Ich höre gerade ... Jazz

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kathisi
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von kathisi »

atom hat geschrieben: 08 Jun 2026, 09:43
soulpope hat geschrieben: 08 Jun 2026, 09:13
atom hat geschrieben: 08 Jun 2026, 08:48

DON PULLEN-GEORGE ADAMS QUARTET - Song Everlasting (Blue Note, 1987)

Das Quartett entstand ursprünglich als Mingus-Tributeprojekt, fand aber schnell eine eigene Stimme und nahm fast ein Jahrzehnt lang, hauptsächlich in Europa, eine Reihe toller Alben auf. Song Everlasting wurde ungewollt ihr letztes Studiowerk: Dannie Richmond starb im März 1988 und die Band löste sich kurz darauf auf. Die Qualität ist zu weiten Teilen noch da, die memorablen Stücke überwiegen – an das Blue-Note-Debüt des Vorjahres oder die Klassiker reicht es aber nicht ganz heran.
Welches Album dieser Zusammenarbeit bevorzugst Du besonders .... ?
Das Niveau der mir bekannten Alben ist insgesamt hoch. Von den Studioalben mag ich City Gates und Earth Beams am meisten – der absolute Höhepunkt ist für mich aber das Village-Vanguard-Konzert, dokumentiert auf den beiden Live-Alben bei Soul Note. Was sind deine Faves?
Oh, die beiden CD's hab ich hier noch in meinem "ungehörter Jazz" Stapel - dann werde ich die mal ganz nach oben packen!
Love Goes On!
soulpope
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Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »

atom hat geschrieben:
soulpope hat geschrieben: 08 Jun 2026, 09:13
atom hat geschrieben: 08 Jun 2026, 08:48

DON PULLEN-GEORGE ADAMS QUARTET - Song Everlasting (Blue Note, 1987)

Das Quartett entstand ursprünglich als Mingus-Tributeprojekt, fand aber schnell eine eigene Stimme und nahm fast ein Jahrzehnt lang, hauptsächlich in Europa, eine Reihe toller Alben auf. Song Everlasting wurde ungewollt ihr letztes Studiowerk: Dannie Richmond starb im März 1988 und die Band löste sich kurz darauf auf. Die Qualität ist zu weiten Teilen noch da, die memorablen Stücke überwiegen – an das Blue-Note-Debüt des Vorjahres oder die Klassiker reicht es aber nicht ganz heran.
Welches Album dieser Zusammenarbeit bevorzugst Du besonders .... ?
Das Niveau der mir bekannten Alben ist insgesamt hoch. Von den Studioalben mag ich City Gates und Earth Beams am meisten – der absolute Höhepunkt ist für mich aber das Village-Vanguard-Konzert, dokumentiert auf den beiden Live-Alben bei Soul Note. Was sind deine Faves?
Mein "All-Time Fave" ist/bleibt "Earth Beams" .... George Adams hier in Bestform .... und die vergleichsweise kürzeren Tracks bewirken konzise, ausdrucksstarke Musik .... btw ich sah diese Band Ende der 70er/Anfang der 80er wiederholt konzertant und obwohl immer ein Erlebnis bleibt das vorgenannte Studioalbum (m)ein Solitär ....
"I'm not much but I'm all I have" (Philip K. Dick)
redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


Ravi Shankar - Improvisations & theme From Pather Panchali

Ob das noch Jazz ist? Sicher nicht, aber: Ravi Shankar setzt sich auf diesem eher frühen Album von 1961 mit Improvisationen auseinander, wie sie in seinem Gastland den USA gerade auch im Jazz sehr beliebt sind... Daher der Albumtitel. Die B Seite ist einfach klassische indische Musik (oder indische klassische Musik? so hat man das wohl genannt um zu betonen, was für eine ernste Musiktradition das ist.) Auf der A Seite finden sich drei von Shankar gestaltete Experimente: Auf Track A1 trifft Bud Shank auf die Gruppe von Shankar, auf Track A3 improvisieren Shankar und sein Tabla Spieler selber ein wenig, auf Track A2 schliesslich dirigiert Shankar eine Jazzband (Shank, Dennis Budimir, Gary Peacock, Louis Hayes) die um indische Perkussion ergänzt ist... das war natürlich der Track, den ich unbedingt haben wollte... aber inzwischen hab ich mich ein wenig schlaugemacht, und gelernt, dass das Album generell als Einstieg in Shankars Musik empfohlen wird... und das macht für mich viel Sinn, mit all den verschiedenen Sichtweisen, die hier nebeneinandergestellt werden...
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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rob mazurek exploding star orchestra, dimensional stardust (2019/20) | steve lehman, orchestre national de jazz, ex machina (2023)

abschluss meines kleinen hörprojekts. in dem das orchester des explodierenden sterns natürlich nicht fehlen darf. gibt es ja auch schon seit 20 jahren, hatte immer wieder mal gast-stars (bill dixon, roscoe mitchell), ist hier aber tatsächlich selbst ein all-star-orchester, das sich auf den spuren des arkestras mit großen schwingenden schritten um kleine schlaglöcher herum bewegt. flöte und vibrafon finde ich hier zentral, weswegen nicole mitchell vielleicht die wichtigste konstante (fast) ist, daneben spielen hier leute wie jaimie branch, joel ross, tomeka reid, jeff parker, angelica sanchez, ingebrigt haker flaten, chad taylor und john herndon mit, während damon locks wie oft ein bisschen poetry einwirft (mit megaphon). hier ist auch elektronik am start, aber gegen ende wird das alles wunderbar langatmig und melodiös, fast gravitätisch. ich habe dieses orchester in berlin live gesehen, wie auch das französische jazznatioanlorchester mit steve lehman, das man gut anschließen kann. hier spielt noch eine KI mit, und das ganze ist reizvoll auf meinen lieblingskomponisten gérard grisey bezogen (von dem es ein perkussionsstück namens "tempus ex machina" gibt), in seiner schillernden fremdheit bin ich hier sehr zuhause. das schwebende kommt vom vibrafonisten chris dingman, sarah murcia spielt einen sehr dominanten, dabei flexiblen bass, und die leichte verstimmtheit des ganzen wird reizvollerweise nie aufgelöst, sondern spannt den bogen immer weiter.

irgendwie bin ich von arrangeurs-jazz zu alben meiner lieblingsmusiker in größeren besetzungen gerutscht, aber von heutigen arrangeur*innen habe ich sehr wenig (maria schneider, carla bley ist nach wie vor bei mir unterrepräsentiert, und dann gibt es ja noch so leute wie peter herborn, dessen "large"-projekt ich in den nullern auch mal live gesehen habe - und bestimmt noch viel mehr).
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


Claude Hopkins - Yes, indeed!

ne, man kann nicht immer nur Swing hören... aber es wäre ziemlich gemütlich, und an einem Album wie diesem hier gibt es wirklich überhaupt nichts auszusetzen, drei fantastische Solisten, von denen nur Buddy Tate wirklich genug zu Wort gekommen ist über die Jahre... dazu Wendell Marshall am Bass und Osie Johnson am Schlagzeug...
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »



Maynard Ferguson and His Swingin' Dream Band Orchestra – Live at Peacock Lane Hollywood 1956-1957 | Immer nur Big Band hören fänd ich eher noch schwieriger als immer nur Swing hören ... aber gerade hab ich Lust auf was Druckvolles und da passt die Band, die Ferguson nach der Birdland Dream Band in Hollywood zusammenstellte - auch (fast) eine Dream Band, eine etwas kleiner als üblich besetzte Big Band mit dem Leader (t, vtb), Ed Leddy, Joe Burnett und Tom Slaney (t), Bob Fitzpatrick und Bob Burgess (tb), Herb Geller (as), Richie Kamuca und Nino Tempo (ts), Willie Maiden (bari), Paul Moer (p), Red Kelly (b) und Mel Lewis (d). Ein Album mit einer Aufnahme von Dezember 1956 erschien 1984 in Kanada auf dem Label Artistry Records, 1993 legte Fresh Sound es auf CD wieder vor, und im selben Jahr folgte bei Jazz Hour noch die CD "Live at Peacock Lane Hollywood, January 6, 1957". Auf der Fresh Sound Doppel-CD oben, die 2003 herauskam, sind beide Alben zu hören. Hi-Fi ist das nicht, der Druck fehlt der Aufnahme eigentlich, aber sie ist okay genug, als dass man alles hören kann und eine Idee davon bekommt, wie aufregende diese Gruppe live gewirkt haben muss. Lewis ist toll an den Drums, das Material von Bill Holman, Marty Paich, Ernie Wilkins, Al Cohn, Johnny Mandel sowie Jimmy Giuffre und Neal Hefti auch ... an Klassikern kriegen wir nur "My Funny Valentine" (arr. Willie Maiden) und ein Weihnachtsmedley namens "Christmas for Moderns" (vom 6. Januar, wenn die Angaben denn stimmen - sie sind in allen Ausgaben und den alten Diskographien konsistent) schliess das zweite Album ab - da sind neben vier alten Weihnachtsliedern auch "White Christmas" von Irving Berlin und Tormé/Wells' "The Christmas Song" eingearbeitet. Burgess, Geller, die beiden Tenorsaxer und natürlich der Leader kriegen immer wieder Raum, vermutlich auch einige andere, aber da bin ich weniger sicher. Da und dort sagt Ferguson was an, so weiss man z.B., dass Tempo ein ganzes Feature-Stück kriegt, in dem er seinem Namen alle Ehre macht (und man hört da, dass sein Ton grösser, runder, ruppiger ist als der von Kamuca).

Zuletzt geändert von gypsy tail wind am 08 Jun 2026, 21:14, insgesamt 1-mal geändert.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
soulpope
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Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »



After dark .... the longing for eternal light begins .... James Blood Ulmer R.I.P ....
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Thokei
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Thokei »

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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Friedrich »

vorgarten hat geschrieben: 18 Mai 2026, 18:12 Bild

gil evans, the individualism of gil evans (1963/64)

ich höre gerade jazz für größere besetzungen, und hierfür brauchte ich die rolling-stone-liste der besten jazzalben, um das endlich mal für mich zu entdecken. großartig, wie evans mit zeit umgeht, das eigentlich spannende kommt, wenn thema und soli durch sind, wenn er im auslaufen nochmal neue sounds zulässt, alles in der schwebe hält. und das ist wirklich mal ein album, bei dem ich auf die bonus tracks nicht verzichten könnte.
Dein Hörprojekt „jazz für größere besetzungen“ ist zwar vorbei, ich fand das aber recht anregend und zu dem einen oder anderen Album kann ich meinen Senf dazu geben:

Sehr gute Platte! Und tatsächlich großartig, wie Gil Evans mit Zeit und Raum und Klang umgeht. Das wird ja manchmal fast abstrakt, so dass man gar nicht mehr in Kategorien wie Komposition, Melodie, Rhythmus oder sowas hört oder denkt. Da schwebt ein Klang im Raum und die Zeit steht still.

Ja, wo fängt „große Besetzung“ eigentlich an? Du meinst natürlich die Größe der Besetzung, obwohl man das auch zeitlich verstehen könnte. Klar, Big Bands sowieso, die dominierten die Swing Era, danach übernahmen kleinere Combos.

Bild

Einer von Gil Evans’ (und Miles Davis’ und Gerry Mulligans) ersten prominenten Auftritten mt einer größeren Besetzung war Birth Of The Cool, das aber - da streng genommen eine Compilation zuvor veröffentlichter Tracks von 1949/50 – eher nicht in einer „Best Albums“-Liste auftaucht. Ein Nonett, was auch schon sehr schön von dem Klang Gebrauch macht, denn man mit 6 Bläsern (neben Miles’ Trompete eine Posaune, Waldhorn(!), Tuba(!), Altsax und Baritonsax) erzielen kann. Und nicht zu verachten ist auch das erst etwa 7Jahre später erschienene und von mir sehr geschätzte Leader-Debut(!) Gil Evans & Ten. Alles noch viel näher am – ich sag mal – Songformat orientiert als The Individualism, aber Wortschatz und Grammatik dieser Musik bilden sich da schon.
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

danke fürs weiterspinnen. ja, wo fängt das thema an? es gibt größere besetzungen, die einfach nur als verstärker dienen, am ende des spektrums befinden sich dann die quasi-symphonischen konzepte, in denen alle stimmen fast unhierarchisch miteinander kommunizieren - im jazz finde die die beziehung von solo und satz interessant, von individuum und kollektiv, und da gibt es erstaunlich viele unterschiede und zugänge. ich kann nicht viel sinnvolles sagen zum handwerk und der kusnt des arrangierens, aber ich merke schon, dass bestimmte leute da unverwechselbare stile gefunden haben, gil evans natürlich, ellington, aber auch mcfarland, sebesky, fischer, ogerman, moacir santos in brasilien... bei CTI gab es ja meistens sogar einen credit fürs arrangement auf dem cover.