Talking Head hat geschrieben: 21 Jul 2026, 19:15
@Ewalds Ghost, danke für deine Rezension. Meine Frau hatte eh keine Lust auf den Film, dann sparen wir uns den.
Ist vielleicht ein Fehler. The Odyssey ist schon Grosses Kino, und sollte am besten auch in einem großen Kino gesehen werden. Und was mich relativ kalt liess wird andere womöglich begeistern.
Ewalds Ghost hat geschrieben: 21 Jul 2026, 19:02
Im grossen Kino:
The Odyssey (Christopher Nolan, 2026)
Odyssey ist schon beeindruckend. Leider ist mein erster Eindruck tatsächlich eher: technisch überwältigend, aber distanziert. Die emotionale Tiefe von Interstellar (mein Lieblings-Nolan, 9/10) fehlte mir. Die Reisenden kommen in eine Kalamität nach der anderen, aber die Aneinanderreihung wirkt ein bisschen episodenhaft. Der Konflikt des Odysseus (Ziel verloren, die Gesetze des Zeus die eigentlich ein verträgliches miteinander von Menschen zum Thema haben immer wieder missachtet) kommt zwar klar zum Vorschein, aber bleibt letztendlich nur oberflächlich.
Auch ein paar logische Probleme habe ich mit dem Film. Warum belagert ein riesiges Heer über eine solch lange Zeit Troja? Wie kann es sein, dass der Palast über eine so lange Zeit von Freiern belästigt wird, die offenbar nichts anderes zu tun haben als unentwegt zu fressen und zu saufen? Gut möglich das diese Fragen in der antiken Literaturvorlage geklärt werden, aber vom Film hätte ich mir da dennoch ein wenig mehr Erklärung erhofft.
Fantastisch aber die Szene mit dem Zyklopen. Schaurig und gruselig. Anders als vorher von mir vermutet ist der Film zwar nicht extrem brutal (auf die explizite Darstellungen von Enthauptungen oder ähnlichen Exzessen wird verzichtet, da ist jede Netflix-Wikingerserie krasser), er schafft es aber trotzdem in entsprechenden Passagen Leid und die Angst rüberzubringen, besonders am Schluß wenn in einer längeren Sequenz das Schicksal Trojas und seiner Bewohner gezeigt wird.
Vorerst: 7/10. Auf ein rewatch habe ich erstmal keine Lust, was kein gutes Zeichen ist.
Ich war recht angetan. Die vermeintlichen Logikfehler entsprachen der Vorlage, Gedichte aus dem 7. Jahrhundert vor Christus sind meist etwas entfernt von der Lebensrealität des 21 Jahrhunderts.
zissou hat geschrieben: 21 Jul 2026, 19:48
Ich war recht angetan. Die vermeintlichen Logikfehler entsprachen der Vorlage, Gedichte aus dem 7. Jahrhundert vor Christus sind meist etwas entfernt von der Lebensrealität des 21 Jahrhunderts.
Naja, die Lebensrealität war auch vor knapp 3000 Jahren wohl nicht so, dass eine Meute von Dutzenden "Gästen" sich jahrelang an einem Königshof (wenn auch verwaist) vollfressen und den Sohn der Königin malträtieren konnten. Das war im Film schon sehr plakativ. Wenn an der Stelle die Vorlagen viel Raum lassen, hätte ich die Leerstelle gerne vom Film mehr ausgefüllt bekommen als "da war jeden Abend Gelage". Kann man durchgehen lassen, muss man aber nicht.
Und die Königin sitzt jahrelang jeden Abend (von der Meute durch einen halb durchsichtigen Vorhang getrennt) an einem Tuch das sie webt und nach dessen Vollendung sie verspricht einen von den herumlungernden Gestalten zu heiraten. Und später, wenn alle gegangen sind, ribbelt sie das Garn wieder auf und beginnt am nächsten Abend von neuem. Und die merken das alle all die Jahre nicht, bis es ihnen irgendwann von einer Zofe der Königin zugetragen wird.
Naja... konkrete Zahlen sollte man bei Epen, Sagen usw. wohl nicht überbewerten. Meistens steht die jeweilige große Zahl ja einfach für "viel". Selbst in der Vorlage bestehen 7(?) Jahre der Odyssee ja nur aus dem Aufenthalt bei Calypso.
Zum Film: Ich fand ihn gut, aber nicht brillant. Auf jeden Fall im Kino sehenswert.
Reality is that which, when you stop believing in it, doesn’t go away.
Reality denied comes back to haunt.
Philip K. Dick
zissou hat geschrieben: 21 Jul 2026, 19:48
Ich war recht angetan. Die vermeintlichen Logikfehler entsprachen der Vorlage, Gedichte aus dem 7. Jahrhundert vor Christus sind meist etwas entfernt von der Lebensrealität des 21 Jahrhunderts.
Naja, die Lebensrealität war auch vor knapp 3000 Jahren wohl nicht so, dass eine Meute von Dutzenden "Gästen" sich jahrelang an einem Königshof (wenn auch verwaist) vollfressen und den Sohn der Königin malträtieren konnten. Das war im Film schon sehr plakativ. Wenn an der Stelle die Vorlagen viel Raum lassen, hätte ich die Leerstelle gerne vom Film mehr ausgefüllt bekommen als "da war jeden Abend Gelage". Kann man durchgehen lassen, muss man aber nicht.
Eventuell wärst Du bei einer Doku besser aufgehoben. Darum geht es einfach nicht.
Ich fand die Umsetzung spannend und interessant und bei weitem origineller als Petersens Troy.
zissou hat geschrieben: 21 Jul 2026, 21:34
Eventuell wärst Du bei einer Doku besser aufgehoben. Darum geht es einfach nicht.
Ich fand die Umsetzung spannend und interessant und bei weitem origineller als Petersens Troy.
Glaube nicht dass ich bisher den Eindruck erweckt habe, eine Doku erwartet zu haben.