... Und die späteren Solosachen fallen dann wieder in eine andere Zeit. So gesehen ist es vielleicht in der Tat nicht rätselhaft.thelonica hat geschrieben: 02 Mär 2026, 23:40Nee, das ist keine rätselhafte Kuriosität, wenn ich mir Alben von 1975 anschaue, war da was im Aufbruch künstlerisch (post Woodstock), auch in der Filmwelt (denke an Wim Wenders). Die Ästhetik vom Köln Concert Album in Black & White kann man z.B. bei anderen Alben finden: Horses, Born To Run, Rock 'n' Roll von John Lennon, Zuma, Tonight's The Night, Coney Island Baby, Physical Graffiti, Captain Marvel, Hätte sich "Born To Run" mit einem bunten Cover genausogut verkauft? Wahrscheinlich schon, aber mit dem B&W Artwork konnte man sich von der Masse absetzen und damit erfolgreich sein. Das funktioniert heute sogar noch ganz gut.redbeansandrice hat geschrieben: 02 Mär 2026, 15:10 ....und warum damals tausende von Menschen gerade dieses Album haben mussten, ist eine rätselhafte Kuriosität....
"New York City Serenade" von Springsteen beginnt mit Piano von David Sancious. Carole King, Elton John, Aretha Franklin, Nina Simone, Billy Joel, Roberta Flack, Joni Mitchell u.v.a. , bei allen ist das Piano wichtig. Das Publikum war offen für akustische Instrumente, auf den ersten 4 Tom Waits Alben sind überwiegend akustische Instrumente zu hören. Van Morrison und Springsteen (Randy Brecker und Richard Davis) hatten "Jazzmusiker" bei Aufnahmen dabei. Und Jarrett hatte sich sehr früh entschieden auf dem Piano weiterzumachen, das war ja ein großes Statement. Die Musik vom Köln Concert muss die Leute überall (von der Ostküste bis in den Westen) irgendwie berührt haben, vielleicht weil Freie Improvisation zugänglicher wurde, oder das Publikum war bereit sich darauf einzulassen. Man könnte auch fragen, warum Oscar Peterson so populär war? Oder Elton John in den USA. Das akustische Piano hat in der amerikanischen Musik eine lange Tradition. Deswegen gibt es wahrscheinlich auch viele Piano Compilations (mit Blues, Stride und Boogie Woogie). Und sogar Hampton Hawes erklärte im Interview mit Gerald Wilson, warum er sich wieder mit Ragtime, Boogie Woogie und Stride beschäftigte. Das erklärt jetzt alles nicht genug, aber kulturell muss man vielleicht noch genauer hinschauen.
Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
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redbeansandrice
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Re: Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
Re: Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
Und damit sind wir - dem Thread Titel entsprechendbullschuetz hat geschrieben: 03 Mär 2026, 08:43 .... eine repetitive Abfolge von zwei Akkorden nehmen, dazu mit einer simplen pentatonischen Tonleiter improvisieren. Dazu braucht man keinerlei Wissen um elaboriertere Jazzharmonik .... Aber wenn man zum Beispiel "Endless" von Changeless nimmt, fällt schon auf, dass da auch die ersten fünf Minuten aus einem einfachen zweiakkordigen Pattern bestehen (Molltonika und der eine große Terz darunter liegende Dur-Akkord) und aus fast lupenreiner Pentatonik ziemlich komplett ohne Blue Notes oder Chromatik.
Die hier bereits getätigte Überlegung von "redbeansandrice", dass die Quantität der Nennungen von Gary Peacock und Jack DeJohnette in der vergangenen "Piano Trio" Umfrage der Beleg von der Ausnahmestellung des Keith Jarrett Trios sei lässt ausser Acht, dass die beiden Musiker - eben Aufgrund ihrer Klasse - mit anderen Pianisten wohl ebenfalls Aussergewöhnliches zuwegegebracht hätten .... die Duoaufnahmen von Garry Peacock mit Paul Bley mögen hiefür ein Wegweiser sein (zum Trio kam leider nie, denn es gab Paul Motian) ....
Jedenfalls Dank für Deine Zuschriften, welche den Thread einem Monologisieren (zumindest temporär) entrissen hat ....
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Re: Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
.....hier triffst du meiner meinung nach den nagel auf den kopf, jarrett tat etwas auf em klavier was man bis dahin so vielleicht nicht kannte, er machte was er wollte wie er es wollte und wie seine gefühlslage es gerade hergab und bediente sich in allen möglichen genres und verwob sie miteinander....je tiefer er sich im flügel und seiner gefühlswelt vergrub um so deutlicher und lauter wurde sein vocaltreiben dazu.....er berauschte sich an seinem eigenen treiben.....das kann man sicher auch richtig böse formulieren, lass ich aber mal, es machte ihn aber zu einem ereignis in einer immer gleichförmiger werdenden musikwelt und hob ihn von anderen völlig ab....und piano-scheiben bzw. musik mit einem wohltemperierten piano waren in den siebzigern wie @thelonica ja schon anmerkte sehr inn und dann tauchte da auf einmal so ein wuschliger kauz auf einem ikonischen cover auf und tat gefühlt etwas völlig neues.....und weil es hier ein piano trio thread ist kommt auch mal wieder eine scheibe von einem trio auf den teller mit dem ich vor 30 jahren noch gar nichts anfangen konnte und wollte weil es sich irgendwie für mich zu altbacken anfühlte.....bullschuetz hat geschrieben: 03 Mär 2026, 08:43 Ja, das glaube ich auch (wenngleich ich mich mit Scriabin nicht auskenne). Ich vermute mal, dass das KC vielen bildungsbürgerlich sozialisierten jungen Leuten vermittelte, dass Klavier nicht nur "Fingersätze üben im Klavierunterricht" bedeutet, sondern auch "seine Gefühle frei ausdrücken", zumal man etwas, das zumindest ein bisschen nach KC für Arme klingt, relativ einfach hinkriegt: eine repetitive Abfolge von zwei Akkorden nehmen, dazu mit einer simplen pentatonischen Tonleiter improvisieren. Dazu braucht man keinerlei Wissen um elaboriertere Jazzharmonik. Ich will damit natürlich nicht leugnen, dass Jarretts Musik aus weltenviel mehr besteht! Aber wenn man zum Beispiel "Endless" von Changeless nimmt, fällt schon auf, dass da auch die ersten fünf Minuten aus einem einfachen zweiakkordigen Pattern bestehen (Molltonika und der eine große Terz darunter liegende Dur-Akkord) und aus fast lupenreiner Pentatonik ziemlich komplett ohne Blue Notes oder Chromatik.

....heute hör ich das mit anderen ohren....wobei es peterson immer noch schwerer bei mir hat als manche andere....
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
Zurück zum Keith Jarrett Trio und "Changeless" : obwohl die Kombo im Oktober 1987 14 Konzerte in Nordamerika und Kanada gab, existieren im Netz (im Gegensatz zu anderen Touren) keine inoffiziellen Mit-/Ausschnitte .... aber offenbar genug Material in den Archiven von Manfred Eicher, da Konzerte in Denver, Dallas, Lexington und Houston komplett dokumentiert wurden ....
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Re: Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
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Re: Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung

Dan Wall – The Trio
ich hab tatsächlich auch nochmal was, was hierher gehört... Wall kenn ich vor allem als Organist im John Abercrombie Trio auf ECM in den 90ern, Ike Isaacs am Bass von Bennie Green's Soul Stirrin', Blue Note in den 50ern... nicht die gleiche Generation von Musikern also, hier treffen sie sich quasi in der Mitte, und spielen die Musik, mit der sie in diesen Jahren in ihrer Atlanta schöne Erfolge in verschiedenen Hotelbars feiern konnten... Am Schlagzeug, und das war der Grund die Platte zu kaufen, sitzt Steve Ellington, soviel Klaviertrio gibt es von ihm nicht... und die Sachen mit Hawes sind besser, aber das hier ist überhaupt nicht schlecht.
Zuletzt geändert von redbeansandrice am 06 Mär 2026, 09:56, insgesamt 1-mal geändert.
Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
Keith Jarrett Trio "Flying (Pt. 1)" (ECM Records) 1984 .... wer Argumente für das "Gary Peacock Trio" sucht, wird bei diesen Aufnahmen aus dem Jänner 1983 nachhaltig fündig ....
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Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
Hat es eigentlich je eine Piano Trio Coverversion von "Friday The 13th" gegeben ....
Sachdienliche Hinweise werden dankend entgegengenommen ....
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Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
Walter Davis Jr. Trio "Scorpio Rising" (SteepleChase) 1989 .... die Produktion packt mich zwar nicht mehr so ganz wie damals als Neuveröffentlichung, aber die Antriebskraft von Santi DeBriano (b) + Ralph Peterson (dr) weiterhin beträchtlich ....
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Das Piano-Trio im Jazz .... eine Fortschreibung
Bobo Stenson Trio "live" @ Jazzfestival Basel am 4ten Mai 2011 ..... für mich jedenfalls eine Art "Aufwärmen" für das Konzert am kommenden Mittwoch in Wien mit Anders Jormin (b) + Jon Fält (dr) ....
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