Ich leihe mir mal den Untertitel, den das englische Label JSP seinem 4-CD-Set von Jack McVea gab, um das es hier auch gehen wird ... was in dem Faden passiert, wird sich sicherlich mit dem überschneiden, was @stefane hier fortsetzt - aber auch dieser Faden hier hat einen eingeschlafenen Vorläufer im RS-Forum.
Thema hier sind Leute wie Eddie "Cleanhead" Vinson, der sein honkendes Saxophon aus Texas in den Norden brachte: mit Cootie Williams nach Chicago und New York (ab 1942), mit seiner Band später bei King in Cincinnati landete und später auch für ein neues kleines Independent-Label, Mercury Records, aufnahm. Oder Jack McVea, Angeleno und dort mit seinem Saxophon so aktiv wie der Gitarrist T-Bone Walker oder der Pianist Amos Milburn, die wiederum aus Texas kamen und bei Labeln wie Philo und Aladdin Aufnahmen machten. Aus den Label-Threads zu Capitol Records und mehr noch zu Black & White Records kommt denn auch die Idee hinter diesem neuen Faden: ein Ort für die Grenzgänger, die dort schon erwähnt wurden, aber eben auch anderswo Aufnahmen gemacht haben.
Jazz und Rhythm & Blues - honkin' sax and so much fun
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Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
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Eddie "Cleanhead" Vinson - Mercury & King Records, 1945-1952

Eddie "Cleanhead" Vinson kam am 18. Dezember 1917 in Houston zur Welt - und er gehört auch als Altsaxophonist zur vor allem aufs Tenor konzentrierten Linie der texanischen Saxophonisten ("Texas tenors"), die im Jazz vor allem der Vierziger und Fünfziger zahlreich und erfolgreich war - die aber schon in den Dreissigern einsetzt mit Leuten wie Herschel Evans, später u.a. auch mit Illinois Jacquet, Budd Johnson, Arnett Cobb, Buddy Tate oder David "Fathead" Newman weiter ging. Don Wilkerson kam zwar nicht in Texas zur Welt, wuchs aber in Houston auf und zählt daher auch dazu. Vinsons Eltern spielten beide Klavier, der Grossvater Violine. Vinson hatte einen Jugendfreund, der Altsax spielte und überredete schliesslich seinen Vater, ihm auch ein Altsax zu kaufen. Am selben Tag erhielt er auch ersten Unterricht. Vinson litt unter Asthma und ging 1935 nach New York, um sich - erfolgreich - behandeln zu lassen. Nach seiner Rückkehr beendete er die High School und stiess zur Band des Trompeters Chester Boone.
In die Zeit fällt ein folgereicher "Unfall": beim Glätten seiner Haare verwendete Vinson so viel Lauge, dass sich seine Haare praktisch auflösen - und er beschloss, gar nicht zu warten, bis sie nachwuchsen sondern rasierte sie fortan. "Cleanhead" war geboren. Boone zog nach New York, Posaunist Milt Larkin übernahm die Band, zu der zu unterschiedlichen Zeiten Arnett Cobb, Tom Archie (noch ein toller Tenorsaxophonist aus der Zeit, u.a. durch seine Zusammenarbeit mit Gene Ammons bekannt) und die Brüder Russell (t/voc) und Illinois Jacquet gehörten. Die Gruppe spielte in Kansas City und schaffte es bis in den Rhumboogie Club in Chicago. Vinson war inzwischen nicht mehr nur der Altsaxophonist der Gruppe sondern auch ihr Lead-Sänger. In der Zeit lernte er Big Bill Broonzy kennen, der als Begleiter von Lil Green unterwegs war. Die beiden Bands tourten für ein paar Monate zusammen und Vinson schaute sich von Broonzy einiges ab, was seinen Gesang beeinflusste und verbesserte.


So sicherte er sich auch seinen nächsten grossen Gig. Cootie Williams war nach Houston gekommen, um Arnett Cobb in seine Band zu holen - doch er hörte Vinson und entschied sich anders: "he was kidding around ... he got up and started hollering the blues for fun. Going right out of that kitchen and down front I said, 'That's what I want!'" (Williams in den Liner Notes von Neil Slaven im JSP-Set). Weil das Asthma doch nicht ganz weg war, wurde Vinson von der Armee für untauglich erklärt. Am 1. April 1942 nahm er in Chicago mit Williams sein erstes Feature auf, "When My Baby Left Me". In der Band waren damals u.a. Joe Guy (t), Sandy Williams (tb), Charlie Holmes (as), Bob Dorsey und Greely Walton (ts), Kenny Kersey (p), Norman Keenan (b) und Butch Ballard (d). Zwei Jahre und einen Recording Ban später, im Januar 1944 in New York für "Cherry Red Blues" und "Things Ain't What They Used to Be" (Vinson konnte mehr als den Blues shouten!) waren dann u.a. Ermit Perry, George Treadwell und Harold "Money" Johnson (t), Eddie "Lockjaw" Davis, Lee Pope (ts), Eddie de Verteuil (bari), Sylvester Payne (d) und ein junger Pianist namens Bud Powell dabei. Ein paar Monate später folgten "IS You Is or Is You Ain't My Baby" mit der gestopften Trompete des Leaders und gutem Piano, und "Somebody's Got to Go" (von Bob Haggart). Die erste CD der Box von JSP (2006 erschienen) geht mit den Stücken weiter, die Vinson 1945 mit der Band von Williams machte für Capitol Records aufnahm: "Juice Head Baby", "When My Baby Left Me" - hier ist der zugehörige Post im Capitol-Faden. Da war Powell schon weitergezogen und ein neuer honkender Mann am Tenorsax dabei, Sam Taylor, später Sam "The Man" Taylor. (Das folgende Kapitel für Mercury gibt's dann mal in einem anderen Faden - da war Vinson längst weg und machte für das Label auch eigene Aufnahmen als Leader).
"Mr. Cleanhead Steps" out ist dann eine von Vinsons ersten Aufnahmen mit der eigenen Band, die wie schon geschrieben bei Mercury ihren Start kriegte. Dass das JSP-Set eins der im Piratenstil kompilierten ist, sieht man nicht nur daran, dass Remastering anonym ist, sondern auch daran, dass selbst die unveröffentlichten Titel für Mercury, die 1995 erstmals in der fabelhaften Box "Blues, Boogie, & Bop - The 1940s Mercury Sessions" erschienen, bei JSP dabei sind (die wären nach meinem Verständnis und damaligen Vorgaben erst 50 Jahre nach der ersten Veröffentlichung frei gewesen - heute hat sich das ja nochmal geändert, aber das Streaming hat das Musikgeschäft ja eh gekillt). Ganze 36 Tracks sind es, die Vinson zwischen Dezember 1945 und Dezember 1947 für Mercury einspielte (konkret bei JSP: CD 1 #8 bis CD 2 #18, bei "Blues, Boogie, & Bop" die ganze vierte und der Anfang der fünften CD sowie die unveröffentlichten Tracks auf der siebten und letzten CD des Sets). Die meisten Aufnahmen spielte Vinson mit einer Band ein, die ein wenig an jene von Ray Charles erinnert - und mit dem Trompeter John Hunt gibt es da sogar eine direkte Linie. Bei Vinson waren auch Lee Pope (ts), Greely Walton (bari), Earl Van Riper (p), Leonard Swain (b) und Butch Ballard (d) dabei, und manchmal - auch bei den vier letzten Mercury-Sessions zwischen April und Dezember 1947 - wuchs die Band zur richtige Big Band an (je zwei Trompeten, Posaunen, Altsaxophone und noch ein zweites Tenorsax dazu).
Mercury hatte mit Vinson genügend Material aufgenommen, um den zweiten Recording Ban 1948 zu überbrücken. Vinson war allerdings längst nicht mehr beim Label. Es dauerte in der nun wirtschaftlich schwieriger gewordenen Lage länger, bis Vinson wieder einen Vertrag sichern konnte - und den natürlich nicht für eine Big Band. Im August 1949 entstanden in Cincinnati die ersten Aufnahmen beim neuen Label King Records. Neben einer hervorragenden Rhythmusgruppe, die auch als Trio für Blue Note aufnahm - Wynton Kelly, Franklin Skeete, Lee Abrams - konnte Vinson bei den ersten Sessions immerhin vier weitere Bläser dazu holen: Henderson Williams (t), Eddie "Lockjaw" Davis und Harry Porter (ts) und Al Townsend (bari). Bei der dritten - immer noch im August 1949, das neue Label liess nichts anbrennen - waren dann Calvin Hughes (t) und James Buxton (tb) statt Williams und Townsend dabei.


Im Mai 1950 nahm King dann die nächsten beiden Sessions in New York auf und im März 1951 sowie Juli 1952 folgten noch je eine Session. Eine stabile Band hatte Vinson da nicht mehr, es tauchen bekannte Jazzer auf - Joe Wilder (t), Tyree Glenn und Slide Hampton (tb), Charlie Rouse (ts), Milt Buckner (p), Billy Taylor oder Gene Ramey (b) - aber die Musik verändert sich nicht grundlegend. Vinsons Altsax und weiterhin oft Gesang stehen im Zentrum, die Band spielt Jump-Blues und langsameren Blues, die Bläser riffen, das Piano rollt und ein Tenorsax ist fast immer die andere wichtige Stimme - Lockjaw unverkennbar im August 1949, wenn er den Gesang des Leaders begleitet und auf "Eddie's Bounce" auch mal als Hauptsolist. Was sich bei King ändert, ist das Klangbild mit etwas Hall auf dem Sax ... man kennt den Sound von den frühesten Sessions von James Brown, er atmet nicht wirklich, klingt aber kompakt und war wohl für die Jukebox konzipiert. Und bei King auch nicht unüblich gibt es ein paar Seltsamkeiten im Repertoire, etwa "Lonesome Train", womit Syd Nathan wohl mal wieder im Gebiet des Country & Western punkten wollte. Und "Time After Time" mit Vinson als Crooner funktioniert echt nicht gut (Lee Pope spielt dafür ein schönes kurzes Solo am Tenorsax). Bei der letzten Session sind wir dann - auch dank der Gitarre von John Faire (nie gehört) schon im R'n'R-Gebiet - und hier sind Slide Hampton und Charlie Rouse dabei, verschwinden aber in den Riffs der Band hinter dem Leader (Rouse kriegt im letzten Stück der Session ein paar Takte).
Vinson wurde bei King nicht gross unterstützt, wie in den Liner Notes des JSP nachzulesen ist: "Syd Nathan sent a guy to see me but he was pushing Wynonie Harris at that time, so they didn't have much time to really push me, 'cause Wynonie was his big man down there." - Und ich wünschte mir hier echt eine offizielle Veröffentlichung, wenn ich mir neben dem JSP-Set die Singles-Doppel-CDs von James Brown vorstelle ... hervorragend dokumentiert und auch deutlich besser, was den Klang angeht. Es gibt von den King-Aufnahmen auch eine Ace-CD, die vielleicht etwas besser ist? Jim Wynn, von dem die letzten 36 Tracks bei JSP stammen, könnte man mit zwei späten (1959) Stücken extra auch bei Classics auf zwei CDs kriegen.
Vinson blieb bis in die Siebziger sehr aktiv, nahm aber nicht mehr besonders viel auf. 1954/55 nochmal drei Sessions für Mercury, 1957 für Bethlehem "Cleanhead's Back in Town", 1961/62 dann das Kronjuwel, zumindest mit der aufgesetzten Jazzbrille: das von Cannonball Adderley produzierte Album für Riverside, "Back Door Blues" (seit 1988 besser als "Cleanhead & Cannonball" bekannt). In den Siebzigern folgten Alben als Leader und Sideman für Black & Blue in Frankreich sowie Muse und Pablo in den USA. Als Sideman u.a. mit Joe Turner, Jay McShann, Bill Doggett oder Arnett Cobb, aber auch mit Count Basie, Sarah Vaughan und Milt Jackson.
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Jim Wynn - Ee-Bobaliba (1945-1954)

Jim Wynn war ein wenig älter, geboren im Juni 1912 in El Paso, aber seine Familie zog schon Ende der Zehner nach L.A. Da wusste Wynn bereits, dass er Musiker werden wollte. Er wollte klassischer Klarinettist werden, doch da gab es keine Jobs und daher wechselte er aufs Altsax, spielte zunächst traditionellen Jazz - und verdiente auch damit wenig. 1936 kriegte er einen Gig im Little Harlem in Watts - und kam damit in der Szene von L.A. an, zu der die Woodman-Brüder, Charles Mingus, Maxwell Davis und andere gehörten.
Wynn war, wie er sagte, "the first sax man in L.A. to lay on his back and play the horn. Jay McNeely was a little kid when he used to come in and watch me play at weekends. Two or three years later he was laying on his back and playing. He's a great musician but het got the clowning from me" (zitiert aus den Liner Notes von Dave Penny für die Classics-CD 1945-1946 von Wynn). Im Little Harlem traf Wynn auch auf T-Bone Walker, den die Brown-Schwestern, denen der Club gehörte, als Tänzer eingestellt hatten. "He started singing with the first small band I had and the people went mad about him. He had a funny little box (guitar)he'd play, a contraption he had made himself." In der Band spielte auch der Drummer Zutty Singleton und wie Walker später erzählt habe, wollte Wynn eigentlich gar nicht mehr Leute in seiner Band haben, denn Singleton "was a show in himself".
Mit Walker als Headliner tourte die Band 1946, Harold Oxley organisierte die Auftritte. Die Konzerte zogen zwar viele Leute an, aber Walker hatte Probleme mit seiner Verdauung und fiel mehrmals für eine Woche oder so aus - u.a., wenn er statt nach den Gigs zu Bett zu gehen lieber die ganze Nacht am Spieltisch verbrachte und dann vor Erschöpfung kollabierte. Wynn und die Band spielten weiter, aber irgendwann wurde die Truppe verklagt - weil der Star fehlte. Wann immer man in L.A. war, versuchte Wynn ein paar Platten zu machen. Und bei den konstanten Auftritten hatte Wynn eben seinen Act vorbereitet: er tanzte beim Spielen, liess sich auf die Knie fallen (geht nur mit dem Tenorsax), rollte herum, ohne je einen Ton zu verpassen. Und dann kam eben McNeely und kopierte Wynns kompletten Act - um damit grosse Erfolge zu feiern, wie sie Wynn nie vergönnt waren.


Die Band hatte mit Wynns Song "Ee-Bobaliba" einen Hit - doch keinen Plattenvertrag, daher kannten nur die Leute, die im Club auftauchten, den Song. Bis ihn Helen Humes im Sommer 1945 für Philo aufnahm, als "Be-Baba-Leba", mit der Band von Bill Doggett und mit Humes als Komponistin auf den Labeln, die sich dann auch die Copyrights sicherte, was Wynn zu tun versäumt hatte. Er verdiente keinen Cent an seinem Song. Die Band war nach ihrem Hit als die Bobalibans bekannt, und 1945 konnte sie dann auch selbst aufnehmen - da war T-Bone allerdings schon weitergezogen (er hatte schon ein paar wenige Aufnahmen gemacht, z.B. 1942 mit Freddie Slack für Capitol, danach nahm er mit Marl Young 1944/45 für Mercury auf, bevor er im Herbst 1946 bei Black & White als Leader loslegte ... dazu dann wohl mal im passenden Label-Faden). Die letzten acht Tracks der dritten CD der Vinson-Box von JSP sind die ersten Aufnahmen von Wynn, mit dem Leader am Tenor- und Barisax, Vocals von Pee Wee Wiley sowie gelegentlich auch von Charles Trenier und dem Pianisten der Band, "Lord" Luther Luper, der auch ein paar der Stücke schrieb. Die Musik bewegt sich irgendwo im Feld zwischen Boogie, durchaus boppigen Riffs und Rhythm & Blues. Stanley Casey an der Trompete kriegt auch ein paar Spots und die drums von Robert "Snake" Sims sind stark. David Graham (as), Freddie Simon (ts - der Bruder von Maurice Simon, einem weiteren tollen Saxophonisten aus der Zeit/Szene) und Theodore Shirley (b) sind zudem dabei bei den ersten Sessions von September/Oktober und ca. Ende 1945. Vier der Stücke erschienen bei 4 Star (darunter "Ee-Bobaliba" - ohne Composer-Credit auf dem Label und gesungen von Trenier) und die zwölf weiteren bei Gilt-Edge. Das ist ziemlich tolle Musik - durchaus jazziger als die von Vinson, und auch abwechslungsreicher, vielseitiger (hier passt auch das Jazz-Tune "'Deed I Do" mit allen drei Sängern zusammen -, die ich ohne das JSP-Set nun wirklich nicht entdeckt hätte.
Die LP oben mit dem schönen Foto von Wynn auf dem Cover erschien 1985 beim Label "Whiskey, Women, And ..." und enthält 16 der Aufnahmen Wynns aus den Jahren 1945-1954. Dass Vinson bei den ersten acht Stücken mitspiele und -singe ist wohl ein Fehler bei JSP - er taucht weder bei der Classics-CD noch in den alten Jazz-Diskographien auf.)


Dass bei diesen frühen Aufnahmen auch ein Stück von Louis Jordan dabei ist, passt natürlich ... der Jump-Blues (auch von Jay McShann usw.) wäre noch ein Faden, den ich aus diesem ganzen Gemisch der Vierziger, in dem ich gerade hauptsächlich stecke, verfolgen könnte ... einer, der wie der Swing in die Dreissiger zurückgeht. Aber Louis Jordan bewahre ich mal für später auf (ich hab da auch v.a. ein JSP-Set, aber das liegt blöderweise weder bei den Blues/R&B- noch den Jazz-Sets, die ich von da habe, gilt also für den Moment leider als verschollen). Das Jordan-Stück ist "Buzz Me, Baby". Weiter geht es mit Wynn dann 1946/47 mit sechs Stücken für Modern - der Mix ist derselbe: "Organ Grinder Swing", "Wynn's Boogie" ... aber mit "Just in Case You Change Your Mind" (Luper, er singt auch) ist auch ein neuer Ton dabei: eine rollende Groove-Ballade, wie sie nun wirklich nicht mehr direkt was mit Jazz zu tun hat. Teddy Shirley ist wohl der hervorragende Drummer hier, die anderen Beteiligten sind unbekannt (t, ts, b - letzteres vielleicht Theodore "Teddy" Charles, wobei die beiden Teddys, die laut Bruyninckx auch beide noch singen, schon nicht sehr zuversichtlich stimmen, dass die Infos korrekt sind). JSP hat seltsamerweise die zwei späteren Modern-Tracks ("Cold Blooded Boogie" und die Ballade "P.S. I Love You", gesungen von Drummer Sims - Lyrics von Johnny Mercer, Musik von Gordon Jenkins) nach den dreien für Specialty programmiert.


Im Oktober und Dezember 1948 nimmt Wynn drei Stücke für ein anderes neue Label aus Kalifornien auf, das mit Jazz nur gelegentlich am Rand zu tun hat: Specialty von Art Rupe 1945 gegründet, mit Fokus auf alles, was zwischen R&B, Gospel und R'n'R lief (Little Richard, Sam Cooke, Percy Mayfield, Lloyd Price ...). Eddie Preston (t) und Eddie Davis (ts - derjenige, der nicht "Lockjaw" ist?) sind bei den drei Stücken dabei - und Robert "Snake" Sims ist an den Drums zurück (und Vocals mit Bassist Theodore "Teddy" Shirley in "Fat Meat"). Wynn zeigt immer wieder, dass er wirklich keine Vergleiche zu scheuen braucht mit den berühmteren Honkern und Bar Walkern - und er bleibt in der Regel auch diesseits der Geschmacksgrenze, etwa im beeindruckenden "Muffle Joe Shuffle", einem Instrumental, das Specialty erst 1994 für eine Compilation-CD ausgegraben hat ("Specialty Legends of Jump Blues, Volume One", auf einer Ace-CD gibt's den Track auch).


Weiter geht es dann im November oder Dezember 1948 mit vier Stücken für Supreme, noch so ein kalifornisches Kleinlabel. Hier ist die Band wieder einigermassen bekannt: Preston (t), Eddie Hale (as), Pete Peterson oder Freddie Simon oder Eddie Davis (ts), Zell Kindred (p), unbekannt oder Shifty Henry (b) und Sims (d). Der Leader spielt wie üblich Tenor- und Barisax, ersteres in "J.W. Bop" und "Farewell Baby", letzteres in "Blow Wynn Blow" und "Goofin' Off". Der Leader klingt bisweilen recht boppig, während Sims Backbeats spielt und die Band shuffelt. Die Session ist ein jedenfalls ein Highlight aus dem kleinen Werk Wynns - auch die Fours in "Goofin' Off" mit dem am Barisax im Dialog mit dem Tenorsaxophonisten (Lockjaw schliesse ich hie eindeutig aus, wenn Davis also der andere Eddie Davis, der u.a. - siehe Black & White-Thread - bei Gerald Wilson spielte).
Im Februar 1951 nahm Wynn dann eine Session für Mercury auf - mit einem neuen Sound im Mix, den es bisher in Ermangelung an Aufnahmen mit T-Bone Walker noch nicht gab: Charles "Chuck" Norris an der elektrischen Gitarre übernimmt eine prominente Rolle im Ensemble, zu dem Eddie "Goo Goo" Hutcherson (t), Hale (as), Davis (ts), Kindred (p), Robert "Buddy" Woodson (b) und Sims (d) gehören. "Strange love" ist eine Ballade von Hale, gesungen wohl von Sims. In "West Coast Lover" erschien erst viel später im 8-CD-Set "Mercury Blues 'N' Rhythm Story 1945-1955" von 1996. "Dog House Blues", der andere Track von der Single (nicht auf Discogs) ist ein langsamer Blues, wohl wieder von Sims gesungen. "Guzzle, Guzzle, Guzzle", das vierte Stück der Session, ist wohl nie erschienen.


Noch zwei Session gibt es bei JSP, wo die letzte von Wynn von 1959 fehlt. In der alten Diskographie von Bruyninckx fehlt dafür die nächste von 1952, bei der für das Label Recorded in Hollywood (eins von denen von John Dolphin aus Detroit, der in L.A. mehre Kleinstlabel gründete) "Hollywood Stampede" und "Snug as a Bug in a Rug" entstanden. Hier ist Maurice Simon am Tenorsax der Sidekick des Leader und der einzige bekannte Musiker neben dem Leader - wieder ist die Gitarre präsent, es gibt üppig gesetzte Riffs der Bläser und eine boppige Lead-Trompete. Auch das eine kurze aber exzellente Session, wieder deutlich jazziger als die Blues-Session für Mercury. Den Abschluss der JSP-Box machen die zwei Stücke, die Wynn 1954 für Million Records (diese Kleinstlabel hatten schon tolle Namen ... bei Dolphin gab's noch Money, Cash und Lucky Records) einspielte. Hier sind die Leute wieder bekannt: Hutcherson (t), Hale (as, voc), Davis (ts), Kindred (p), Woodson (b) und Sims (d) - und man kann vielleicht davon ausgehen, dass sie auch 1952 dabei waren (vielleicht nochmal mit Norris-g). Den Abschluss machen "Down to the Ocean", komponiert und gesungen von Bernie Anders mit dem zeittypischen Echo im Mix, und "I'm the Boss (in This House)", Hales letztere Beitrag zum Repertoire, leider nicht zum ersten aber immerhin zum letzten Mal mit misogynem Text.


Wynns letzte Session 1959 fand für ein weiteres obskures Label statt, Pico, die Band wieder unbekannt. "Rubber Legs" und "Let's Rock (The Cha Cha Cha)" waren das Ergebnis - man findet sie auf YT und sonstwo und es ist echt verschmerzbar, dass bei JSP ein Platz mehr war: zwei jumpende Gitarrenboogies mit riffenden Bläsern und einem jumpenden Yakety-Sax-Solo - da werden selbst zweieinhalb Minuten irgendwann etwas lang.
Wynn machte weiter Musik - bald wohl hauptsächlich als Sessionmusiker, der immer wieder dabei war, wenn T-Bone Walker, Jimmy Witherspoon oder Lowell Fulson ins Studio gingen, bei Peggy Lee taucht er auch mal noch auf. Später wurde er Teil von Johnny Otis' R&B Revue. Er starb 1977 in L.A.
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