Gestern im Kino zuerst nachmittagsfüllend einen neuen Film von Howard Hawks entdeckt - ein semi-improvisierter, rasant dahinmäandernder, liebenswürdig doofes (der Plot, die Liebesgeschichten, der Slapstick) und doch wunderbares Buddy-Movie und RomCom und Abenteuerfilm, bei dem sich der Eindruck vermittelt, die ganze Crew sei völlig tiefenentspannt am Werk gewesen (trotz Pyrotechnik, gefährlichen Tieren, versicherungstechnisch vermutlich nicht leicht zu bewältigender Dreharbeiten usw.) - ich meine natürlich
Hatari (US 1962) mit John Wayne, Hardy Krüger, Gérard Blain, Elsa Martinelli und nicht zuletzt der wunderbaren Michèle Girardon. Und tolle Musik von Henry Mancini gibt es natürlich auch noch ... die mir zumindest teilweise längst bekannt war, ohne dass ich den Film je zu Gesicht bekommen hatte. Schön, dass meine Eltern dabei waren, die ca. 1971/72 die Region bereist hatten (von Kaptstadt bis Tansania und dann nach Südasien eingeschifft mit ihrem klapprigen VW-Bus, der natürlich so hiess, wie der erste Baby-Elefant von "Dallas", nämlich "Tembo") und dabei auch in Arusha waren, der nächsten grösseren Stadt. Lustig, dass Martinellis Fotografin für den Basler Zoo arbeitet - keine Ahnung, ob die Anfang der Sechziger besonders aktiv Tiere einkauften ... jedenfalls sollte ich in meiner Freizeit wohl mal ein wenig in den Bestand eines Tierfängers gucken, der bei uns auf der Arbeit (bzw. sicher im Keller verstaut) rumliegt, der von
Charles Cordier, einem Zürcher, der denselben Job hatte wie John Waynes Sean in "Hatari".
Nach einer kurzen Pause ging es mit dem Omnibus-Film
In Our Time (Guang yin de gun shi) (TW 1982) weiter, für den Jim Tao Te-chen, Edward Yang, Ko I-chen und Chang Yi je eine Episode drehten. Klares Highlight die zweite Episode, "Expectations", von Yang, dessen Handschrift schon in den ersten Einstellungen zu finden ist: die ruhig-introspektive Sprache, die Farben, die langen Sequenzen ... und der stille Fokus auf die unausgesprochenen Emotionen. Stark. Tao Te-chens Episode, "Little Dragonhead", mit der der Film beginnt, ist allerdings ebenfalls sehr gelungen und ähnlich berührend - der kleine Junge, der gemobt wird, was die Film-Logik, seine Perspektive adoptierend, übernimmt: es gibt kein Entrinnen, die Ungerechtigkeit überträgt sich fast ungebremst auf das Publikum. Dass mit Ko I-chens "Leapfrog" über einen College-Studenten, der zwischen Unsicherheit und Selbstbewusstsein schwankt, und Chang Yis "Say Your Name", in der sich ein Mann aus der gerade bezogenen Wohnung aussperrt und in Unterhose, Badetuch und Latschen auf der Strasse landet, danach noch etwas leichtere Episoden folgen (die letzte mit einer ordentlicher Dosis Slapstick), tut dem Film als ganzem allerdings gut.