Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

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thelonica
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von thelonica »

Benny Goodman in Brüssel (Vol. 1 & 2) mit einer interessanten frischen Band (u.a. Roland Hanna, Zoot Sims, Roy Burns) finde ich noch ziemlich spannend. Vor allem wegen Roland Hanna, der ja klassisch geschult war, aber auch bei Barry Harris gelernt hatte.

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gypsy tail wind
DJ
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von gypsy tail wind »

Friedrich hat geschrieben: 02 Jun 2026, 12:33 Dann ist diese Compilation offenbar eine gute Wahl!

Die Small Groups gefallen mir auch am besten und sind wohl auch am besten zum Hören im heimischen Wohnzimmer geeignet. Und sie scheinen mir am besten gealtert zu sein und auch heute noch gut bestehen zu können. Btw spielt auf einer der Small Group-Aufnahmen Count Basie Klavier.
Ja, hinten raus vielleicht nicht mehr alles top und vorn fehlt halt das Beste von RCA/Bluebird (eben auch das Trio mit Teddy Wilson und Gene Krupa, das von Lionel Hampton zum Quartett erweitert wurde, in dem Dave Tough dann Krupa ersetzte). Paar Jahre später wäre der BMG-Katalog dann mit dem von Sony fusioniert gewesen, aber da war dann wohl der Moment für halbwegs sorgfältig zusammengestellte Compilations vorbei.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
redbeansandrice
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von redbeansandrice »


Jay McShann – The Last Of The Blue Devils

Wie wär es wohl gewesen, wenn Count Basie damals in den 40ern nicht Freddie Green an der Gitarre gehabt hätte sondern John Scofield....? Wer sich diese Frage schonmal gestellt hat, ist hier genau richtig... und auch wer die Frage ein bisschen befremdlich findet, kann wenig falschmachen... ich hab ja gerade The World of Count Basie von Stanley Dance gelesen, und eine der Thesen, die dort immer vorgebracht werden, ist, dass der Kansas City Jazz in zwei Wellen zuerst New York und dann die Welt erobert hat - und beide Male war es eine Big Band, die durch einen herausragenden Rhythmuspianisten geleitet wurde mit dem wichtigsten Avantgardesaxophonisten seiner Generation unter den Solisten... erst Count Basie mit Lester Young, dann Jay McShann mit Charlie Parker... (und dazwischen versuchten es Harlan Leonard und seine Band, aber sie konzentrierten sich zu sehr auf clevere Arrangements und zu wenig auf Riffs, woran sie am Ende scheiterten, weil keiner das hören wollte). Wenn man bereit ist, diese Geschichte zu glauben, die Geschichte von Basie, Young, McShann und Parker, dann fällt doch auf, dass sie die Rolle von McShann ziemlich aufwertet, Basie, Young und Parker gehören schliesslich in die erste Reihe der Jazzprominenz... und wenn man die Interviews im Buch dann mit diesem Gedanken im Hinterkopf liest, fällt schon auf, wieviel Respekt alle vor McShann haben, der einzige, der Basie in seinem eigenen Spiel schlagen konnte - Rhythmusklavier halt... was auch immer wieder gesagt wird, ist, wie gut es ist, dass McShann bei den Alben nach seinem Comeback Mitte der 60er selber singt, statt auf nervige Big Band Sänger zu setzen... und ja, man kann sich seinen Gesang prima anhören, mehr Blues als Jazz und er geht gut ins Ohr...

Die Band auf diesem Album von 1978 ist ein Septett, Scofield an der Gitarre, Milt Hinton am Bass, Jackie Williams (dr, auch das ein Veteran)... und in der Frontline Joe Newman (tp, tut nie weh) und zwei Tenoristen, die so gut es geht Basies altes Tenoristenpaar Lester Young / Hershel Evans nachbauen, Buddy Tate (damals um 1940 nach Evans Tod dessen Nachfolger), und Paul Quinichette, Lady Q, schon zu Youngs Lebzeiten dessen direktestes Spiegelbild... und Quinichette ist derjenige, wegen dem ich dem Album vielleicht wirklich starke **** geben würde, diese Art Saxophon zu spielen, hörte man 1978 schon nicht mehr an jeder Ecke - und dass er nochmal für so eine Hochglanzproduktion bemüht wurde, find ich absolut unterstützenswert...
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thelonica
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von thelonica »

Nach Charlie Parker würde ich Gene Ramey und Gus Johnson als relativ wichtige Bandmitglieder der (frühen) Jay McShan Bands nennen wollen. Vor allem Gene Ramey, weil es da tolle Musik mit ihm gibt (Monk, Sonny Rollins, Lester Young, Buck Clayton, Earl Hines etc., sogar mit Dylan wurde er mal aufgenommen). Hier auf YouTube in den Kommentaren wurde geschrieben, dass "Hootie Blues" im Buch von Malcom X erwähnt wird, dann sollte das Stück eigentlich auf dem Soundtrack vom Spike Lee Film sein.

redbeansandrice
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Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Beitrag von redbeansandrice »

Gus Johnson und (vor allem) Gene Ramey sind in The World of Count Basie mit spannenden Interviews vertreten, nicht nur über Basie sondern auch über McShann und ihre ganze Biografie, Gene Ramey ging später nochmal "zur Schule" und arbeitete jahrzehntelang bei einer Bank... Paul Quinichette ist übrigens natürlich auch jemand, der in der ursprünglichen McShann Band gross wurde... Ach so: John Scofield spielt absolut gruppendienlich, hätte man hier niemals erraten...

Jay McShann - McShann's Piano

wir schreiben das Jahr 1966, Dave Dexter, der um 1940 als Journalist und junger Label-Executive eine wichtige Rolle bei der Entdeckung von Basie und McShann gespielt hatte, tut inzwischen bei Capitol alles, was er kann, um britische Musik, die auf Teenager abzielt zu sabotieren (sein wiki Eintrag handelt eigentlich nur davon...) - aber zwischendurch gelingt es ihm dennoch, einem alten Freund einen Gefallen in der Form der ersten richtigen LP zu tun... ist das Swing oder schon R&B oder gar noch Boogie? Es ist jedenfalls enorm robuste Klaviermusik, mit "rhythm accompaniment", Gitarre, E-Bass und Schlagzeug fühlt man mehr als das man sie hört, gelegentlich singt McShann, aber das Klavier steht im Vordergrund... eine Sache hat das Album mit den Dixieland-Session bei Blue Note gemeinsam: Der Blues Anteil ist soweit hochgedreht, dass die Musik auch für Leute problemlos zugängig sein sollte, die ein bisschen allergisch gegen Boogie Woogie oder frühen R&B sind... Last of the Blue Devils ist vielleicht eine Spur spektakulärer, aber das hier ist in jedem Fall auch ein tolles Album, ein bisschen purer...