West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

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Friedrich
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

Diese schöne LP von Shelly Manne habe ich anzubieten:

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Shelly Manne & His Men – The West Coast Sound - Volume 1 (Aufnahmen 1953 und 55, VÖ 1956)

Eine 12“ LP, die 8 Aufnahmen einer 10“ Platte von 1953 um 4 Stücke von 1955 ergänzt, aber wie aus einem Guss klingt. Wobei das Programm recht vielseitig ist, von ein paar Standards wie You’re My Thrill, einigen Kompositionen von Weggefährten oder Mitmusikern (Shorty Rodgers, Jimmy Giuffre …) bis zu einem Original von Shelly Manne (Grasshopper). Das flirtet manchmal mit Latin (La Mucura, Afrodesia) und einmal sogar mit Barockmusik (Fugue von Giuffre). Aber wichtig sind vor allem die Arrangeure (Shorty Rogers, Marty Paich, Jimmy Giuffre ...), die auf dem Cover ausdrücklich erwähnt werden. In der Besetzung gibt es ja immerhin Posaune, Alt-Sax, Tenor-Sax und Bari-Sax zu hören (aber keine Trompete!), die zu einem geschmeidigen Klang verschmelzen, aus dem sich hier und dort die Solisten herausheben. Ein Ensemble-Album. Birth Of The Cool und Gil Evans sind nicht weit. Und wohl Stan Kenton. Den kenne ich aber kaum.

Eine sehr raffinierte, elegante, leichte aber keineswegs leichtgewichtige Platte, die schön zwischen ausgeschriebenem Arrangement und spontaner Improvisation changiert. Einer meiner Favoriten ist das mir ansonsten völlig unbekannte Stück Gazelle, komponiert und arrangiert von Bill Russo. Hat eigentlich keine Melodie, die hängen bleibt. Aber die unisono Passagen klingen hier wie ein gemeinsamer synchroner Tanz. Auf dieser gemeinsamen Welle surfend heben sich die Solisten für ein paar Takte hervor, bevor sie sich nahtlos wieder einreihen. Und das klingt dabei völlig ungezwungen.



Und was macht Shelly Manne hier? Er tritt als drummer kaum in den Vordergrund. Aber er ist wohl der Strippenzieher hinter dem Schlagzeug, wählt die Stücke aus, bestimmt das Konzept, beauftragt die Arrangeure, dirigiert die Band und hält den Laden zusammen. Der vermeintliche sideman als leader.
Zuletzt geändert von Friedrich am 27 Sep 2026, 19:21, insgesamt 1-mal geändert.
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thelonica
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von thelonica »

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Mir fehlt leider immer noch "Four" von Hampton Hawes (mit Barney Kessel, Red Mitchell und Shelly Manne). Mein Einstieg bei Shelly Manne war Alternate Takes von Sonny Rollins und "Small Change" von Tom Waits. Das Intro von "I'm An Old Cowhand" habe ich kürzlich versucht mehrmals zu spielen, aber ich brauchte eine Weile, um der anspruchsvollen Musik von Sonny Rollins hier wieder näher zu kommen. Mir fehlt allerdings auch das know-how Shelly Manne auf Tracklänge zu transkribieren. Beim Album "Four" hört man ihn auch sehr im Moment, was mit den Musikern (Hawes und Kessel) natürlich sehr gut aufgeht. Ich glaube mir gefällt Manne besonders in eher abgespeckten Formationen, damit meine ich die Gruppe im Black Hawk, mit Hampton Hawes oder bei Sonny Rollins, möglicherweise auch das Trio mit Kessel, Brown und Manne (angetestet habe ich die schon).

Vor ein paar Stunden gab es eine kleine Einführung zu "West Coast Blues" von Harold Land, Teil 2 kommt nächste Woche. Es geht da auch besonders um Joe Gordon, der ja in der Band von Manne war (s. At The Black Hawk Vol. 1-5).

redbeansandrice
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von redbeansandrice »


Shelly Manne and his Men Vol. 2

das erste Manne Album fehlt mir noch, was ich habe ist eine EP, auf der sich quasi die B Seite der 10in LP befindet (gibt auch noch das hier mit der A Seite) und ich kann vielem zustimmen, was ich oben lese, man hört ein bisschen 50er Jahre progressive Jazz, ein bisschen Basie, ein bisschen Gil Evans, eigentlich im Rahmen des damals möglichen von fast allem ein bisschen... ich hab nie ein längeres Interview mit Manne gelesen, glaub ich, aber ich bin mir fast sicher, dass er selber auch Jazzfan war, der sich alle neuen Platten angehört hat und so... anders geht man nicht so mit der Zeit... glaub ich, aber sollt ich mal nachlesen
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Friedrich
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

thelonica hat geschrieben: 27 Sep 2026, 21:19 (...) Das Intro von "I'm An Old Cowhand" habe ich kürzlich versucht mehrmals zu spielen, aber ich brauchte eine Weile, um der anspruchsvollen Musik von Sonny Rollins hier wieder näher zu kommen. Mir fehlt allerdings auch das know-how Shelly Manne auf Tracklänge zu transkribieren. Beim Album "Four" hört man ihn auch sehr im Moment, was mit den Musikern (Hawes und Kessel) natürlich sehr gut aufgeht. Ich glaube mir gefällt Manne besonders in eher abgespeckten Formationen, damit meine ich die Gruppe im Black Hawk, mit Hampton Hawes oder bei Sonny Rollins, möglicherweise auch das Trio mit Kessel, Brown und Manne (angetestet habe ich die schon). (...)
Du spielst Schlagzeug? Ich beneide Dich!

Das Intro von "Cowhand" ist dieses hier, nicht wahr?



Man kann wirlich nicht behaupten, dass Sonny Rollins und Shelly Manne keinen Humor haben!

Das Album ist zwar in LA aufgenommen und der Titel suggeriert es eigentlich, aber West Coast Jazz im engeren Sinne ist es nicht, auch wenn Shelly Manne am Schlagzeug sitzt. Aber der saß ja auch überall am Schlagzeug. Sonny Rollins ist ja sowas von East Coast! Aber das ist eine gute LP, die ich auch im Regal stehen habe.

Hampton Hawes sagte mir bislang leider gar nichts.
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kathisi
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von kathisi »

Friedrich hat geschrieben: 28 Sep 2026, 21:19
thelonica hat geschrieben: 27 Sep 2026, 21:19 (...) Das Intro von "I'm An Old Cowhand" habe ich kürzlich versucht mehrmals zu spielen, aber ich brauchte eine Weile, um der anspruchsvollen Musik von Sonny Rollins hier wieder näher zu kommen. Mir fehlt allerdings auch das know-how Shelly Manne auf Tracklänge zu transkribieren. Beim Album "Four" hört man ihn auch sehr im Moment, was mit den Musikern (Hawes und Kessel) natürlich sehr gut aufgeht. Ich glaube mir gefällt Manne besonders in eher abgespeckten Formationen, damit meine ich die Gruppe im Black Hawk, mit Hampton Hawes oder bei Sonny Rollins, möglicherweise auch das Trio mit Kessel, Brown und Manne (angetestet habe ich die schon). (...)
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Das Intro von "Cowhand" ist dieses hier, nicht wahr?



Man kann wirlich nicht behaupten, dass Sonny Rollins und Shelly Manne keinen Humor haben!

Das Album ist zwar in LA aufgenommen und der Titel suggeriert es eigentlich, aber West Coast Jazz im engeren Sinne ist es nicht, auch wenn Shelly Manne am Schlagzeug sitzt. Aber der saß ja auch überall am Schlagzeug. Sonny Rollins ist ja sowas von East Coast! Aber das ist eine gute LP, die ich auch im Regal stehen habe.

Hampton Hawes sagte mir bislang leider gar nichts.
Toller Pianist - kenne ihn auch erst seit der Pianotrio-Umfrage im RS Forum im Januar. Hat mich da extrem positiv überrascht.
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Friedrich
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von Friedrich »

redbeansandrice hat geschrieben: 28 Sep 2026, 15:56
Shelly Manne and his Men Vol. 2

das erste Manne Album fehlt mir noch, was ich habe ist eine EP, auf der sich quasi die B Seite der 10in LP befindet (gibt auch noch das hier mit der A Seite) und ich kann vielem zustimmen, was ich oben lese, man hört ein bisschen 50er Jahre progressive Jazz, ein bisschen Basie, ein bisschen Gil Evans, eigentlich im Rahmen des damals möglichen von fast allem ein bisschen... ich hab nie ein längeres Interview mit Manne gelesen, glaub ich, aber ich bin mir fast sicher, dass er selber auch Jazzfan war, der sich alle neuen Platten angehört hat und so... anders geht man nicht so mit der Zeit... glaub ich, aber sollt ich mal nachlesen
Du hast diese Aufnahmen original auf 10" Vinyl? Ich beneide Dich!

Ich habe auch noch eine CD-Compi mit Aufnahmen aus verschiedenen Sessions, die sich teilweise mit The West Coast Sound Vol. 1 überschneiden. Komme ich später drauf zurück.

Ich muss mich korrigieren: The West Coast Sound klingt nicht wie ein Album aus einem Guss. Vielmehr gibt es da ein breites Spektrum von Musik (eben Standards, Originale, Latin Flavour), aber die sehr unterschiedlichen Stücke werden ähnlich behandelt, nämlich mit den geschmeidigen Arrangements für 4 Bläser. Und so passt dann alles doch wieder zusammen. Shelly Manne selbst bleibt dabei der Strippenzieher im Hintergrund.

Shelly Manne war ganz sicher Jazzfan! Aber sowas von! Er hat sogar einen Jazzclub betrieben, das Shelly's Manne Hole:

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Das spielte wohl alles, was Rang und Namen hatte. Ich wünsche mir eine Zeitmaschine, damit ich da hingehen kann! Auf den Fotos kann ich die Namen Jack Wilson, Dexter Gordon, Frank Rosolino und einen Teddy E ... erkennen. Shelly Manne war wohl gut vernetzt, hatte die nötige soziale Kompetenz als Bandleader, wurde als Schlagzeuger von Kollegen sehr geschätzt und war gefragt und war offenbar so offen und neugierig, dass er in den unterschiedlichsten Zusammenhängen arbeiten konnte.
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Re: West Coast Jazz - Mulligan, Baker, Brubeck, Shelly Manne etc.

Beitrag von redbeansandrice »

Hampton Hawes war mein letzter Quasi-Solothread in unserem alten Forum, link, davor hatten thelonica und ich den Thread über seinen Drummer Chuck Thompson