Ich höre gerade ... Jazz

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thelonica
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von thelonica »

redbeansandrice hat geschrieben: 06 Jul 2026, 19:49
Tommy Jones with The Apex All-Stars – Just Friends

danke an gypsy fürs Finden und Weitergeben... für jeden Gene Ammons, der die grossen Erfolge feiert, gibt es im Untergrund dutzende Musiker wie Tommy `Mad Man' Jones, die auf ziemlich hohem Niveau ganz ähnliche Musik machen...
Der Bassist Quinn Wilson vom Tommy Jones Album hatte mit Jelly Roll Morton gespielt und war im Orchester von Earl Hines einige Jahre. Hier gibt es ein Interview (s. unten) mit dem Drummer Al Duncan, der mit Jay McShann nach Chicago kam und danach viele Sessions für Vee-Jay und Chess machte - Little Walter, Staple Singers, Etta James, John Lee Hooker, Jimmy Reed und einige mehr. Priscilla Bowman war die Sängerin bei McShann und "Hands Off" (Vee-Jay) ein #1 Hit.

https://scottkfish.com/2016/01/09/al-du ... od-memory/
https://scottkfish.com/2018/12/30/al-du ... irca-1981/
redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

Danke für das Interview! Hab hier gerade mal wieder "The World of Earl Hines" neben mir liegen, da hat Quinn Wilson auch bald seinen Auftritt... auf jeden Fall eine krasse Biografie, dass wer, der in den 20ern bei Jelly Roll Morton und Tiny Parham war, noch so viel Jahre später gut im Geschäft war...
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

Zu Ammons nochmal, den unzähligen Alben von ca. 1956-62: es gibt ja immerhin eine relativ grosse Bandbreite in diesem dichten Katalog mit den Jam-Sessions (die sind ja schon alle ähnlich, aber wegen der wechselnden Line-Ups dann doch auch recht unterschiedlich), Orgel-Alben (zu wenige, finde ich), Mood-/Quartettalben (oder Quintett mit Congas oder mal einer Extra-Orgel oder so - davon gibt es echt viele, aber mit den guten Leuten am Piano finde ich die unterm Strich auch oft sehr gut), dazu die Alben mit Stitt - und manchmal ein grösseres Projekt (ausser "Bad! Bossa Nova" fällt mir da aber grad gar keins ein, zumindest nicht bis 1962, danach wird der Katalog ja eh etwas bunter). Immerhin half die Menge an Alben Prestige auch, ihn während der langen Zeit im Gefängnis wenigstens bis 1965 ("Angel Eyes", "Sock") im Rennen zu halten (1968 gab's "Bad! Bossa Nova" nochmal als "Jungle Soul! (Ca' Purange)", aber davor ist dann doch ein Loch (1969 geht es mit "The Boss is Back" weiter und ab da gibt es keine so klaren Album-Kategorien mehr, dünkt mich).

Ich hab gestern noch hiervon erstmals ein Ohr genommen:



Mick Goodrick / Fred Hersch – Feebles, Fables and Ferns | Die Aufnahme von 1988 hat Hersch selbst produziert, für die verspätete Veröffentlichung auf ECM wurde ein Remix angefertigt. Das orientiert sich wenig - und doch etwas - überraschend an den Duos von Bill Evans und Jim Hall, ist eher ruhig und klappt vielleicht auch deshalb ohne Kollisionen. Das Album ist recht kurz (38 Minuten oder so) und es gibt neben ein paar Originals und dem spontan wirkenden (beiden zugeschriebenen) "Five Excursions" auch ein paar halbe - "Falling Grace" von Steve Swallow und als Closer "Soul Eyes" von Mal Waldron - und einen ganzen Standard, bei dem der seltene Fehler bei ECM passiert ist (von wegen heute sei man bei sowas vorsichtiger): "Out of Nowhere" wird als Stück von Grant Green (statt Johnny Green und für die Lyrics Edward Heyman) ausgegeben. Nimmt mich ja wunder, ob das bald mal berichtigt wird - keine Ahnung, ob ECM am Veröffentlichungstag schon tausende Exemplare zur Hand hat oder ob eher tranchenweise produziert wird und sowas bald berichtigt werden kann? Anyway, die Musik gefällt mir glaub ich etwas besser als erwartet. Ich hatte von Goodrick mit anderen Akzente, die etwas über die klassische Jazzgitarre hinaus gehen, gerechnet (daher doch etwas überraschend, aber ich kenne Goodricks Musik nicht so gut) - aber gerade, weil das alles so ruhige, oft balladeske Musik ist, ist der erste Eindruck eben doch sehr gut. (Wenn das alles etwas zögerlich/skeptisch klingt, liegt das daran, dass ich bei Hersch einfach generell interessiert bin, aber die Besetzung Piano/Gitarre weder im Duo noch mit Rhythmusgruppe besonders mag ... Grant Green hat allerdings im Quartett eine ganze Menge guter bis hervorragender Alben eingespielt, vielleicht daher auch der Lapsus an der Pasinger Strasse?)
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

Goodrick/Hersch hatte ich am Sonntag auch ein bisschen gehört, den guten Eindruck kann ich bestätigen... und ja, Gene Ammons hat nicht das selbe Album immer wieder aufgenommen, sondern eine handvoll Alben... an grösseren Session seh ich neben Bad Bossa Nova nur eine von 1961, die überwiegend auf dem Album Late Night Hour landete, sechs Bläser, arrangiert von Oliver Nelson, ewig nicht gehört... ich hab eine handvoll Favoriten von Ammons: Boss Tenors in Orbit, The Black Cat, You Talk That Talk, Up Tight und sein Schwesteralbum, die ich immer hören kann... das mit Dodo Marmarosa ist auch super gut... und für die frühen Sachen hab ich eine Schwäche, was ich gerade höre... die ganzen Prestige Jams muss ich mal wieder hören, genau wie die Alben im Stil von Boss Tenor


Gene Ammons 1947-1949

Musik aus dem Bebop Untergrund, Leute wie Junior Mance, Gene Wright, den Komponisten A.K. Salim, Earl Coleman, Leo Parker... kennt man eigentlich von anderswo her, und vor allem von später... aber hier 1947 waren sie alle beisammen und nahmen zusammen mit Ammons in leicht verschiedenen Lineups gar nicht so wenig Musik auf, die zwar irgendwie Bebop ist, aber auch schon Aspekte des Mainstreams der 50er vorwegnimmt
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

redbeansandrice hat geschrieben: 07 Jul 2026, 10:22 und ja, Gene Ammons hat nicht das selbe Album immer wieder aufgenommen, sondern eine handvoll Alben... an grösseren Session seh ich neben Bad Bossa Nova nur eine von 1961, die überwiegend auf dem Album Late Night Hour landete, sechs Bläser, arrangiert von Oliver Nelson, ewig nicht gehört... ich hab eine handvoll Favoriten von Ammons: Boss Tenors in Orbit, The Black Cat, You Talk That Talk, Up Tight und sein Schwesteralbum, die ich immer hören kann... das mit Dodo Marmarosa ist auch super gut... und für die frühen Sachen hab ich eine Schwäche, was ich gerade höre... die ganzen Prestige Jams muss ich mal wieder hören, genau wie die Alben im Stil von Boss Tenor
Stimmt, danke für die Erinnerung an "Late Night Hour", das steht hier auch schon lange. Die Favoriten sind bei mir recht ähnlich. Statt "Up Tight" (das ja schon zu den "Boss Tenor"-Alben gehört) wär bei mir eher "Jug" gesetzt ... von den Jams mag ich vielleicht "Blue Gene" am meisten, aber die hab ich auch länger nicht gehört.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

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....ich bleibe momentan in diesem jahrzehnt und einer rhythmusgruppe die nahezu perfekt mit einander agiert und superb aufeinander reagiert, seit tagen läuft bei mir fast nichts anderes, hab auch schon ein ranking im kopf, bei dem aber momentan nur die rote laterne sehr sicher vergeben scheint und diese derzeit einen treppchenplatz inne hätte....
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


Gene Ammons 1949-1950 & 1950 - 1951
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Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice hat geschrieben: 07 Jul 2026, 16:39
Gene Ammons 1949-1950 & 1950 - 1951
Ich denke, die kritische Masse ist bereits überschritten: Mag jemand einen Gene Ammons-Thread eröffnen? Oder lässt sich dieses Thema im Tenor Titanen-Thread fortsetzen?
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Nduduzo Makhathini - The Myth We Choose
Soweto - Broken Shoes

Das neue von Makhathini - ist ja deutlich mehr Trio-Album, als ich dachte (auch mal nur Duo mit Bass) und fliesst vom ersten Eindruck her sehr schön dahin, was man bei so einem Album mit Gästen nicht unbedingt erwarten kann. Danach hörte ich noch einen Soul-Jazz- (oder Disco-Funk-)Klassiker aus Südafrika an, bei dem leider nur Almon Memela (g/prod) namentlich bekannt ist.
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atom
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von atom »



TOMASZ STANKO QUARTET - Soul of Things (ECM, 2002)

Ein faszinierendes und in sich vollkommen stimmiges Album – und der Beginn jener denkwürdigen Zusammenarbeit mit dem jungen polnischen Trio um Marcin Wasilewski, Sławomir Kurkiewicz und Michał Miśkiewicz, das später auch als Marcin Wasilewski Trio zu einer der eigenständigsten Stimmen des europäischen Klaviertrio-Jazz reifen sollte. Die durchnummerierten Variationen entfalten dabei einen fast meditativen Sog: Stankos rauchig-melancholischer Trompetenton trifft auf die kammermusikalische Präzision und lyrische Sensibilität des Trios – Understatement als künstlerisches Programm. Für mich einer der schönsten ECM-Momente der frühen 2000er.

Aus der Fotostrecke im Booklet mein Highlight:
serenity now!