
1. GEORGE ORWELL: Farm der Tiere: Ein Märchen / Animal farm: A fairy story (1945)
2. IMRE KERTÉSZ: Roman eines Schicksallosen / Sorstalanság (1975)
3. YASUSHI INOUE: Das Jagdgewehr / Ryōjū (1949)
4. MIEKO KAWAKAMI: Heaven / Hevun (2009)
5. CHARLES BUKOWSKI: Der Mann mit der Ledertasche / Post office (1971)
6. Märchen aus 1001 Nacht / Alf Laylah wa-Laylah (Eurobooks, 1998)
7. MILAN KUNDERA: Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins / Nesnesitelná lehkost bytí (1984)
8. PATTI SMITH: Im Jahr des Affen / Year of the monkey (2019)
Dass Kunderas Hauptwerk ein relevanter Roman der Weltliteratur ist, darüber muss man vermutlich nicht streiten. Nicht zuletzt, weil „Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins“ tatsächlich besonders ist. Es ist einerseits ein Roman mit klassischen Haupt- und Nebensträngen, gleichzeitig merkt man aber auch, wie viele philosophische, ethische und historische Anmerkungen Kundera hier verarbeitet hat.
Ehrlicherweise habe ich zu diesem Werk in Teilen ein gespaltenes Verhältnis. Zunächst, weil der Roman für mich fast vollständig eher auf der intellektuellen Ebene funktioniert, mich aber eigentlich nicht über die Maßen berührt. Einerseits passiert auf den 300 Seiten für mich zu viel, zum anderen ordnet sich die Geschichte mehrheitlich den archaischen Symbolen, die durch die Figuren wie in einem Theaterstück erschaffen werden, unter.
Kundera schweift hier von der Liebesgeschichte zu Nietzsche, von der Bibel zum Prager Frühling, vom Existenzialismus zur Tierethik, von Kritik an politischen Strömungen zu Fragen hin, was Echtheit und Freiheit im Leben ausmacht und zirkuliert um Begriffe wie Verantwortung, Idealisierung, Treue, Reinheit der Liebe und andere Begriffe.
Ich hatte sehr viele Momente, in denen ich dachte „Die Einsicht genial“ oder „Das ist fantastisch beschrieben“ – auf der Ebene wirkt der Roman für mich. Es ist auf jeden Fall aber ein Werk, dass nicht „dezent“ ist – die Herleitungen könnten auch über Fußnoten erfolgen und man wäre nicht verwundert. Ein guter, fordernder Roman.