Benny Goodman in Brüssel (Vol. 1 & 2) mit einer interessanten frischen Band (u.a. Roland Hanna, Zoot Sims, Roy Burns) finde ich noch ziemlich spannend. Vor allem wegen Roland Hanna, der ja klassisch geschult war, aber auch bei Barry Harris gelernt hatte.
Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern
- gypsy tail wind
- DJ
- Beiträge: 1406
- Registriert: 15 Mär 2021, 00:06
- Has thanked: 323 times
- Been thanked: 223 times
Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern
Ja, hinten raus vielleicht nicht mehr alles top und vorn fehlt halt das Beste von RCA/Bluebird (eben auch das Trio mit Teddy Wilson und Gene Krupa, das von Lionel Hampton zum Quartett erweitert wurde, in dem Dave Tough dann Krupa ersetzte). Paar Jahre später wäre der BMG-Katalog dann mit dem von Sony fusioniert gewesen, aber da war dann wohl der Moment für halbwegs sorgfältig zusammengestellte Compilations vorbei.Friedrich hat geschrieben: 02 Jun 2026, 12:33 Dann ist diese Compilation offenbar eine gute Wahl!
Die Small Groups gefallen mir auch am besten und sind wohl auch am besten zum Hören im heimischen Wohnzimmer geeignet. Und sie scheinen mir am besten gealtert zu sein und auch heute noch gut bestehen zu können. Btw spielt auf einer der Small Group-Aufnahmen Count Basie Klavier.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
-
redbeansandrice
- Beiträge: 470
- Registriert: 04 Dez 2023, 12:13
- Has thanked: 90 times
- Been thanked: 89 times
Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Jay McShann – The Last Of The Blue Devils
Wie wär es wohl gewesen, wenn Count Basie damals in den 40ern nicht Freddie Green an der Gitarre gehabt hätte sondern John Scofield....? Wer sich diese Frage schonmal gestellt hat, ist hier genau richtig... und auch wer die Frage ein bisschen befremdlich findet, kann wenig falschmachen... ich hab ja gerade The World of Count Basie von Stanley Dance gelesen, und eine der Thesen, die dort immer vorgebracht werden, ist, dass der Kansas City Jazz in zwei Wellen zuerst New York und dann die Welt erobert hat - und beide Male war es eine Big Band, die durch einen herausragenden Rhythmuspianisten geleitet wurde mit dem wichtigsten Avantgardesaxophonisten seiner Generation unter den Solisten... erst Count Basie mit Lester Young, dann Jay McShann mit Charlie Parker... (und dazwischen versuchten es Harlan Leonard und seine Band, aber sie konzentrierten sich zu sehr auf clevere Arrangements und zu wenig auf Riffs, woran sie am Ende scheiterten, weil keiner das hören wollte). Wenn man bereit ist, diese Geschichte zu glauben, die Geschichte von Basie, Young, McShann und Parker, dann fällt doch auf, dass sie die Rolle von McShann ziemlich aufwertet, Basie, Young und Parker gehören schliesslich in die erste Reihe der Jazzprominenz... und wenn man die Interviews im Buch dann mit diesem Gedanken im Hinterkopf liest, fällt schon auf, wieviel Respekt alle vor McShann haben, der einzige, der Basie in seinem eigenen Spiel schlagen konnte - Rhythmusklavier halt... was auch immer wieder gesagt wird, ist, wie gut es ist, dass McShann bei den Alben nach seinem Comeback Mitte der 60er selber singt, statt auf nervige Big Band Sänger zu setzen... und ja, man kann sich seinen Gesang prima anhören, mehr Blues als Jazz und er geht gut ins Ohr...
Die Band auf diesem Album von 1978 ist ein Septett, Scofield an der Gitarre, Milt Hinton am Bass, Jackie Williams (dr, auch das ein Veteran)... und in der Frontline Joe Newman (tp, tut nie weh) und zwei Tenoristen, die so gut es geht Basies altes Tenoristenpaar Lester Young / Hershel Evans nachbauen, Buddy Tate (damals um 1940 nach Evans Tod dessen Nachfolger), und Paul Quinichette, Lady Q, schon zu Youngs Lebzeiten dessen direktestes Spiegelbild... und Quinichette ist derjenige, wegen dem ich dem Album vielleicht wirklich starke **** geben würde, diese Art Saxophon zu spielen, hörte man 1978 schon nicht mehr an jeder Ecke - und dass er nochmal für so eine Hochglanzproduktion bemüht wurde, find ich absolut unterstützenswert...
- thelonica
- Beiträge: 153
- Registriert: 20 Feb 2026, 22:58
- Has thanked: 17 times
- Been thanked: 30 times
Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern
Nach Charlie Parker würde ich Gene Ramey und Gus Johnson als relativ wichtige Bandmitglieder der (frühen) Jay McShan Bands nennen wollen. Vor allem Gene Ramey, weil es da tolle Musik mit ihm gibt (Monk, Sonny Rollins, Lester Young, Buck Clayton, Earl Hines etc., sogar mit Dylan wurde er mal aufgenommen). Hier auf YouTube in den Kommentaren wurde geschrieben, dass "Hootie Blues" im Buch von Malcom X erwähnt wird, dann sollte das Stück eigentlich auf dem Soundtrack vom Spike Lee Film sein.
-
redbeansandrice
- Beiträge: 470
- Registriert: 04 Dez 2023, 12:13
- Has thanked: 90 times
- Been thanked: 89 times
Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern
Gus Johnson und (vor allem) Gene Ramey sind in The World of Count Basie mit spannenden Interviews vertreten, nicht nur über Basie sondern auch über McShann und ihre ganze Biografie, Gene Ramey ging später nochmal "zur Schule" und arbeitete jahrzehntelang bei einer Bank... Paul Quinichette ist übrigens natürlich auch jemand, der in der ursprünglichen McShann Band gross wurde... Ach so: John Scofield spielt absolut gruppendienlich, hätte man hier niemals erraten...

Jay McShann - McShann's Piano
wir schreiben das Jahr 1966, Dave Dexter, der um 1940 als Journalist und junger Label-Executive eine wichtige Rolle bei der Entdeckung von Basie und McShann gespielt hatte, tut inzwischen bei Capitol alles, was er kann, um britische Musik, die auf Teenager abzielt zu sabotieren (sein wiki Eintrag handelt eigentlich nur davon...) - aber zwischendurch gelingt es ihm dennoch, einem alten Freund einen Gefallen in der Form der ersten richtigen LP zu tun... ist das Swing oder schon R&B oder gar noch Boogie? Es ist jedenfalls enorm robuste Klaviermusik, mit "rhythm accompaniment", Gitarre, E-Bass und Schlagzeug fühlt man mehr als das man sie hört, gelegentlich singt McShann, aber das Klavier steht im Vordergrund... eine Sache hat das Album mit den Dixieland-Session bei Blue Note gemeinsam: Der Blues Anteil ist soweit hochgedreht, dass die Musik auch für Leute problemlos zugängig sein sollte, die ein bisschen allergisch gegen Boogie Woogie oder frühen R&B sind... Last of the Blue Devils ist vielleicht eine Spur spektakulärer, aber das hier ist in jedem Fall auch ein tolles Album, ein bisschen purer...

Jay McShann - McShann's Piano
wir schreiben das Jahr 1966, Dave Dexter, der um 1940 als Journalist und junger Label-Executive eine wichtige Rolle bei der Entdeckung von Basie und McShann gespielt hatte, tut inzwischen bei Capitol alles, was er kann, um britische Musik, die auf Teenager abzielt zu sabotieren (sein wiki Eintrag handelt eigentlich nur davon...) - aber zwischendurch gelingt es ihm dennoch, einem alten Freund einen Gefallen in der Form der ersten richtigen LP zu tun... ist das Swing oder schon R&B oder gar noch Boogie? Es ist jedenfalls enorm robuste Klaviermusik, mit "rhythm accompaniment", Gitarre, E-Bass und Schlagzeug fühlt man mehr als das man sie hört, gelegentlich singt McShann, aber das Klavier steht im Vordergrund... eine Sache hat das Album mit den Dixieland-Session bei Blue Note gemeinsam: Der Blues Anteil ist soweit hochgedreht, dass die Musik auch für Leute problemlos zugängig sein sollte, die ein bisschen allergisch gegen Boogie Woogie oder frühen R&B sind... Last of the Blue Devils ist vielleicht eine Spur spektakulärer, aber das hier ist in jedem Fall auch ein tolles Album, ein bisschen purer...
- gypsy tail wind
- DJ
- Beiträge: 1406
- Registriert: 15 Mär 2021, 00:06
- Has thanked: 323 times
- Been thanked: 223 times
Re: Swing - Big Bands, Combos, Tanzmusik und Sänger*innen aus den Dreissigern und Vierzigern

Jimmy Dorsey and His Orchstra at the 400 Restaurant 1946 | Tommy Dorsey, der ältere Bruder, die Rampensau, ist mir in den Ferien neulich in Scorseses "New York, New York" begegnet, in der ersten Szene, die am V-J-Day in New York spielt und De Niros toxischem Männlein an eine grosse Party folgt, bei der die Band von Dorsey spielt. Jimmy, der jüngere und stillere der Brüder, kenne ich bisher deutlich schlechter, was vermutlich ein Fehler ist, denn sein Spiel fand ich eigentlich immer schon etwas ansprechender. Diese Hep-CD von 1991 (steht auff der CD, Discogs sagt 1994) brachte @redbeansandrice neulich für mich mit und jetzt läuft sie zum ersten Mal und gefällt mir tatsächlich vom ersten Eindruck her so gut, wie der Allmusic-Review (arwulf arwulf, er schreibt wiederum, die CD sei von 2005 - manchmal gab's bei Hep ja Neuauflagen, ganz selten auch mit Korrekturen) mich hoffen liess.
Los geht es mit einer V-Disc Session aus Hollywood vom Juli 1944, bei der es mit "Grand Central Getaway" gleich eine kleine Überraschung gibt: arrangiert hat das von ihm und Dorsey geschriebene Stück nämlich ein gewisser Dizzy Gillespie - und da streuen sich plötzlich Bebop-Phrasen ein in den glatten Big Band-Swing, der dann im letzten Stück, "Together" (arr. Sonny Burke) auch etwas aufgeraut wird. Si Zentner spielt dann wie zum Kontrast ein Posaunensolo in der sehr eleganten Manier von Tommy Dorsey (unterstützt von Bobby Dukoff am Tenorsax). Die anderen zwei Stücke hat Burke mit Dorsey zusammen geschrieben und beide auch arrangiert - und klar, auch im Opener der Session, "All the Things You Ain't" (von Dorsey und Babe Russin, arr. Burke) gibt es boppige Phrasen - und das erste von zahlreichen guten Soli von Dorsey, der zwischen Altsax und Klarinette wechselt. Im Bop-Stück klingt Dorsey ein klein wenig unbeholfen, aber kriegt dann doch die Kurve - Ray Linn an der Trompete (er besonders) und Dukoff am Tenorsax schlagen sich besser. Und auch der Pianist Marvin Wright kriegt immer mal wieder ein paar Takte, die Rhythmusgruppe besteht sonst aus Teddy Walters (g), Jimmy Middleton (b) und Buddy Shutz (d). Im fast fünfminütigen "Sunset Strip" gibt es eine Rhythmusgruppe à la Basie zum Einstieg und darüber Riffs, die eher nach Glenn Miller klingen, dem frühen Förderer der Dorseys. Dorsey soliert hier an beiden Instrumenten, Shorty Solomson ist der Trompetensolist, Dukoff und Wright sind auch wieder zu hören. Das sind tolle Aufnahmen, die ich auch im Rahmen des V-Disc Mosaic-Sets schon gehört habe (dort gibt es wie es scheint weniger Solisten-IDs).
Die folgenden 50 Minuten stammen dann aus dem New Yorker 400 Restaurant und, von vier Mitschnitten am 9., 10., 12. und 13. Januar 1946. In der Band lesen wir relativ wenige heute noch geläufige Namen - Irving Goodman, Louis Mucci und weiterhin Solomson (t), Sonny Lee (tb - auch schon 1944 dabei und dort kurz mal solistisch zu hören), Lou Carter (p), Herb Ellis (g), Norman Bates (b - um 1954/55 dann bei Brubeck) und Karl Kiffe (d - 18 Jahre jung) sind dabei - und natürlich bei einem regulären Live-Gig auch die Sänger*innen Dee Parker und Paul Chapman. Der Sound ist weniger gut aber gut hörbar (man kriegt weniger von der Rhythmusgruppe mit, das Klangbild ist manchmal etwas dumpf). Dorseys Band war im 400 Restaurant am Weihnachtstag 1945 die Nachfolge von Woody Herman angetreten und fünfzehn Stücke vermitteln eine Idee, wie die Band beim sechswöchigen Gig geklungen hat. Sonny Burke ist weiterhin prägend für den Sound, hat Originals, Standards oder tagesaktuelle Pop-Songs gleichermassen gut arrangiert. Los geht's mit Sy Olivers "Opus 1", für Tommy Dorseys Band geschrieben, aber von Burke neu für Jimmy arrangiert und mit Soli von Lou Carter (p), Sy Baker (t) und Chuck Travis (ts - "probably the weakest of Jimmy's soloists at that time" meint Ian Crombie wohl nicht ganz zu Unrecht in seinen Liner Notes) und dem Leader an beiden seinen Instrumenten. In "I've Got a Crush on You" gibt es dann die ganz nette Stimme von Dee Parker, einmal mehr ein gutes Arrangement und auch kurze instrumentale Passagen, nicht zuletzt ein paar Takte von Dorseys elegantem Altsax. "Outer Drive" changiert dann wieder zwischen Bop und Swing - leider ist das Piano zu leise, dass zwischen den Riffs der Bläser solistisch unterwegs ist (Ellis' Gitarre klingt auch kurz auf, aber dringt noch weniger durch). Sy Baker scheint generell der Trompetensolist zu sein - und Herb Ellis kriegt auch seine Spots, in denen er dann auch zu hören ist. Sänger Paul Chapman ist dann mit "It's the Talk of the Town" zu hören - er stiess für diesen Gig zur Band, blieb aber nur einige Wochen. Dee Parker ist auch in "Come to Baby Do", "Lover Man" und "here I Go Again" zu hören - und ihr Gesang ist definitiv charmant. Sie war schon einige Monate dabei und blieb bis zur Auflösung der Band im Dezember 1947, kurz vor dem zweiten recording ban. Für Kenner der Band scheint die Hep-CD auch deshalb interessant zu sein, weil Dorsey bei seinem Label Decca bald nur noch wenige Aufnahmen machen konnte und das neue Label MGM an seinem band book nicht so interessiert war - doch hier kriegt man die Stücke, die Dorseys Band im Repertoire hatte, zu hören, zumindest einige davon. Auch hier hören wir Sonny Lee an der Posaune wieder, und in "The man with the Horn" den Lead-Trompeter der Band (der auch 1944 schon dabei ist), Bob Alexey, den Drummer Karl Kiffe mal "New York's Conrad Gozzo" genannt hatte. "Contrasts", der Theme-Song von Jimmy Dorsey (arr. Tutti Camarata), beschliesst das feine Programm.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00