Ich höre gerade ... Jazz

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lotterlotta
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

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.....einfach nur zum davon schweben, wenn da nicht immer nur diese lästigen zwischenräume sprich trackpausen wären ;-)
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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sam rivers' rivbea all-star orchestra, culmination / inspiration (1998)

ein großes verdienst von steve coleman ist unbestreitbar, dass er seinen vorbildern/lehrern nochmal gute produktionsbedingungen für eigene späte aufnahmen verschafft hat - neben von freeman, bunky green kam hier sam rivers zum zuge, dessen arrangements für große besetzungen coleman zufolge zu schlecht dokumentiert waren. das orchester hier besteht aus 17 musikern, die genug material für 2 cds aufnehmen konnten. am ende gab es dafür immerhin eine grammy-nominierung.

rivers hat ein reines bläserensemble besetzt und mit e-bass und schlagzeug (doug mathews und anthony cole aus seinem damaligen trio) grundiert, auf ein harmonieinstrument wurde verzichtet. vor allem die sax-sektion ist außergewöhnlich gut besetzt: neben rivers und coleman sind greg osby, chico freeman, gary thomas und hamiet bluiett dabei, unter den posaunisten befinden sich ray anderson und joseph bowie, unter den trompetern ralph alessi und baikida carroll, die tiefen stimmen stammen von joe daley und bob stewart. die soli sind alle sehr kurz, das gibt viel bewegung, dazu federt die rhythm section sehr leicht, präzise definiert, fast wie eine kleine m-base-maschine, überhaupt nicht weit weg von colemans eigener musik. die tutti-passagen sind aber ebenfalls sehr abwechslungsreich, aufwendig gesetzt - es klingt zwar insgesamt alles recht ähnlich, ist aber so auf dem punkt, dass rivers sehr lange daran gearbeitet haben muss und offenbar viele proben statfinden konnten. alle kompositionen wirken so, als wären sie für dieses format geschrieben, aber es befinden sich auch bekannte sachen wie "berenice" darunter, in einer sehr tollen, sehr anderen version. unter den solisten mag ich niemanden hervorheben, coleman selbst spielt sehr inspiriert, rivers hält sich eher zurück, es wird schon deutlich, dass die musiker unterschiedliche hintergründe haben, aber in der messerscharfen ausführung klingt alles wie aus einem guss. damit könnte man auch heute noch eindruck machen.
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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andrew hill, a beautiful day (2002)

das ist ein bisschen wilder, manchmal funkelt es auch mehr, manchmal zerfasert es. andrew hill spielt äußerst sparsam mit, von begleitung kann keine rede sein. sehr anders bass/schlagzeug (colley/waits): assoziativ, dicht, manchmal wuchtig, nie vorhersehbar. live-aufnahme, das hört man, zuhören und spontanes reagieren, sich zwischen die kanten legen.
redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

Das Album hab ich damals an einem schönen Tag, ein paar Tage nach Hills Tod, auf dem Flohmarkt neben der Mensa in Köln gekauft... Und irgendwie steht das Album für mich tatsächlich bis heute sehr für den Ort und den Moment, in dem ich es gekauft hab... Frag mich ob das nur an mir liegt, oder tatsächlich am Album selbst
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

redbeansandrice hat geschrieben: 05 Jun 2026, 17:44 Das Album hab ich damals an einem schönen Tag, ein paar Tage nach Hills Tod, auf dem Flohmarkt neben der Mensa in Köln gekauft... Und irgendwie steht das Album für mich tatsächlich bis heute sehr für den Ort und den Moment, in dem ich es gekauft hab... Frag mich ob das nur an mir liegt, oder tatsächlich am Album selbst
schon letzteres, glaube ich. das tolle ist die gleichzeitigkeit von offenheit und tiefe, man kann alles mögliche hineinprojizieren, aber man merkt auch, wie sehr da ein spirit die ganze band erfasst. ich habe danach noch die dave holland big band angefangen, das ging nicht - da ist alles sehr technisch, brillant, das hört man anders.
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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dave holland big band, overtime (2002)

höre ich zum ersten mal. zu dieser zeit hatte mich holland ziemlich verloren, die ganzen supertechniker in der band (potter, hart, gross) geben mir bis heute nichts, aber ich höre hier doch, wie toll das arrangiert ist. ein weiches klangbild mit fließenden vibes, aus dem sich die techniker immer wieder maskulin herausschälen, und natürlich billy kilson als hyperaktiver sensationsdrummer, der holland nochmal ordentlich herausfordert. der kern hier ist ein auftragswerk des monterey jazz festivals, holland hat zur herausbringung ein eigenes label gegründet (warum eigentlich? wollte er mehr herausbringen als eicher? mochte eicher tatsächlich die musik hier nicht?). ein bisschen exzellenzverwaltung zu dieser zeit, nicht allzuviel risiko, aber wer will sich da beschweren.
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atom
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von atom »

Die Besetzung erinnert mich stark an What Goes Around, sein letztes ECM-Album – ein Album, das ich gern mag. Den Wechsel zu Dare2 begründete Holland damals damit, mehr Kontrolle über den gesamten Veröffentlichungsprozess haben zu wollen, was angesichts des sich verändernden Musikmarkts Anfang der 2000er gut nachvollziehbar ist.
serenity now!
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

WHAT GOES AROUND habe ich damals häufiger gehört, das sind ja auch eher bigband-arrangements von hollands schönsten kompositionen. trotzdem ist mir das bis heute eher zu technisch, zu draufgängerisch - das hatte viel mit dem drummer billy kilson zu tun.

gegenprogramm:

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bill dixon orchstra, 17 musicians in search of a sound: darfur (2007)

lange nicht mehr gehört. hier hätte man sich ein bisschen mehr proben und bessere produktionsbedingungen gewünscht, aber die klangsuche gehörte ja zum programm. der sound, den sie finden, hat etwas von einer gewitterwolke, die mal größer, mal kleiner wird und sich dabei nie entlädt. dazwischen ist platz für freie improvisation, mit der aufgabe, in diesem gebilde einen platz zu finden. es gibt einen kurzen auftritt von graham haynes hier, der - wie so oft - sofort präsent ist, eigenwillige figuren setzt, im auge des sturms sitzt. interessant auch karen borcas fagott, obwohl da doch einige spielfehler auffallen. ist ein live-auftritt, vom vision festival, so richtig weitergemacht habe ich da auch nie - weder die TAPESTRIES noch ENVOI stehen in meinem regal. live hätte ich mir das aber gerne angehört.
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Thokei
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Thokei »

Stan Getz & Charlie Byrd- Jazz Samba

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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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michael formanek, ensemble kolossous, the distance (2014)

das wächst gerade sehr bei mir. viele leute, die heute durchaus tonangebend sind (halvorson, kris davis, patricia brennan, jacob garchik), neben damals schon bekannten haudegen (chris speed, tim berne, ralph alessi, brian settles, loren stillman). alles eher auf der homogen-weißen und musikalisch eher coolen seite (selbst settles würde ich ja eher als cool-spieler einordnen), aber im verlauf wird das immer vielschichtiger und ausgefuchster und durchaus heiß. ganz toll allerdings der erste (titel-)track, da sind sie dann tatsächlich bei einem re-birth of cool, mit einem tollen settles-solo. aber es gibt auch einen irren halvorson-moment (witzigerweise übersteuert, und das bei ECM) und überhaupt haben fast alle ein schönes feature. thematisch (naja...) geht es um einen koloss und dessen "exoskelett", da muss man an die laufende obduktion eines buckelwals denken, der sich in die ostsee verirrt und dadurch viele menschen von aktuellen kriegen abgelenkt hat. dieser koloss hier schwimmt aber bei ECM in heimischen gewässern.