Zu Ammons nochmal, den unzähligen Alben von ca. 1956-62: es gibt ja immerhin eine relativ grosse Bandbreite in diesem dichten Katalog mit den Jam-Sessions (die sind ja schon alle ähnlich, aber wegen der wechselnden Line-Ups dann doch auch recht unterschiedlich), Orgel-Alben (zu wenige, finde ich), Mood-/Quartettalben (oder Quintett mit Congas oder mal einer Extra-Orgel oder so - davon gibt es echt viele, aber mit den guten Leuten am Piano finde ich die unterm Strich auch oft sehr gut), dazu die Alben mit Stitt - und manchmal ein grösseres Projekt (ausser "Bad! Bossa Nova" fällt mir da aber grad gar keins ein, zumindest nicht bis 1962, danach wird der Katalog ja eh etwas bunter). Immerhin half die Menge an Alben Prestige auch, ihn während der langen Zeit im Gefängnis wenigstens bis 1965 ("Angel Eyes", "Sock") im Rennen zu halten (1968 gab's "Bad! Bossa Nova" nochmal als "Jungle Soul! (Ca' Purange)", aber davor ist dann doch ein Loch (1969 geht es mit "The Boss is Back" weiter und ab da gibt es keine so klaren Album-Kategorien mehr, dünkt mich).
Ich hab gestern noch hiervon erstmals ein Ohr genommen:
Mick Goodrick / Fred Hersch – Feebles, Fables and Ferns | Die Aufnahme von 1988 hat Hersch selbst produziert, für die verspätete Veröffentlichung auf ECM wurde ein Remix angefertigt. Das orientiert sich wenig - und doch etwas - überraschend an den Duos von Bill Evans und Jim Hall, ist eher ruhig und klappt vielleicht auch deshalb ohne Kollisionen. Das Album ist recht kurz (38 Minuten oder so) und es gibt neben ein paar Originals und dem spontan wirkenden (beiden zugeschriebenen) "Five Excursions" auch ein paar halbe - "Falling Grace" von Steve Swallow und als Closer "Soul Eyes" von Mal Waldron - und einen ganzen Standard, bei dem der seltene Fehler bei ECM passiert ist (von wegen heute sei man bei sowas vorsichtiger): "Out of Nowhere" wird als Stück von Grant Green (statt Johnny Green und für die Lyrics Edward Heyman) ausgegeben. Nimmt mich ja wunder, ob das bald mal berichtigt wird - keine Ahnung, ob ECM am Veröffentlichungstag schon tausende Exemplare zur Hand hat oder ob eher tranchenweise produziert wird und sowas bald berichtigt werden kann? Anyway, die Musik gefällt mir glaub ich etwas besser als erwartet. Ich hatte von Goodrick mit anderen Akzente, die etwas über die klassische Jazzgitarre hinaus gehen, gerechnet (daher doch etwas überraschend, aber ich kenne Goodricks Musik nicht so gut) - aber gerade, weil das alles so ruhige, oft balladeske Musik ist, ist der erste Eindruck eben doch sehr gut. (Wenn das alles etwas zögerlich/skeptisch klingt, liegt das daran, dass ich bei Hersch einfach generell interessiert bin, aber die Besetzung Piano/Gitarre weder im Duo noch mit Rhythmusgruppe besonders mag ... Grant Green hat allerdings im Quartett eine ganze Menge guter bis hervorragender Alben eingespielt, vielleicht daher auch der Lapsus an der Pasinger Strasse?)
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00