Ich höre gerade ... Jazz

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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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floating points, pharoah sanders, london symphony orchestra, promises (2021)

länger nicht mehr gehört. das ist immer noch sehr schön.
redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

Oh, Promises muss ich unbedingt auch wieder hören!
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gypsy tail wind
DJ
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »




Auf CD 2 des Ronnie Scott Sets geht es mit Alan Dean's Be-Boppers weiter (Proper macht "Reboppers" daraus), die im September 1949 in London fünf Stücke aufnahmen. Dean singt zeittypische Nonsens- oder Silbentexte ("Ool-Ya-Koo") und scattet über Charlie Parkers "Barbados", während die Frontline aus der Trompete von Hank Shaw und den Saxophonen von John Dankworth und Scott besteht. Die Rhythmusgruppe ist wieder vierköpfig und Pete Chilver spielt auch ganz gute Soli, ebenso wie Dankworth (der hier eher mehr Raum kriegt als Scott), während Shaw einen recht attraktiven Ton hat. Tommy Pollard, Joe Muddel und Laurie Morgan sind zudem dabei. Die zweite Session stammt von Anfang Februar 1951 mit den Melody Maker All Stars des Jahres, da ist die Besetzung grösser und ein paar bekannte Namen sind neben Scott und Dankworth (wie immer ts bzw. as - Dankworth hat hier auch beide Stücke komponiert) dabei: Kenny Baker (t), Victor Feldman (vib), Ralph Sharon (p) und Jack Parnell (d), dazu Gordon Lanhorn (tb), Ronnie Chamberlain und Henry McKenzie (cl), Dave Shand (bari), Ivor Mairants (g) und Charlie Short (b). Die Soli sind natürlich sehr kurz, aber das sind charmante Aufnahmen, bei denen das recht moderne Piano von Sharon oder die boppigen Stimmen von Dankworth und Feldman neben den fast traditionell klingenden Klarinetten einen interessanten Kontrast darstellen. Ende Februar kriegen wir dann wieder eine eigene Band von Ronnie Scott, sein Quartett mit Pollard, Bush und Tony Kinsey (d) in vier Stücken - und man kann hier weiter verfolgen, wie sich der Ton von Scott ändert, inzwischen fast ohne Vibrato, aber nicht kleiner. im letzten Stück, "Flamingo", spielt Tony Bush ein recht gutes Bass-Solo. Zwei Monate später ist dann wieder das Ronnie Scott Boptet zu hören, mit Jimmy Deuchar (t), Spike Robinson (as), Feldman (p), Bush (b) und Tony Crombie (d) - hier steht waschechter Bebop ("Chasin' the Bird", "Little Willie Leaps") unmittelbar neben frühem Hard Bop ("El Sino"). Vom Oktober stammen dann vier Stücke mit dem Ronnie Ball Trio (Ball-p, Pete Blannin-b, Kinsey), bei der der gute Pianist völlig zu recht etwas mehr Raum kriegt - aber Scott als einziger Bläser natürlich eine prominente Rolle einnimmt. Die Musik hier ist etwas kühler und lyrischer - aber Crombie dropt seine Bombs und Scott demonstriert seine inzwischen beachtlicher Virtuosität. Eine feine Session. Dann folgen vier Stücke mit den kombinierten Bands von Scott und dem vorhin erwähnten Kenny Graham, der auch Tenorsax spielt - da sind dabei: Feldman, Bush und Crombie von Scott sowie von Grahams Band Judy Johnson (maracas), Ginger Johnson (bgo) und Bob Caxton (cga). Die Scott Quartet und Boptet-Sessions sowie die mit Ronnie Ball landeten später zusammen mit den Esquire Five (siehe oben) auf der Platte "Great Scott!", die ich auch als japanisches CD-Reissue habe (hier ein Link zur Reihe von 2016). Die CD endet mit je einem Stück von den 1952er Melody Maker All Stars (Deuchar, Keith Christie-tb, Vic Ash-cl, Dankworth, Scott, Feldman, Sharon, Mairants, Muddel und Parnell) vom März sowie dem Arnold Ross Sextet (Deuchar, Derek Humble-as, Scott, Ross, Sammy Stokes-b und Parnell) vom August 1952 - und hier, im schnellen "The Champ" aber auch im Solo in "Leap Year" mit den Melody Maker All Stars, habe ich allmählich das Gefühl, den kantigen Scott, wie ich ihn in den Sechzigern so mag, zu hören. Das zweite Stück der Ross-Session ist die Ballade "Once in a While




Von den vier Stücken der Ross-EP findet sich zu Beginn der dritten CD noch eines. Die nächste Scott Quartet Session (September 1952 mit Dill Jones-p, Bush, Crombie und auf zwei Stücken Kinsey, einmal Timbales, einmal Drums statt Crombie, siehe Label von "Avalon") landete auch auf der erwähnten Scott/Graham LP, zusammen mit der Scott/Graham-Session und der Scott BBC-Live-Session vom Dezember 1952, bei der wieder eine grössere Band zu hören ist: Deuchar, Wray, Humble, Scott, Benny Green (bari - ist das der spätere Jazz-Autor?), Norman Stenfalt (p), Bush und Crombie. Sieben Stücke wurden eingespielt, nur fünf landeten auf der Scott/Graham-Platte, aber alle sieben plus eine weitere Session vom Februar 1953 landeten auf der Esquire-LP unten (die es in der japanischen CD-Reihe auch gibt ... ein schönes Beispiel, dass reine Reissues manchmal weniger sinnvoll sind, es hier vielleicht besser gewesen wäre, das Material neu zu gruppieren als zu verdoppeln). Ein paar Tage nach der Session mit Graham nimmt Scott zwei derselben Stücke ("All the Things You Are" - die erste Version dauert fast zehn Minuten, die zweite eine Viertelstunde - und "Nemo") und drei weitere im Quintett auf - mit Harry Klein (bari), Stenfalt, Bush und Crombie. Und mit der Session wechseln wir mittendrin schon zu CD 4 des Proper-Sets.

Im Februar 1953 geht wieder für die BBC (beide Male "BBC Overseas Service Broadcast") die grössere Band ins Studio, mit Deuchar, Wray, Humble, Peter King am zweiten Tenorsax, Green, Stenfalt, Bush und Crombie. Auch dieses Material erscheint bei Esquire - damals und später eben auch in der Reihe, die es in Japan auch auf CD gab. Noch vor der ersten BBC-Session findet sich auf dem Proper-Set auch ein einzelnes Stück mit Jack Parnells Band (eine kleine Big Band mit zwei Trompeten, zwei Posaunen, vier Saxophone und vier Rhythmus - keine Gitarre allerdings sondern zwei Drummer, Seamen und Parnell), noch eine Version von "The Champ", die erstaunlich boppig daher kommt und natürlich ein Scott-Solo enthält, direkt vor der Battle der beiden Drummer zum Ausklang.




Dass Scott auch 1953 wieder in der All Star Band des Melody Maker spielt, war wohl zu erwarten - die Band ist immer noch recht gross, es gibt jetzt sogar Klarinette und Sopransax (warum es 1952 zwei Klarinetten gab, weiss ich nicht, vielleicht gewann der eine auch da den Sopransax-Poll?) und der Anteil moderner Jazzer ist eher geringer als 1952. Bei Proper kriegen wir davon "Ballot Box". Auch von den Sessions (1951-53) gab es später eine Esquire-LP und davon wiederum ein japanisches CD-Reissue. Mit Deuchar, Wray, Humble, King, Geen, Stenfalt, Bush und Crombie nimmt Scott auch im April und im August 1953 nochmal auf (in der Proper-Box sind jeweils nur zwei der vier Tracks). Im April 1954 nimmt Scott dann wieder im Quartett auf, jetzt mit Victor Feldman am Klavier, Bush und Crombie. Und schon ein paar Tage davor hatte das Ronnie Scott Orchestra (mit Hank Shaw, Feldman und Seamen statt Deuchar, Stenfalt und Crombie) aufgenommen - wovon erneut nur zwei der vier Stücke im Proper-Set zu finden sind, "S'il vous plaît" und "Jordu" - letzteres wieder eine klassische Hard-Bop-Nummer. Vor der letzten Session der Box mit Deuchar (Oktober 1956), mit der ich heute Morgen auf der Deuchar-CD angefangen hatte, findet sich noch eine letzte EP mit grosser Band, die auf dem Rückcover auch abgebildet ist: eine voll besetzte Big Band, aufgenommen im Oktober 1955 mit vier Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxophonen (darunter Joe Harriott) und dreiköpfiger Rhythmusgruppe mit Eric Peter am Bass zwischen Stenfalt und Seamen.


Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz #176: 13.10.2026, 22:00