Ich höre gerade ... Jazz

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Mirror Man
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Mirror Man »

gypsy tail wind hat geschrieben: 23 Aug 2026, 08:02
Mirror Man hat geschrieben: 22 Aug 2026, 13:11 Guy Lafitte – His Tenor Sax & His Orchestra 1954-1959

Der Fresh Sounds Newsletter hat mich neugierig gemacht.
Guy Lafitte hören finde ich fast immer eine gute Idee! Ich mag die drei Alben, die drei RCA-Alben, von denen es mal CD-Reissues gab, alle sehr gerne: "Jambo" (1968), "Blues in Summertime" (1970) und "Sugar and Spice" (1972), aus derselben Zeit gibt's auch in der Jazz in Paris-Reihe noch ein feines Reissue, "Blues" (Véga, 1969), bei Black & Blue hat er auch gute Sachen herausgebracht (inkl. das späte "The Things We Did Last Summer" von 1990 mit dem jungen Jacky Terrasson), und dann ist da noch "Crossings", das wunderbare Duo-Album mit Pierre Boussaguet am Kontrabass. Das einzige, was ich schwächer finde, dürften die Sachen mit André Persiany sein (z.B. die Fresh Sound-CD "Les Classiques du Jazz - Complete Recordings), den ich (wie Claude Bolling aus der gleichen frz. Swing-Ecke) in aller Regel wenig interessant finde.
Ich bin da ja völlig unvoreingenommen und muss sagen: wenn mich einer fragen würde, wie ich mir französischen Jazz vorstelle, würde ich sagen: genau so. Jedenfalls klingt das schon nach einem Spaziergang durch Paris.

Blues läuft hier gerade, die passende Musik für einen Sonntag Morgen:

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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



The New John Handy Quintet – New View! | Grosses Kino mit John Handy, Pat Martino, Bobby Hutcherson, Albert Stinson und Doug Sides. 31 Minuten dauert die ungekürzte Version von "Tears of Ole Miss (Anatomoy of a Riot)", dem Stück, das sieben Minuten gekürzt die ganze B-Seite der LP einnimmt. Es hat Jahre gedauert, bis ich die Koch-CD von 1997 (laut Discogs das einzige CD-Reissue überhaupt, seltsam dass es auch in Japan nie ein weiteres gab) vor ein paar Wochen endlich zu einem vertretbaren Preis gefunden habe. Auch die A-Seite wurde für die LP gekürzt - zwar nicht das öffnende "Naima" (er starb nicht ganz drei Wochen nach der Live-Aufnahme des Albums im Village Gate), aber der folgende Bossa "A Little Quiet" um vier Minuten. Komponiert hat dieses wie das epische Stück der B-Seite Handy selbst. Der Sound der Band ist sehr attraktiv. Hutchersons kristallines Vibraphon ist ein toller, kühler Gegenpol zum heissen Altsax des Leaders und Martinos Gitarre klingt in den Arpeggien in "Naima" fast wie eine Harfe (für den Laien klingt es, als würde er die Saiten völlig offen spielen, als ohne Griffe mit der linken Hand?), aber er hat alles drauf, von raffinierter akkordischer Begleitung bis zum singenden Sound im Solo, immer leicht verschattet, mit weichen Konturen aber doch viel Grip. Stinsons Bass klingt wie immer so dunkel, als stiege der Sound direkt aus der Unterwelt zu uns hinauf, und Sides ist phantastisch, mit flächig breitem Spiel à la Elvin Jones aber gradlinigeren Akzenten, die im langen "Tears", den Ostinato-Groove strukturieren.
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soulpope
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Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »

gypsy tail wind hat geschrieben: 23 Aug 2026, 10:16

The New John Handy Quintet – New View! | Grosses Kino mit John Handy, Pat Martino, Bobby Hutcherson, Albert Stinson und Doug Sides .... Stinsons Bass klingt wie immer so dunkel, als stiege der Sound direkt aus der Unterwelt zu uns hinauf ....
Spot on ....
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Jon Corbett's Dangerous Musics – Kongens Gade | Eine Stunde freie Improvisation voller Groove, was viel mit den Partnern von Jon COrbett (t, pocket t, vtb) zu tun hat: John Stevens und Louis Moholo-Moholo sind an Bass und Drums dabei und Moholo demonstriert bei dieser Aufnahme vom Mai 2009 (The Premisis, London, ich vermute The Premises in Hackney?) seine immens grosse Palette an Sounds und Rhythmen. Das Leo-Album (2011) öffnet mit der 25minütigen "Reunion", danach folgen drei Stücke zwischen 12 und 15 Minuten Dauer - alle allend reiehn zugeschrieben und vermutlich bei der Session frei improvisiert. Sehr abwechslungsreich und kurzweilig.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Rita Marcotulli – Jazzitaliano Live 2006 | Ein Discogs-Beifang von vor ein paar Wochen, ein Mitschnitt aus Rom vom März 2006, der auch schon ein, zweimal lief, aber erst heute mit der gebührenden Aufmerksamkeit. Neugierig war ich, weil ich Marcotulli vor vielen Jahren mal mit Dewey Redman live hörte und ziemlich gut fand - und auch wegen der illustren Sidemen hier: Palle Danielsson (b) und Peter Erskine (d), die zumindest beim Jazzfestival in Genua 2014 nochmal als Trio mit Marcotulli spielten (als "Trio M.E.D." auf einer gekürzten CD und "Peter Erskine European Trio" auf drei Tonbändern mit zwei weiteren Stücken und vermutlich ungekürztem Applaus zwischendrin). Stücke gibt es von allen dreien, viele funktionieren mit Ostinati und wiederkehrenden Grooves und so wirkt das auch in den Improvisationen oft gut strukturiert und klar geformt. Gefällt mir ziemlich gut.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



The [Harry Beckett] Quintet – Compared 2 What? | Eine etwas konventionelle Session aus London von 1995, bei der Beckett mit seinem singenden Flügelhorn und seiner Trompete immer wieder ein Glanzlicht setzt. Annie Whitehead singt den Titeltrack und spielt Posaune, John Burgess steuert ein attraktives, muskulöses Tenorsax sowie Flöte und Bassklarinette bei, dazu kommen Mario Castronari am Kontrabass und Winston Clifford an den Drums (und auch Stimme im Titelstück). "file under: acid jazz" steht klein auf dem Cover und das passt mehr zur Entstehungszeit als zur Musik, die einfach schnörkelloser Modern Jazz ist. Auf der rhythmischen Ebene wird aber schon klar, dass die Leute auch anderes gehört haben damals: Clifford fragmentiert den Beat und steuert immer wieder packende Rhythmen bei, während Castronari den Bass schwingen lässt (mit wunderbarem Sound). Das Klangbild ist ohne Piano oder Gitarre sehr transparent, die dreistimmigen Bläsersätze und das traditionelle aber gut gewählte Repertoire sind durchaus attraktiv ("Falling In Love with Love" direkt vor "I Fall in Love Too Easily", "Inch Worm", "Tune Up", "Bessie's Blues", "Solar"...) - aber von den individuellen Stimmen ist Beckett eben schon mit Abstand die interessanteste.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Harry Beckett – Les Jardins du Casino | Der andere Neuzugang von Beckett in die Sammlung vereint Aufnahmen von vier Sessions: London 1991 mit Django Bates (das Titelstück von Jacques Brel zum Einstieg), Zerkall 1991 mit Joachim Kühn und Jean-François Jenny-Clark (Kühns "I Don't Want to Know" und Brels "Amsterdam", das instrumental fast wie ein Gospel-Stück klingt, Highlight - nur leider klingt das Piano digital-dünn), Kamen 1987 mit Chris McGregor (es gibt des Pianisten "Maxine" - leider auch wieder mit dünnstem Piano-Sound) und zum Abschluss das 24minütige "Cozy 'n Rozy" (Beckett) vom Mai 1987 in der Manufaktur in Schorndorf - eine Ergänzung zum Album "Live Vol. II", nach den Duos und Trios nun mit Band: Courtney Pine (ts), McGregor (p), Fred Thelonious Baker (elb) und Clifford Jarvis (d). Die Duos und Trios funktionieren erwartungsgemäss hervorragend - am Ende geht es wieder ein wenig in die Acid Jazz-Ecke ... oder zum elektrischen Miles, auch wenn das Piano in der Hinsicht etwas quer in der Landschaft steht. Becketts Stück ist fast so simpel wie "Jean-Pierre", hat aber einen "hook" oder eher eine ausgewachsene "bridge", die fast nicht aufzuhören scheint. Auch Pines Solo hört fast nicht auf - und mündet gegen Ende in einen Bebop-Klassiker (irgendein Charlie Parker-Stück, ich komm grad nicht drauf, wie es heisst), den McGregor dann auch wieder aufgreift. Irgendwie mag ich den langfädigen Jam nach den konzisen Stücken davor grad nicht so. Das hat vielleicht mehr mit dem extrem starren Beat zu tun, durch den Jarvis sich extrem trocken federt, während der Bass-Gitarre leider der Wumms eines Marcus Miller fehlt.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Alice and Wonderband - Jazz from Sweden with Alice Babs, Arne Domnerus' Orchestra, Bengt Hallberg, Arranger | In der Band lesen wir Namen wie Benny Bailey, Beng-Arne Wallin, Rolf Eriksson, Ake Person, Bjarne Nerem, Georg Riedel und Egil Johansen - doch die Show gehört Alice Babs, der umwerfenden Sängerin, die wenig später auch ein Album mit Duke Ellington machen sollte, von dem hier nach dem öffnenden "No Word Blues" (Babs singt unisono mit der Klarinette von Domnerus) auch gleich "Just A-Sittin' and A-Rockin'" erklingt. Später folgen noch "Prelude to a Kiss" und als Closer "I Got It Bad (and That Ain't Good)", dazu kommen weitere Klassiker ("Willow Weep for Me", "I Didn't Know What Time It Was", "I Only Have Eyes for You", "I Can't Give You Anything But Love"), ein paar etwas abgelegenere Songs ("New Orleans" von Hoagy Carmichael, "The Lady's in Love with You" von Lane/Loesser) und noch ein zweiter Blues, den Babs wie den wortlosen gemeinsam mit Hallberg schrieb, der "No Name Blues". Aufgenommen wurde das hervorragende Album an zwei Tagen Ende Mai 1959 in Stockholm (genauer im Stadtteil Bromma bei Europa-Film). Schön, dass ich davon neulich die CD (BMG Ariola Schweden, 1993) gefunden habe und meine uralte Kopie weiterreichen kann.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

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Raymond Fol - Les 4 Saisons
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

Rita Marcotulli fand ich damals 1999 mit Dewey Redman auch ziemlich toll, aber hab das nie weiter verfolgt.... hier ist jetzt der erste ernsthafte Durchgang von Aldana und Han Oh... ist schon toll, die zwei in so einem Setting zu hören, wo sie ihre ganze Bandbreite wirklich benötigen... über Aldana freu ich mich ja immer aber besonders beeindruckend ist, wie Han Oh den Raum füllt, neben ihr fehlt gar nichts...