Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
12.05.2026 - Zürich, Tonhalle - Neue Konzertreihe Zürich
Stuttgarter Kammerorchester
Thomas Zehetmair Leitung
Daniel Ottensamer Klarinette
Hans Werner Henze: Seconda sonata per archi
Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenkonzert A-Dur KV 622
--
Linda Buckley: Fall Approaches
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485
Gestern zum zweiten Mal das Stuttgarter Kammerorchester unter Zehetmair, wenn ich mich richtig erinnere - und was nach Star-Show in eher konventionellem Rahmen mit ein paar kürzeren (einigermassen) zeitgenössischen Stücken aussah, erwies sich als rundum gelungenes Konzert. Henzes Sonate für Streicher (5-4-4-3-2 war die Besetzung) ein etwas sperriger aber durchaus interessanter Einstieg, in dem zwei langsame Ecksätze den Ton setzten, während die Mitte bewegter ist. Die zweite Konzerthälfte begann dann mit der Streichorchester-Fassung eines Stückes, das Linda Buckley (*1979) vor fünfzehn Jahren oder so für Chor und Elektronik geschrieben hatte. Hier war nur ein Kontrabass dabei, die Streicher spielten aber immer wieder einzelne Stimmen bzw. waren innerhalb der Stimmen weiter aufgeteilt, der Konzertmeister und auch mal die Stimmführerin der Bratschen hatten da und dort solistische Momente. Ein Stück, das die ganze Bandbreite der Dynamik ausnützt, sehr intensiv wird (sie sei an Momenten der Ekstase interessiert oder so ähnlich, hiess es im Programmheft). Ich fand das in der Mischung aus kaltem Flirren, Abdriften in die Dissonanz, teilweise ungewöhnlichen Spieltechniken (extremes Vibrato oder "Schläge" mit dem Bogen auf die mit der Hand auf dem Fingerbrett "gedämpften" Saiten) und einer grossen Wärme sehr attraktiv, und es gab tatsächlich ein paar Zuspitzungen, in der Musik sehr warm und intensiv wurde.
Die enorme Dynamik war auch bei den "Klassikern" zu erleben. Ottensamer spielte Mozart mit einer unglaublichen Leichtigkeit, mit fast unfassbar schönem, warmem Ton, einer weichen aber äusserst exakten Phrasierung ... und die Pianissimo-Passagen führten nah an die Stille - ein perfekt abgestimmtes Spiel mit Zehetmair und dem Orchester, immer wieder. Ich scheue mich ein wenig, das zu schreiben, aber ich glaub, das war tatsächlich nochmal etwas besser als die zwei (?) Aufführungen, die ich vom Klarinettenkonzert mit Sabine Meyer erleben durfte. Moderne Klarinette natürlich (aber ein mir noch nie begegnetes Exemplar, bei dem auf der Rückseite des Trichter auch noch eine Klappe zu finden war), aber Naturhörner (beim Holz war ich nicht sicher, die Fagotte sahen sehr dünn und dunkel aus, die Flöten usw. konnte ich nicht gut sehen).
Und wie Schuberts Fünfte - die ich zu meiner eigenen Überraschung fast auswendig kenne - sich an Mozart anschloss, war auch phantastisch zu hören. Eine schlanke, lebendige Version war das, sehr tänzerisch und mit all dem Bühnen-Charakter, wie er auch bei Mozart zu finden ist: da ist immer eine gewisse Theatralik zu hören, eine ständige Bewegung, die eben von Beethoven (an dem ersten vier Symphonien Schuberts sich orientierten) wegführt - zurück zu Mozart, aber natürlich auch weiter in neue Richtungen. Auch hier wieder ein gekonntes Spiel mit der Dynamik, die im Pianissimo ein paar Male wieder voll ausgelotet wurde. Interessant natürlich auch der Vergleich mit den Baslern (auf Darmsaiten und auch mit altem Blech, aber definitiv modernem Holz), wo die Texturen natürlich dunkler und rauher waren. Ein wunderbares Konzert!
Stuttgarter Kammerorchester
Thomas Zehetmair Leitung
Daniel Ottensamer Klarinette
Hans Werner Henze: Seconda sonata per archi
Wolfgang Amadeus Mozart: Klarinettenkonzert A-Dur KV 622
--
Linda Buckley: Fall Approaches
Franz Schubert: Sinfonie Nr. 5 B-Dur D 485
Gestern zum zweiten Mal das Stuttgarter Kammerorchester unter Zehetmair, wenn ich mich richtig erinnere - und was nach Star-Show in eher konventionellem Rahmen mit ein paar kürzeren (einigermassen) zeitgenössischen Stücken aussah, erwies sich als rundum gelungenes Konzert. Henzes Sonate für Streicher (5-4-4-3-2 war die Besetzung) ein etwas sperriger aber durchaus interessanter Einstieg, in dem zwei langsame Ecksätze den Ton setzten, während die Mitte bewegter ist. Die zweite Konzerthälfte begann dann mit der Streichorchester-Fassung eines Stückes, das Linda Buckley (*1979) vor fünfzehn Jahren oder so für Chor und Elektronik geschrieben hatte. Hier war nur ein Kontrabass dabei, die Streicher spielten aber immer wieder einzelne Stimmen bzw. waren innerhalb der Stimmen weiter aufgeteilt, der Konzertmeister und auch mal die Stimmführerin der Bratschen hatten da und dort solistische Momente. Ein Stück, das die ganze Bandbreite der Dynamik ausnützt, sehr intensiv wird (sie sei an Momenten der Ekstase interessiert oder so ähnlich, hiess es im Programmheft). Ich fand das in der Mischung aus kaltem Flirren, Abdriften in die Dissonanz, teilweise ungewöhnlichen Spieltechniken (extremes Vibrato oder "Schläge" mit dem Bogen auf die mit der Hand auf dem Fingerbrett "gedämpften" Saiten) und einer grossen Wärme sehr attraktiv, und es gab tatsächlich ein paar Zuspitzungen, in der Musik sehr warm und intensiv wurde.
Die enorme Dynamik war auch bei den "Klassikern" zu erleben. Ottensamer spielte Mozart mit einer unglaublichen Leichtigkeit, mit fast unfassbar schönem, warmem Ton, einer weichen aber äusserst exakten Phrasierung ... und die Pianissimo-Passagen führten nah an die Stille - ein perfekt abgestimmtes Spiel mit Zehetmair und dem Orchester, immer wieder. Ich scheue mich ein wenig, das zu schreiben, aber ich glaub, das war tatsächlich nochmal etwas besser als die zwei (?) Aufführungen, die ich vom Klarinettenkonzert mit Sabine Meyer erleben durfte. Moderne Klarinette natürlich (aber ein mir noch nie begegnetes Exemplar, bei dem auf der Rückseite des Trichter auch noch eine Klappe zu finden war), aber Naturhörner (beim Holz war ich nicht sicher, die Fagotte sahen sehr dünn und dunkel aus, die Flöten usw. konnte ich nicht gut sehen).
Und wie Schuberts Fünfte - die ich zu meiner eigenen Überraschung fast auswendig kenne - sich an Mozart anschloss, war auch phantastisch zu hören. Eine schlanke, lebendige Version war das, sehr tänzerisch und mit all dem Bühnen-Charakter, wie er auch bei Mozart zu finden ist: da ist immer eine gewisse Theatralik zu hören, eine ständige Bewegung, die eben von Beethoven (an dem ersten vier Symphonien Schuberts sich orientierten) wegführt - zurück zu Mozart, aber natürlich auch weiter in neue Richtungen. Auch hier wieder ein gekonntes Spiel mit der Dynamik, die im Pianissimo ein paar Male wieder voll ausgelotet wurde. Interessant natürlich auch der Vergleich mit den Baslern (auf Darmsaiten und auch mit altem Blech, aber definitiv modernem Holz), wo die Texturen natürlich dunkler und rauher waren. Ein wunderbares Konzert!
Zuletzt geändert von gypsy tail wind am 14 Mai 2026, 06:37, insgesamt 2-mal geändert.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Von mir auch vielen Dank @ gypsy.... besonders auch zum Programm mit Schuberts "Großer C-Dur"
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kein Konzert, aber eine moderierte Probe in der letzten Woche:
Haus des Rundfunks, Bln - Großer Sendesaal
Fr, 8. Mai 2026, 10.00
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Leonard Slatkin: 3. Sinfonie von Aaron Copland (komp. 1944-46)
Auftragswerk der Koussevitzky-Stiftung für das Boston Symphony Orchestra
UA: 18. Oktober 1946 in Boston, Boston Symphony Orchestra/Serge Koussevitzky
Erstauff. in Europa: 25. Mai 1947 in Prag, Tschechische Philharmonie/Leonard Bernstein
Vor zwei Tagen hat das RSB mit Leonard Slatkin erstmals diese Sinfonie in einem Konzert aufgeführt; ich werde mir den Mitschnitt morgen im Radio anhören (15.05.2026 Dlf Kultur 20.00 Uhr). In der letzten Woche lud das RSB zu einer moderierten Probe mit Leonard Slatkin ein. Im Sommer 2024 hörte ich diese Sinfonie in der Philharmonie beim Musikfest Berlin (Kansas City Symphony/Pintscher) und 2022 eine live Übertragung im Radio des BRSO/Michael Tilson Thomas (ebenfalls Erstaufführung für das BRSO). Im damaligen Interview ging MTT auf Pathos, monumentaler Stil, Pomp und Optimismus, die in Werken zum Ende des WK2 und in der Nachkriegszeit zu finden sind, ein.
Der 8. Mai war für diese Veranstaltung sicher bewusst gewählt. Und auch Leonard Slatkin benannte die Stimmung mehrere Male als "uplifting". Ebenfalls erwähnte er u.a. als weiteres Beispiel die 5. Sinfonie von Prokofiev (komp. 1944, UA im Jan.1945), die ich mir mal wieder gerade im Hintergrund anhöre.
Slatkins Einleitung zu US-amerikanischer Musik im Konzertsaal, die Bedeutung von Nadia Boulanger für damalige junge Komponisten und zu Aaron Copland selbst fand ich sehr interessant.
Bei dieser Ausgabe der moderierten Probe ging es nicht um einen ausgewählten Schwerpunkt in der Probenarbeit, sondern Slatkin gab eine Einführung in das Werk; insgesamt sehr locker gestaltet. Er kommentierte einige Stellen aus dem Kopfsatz und Scherzo und ließ diese spielen sowie auch jeweils die kompletten Sätze. Sie hatten bereits am Vortag geprobt und für den Freitagnachmittag und Montag standen rhythmisch anspruchsvolle Stellen in den letzten beiden Sätzen auf dem Programm. Aus dem 3. Satz ließ er einige tänzerische Passagen spielen und nahm kurz Bezug zur Ballettmusik "Appalachian Spring" von Copland. Zum Abschluss ging er auf die "Fanfare for the Common Man" ein. Bei allem Optimismus und der Aufbruchstimmung findet sich in diesem Satz auch eine sehr dunkle Stelle, die an den Krieg erinnert und mahnt.
Anschließend beantwortete er Fragen aus dem Publikum. Auf sein jetziges Debut beim RSB angesprochen, setzte er zwinkernd "in concert" dazu. Lang ist's her, aber 1985 nahm er mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Highlights von "Porgy and Bess" auf. 1987 erschien die Aufnahme bei Philips und Eterna.
Zur Zeit ist er 10 Wochen in Europa und bei 9 Orchestern zu Gast.
Programm am 12.05.26 beim RSB:
Leonard Bernstein: „On the Town“ – Drei Tanzepisoden
Cindy McTee: Adagio für Streichorchester (mit Cindy McTee ist Leonard Slatkin verheiratet)
Samuel Barber: Toccata festiva für Orgel und Orchester op. 36 (mit Cameron Carpenter)
Aaron Copland: 3. Sinfonie
---
kein Konzert, aber eine moderierte Probe in der letzten Woche:
Haus des Rundfunks, Bln - Großer Sendesaal
Fr, 8. Mai 2026, 10.00
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin / Leonard Slatkin: 3. Sinfonie von Aaron Copland (komp. 1944-46)
Auftragswerk der Koussevitzky-Stiftung für das Boston Symphony Orchestra
UA: 18. Oktober 1946 in Boston, Boston Symphony Orchestra/Serge Koussevitzky
Erstauff. in Europa: 25. Mai 1947 in Prag, Tschechische Philharmonie/Leonard Bernstein
Vor zwei Tagen hat das RSB mit Leonard Slatkin erstmals diese Sinfonie in einem Konzert aufgeführt; ich werde mir den Mitschnitt morgen im Radio anhören (15.05.2026 Dlf Kultur 20.00 Uhr). In der letzten Woche lud das RSB zu einer moderierten Probe mit Leonard Slatkin ein. Im Sommer 2024 hörte ich diese Sinfonie in der Philharmonie beim Musikfest Berlin (Kansas City Symphony/Pintscher) und 2022 eine live Übertragung im Radio des BRSO/Michael Tilson Thomas (ebenfalls Erstaufführung für das BRSO). Im damaligen Interview ging MTT auf Pathos, monumentaler Stil, Pomp und Optimismus, die in Werken zum Ende des WK2 und in der Nachkriegszeit zu finden sind, ein.
Der 8. Mai war für diese Veranstaltung sicher bewusst gewählt. Und auch Leonard Slatkin benannte die Stimmung mehrere Male als "uplifting". Ebenfalls erwähnte er u.a. als weiteres Beispiel die 5. Sinfonie von Prokofiev (komp. 1944, UA im Jan.1945), die ich mir mal wieder gerade im Hintergrund anhöre.
Slatkins Einleitung zu US-amerikanischer Musik im Konzertsaal, die Bedeutung von Nadia Boulanger für damalige junge Komponisten und zu Aaron Copland selbst fand ich sehr interessant.
Bei dieser Ausgabe der moderierten Probe ging es nicht um einen ausgewählten Schwerpunkt in der Probenarbeit, sondern Slatkin gab eine Einführung in das Werk; insgesamt sehr locker gestaltet. Er kommentierte einige Stellen aus dem Kopfsatz und Scherzo und ließ diese spielen sowie auch jeweils die kompletten Sätze. Sie hatten bereits am Vortag geprobt und für den Freitagnachmittag und Montag standen rhythmisch anspruchsvolle Stellen in den letzten beiden Sätzen auf dem Programm. Aus dem 3. Satz ließ er einige tänzerische Passagen spielen und nahm kurz Bezug zur Ballettmusik "Appalachian Spring" von Copland. Zum Abschluss ging er auf die "Fanfare for the Common Man" ein. Bei allem Optimismus und der Aufbruchstimmung findet sich in diesem Satz auch eine sehr dunkle Stelle, die an den Krieg erinnert und mahnt.
Anschließend beantwortete er Fragen aus dem Publikum. Auf sein jetziges Debut beim RSB angesprochen, setzte er zwinkernd "in concert" dazu. Lang ist's her, aber 1985 nahm er mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin Highlights von "Porgy and Bess" auf. 1987 erschien die Aufnahme bei Philips und Eterna.
Zur Zeit ist er 10 Wochen in Europa und bei 9 Orchestern zu Gast.
Programm am 12.05.26 beim RSB:
Leonard Bernstein: „On the Town“ – Drei Tanzepisoden
Cindy McTee: Adagio für Streichorchester (mit Cindy McTee ist Leonard Slatkin verheiratet)
Samuel Barber: Toccata festiva für Orgel und Orchester op. 36 (mit Cameron Carpenter)
Aaron Copland: 3. Sinfonie
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
26.05.2026 - Zürich, Tonhalle - Kosmos Kammermusik: Thomas Hampson & Ksenija Sidorova
Thomas Hampson Bariton
Ksenija Sidorova Akkordeon
Franz Schubert: Auszüge aus der «Winterreise» D 911
--
Ástor Piazzolla: «Chau Paris» für Akkordeon, «Tanti anni prima» Ave Maria (Arr. für Akkordeon)
Sergej Woitenko: «Revelation» für Akkordeon
Kurt Weill: «Speak Low», «It Never Was You», «West Wind», «Mack the Knife»
E: Luis Demetrio/Pablo Beltrán Ruiz/Norman Gimbel: «Sway» («¿Quién será?») / Cole Porter: «Night and Day»
Gestern endlich der Nachholtermin für ein Konzert vom März 2025, als Thomas Hampson so kurzfristig absagen musste, dass Sidorova ein längeres Solo-Konzert spielte, weil die Leute alle schon unterwegs waren ... das war damals sehr schön und sehr sympathisch, wie sie eingesprungen war und ihr Programm auch kommentierte, weil natürlich keine entsprechenden Flyer mit den gespielten Stücken zur Verfügung standen. Die drei Stücke von gestern nach der Pause spielte sie damals glaub ich alle auch schon.
Los ging es mit etwas rauer Stimme. Zwölf der Lieder aus Schuberts "Winterreise" machten den Auftakt. Hampsons Stimme wirkte nicht ganz bereit in den ersten beiden, doch danach begann sie schöner zu fliessen und gegen Ende war er richtig in Form, gestaltete die Lieder sehr dramatisch - die Oper drückte da und dort durch -, auch sehr dynamisch, was er auch tun musste, da das Akkordeon oft ordentlich laut war (manchmal eine Spur zu laut, fand ich). In manchen Liedern wurde Hampson richtig wuchtig und geradezu ruppig, gestaltete das aber stets direkt aus dem Text hinaus - und färbte auch seine Stimme passend ein - bis zum "Leiermann", dem bitteren Ende, das sich natürlich auch davor schon andeutet. Am deutlichsten wohl in den letzten Zeilen von Nr. 20 Der Wegweiser: "eine Straße muß ich gehen / die noch keiner ging zurück".
Nach der Pause hatte Hampton sich seiner (glitzernden) schwarzen Krawatte - aber nicht des Gilets - entledigt und ein den obersten Knopf seines Hemdes geöffnet. Doch davor spielte Sidorova ihre wehmütigen Solo-Stücke - zwei Piazzolla-Adaptionen und dann Wojtenkos für das Akkordeon geschriebene Stück, das im März 2025 definitiv auch dabei gewesen ist - dieses mal die einzige wirklich für ihr Instrument geschriebene Nummer. Danach Hampson, Kurt Weil - und das war ein ordentliches Kontrastprogramm, doch an Intensität stand der Schubert diesem nicht nach. Hampson sang rhythmisch recht frei, manches klang nach Rubato, mal mit Sidorova, mal schien er eher frei über der Begleitung zu schweben. Mit dem Aufwärmen gab es dieses Mal keinerlei Probleme, Hampson war sofort da und ich fand seine Darbietungen sehr überzeugend. "West Wind" kannte ich noch gar nicht, und da war es toll, dass er auch - dann natürlich wirklich freien Rubato - die "verse" sang und nicht nur den Refrain. In "Mackie Messer" gab es zuerst vier oder fünf Strophen auf Deutsch und dann wechselte Nach der Dreiviertelstunde mit Schubert dauerte die zweite Konzerthälfte nur eine gute halbe Stunde - nicht nur deshalb gab es natürlich noch ein paar Zugaben. Die erste war ein alter Bolero-Mambo, der mit neuem englischen Text von Norman Gimbel 1954 als "Sway" von Dean Martin eingespielt wurde ("When marimba rhythms start to play / Dance with me, make me sway") - hier sang Hampson zuerst den englischen Text und danach den spanischen. Und als letzte Zugabe folgte dann noch Cole Porters "Night and Day" - auch mit der vorangestellten "verse" und im zweiten Chorus mit Akkordeon, bis Hampson mit der Bridge wieder einstieg. Tosender Applaus im halbleeren Saal (das Konzert war ursprünglich in der proppenvollen kleinen Tonhalle geplant und wurde für den Nachholtermin in die grosse überführt, wir kriegten perfekte Ersatzplätze).
Thomas Hampson Bariton
Ksenija Sidorova Akkordeon
Franz Schubert: Auszüge aus der «Winterreise» D 911
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Ástor Piazzolla: «Chau Paris» für Akkordeon, «Tanti anni prima» Ave Maria (Arr. für Akkordeon)
Sergej Woitenko: «Revelation» für Akkordeon
Kurt Weill: «Speak Low», «It Never Was You», «West Wind», «Mack the Knife»
E: Luis Demetrio/Pablo Beltrán Ruiz/Norman Gimbel: «Sway» («¿Quién será?») / Cole Porter: «Night and Day»
Gestern endlich der Nachholtermin für ein Konzert vom März 2025, als Thomas Hampson so kurzfristig absagen musste, dass Sidorova ein längeres Solo-Konzert spielte, weil die Leute alle schon unterwegs waren ... das war damals sehr schön und sehr sympathisch, wie sie eingesprungen war und ihr Programm auch kommentierte, weil natürlich keine entsprechenden Flyer mit den gespielten Stücken zur Verfügung standen. Die drei Stücke von gestern nach der Pause spielte sie damals glaub ich alle auch schon.
Los ging es mit etwas rauer Stimme. Zwölf der Lieder aus Schuberts "Winterreise" machten den Auftakt. Hampsons Stimme wirkte nicht ganz bereit in den ersten beiden, doch danach begann sie schöner zu fliessen und gegen Ende war er richtig in Form, gestaltete die Lieder sehr dramatisch - die Oper drückte da und dort durch -, auch sehr dynamisch, was er auch tun musste, da das Akkordeon oft ordentlich laut war (manchmal eine Spur zu laut, fand ich). In manchen Liedern wurde Hampson richtig wuchtig und geradezu ruppig, gestaltete das aber stets direkt aus dem Text hinaus - und färbte auch seine Stimme passend ein - bis zum "Leiermann", dem bitteren Ende, das sich natürlich auch davor schon andeutet. Am deutlichsten wohl in den letzten Zeilen von Nr. 20 Der Wegweiser: "eine Straße muß ich gehen / die noch keiner ging zurück".
Nach der Pause hatte Hampton sich seiner (glitzernden) schwarzen Krawatte - aber nicht des Gilets - entledigt und ein den obersten Knopf seines Hemdes geöffnet. Doch davor spielte Sidorova ihre wehmütigen Solo-Stücke - zwei Piazzolla-Adaptionen und dann Wojtenkos für das Akkordeon geschriebene Stück, das im März 2025 definitiv auch dabei gewesen ist - dieses mal die einzige wirklich für ihr Instrument geschriebene Nummer. Danach Hampson, Kurt Weil - und das war ein ordentliches Kontrastprogramm, doch an Intensität stand der Schubert diesem nicht nach. Hampson sang rhythmisch recht frei, manches klang nach Rubato, mal mit Sidorova, mal schien er eher frei über der Begleitung zu schweben. Mit dem Aufwärmen gab es dieses Mal keinerlei Probleme, Hampson war sofort da und ich fand seine Darbietungen sehr überzeugend. "West Wind" kannte ich noch gar nicht, und da war es toll, dass er auch - dann natürlich wirklich freien Rubato - die "verse" sang und nicht nur den Refrain. In "Mackie Messer" gab es zuerst vier oder fünf Strophen auf Deutsch und dann wechselte Nach der Dreiviertelstunde mit Schubert dauerte die zweite Konzerthälfte nur eine gute halbe Stunde - nicht nur deshalb gab es natürlich noch ein paar Zugaben. Die erste war ein alter Bolero-Mambo, der mit neuem englischen Text von Norman Gimbel 1954 als "Sway" von Dean Martin eingespielt wurde ("When marimba rhythms start to play / Dance with me, make me sway") - hier sang Hampson zuerst den englischen Text und danach den spanischen. Und als letzte Zugabe folgte dann noch Cole Porters "Night and Day" - auch mit der vorangestellten "verse" und im zweiten Chorus mit Akkordeon, bis Hampson mit der Bridge wieder einstieg. Tosender Applaus im halbleeren Saal (das Konzert war ursprünglich in der proppenvollen kleinen Tonhalle geplant und wurde für den Nachholtermin in die grosse überführt, wir kriegten perfekte Ersatzplätze).
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Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
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