The Imposter hat geschrieben: 13 Jun 2026, 12:28
Is halt so, muss ja auch nicht.
Genau.

Wollte dich eigentlich mit der Sasha-Info überraschen.
Deinen Vergleich mit Chappell Roan greife ich mal auf. Ich finde beide großartig und da beide sehr eng mit Dan Nigro zusammenarbeiten (und auch schon gemeinsam auf der Bühne standen), kann man schon darauf kommen.
Nun ist Chappell fünf Jahre älter als Olivia und das macht bei 20-somethings schon einen Unterschied, kein Wunder, dass sie schon erwachsener wirkt, und sie ist auch optisch ein anderer Typ. Kommt die Biographie hierzu: Die "Midwest Princess" aus ultrakonservativer Familie in Minnesota, die sich als queerer Mensch erstmal freischwimmen und zu ihrer Identität finden musste. Auch ihre Karriere war weniger geradlinig, für ihr Debüt-Album musste sie kämpfen - und das "explodierte" erst, nachdem es schon bald ein Jahr draußen war. Kommt hinzu, dass Chappell für einen Pop-Star ungewöhnlich strenge Grenzen setzt - wenn sie privat unterwegs ist, will sie nicht von Leuten angesprochen werden. Sie gilt daher als schwierig und trouble maker.
Olivias Biographie ist nun in allem das Gegenteil - liberales, supportendes Elternhaus, Lehrerin und Familientherapeut (ok, das kann auch too much sein

), aufgewachsen in einem der schönsten Stadtteile von LA. Gesangs- und Schauspielunterricht seit dem 5. Lebensjahr, frühe Disney-Karriere - bei der 17-jährigen standen die Label bereits Schlange, sie konnte sich für Geffen entscheiden, weil die ihr Songwriting-Talent würdigten. Die erste Single bei Geffen dann bereits aus dem Stand ein weltweiter No. 1-Hit. Ein straightes Mädchen, das mit Jungs klarkommen muss, ganz "normal" eben. Und dabei ist sie auch noch notorisch freundlich, ein people pleaser, möchte immer alles richtig machen. Ist jetzt nicht nur meine Ferndiagnose aus x Interviews, genau darüber singt sie ja selbst, oft mit absoluter Schonungslosigkeit (siehe "All American Bitch"). Sie hat ein ganz großes Können, den stillen, inneren Struggle vieler ihrer Generation (insbesondere junger Frauen) in Bilder und Geschichten zu packen, das Overthinking, das Imposter-Syndrom, das Gefühl, eine Gefangene der eigenen Ansprüche zu sein, am Ende doch nicht genug zu sein, obwohl doch eigentlich alles perfekt ist. Ich erkenne da in Vielem auch unsere Tochter wieder, die nur ein Jahr jünger ist. Klar, die unbeugsame Rebellin oder der angry young man, das sind Archetypen des Pop und Rock, aber es gibt halt auch andere Erfahrungen, die geteilt werden müssen.
Und da kommt nun das große Talent des Dan Nigro ins Spiel: dass er zwei derart unterschiedliche Künstlerinnen dabei begleitet hat, zu unverwechselbaren musikalischen Persönlichkeiten zu werden. Man muss sich nur bei beiden nochmal die ersten Gehversuche der beiden anschauen, als es in ihrem Umfeld noch niemanden gab, der das wirkliche Potential gesehen hat. Man konnte in beiden Fällen selbstverständlich Talent erkennen, aber es kam noch überhaupt nicht rüber, das war noch austauschbar und wenig memorabel:
Chappell Roan - Die Young (2018)
The Subway (2025)
Olivia Rodrigo - All I Want (2020)
Von Disney Music produziert ... Songwriting und Stimme sind allerdings schon unverkennbar.
Und ganz frisch:
Stupid Song (2026)