
Shelly Manne & His Men – The West Coast Sound - Volume 1 (Aufnahmen 1953 und 55, VÖ 1956)
Eine 12“ LP, die 8 Aufnahmen einer 10“ Platte von 1953 um 4 Stücke von 1955 ergänzt, aber wie aus einem Guss klingt. Wobei das Programm recht vielseitig ist, von ein paar Standards wie You’re My Thrill, einigen Kompositionen von Weggefährten oder Mitmusikern (Shorty Rodgers, Jimmy Giuffre …) bis zu einem Original von Shelly Manne (Grasshopper). Das flirtet manchmal mit Latin (La Mucura, Afrodesia) und einmal sogar mit Barockmusik (Fugue von Giuffre). Aber wichtig sind vor allem die Arrangeure (Shorty Rogers, Marty Paich, Jimmy Giuffre ...), die auf dem Cover ausdrücklich erwähnt werden. In der Besetzung gibt es ja immerhin Posaune, Alt-Sax, Tenor-Sax und Bari-Sax zu hören (aber keine Trompete!), die zu einem geschmeidigen Klang verschmelzen, aus dem sich hier und dort die Solisten herausheben. Ein Ensemble-Album. Birth Of The Cool und Gil Evans sind nicht weit. Und wohl Stan Kenton. Den kenne ich aber kaum.
Eine sehr raffinierte, elegante, leichte aber keineswegs leichtgewichtige Platte, die schön zwischen ausgeschriebenem Arrangement und spontaner Improvisation changiert. Einer meiner Favoriten ist das mir ansonsten völlig unbekannte Stück Gazelle, komponiert und arrangiert von Bill Russo. Hat eigentlich keine Melodie, die hängen bleibt. Aber die unisono Passagen klingen hier wie ein gemeinsamer synchroner Tanz. Auf dieser gemeinsamen Welle surfend heben sich die Solisten für ein paar Takte hervor, bevor sie sich nahtlos wieder einreihen. Und das klingt dabei völlig ungezwungen.
Und was macht Shelly Manne hier? Er tritt als drummer kaum in den Vordergrund. Aber er ist wohl der Strippenzieher hinter dem Schlagzeug, wählt die Stücke aus, bestimmt das Konzept, beauftragt die Arrangeure, dirigiert die Band und hält den Laden zusammen. Der vermeintliche sideman als leader.



