Rate your books 2026

Benutzeravatar
Irrlicht
Beiträge: 41
Registriert: 05 Dez 2023, 18:15
Has thanked: 3 times
Been thanked: 11 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von Irrlicht »



1. GEORGE ORWELL: Farm der Tiere: Ein Märchen / Animal farm: A fairy story (1945)
2. IMRE KERTÉSZ: Roman eines Schicksallosen / Sorstalanság (1975)
3. YASUSHI INOUE: Das Jagdgewehr / Ryōjū (1949)
4. MIEKO KAWAKAMI: Heaven / Hevun (2009)
5. CHARLES BUKOWSKI: Der Mann mit der Ledertasche / Post office (1971)
6. Märchen aus 1001 Nacht / Alf Laylah wa-Laylah (Eurobooks, 1998)
7. MILAN KUNDERA: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins / Nesnesitelná lehkost bytí (1984)
8. PATTI SMITH: Im Jahr des Affen / Year of the monkey (2019)

Dass Kunderas Hauptwerk ein relevanter Roman der Weltliteratur ist, darüber muss man vermutlich nicht streiten. Nicht zuletzt, weil „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ tatsächlich besonders ist. Es ist einerseits ein Roman mit klassischen Haupt- und Nebensträngen, gleichzeitig merkt man aber auch, wie viele philosophische, ethische und historische Anmerkungen Kundera hier verarbeitet hat.

Ehrlicherweise habe ich zu diesem Werk in Teilen ein gespaltenes Verhältnis. Zunächst, weil der Roman für mich fast vollständig eher auf der intellektuellen Ebene funktioniert, mich aber eigentlich nicht über die Maßen berührt. Einerseits passiert auf den 300 Seiten für mich zu viel, zum anderen ordnet sich die Geschichte mehrheitlich den archaischen Symbolen, die durch die Figuren wie in einem Theaterstück erschaffen werden, unter.

Kundera schweift hier von der Liebesgeschichte zu Nietzsche, von der Bibel zum Prager Frühling, vom Existenzialismus zur Tierethik, von Kritik an politischen Strömungen zu Fragen hin, was Echtheit und Freiheit im Leben ausmacht und zirkuliert um Begriffe wie Verantwortung, Idealisierung, Treue, Reinheit der Liebe und andere Begriffe.

Ich hatte sehr viele Momente, in denen ich dachte „Die Einsicht genial“ oder „Das ist fantastisch beschrieben“ – auf der Ebene wirkt der Roman für mich. Es ist auf jeden Fall aber ein Werk, das nicht „dezent“ ist – die Herleitungen könnten auch über Fußnoten erfolgen und man wäre nicht verwundert. Ein guter, fordernder Roman.
Zuletzt geändert von Irrlicht am 19 Jun 2026, 19:06, insgesamt 1-mal geändert.
Benutzeravatar
jimmydean
Beiträge: 229
Registriert: 28 Feb 2026, 19:06
Wohnort: Schwanenstadt, Oberösterreich
Has thanked: 19 times
Been thanked: 20 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von jimmydean »

1. keith roberts: pavane ****
2. p . d. james: der beigeschmack des todes ***
I don't care about the girls,
I don't wanna see the world,
I don't care if I'm all alone,
as long as I can listen to the Ramones
(The Dubrovniks)
Benutzeravatar
Irrlicht
Beiträge: 41
Registriert: 05 Dez 2023, 18:15
Has thanked: 3 times
Been thanked: 11 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von Irrlicht »



1. MARLEN HAUSHOFER: Die Wand (1963)
2. GEORGE ORWELL: Farm der Tiere: Ein Märchen / Animal farm: A fairy story (1945)
3. IMRE KERTÉSZ: Roman eines Schicksallosen / Sorstalanság (1975)
4. YASUSHI INOUE: Das Jagdgewehr / Ryōjū (1949)
5. MIEKO KAWAKAMI: Heaven / Hevun (2009)
6. CHARLES BUKOWSKI: Der Mann mit der Ledertasche / Post office (1971)
7. Märchen aus 1001 Nacht / Alf Laylah wa-Laylah
8. MILAN KUNDERA: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins / Nesnesitelná lehkost bytí (1984)
9. PATTI SMITH: Im Jahr des Affen / Year of the monkey (2019)

Die Geschichte ist knapp erzählt: Die Ich-Erzählerin stößt im Wald auf eine glatte, kalte Wand, hinter der kein Leben mehr existiert und die sie vom Rest der Welt abtrennt. Mit ein paar zugelaufenen Tieren an ihrer Seite stellt sie sich im Wald auf die lange Zeit der Ungewissheit und des Überlebens ein.

Es gibt viele Deutungsebenen dieser Robinsonade, die man an "Die Wand" anlegen könnte: Ein Symbol für die Abkehr von der Welt, von der Kälte der menschlichen Zivilisation, vom Alleinsein unter Leuten, vom Patriarchat. Für jede Erzählweise könnte man Spuren im Schnee finden. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig.

Marlen Haushofer hat mit ihrem bekanntesten Roman eine Form der seltsam idyllischen Isolation erschaffen, ein tier- und naturverbundenes Werk, roh und unverstellt, so direkt, dass man selbst irgendwann in diesen, sich stetig wiederholdenden, Abläufen lebt und atmet. Für mich wirkt das Buch extrem physisch.

Ich kann jeden verstehen, der sich fragt, was hier auf 300 Seiten überhaupt passiert. Wer viel Handlung oder große Gesten braucht, ist hier komplett falsch.

„Die Wand“ ist ein stilles Monument, existenziell in den Fragen, die es stellt, meist eher nebenbei, während der Feldarbeit oder dem Pirschgang im Wald.

Ich weiß gar nicht, wann mich ein Buch zum letzten Mal so fasziniert hat. Es gibt allenfalls eine Handvoll Werke, die ich ähnlich hoch einstufe. Daher: Lieblingsbuch.
Benutzeravatar
Hallogallo
Beiträge: 694
Registriert: 22 Jun 2023, 10:34
Has thanked: 523 times
Been thanked: 125 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von Hallogallo »

Die Wand habe ich im Deutschen Theater in Berlin als Bühnenstück gesehen - Ein-Personen-Stück mit Sophie Rois. Und dann gleich im Theater noch das Buch gekauft, aber noch nicht gelesen. Trotzdem auch das gekauft: https://www.ullstein.de/werke/marlen-ha ... 3546100830
We hope you all enjoy the show. And remember, people, that no matter who you are and what you do to live, thrive and survive, there're still some things that makes us all the same. You. Me. Them. Everybody. Everybody.
Benutzeravatar
jimmydean
Beiträge: 229
Registriert: 28 Feb 2026, 19:06
Wohnort: Schwanenstadt, Oberösterreich
Has thanked: 19 times
Been thanked: 20 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von jimmydean »

Hallogallo hat geschrieben: 23 Mai 2026, 08:54 Die Wand habe ich im Deutschen Theater in Berlin als Bühnenstück gesehen - Ein-Personen-Stück mit Sophie Rois. Und dann gleich im Theater noch das Buch gekauft, aber noch nicht gelesen. Trotzdem auch das gekauft: https://www.ullstein.de/werke/marlen-ha ... 3546100830
der film ist auch nicht schlecht....
I don't care about the girls,
I don't wanna see the world,
I don't care if I'm all alone,
as long as I can listen to the Ramones
(The Dubrovniks)
Benutzeravatar
Irrlicht
Beiträge: 41
Registriert: 05 Dez 2023, 18:15
Has thanked: 3 times
Been thanked: 11 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von Irrlicht »

Hallogallo hat geschrieben: 23 Mai 2026, 08:54Die Wand habe ich im Deutschen Theater in Berlin als Bühnenstück gesehen - Ein-Personen-Stück mit Sophie Rois. Und dann gleich im Theater noch das Buch gekauft, aber noch nicht gelesen. Trotzdem auch das gekauft: https://www.ullstein.de/werke/marlen-ha ... 3546100830
Bei Werken, die mich sehr interessieren, versuche ich immer erst die Vorlage zu lesen und dann irgendwann den Film oder weitere Adaptionen zu genießen, aber das klingt auch nach einer sehr spannenden Sache. Das Gesamtwerk, abseits vielleicht der Kinderbücher, habe ich sowieso auf dem Schirm, dieses Jahr kommt die Erzählung "Wir töten Stella" nochmal neu raus, damit werde ich direkt weitermachen.

Dir viel Spaß beim Lesen irgendwann.
Benutzeravatar
Hallogallo
Beiträge: 694
Registriert: 22 Jun 2023, 10:34
Has thanked: 523 times
Been thanked: 125 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von Hallogallo »

Irrlicht hat geschrieben: 23 Mai 2026, 10:01
Hallogallo hat geschrieben: 23 Mai 2026, 08:54Die Wand habe ich im Deutschen Theater in Berlin als Bühnenstück gesehen - Ein-Personen-Stück mit Sophie Rois. Und dann gleich im Theater noch das Buch gekauft, aber noch nicht gelesen. Trotzdem auch das gekauft: https://www.ullstein.de/werke/marlen-ha ... 3546100830
Bei Werken, die mich sehr interessieren, versuche ich immer erst die Vorlage zu lesen und dann irgendwann den Film oder weitere Adaptionen zu genießen, aber das klingt auch nach einer sehr spannenden Sache. Das Gesamtwerk, abseits vielleicht der Kinderbücher, habe ich sowieso auf dem Schirm, dieses Jahr kommt die Erzählung "Wir töten Stella" nochmal neu raus, damit werde ich direkt weitermachen.

Dir viel Spaß beim Lesen irgendwann.
Vielen Dank! Meine Motivation, dass Stück zu schauen, war alleine Sophie Rois. Dadurch bin ich dann erst auf das Werk von Marlen Haushofer aufmerksam geworden. So geht das manchmal, da hatte ich doppeltes Glück. Danach ist sie mir auch in anderen Zusammenhängen über den Weg gelaufen. Ich werde die Wand gleich lesen, wenn ich mein aktuelles Buch durch habe. Ich nehme Deinen Beitrag als Wink des Schiksals! ;-)
We hope you all enjoy the show. And remember, people, that no matter who you are and what you do to live, thrive and survive, there're still some things that makes us all the same. You. Me. Them. Everybody. Everybody.
Benutzeravatar
kathisi
Beiträge: 741
Registriert: 24 Feb 2026, 16:13
Wohnort: Wittten
Has thanked: 158 times
Been thanked: 126 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von kathisi »

Irrlicht hat geschrieben: 22 Mai 2026, 18:45

1. MARLEN HAUSHOFER: Die Wand (1963)
2. GEORGE ORWELL: Farm der Tiere: Ein Märchen / Animal farm: A fairy story (1945)
3. IMRE KERTÉSZ: Roman eines Schicksallosen / Sorstalanság (1975)
4. YASUSHI INOUE: Das Jagdgewehr / Ryōjū (1949)
5. MIEKO KAWAKAMI: Heaven / Hevun (2009)
6. CHARLES BUKOWSKI: Der Mann mit der Ledertasche / Post office (1971)
7. Märchen aus 1001 Nacht / Alf Laylah wa-Laylah
8. MILAN KUNDERA: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins / Nesnesitelná lehkost bytí (1984)
9. PATTI SMITH: Im Jahr des Affen / Year of the monkey (2019)

Die Geschichte ist knapp erzählt: Die Ich-Erzählerin stößt im Wald auf eine glatte, kalte Wand, hinter der kein Leben mehr existiert und die sie vom Rest der Welt abtrennt. Mit ein paar zugelaufenen Tieren an ihrer Seite stellt sie sich im Wald auf die lange Zeit der Ungewissheit und des Überlebens ein.

Es gibt viele Deutungsebenen dieser Robinsonade, die man an "Die Wand" anlegen könnte: Ein Symbol für die Abkehr von der Welt, von der Kälte der menschlichen Zivilisation, vom Alleinsein unter Leuten, vom Patriarchat. Für jede Erzählweise könnte man Spuren im Schnee finden. Vielleicht ist das aber auch gar nicht so wichtig.

Marlen Haushofer hat mit ihrem bekanntesten Roman eine Form der seltsam idyllischen Isolation erschaffen, ein tier- und naturverbundenes Werk, roh und unverstellt, so direkt, dass man selbst irgendwann in diesen, sich stetig wiederholdenden, Abläufen lebt und atmet. Für mich wirkt das Buch extrem physisch.

Ich kann jeden verstehen, der sich fragt, was hier auf 300 Seiten überhaupt passiert. Wer viel Handlung oder große Gesten braucht, ist hier komplett falsch.

„Die Wand“ ist ein stilles Monument, existenziell in den Fragen, die es stellt, meist eher nebenbei, während der Feldarbeit oder dem Pirschgang im Wald.

Ich weiß gar nicht, wann mich ein Buch zum letzten Mal so fasziniert hat. Es gibt allenfalls eine Handvoll Werke, die ich ähnlich hoch einstufe. Daher: Lieblingsbuch.
Danke für die ausführliche Besprechung, Ich denke nicht, daß das Buch etwas für mich ist - was ich bisher darüber wußte haben Deine Ausführungen bekräftigt. Aber darum geht es auch nicht. Buchrezensionen von Prosa finde ich noch viel schwieriger zu schreiben als Musikrezensionen, da man dabei noch viel mehr von sich selbst preisgeben muss. Von daher ein Kompliment zu diesem gelungenen Beispiel.
Love Goes On!
Benutzeravatar
Irrlicht
Beiträge: 41
Registriert: 05 Dez 2023, 18:15
Has thanked: 3 times
Been thanked: 11 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von Irrlicht »

kathisi hat geschrieben: 23 Mai 2026, 14:13Danke für die ausführliche Besprechung, Ich denke nicht, daß das Buch etwas für mich ist - was ich bisher darüber wußte haben Deine Ausführungen bekräftigt. Aber darum geht es auch nicht. Buchrezensionen von Prosa finde ich noch viel schwieriger zu schreiben als Musikrezensionen, da man dabei noch viel mehr von sich selbst preisgeben muss. Von daher ein Kompliment zu diesem gelungenen Beispiel.
Danke für den netten Comment und schön, dass hier Leute mitlesen. Ich glaube auch, dass man das Thema und die Stimmung hinter "Die Wand" spannend genug finden muss, die eigentliche Handlung ist- wie gesagt - eher nebensächlich.
Hallogallo hat geschrieben: 23 Mai 2026, 14:01Vielen Dank! Meine Motivation, dass Stück zu schauen, war alleine Sophie Rois. Dadurch bin ich dann erst auf das Werk von Marlen Haushofer aufmerksam geworden. So geht das manchmal, da hatte ich doppeltes Glück. Danach ist sie mir auch in anderen Zusammenhängen über den Weg gelaufen. Ich werde die Wand gleich lesen, wenn ich mein aktuelles Buch durch habe. Ich nehme Deinen Beitrag als Wink des Schiksals! ;-)
Nice, berichte dann gerne hier mal im Thread im Laufe des Jahres.
Benutzeravatar
Irrlicht
Beiträge: 41
Registriert: 05 Dez 2023, 18:15
Has thanked: 3 times
Been thanked: 11 times

Re: Rate your books 2026

Beitrag von Irrlicht »



1. MARLEN HAUSHOFER: Die Wand (1963)
2. GEORGE ORWELL: Farm der Tiere: Ein Märchen / Animal farm: A fairy story (1945)
3. IMRE KERTÉSZ: Roman eines Schicksallosen / Sorstalanság (1975)
4. YASUSHI INOUE: Das Jagdgewehr / Ryōjū (1949)
5. MIEKO KAWAKAMI: Heaven / Hevun (2009)
6. CHARLES BUKOWSKI: Der Mann mit der Ledertasche / Post office (1971)
7. Märchen aus 1001 Nacht / Alf Laylah wa-Laylah
8. WILHELM HAUFF: Das kalte Herz: Ein Märchen (1827)
9. MILAN KUNDERA: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins / Nesnesitelná lehkost bytí (1984)
10. PATTI SMITH: Im Jahr des Affen / Year of the monkey (2019)

Ein kleines, schönes Märchen aus der Spätromantik, das meinem Vorsatz nachkommt, die nächsten Jahre auch regelmäßig mehr Sagen und Märchen zu lesen. "Das kalte Herz" ist erwartungsgemäß schlicht, aber packend und trotz des Alters gut zu lesen. Es enthält bei aller Kürze eine Menge an Symbolik und Zeitgenössisches (biblische Querverweise, Kapitalismuskritik, Aushandlung von Aspekten wie Gier, Bescheidenheit und Kaltherzigkeit, aber auch symbolische Figuren, die als Waldgeister des Schwarzwaldes wie Engel und Teufel prägend für die Handlung sind).