tyshawn sorey, members... don't! (pi, 2025)
das ist mal wieder eine wucht - was ich nicht nur positiv meine. ich habe das nur in 2 etappen durchhören können, es ist intensiv und dicht und sehr viel freies, virtuoses improvisieren über harmonisch ambivalente strukturen. ausgangspunkt sind die kompositionen von max roachs 1968er album MEMBERS, DON'T GIT WEARY, die hier aber in neuen, eher skeletthaften arrangements kaum wiederzuerkennen sind. sorey hat hier nicht sein trio erweitert, sondern eine völlig neue band, mit adam o'farrill (kenne ich aus bands von halvorson und anna webber), mark shim (iyer sextet), lex korten (zoh amba, sasha berliner) und tyrone allen (louis cole, adam o'farrill). ich finde nicht, dass shim hier gut reinfindet, aber für korten und o'farrill ist das ein durchbruch - beim ersten stück fangen sie im freien duett an und steigern sich mit einsatz der band zu unfassbarer intensität. das publikum ist aus der live-aufnahme ziemlich rausgepegelt, ziemlich super ist ein postproduktionseingriff, der eine klavierfigur unendlich lang loopt (am ende von "equipoise part.1). am ende singt fay victor den titelsong, was seine momente hat, aber sie hört dann leider nicht mehr auf und verliert sich in irgendwelchen mätzchen (es gibt im gesangsbereich momentan einfach niemanden, der mir gefällt - was ist mit der schule von lincoln und horn passiert, die text gesungen und danach der band die möglichkeit gegeben haben, daraus etwas zu entwickeln?). ich verstehe, was das hier politisch will und habe nichts gegen powerplay - und war am anfang auch wirklich schwer begeistert -, aber am ende bin ich erschöpft und habe viel zu viele noten gehört...