Der letzte Film, den ich gesehen habe

lysol
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von lysol »

Grievous Angel hat geschrieben: 23 Jun 2026, 10:41
lysol hat geschrieben: 23 Jun 2026, 10:25 Zu Hause mache ich die inoffizielle 20 Robert Altman -Filme in 30 Tagen -Challenge.
Großartige Idee! Wie kam es dazu? :)
Die Idee kam mir in der Stadtbücherei mit einem Buch über Altman in der Hand und der Erkenntnis, dass die auch recht viele Altman-DVDs haben und ich bisher nur 5-6 seiner großen Filme kenne und diese auch noch vor recht langer Zeit zuletzt gesehen habe . Außer „The Long Goodbye”, den gucke ich immer wieder mal. Deswegen hatte ich „California Split” auch gar nicht auf dem Schirm, weil ich Altman immer etwas vernachlässigt habe.
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

Schöne Sache! Würde mich sehr freuen, dein Fazit dann zu lesen oder zumindest ein Rating der geschauten Filme. :) Ich habe tatsächlich noch nie einen Film in der Bibliothek ausgeborgt, deswegen ist das spannend zu hören. Welches Buch über ihn liest du denn gerade?

Altman zähle ich aber zu meinen zehn liebsten Regisseuren. :banana-rainbow:
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lysol
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von lysol »

Grievous Angel hat geschrieben: 23 Jun 2026, 11:45 Schöne Sache! Würde mich sehr freuen, dein Fazit dann zu lesen oder zumindest ein Rating der geschauten Filme. :) Ich habe tatsächlich noch nie einen Film in der Bibliothek ausgeborgt, deswegen ist das spannend zu hören. Welches Buch über ihn liest du denn gerade?

Altman zähle ich aber zu meinen zehn liebsten Regisseuren. :banana-rainbow:
Das zwanzig Jahre alte „Robert Altman: Abschied vom Mythos Amerika”. Zuerst gibt es einen 60 Seiten langen Überblick seiner Filmografie , dann kürzere Texte zu einzelnen Filmen oder Themenschwerpunkte. Habe aber noch nicht viel gelesen, wollte erstmal die Filme sprechen lassen.
Werde mich dann mal im Juli für ein Fazit melden.
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

Danke, danach werde ich mich bei Gelegenheit auch mal umschauen.

Wo hast du "California Split" eigentlich gesehen? Im Stream? Vor mehreren Jahren, als Indicator Powerhouse seinen britischen Konkurrenten Eureka als spannendste Boutique-Verleih-Alternative zu Criterion abgelöst (und bei der liebevollen Gestaltung der Blu-Rays in meinen Augen sogar überflügelt) hat und diese Vormachtstellung auch für einige Zeit halten konnte, war der Film eines der ambitioniertesten Prestige-Projekte des Labels.

Da Altman für "California Split" seinerzeit wie immer den ganzen Sound quer übereinander legen musste, konnte man die Musik im Hintergrund nicht mehr sauber von den Dialogen trennen. Das führte damals schon zu Auseinandersetzungen, weil das Studio nicht für die ganze teure Lizensierung der Songs aufkommen wollte und das ist auch heute noch der Grund, warum Heimveröffentlichungen (anders als die Rechtslage bzgl. Streaming) lediglich mit einem veränderten oder zusammengeschnittenen Soundtrack verfügbar sind.

Nachdem Indicator einige der besten Blu Ray-Restaurationen überhaupt geschaffen hat und damit über die Jahre genug Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten und Verhandlungsgeschick aufgebaut hat, sollte auch das Unmachbare mit Geduld und Fingerspitzengefühl klappen. Lange, zähe Verhandlungen später musste man das bereits fertig restaurierte und angekündigte Ding jedoch wieder zurückpfeifen. Auf den verstümmelten Soundtrack zurückzugreifen war für das Label verständlicherweise keine Option. Immer wieder traurig sich vorzustellen, dass die Lizenzierung von ein paar alten Soundschnipsel in so einem finanziellen Unverhältnis zu den prognostizierten Einnahmen von einem sehr erfolgreichen kleinen Label steht. Ein ähnliches Schicksal ereilte übrigens auch Mays "Ishtar", das auch schon auf der Webseite zum Vorverkauf freigegeben war.
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lysol
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von lysol »

Ja schade, dass es keine gute Veröffentlichung gibt. Habe ihn mangels Verfügbarkeit nur in schlechter Qualität auf YouTube gesehen, Ausschnitte auf Englisch und den ganzen Film auf Deutsch. Von „3 Women” , auf den ich am gespanntesten bin, kam gestern die Criterion Collection an, zusammen mit der von „Love Streams “. Die beiden Filme werde ich mir aber noch etwas aufsparen. Von Indicator habe ich eigentlich nur die Dietrich/von Sternberg -Box, die wirklich hervorragend ist.
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

Okay ja, das ist wirklich nicht optimal. Angeblich ist der Film auf Amazon Prime verfügbar, aber ich habe keine Streaming-Abos.

Wunderbar, gleich noch zwei Filme aus meiner Top 100.

Indicator geht in letzter Zeit auch wie Eureka den Nischen-Weg, aber gelegentlich haben sie noch tolle Veröffentlichungen und die Jean Rollin-Reihe ist natürlich auch toll. Aktuell finde ich Radiance am spannendsten, auch wenn ich hier in Japan jetzt schon zwei Jahre keine Blu-Ray und (fast) keine Platten gekauft habe.

Von Indicator sind für mich neben der Dietrich/von Sternberg-Box unersetzlich im Regal u.a.:

Modern Romance (Albert Brooks)
Fat City (John Huston)
Professione reporter (Michelangelo Antonioni)
The Swimmer (Frank Perry)
The Pumpkin Eater (Jack Clayton)
Bunny Lake Is Missing (Otto Preminger)
Suddenly, Last Summer (Joseph L Mankiewicz)
Blue Collar (Paul Schrader)
Charley Varrick (Don Siegel)
Housekeeping (Bill Forsyth)
The Snake Pit (Anatole Litvak)
Lilith (Robert Rossen)
Mickey One (Arthur Penn)
Putney Swope (Robert Downey)
Spring Night Summer Night (Joseph L Anderson)
The Collector (William Wyler)
The Reckless Moment (Max Ophüls)

Und dann noch "The Big Heat", "The Last Detail", "The Lady from Shanghai", "The Front", und einige andere, die ich jetzt nicht im Kopf habe. Die Budd Boetticher Box gibt es mit demselben Inhalt auch von anderen Anbietern, die Fuller-Box finde ich aber essenziell.

Hatten wirklich einige Jahre einen exzellenten Lauf.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von lysol »

Da sind wirklich viele tolle Titel dabei, „The Swimmer” z.B. wäre in meiner aktuellen Top 100 dabei.
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

lysol hat geschrieben: 23 Jun 2026, 14:59 Da sind wirklich viele tolle Titel dabei, „The Swimmer” z.B. wäre in meiner aktuellen Top 100 dabei.
Das sind ja fantastische Neuigkeiten, noch eine Übereinstimmung und noch einen Fan gefunden! Ich liebe den Film (habe ihm auch in meinem Thread im RS-Forum seinerzeit ein paar Zeilen gewidmet) und war extrem happy, dass ich meine spanische Blu-Ray (die fairerweise auch toll aussah) damit in den Ruhestand schicken konnte.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Jan Lustiger »

lysol hat geschrieben: 23 Jun 2026, 14:01 Von „3 Women” , auf den ich am gespanntesten bin, kam gestern die Criterion Collection an
Neid: Ich wünsche, ich könnte 3 Women nochmal zum ersten Mal sehen.
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von TheMagneticField »

motörwolf hat geschrieben: 23 Jun 2026, 00:09 Bild

Dolly (Rod Blackhurst, 2025)

Macy und ihr Freund Chase reisen zum Wandern in eine entlegene Gegend in Tennessee. Chase (Sean William Scott) will Macy dort seinen Lieblingsplatz auf der Welt zeigen und ihr einen Antrag machen. Schon während der Wanderung finden sie Seltsames, nämlich haufenweise Puppen, mitten im Wald. Am Ziel angekommen, hören beide irritierende Geräusche. Als Chase dem nachgeht, begegnet er einer gewaltigen Frau mit dem Porzellangesicht einer Puppe, die gerade eine kopflose Leiche beerdigt. Und der Horror beginnt...

Der Film basiert auf Blackhursts eigenem Kurzfilm Babygirl von 2022, den ich leider nicht kenne. Auch denTrailer oder eine Synopsis habe ich vor dem Kinobesuch nicht gesehen. Das Plakat in der Kino-App allein hatte meine Neugier geweckt, erwartet habe ich aber nicht viel. Um so mehr war Dolly für mich eine echte kleine Überraschung, bekommen habe ich nämlich eine dreckige kleine Horrorperle.
Gedreht wurde Dolly auf 16mm mit sichtbarer Körnung. So hat schon das Bild einen 70er-Horror-Vibe, der perfekt zu den ersten Bildern im Cold Opening passt. Wir sehen da nämlich die Titelfigur in einem häuslichen Umfeld, das an das Haus der Sawyers in The Texas Chain Saw Massacre erinnert. Wie froh kann man sein, nicht riechen zu können, was man sieht. Verfall, Verwesung und Fliegen. Und inmitten dessen treibt die offensichtlich völlig irre Dolly seltsame Dinge mit einer kopflosen Leiche. Der Ton ist gesetzt.
Apropos Ton: Die Tonspur ist in allen Teilen stark, vor allem die Songs haben mir gut gefallen. Diesbezüglich sticht besonders Abspann hervor. Da durchbricht der Sänger des begleitenden Liedes plötzlich die Vierte Wand und entlässt den Zuschauer mit einem finalen Gag. Ebenso stark ist das Sounddesign. Nachdem beispielsweise Chase eine heftige Verletzung der Atemwege hinnehmen musste, erzeugt dss Geräusch seiner Atmung sofort Unbehagen, sobald man es nur hört. Da muss gar nicht viel gezeigt werden. Wird es aber. Ich sag mal so: wer Sean William Scott nicht mag, wird Dolly lieben. Was ihm hier widerfährt, hat mich an einige der Bilder in Ernst Friedrichs Krieg dem Kriege erinnert.
Was mich zu den Effekten bringt. Die sind praktisch umgesetzt und funktionieren bestens. Wenn es zu Goreszenen kommt, werden diese nicht zelebriert, sondern als purer Schmerz inszeniert. Das ist herrlich unangenehm, kommt aber gar nicht so oft im Film vor. Denn mit Macy hat Dolly anderes vor.
Dolly wünscht sich auf verquere Weise ein Baby und zwingt Macy in diese Rolle. Das ist ja schon ganz grundsätzlich eine exreme Erniedrigung, man denke nur an Barracuda (Philippe Haïm, 1997), der das ebenfalls thematisierte. Zusätzlich muss Macy jedoch ertragen, dass Dollys Umsetzung der Mutterrolle nicht nur brutal, sondern verstörend ekelhaft ist. Da erspart uns der Film wenig, weder was die Nahrungsaufnahme noch was die Ausscheidungen betrifft.
Blackhurst nutzt sein kleines Budget sehr geschickt. Das 16mm-Material passt zum Genre, die Beschränkung auf eine Laufzeit von nur 83 Minuten ist ebenfalls eine gute Entscheidung. Auch die Beschränkung des Handlungsortes auf ein wenig Wald und ein Haus stört nicht und ist ja durchaus genretypisch. Wenn ich etwas kritisieren müsste, wäre das in erster Linie, dass Dolly selten wirklich überrascht. Trotz der guten Umsetzung ist der Film in vielen Belangen ein sehr typischer Vertreter seines Genres. Eigentlich nicht schlimm, aber aktuell gibt es im Horrorbereich auch ganz viel wirklich frisches. Und das ist Dolly eben nicht. Daher 'nur' 7,5/10 Spaten
Was wären denn da so deine Empfehlungen?
So lange wir uns haben, haben die Andren nicht gewonnen…