Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
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Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Ich hab ja lang schleifen lassen ... drei Dutzend Konzerte gehört seit letztem Herbst, über die zu berichten ich schon im RS-Forum keine Zeit mehr fand.
Mal wieder einen Anlauf nehmen, mich kurz fassen ... Auslöser ist ein fabelhaftes Brahms-Konzert mit Janine Jansen letzte Woche, und gestern wurde nachgedoppelt mit Hilary Hahn und dem ersten von Prokofiev.
12.03.2026 - Zürich, Tonhalle - Paavo Järvi & Janine Jansen
Tonhalle-Orchester Zürich
Paavo Järvi Music Director
Janine Jansen Violine
Thomas Adès «Three Studies from Couperin»
Johannes Brahms Violinkonzert D-Dur op. 77
-
Felix Mendelssohn Bartholdy Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 MWV N 18 «Schottische»
Die beiden sind ein eingespieltes Gespann. Wenn ich mich richtig erinnere, war meine erste Begegnung mit Jansen und Järvi ein Konzert in der Saison 2018/19, bei dem sie Mozarts Konzert KV 219 spielte - mit Järvi am Pult, der in der zweiten Konzerthälfte die erste Symphonie von Beethoven dirigierte - und beiden Werken jeweils ein kürzeres Orchesterstück von Messiaen voranstellte (vgl. die entsprechende alpha-CD-Produktion). Wie begeistert ich da war, weiss ich noch. Jansen war in der Saison Artist-in-Residence und ich besuchte bis auf das erste (Berg hatte ich dirket davor schon mit wem anderem gehört und seither auch wieder, ich bedaure den damaligen Fehlentscheid - eine Übersicht gibt es in der Pressevorschau zur Saison hier auf den Seiten 10/11) alle Konzerte mit ihr. Bei jenem mit Mozart hatte ich die geringsten Erwartungen, die umso deutlicher übertroffen wurden. Eine kluge, mutige Musikerin ist sie, die im Brahms-Konzert eine Art Kampf mit Järvi und dem Orchester ausfocht, der selbst im Pianissimo an Intensität kaum zu übertreffen war - und sich im Schlusssatz in Minne auflöste. Eine kluge Konzeption, die so spontan wirkte, dass kaum zu sagen war, ob das so geplant war oder sich erst im Augenblick ergab. Jansen verfügt über eine immense Klangpalette, ihr Ton ging bis ins Hässliche, Grobe, aber dann auch auf zarteste Weise bis ins verschwindende, ganz langsam ausklingende Nichts, um wieder anzusetzen, von neuem zu beginnen - und Höhen zu erklimmen, wie sie nur die allerbesten je erreichen. Beeindruckend!
Davor schwebende, sehr sehr schöne Klänge in Adès Couperin-Bearbeitungen. Es brauchte einen Moment, bis ich da reinfinden konnte, aber allmähliche fächerte die Musik mit ihrer reichen Palette sich vor mir auf und wurde immer schöner, immer lebendiger - und das, obwohl sie ganz nah an den Vorlagen bleibt. Nach der Pause eine dunkle, schlanke, fast getriebene "Schottische" - grosser Applaus rundum, stehende Ovationen für alle. Und keine Zugabe von Jansen. Klar, was hätte sie da auch noch hinzufügen sollen, wo alles, wirklich alles, gesagt war.
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15.03.2026 - Zürich, Tonhalle - Klavierabend mit Evgeny Kissin
Evgeny Kissin Klavier
Ludwig van Beethoven Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3
Frédéric Chopin Aus 4 Mazurkas op. 41: Nr. 2 e-Moll (Mazurka Nr. 27)
Aus 4 Mazurkas op. 41: Nr. 4 As-Dur (Mazurka Nr. 29)
Aus 3 Mazurkas op. 56: Nr. 3 c-Moll (Mazurka Nr. 35)
Aus 3 Mazurkas op. 63: Nr. 1 B-Dur (Mazurka Nr. 39)
Mazurka a-Moll B. 140 (Mazurka Nr. 51)
-
Robert Schumann «Kreisleriana» op. 16
Franz Liszt «Ungarische Rhapsodie» Nr. 12 cis-Moll S 244
Weihnachtsgeschenk für meine Mutter ... und ein sehr schöner Abend. Die "Kreisleriana" live zu hören war sehr toll, in der Interpretation schon dunkel, aber nicht so rätselhaft, wie ich die Stücke gerne höre - etwas zu gradlinig vielleicht. Den Beethoven am Anfang fand ich unerwartet gut, vollkommen stimmig. Und den Chopin natürlich auch sehr, sehr gut. Am Ende wurde es virtuos. Sehr. Wir blieben noch für zwei Zugaben (es galt, einen Zug zu erwischen, das Konzert war für einen Sonntag etwas spät angesetzt, auch für meinen Geschmack - die Tonhalle selbst lässt die Sonntagskonzerte früher beginnen, aber Kissin trat im Rahmen einer Reihe eines anderen Veranstalters auf) - von der ersten weiss ich nicht, was es war, die zweite war dann wiederum vollkommen bekloppt virtuos... und ein totaler Mindfuck. Das Stück gibt es von Kissin in früheren Einspielungen auch in der Tube, aber die unglaubliche Dynamik wird da nicht greifbar. Er spielte die rasendsten Läufe im zartesten Pianissimo - mit einer unglaublichen Kontrolle und Perfektion. Stehende Ovationen natürlich, mehrmals, riesiger Applaus (ein voller Saal auch, inklusive hundert Zusatzplätzen auf der Bühne).
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18.03.2026 - Zürich, Tonhalle - Paavo Järvi & Hilary Hahn
Tonhalle-Orchester Zürich
Paavo Järvi Music Director
Hilary Hahn Violine
Arthur Honegger Sinfonie Nr. 2
-
Sergej Prokofjew Violinkonzert Nr. 1 D-Dur op. 19
Gustav Mahler Adagio aus Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur
Gestern dann wieder Järvi mit seinem Orchester (ich lese, dass er 2028/29 das LPO übernimmt - das ist dieselbe Saison, bis zu der noch sein Vertrag mit dem Tonhalle-Orchester läuft ... wäre schade, wenn die Reise nicht weitergeht, aber sie war auf jeden Fall sehr ergiebig und hat, so dünkt mich, dem Orchester auch wirklich viel gebracht. Das wurde gestern einmal mehr sehr deutlich, schon im Honegger mit wohl 60 Streichern (ich konnte die 1. Geigen nur teils und die Bässe gar nicht sehen, aber 2. Geigen gab es 14, Bratschen 12, Celli 10), und im dritten Satz natürlich einer Solo-Trompete (Philippe Litzler vom TOZ). Wuchtig brodelnde Streicher mit kompaktem, vollem, dunklen Klang in einer hervorragenden, packenden Lesart des Stückes. Der Drive im dritten Satz war wirklich mitreissend, der Klang in allen Schattierungen von Dunkelheit, bin hin zum düsteren Abgrund.
Nach der Pause Hahn, die noch eine Zugabe von Bach spielte - spielen musste, das Publikum wollte mehr von ihr hören und das Konzert von Prokofiev ist kurz. Auch das eine hervorragende Aufführung, wie bei Jansen wurde die Dynamik voll ausgekostet, es gab Momente, in denen die Musik fast verschwand, der wunderbare Klang des Saales umso deutlicher wurde - und wie bei Jansen die immense Projektionskraft der Solistin noch im Pianissimo. Danach Mahler, das letzte Adagio - ein wilder Ritt, ein verzweifelter Tanz, unerbittlich weht das Ende über allem. Klar ist das ein Blick ex post - aber die Musik bricht ab, sammelt sich neu, kommt getrieben zu einem Höhepunkt. Wieder und wieder. Beeindruckend.
Nicht nur Mahler wurde mitgeschnitten, auch eine Honegger-CD-Produktion ist geplant - sehr erfreulich! (Und, das muss ich nachreichen, das war schon auf einem anderen Level als die Honegger-Sichtweise auf die Nr. 4 in Basel im Herbst 2024, die mich nicht so sehr zu überzeugen vermochte - das Konzert, das mit der "Pastorale d'été" begann, hatte ich drüben nur ganz knapp erwähnt).
Schön war auch das kleine Vorkonzert in der Reihe "Surprise", die von Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK bestritten wird - gestern von Chouchan Siranossian einstudiert:
Daniel Schnyder (*1961): The Clutch. Version for Violin and Cello
Arthur Honegger (1892-1955): Sonatine für Violine und Violoncello (1932)
Lidiia Kocharian Violine
Mar Gimferrer Violoncello
Schnyders kurzes Stück, haben die Schwestern Siranossian schon eingespielt - gestern wurde es quasi als Zugabe am Schluss noch einmal wiederholt. Hauptsächlich stand aber auch da Honegger auf dem Programm, ein Kammermusikwerk, das knapp zehn Jahre vor der Symphonie im Hauptprogramm entstanden ist. Glaub ich hab die Sonatine zuletzt mit Kopatchinskaja/Gabetta gehört - auf der alpha-CD, aber nicht im Konzert, das ich 2021 von dem Duo auch hörte (und das mir etwas zu klamaukig war). Also auch da: toll, das Stück live hören zu können - und wie mich dünkte in einer durchaus gelungenen Lesart.
Die Honegger-Vertiefung, die ich nach dem erwähnten Konzert in Basel im Herbst 2024 schon als fernes Projekt vor mir her trug, schreitet also voran, wenn auch nur im Schneckentempo.
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So, demnächst mehr - vielleicht noch in Form eines kleinen Rückblicks über die letzten Monate.
Mal wieder einen Anlauf nehmen, mich kurz fassen ... Auslöser ist ein fabelhaftes Brahms-Konzert mit Janine Jansen letzte Woche, und gestern wurde nachgedoppelt mit Hilary Hahn und dem ersten von Prokofiev.
12.03.2026 - Zürich, Tonhalle - Paavo Järvi & Janine Jansen
Tonhalle-Orchester Zürich
Paavo Järvi Music Director
Janine Jansen Violine
Thomas Adès «Three Studies from Couperin»
Johannes Brahms Violinkonzert D-Dur op. 77
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Felix Mendelssohn Bartholdy Sinfonie Nr. 3 a-Moll op. 56 MWV N 18 «Schottische»
Die beiden sind ein eingespieltes Gespann. Wenn ich mich richtig erinnere, war meine erste Begegnung mit Jansen und Järvi ein Konzert in der Saison 2018/19, bei dem sie Mozarts Konzert KV 219 spielte - mit Järvi am Pult, der in der zweiten Konzerthälfte die erste Symphonie von Beethoven dirigierte - und beiden Werken jeweils ein kürzeres Orchesterstück von Messiaen voranstellte (vgl. die entsprechende alpha-CD-Produktion). Wie begeistert ich da war, weiss ich noch. Jansen war in der Saison Artist-in-Residence und ich besuchte bis auf das erste (Berg hatte ich dirket davor schon mit wem anderem gehört und seither auch wieder, ich bedaure den damaligen Fehlentscheid - eine Übersicht gibt es in der Pressevorschau zur Saison hier auf den Seiten 10/11) alle Konzerte mit ihr. Bei jenem mit Mozart hatte ich die geringsten Erwartungen, die umso deutlicher übertroffen wurden. Eine kluge, mutige Musikerin ist sie, die im Brahms-Konzert eine Art Kampf mit Järvi und dem Orchester ausfocht, der selbst im Pianissimo an Intensität kaum zu übertreffen war - und sich im Schlusssatz in Minne auflöste. Eine kluge Konzeption, die so spontan wirkte, dass kaum zu sagen war, ob das so geplant war oder sich erst im Augenblick ergab. Jansen verfügt über eine immense Klangpalette, ihr Ton ging bis ins Hässliche, Grobe, aber dann auch auf zarteste Weise bis ins verschwindende, ganz langsam ausklingende Nichts, um wieder anzusetzen, von neuem zu beginnen - und Höhen zu erklimmen, wie sie nur die allerbesten je erreichen. Beeindruckend!
Davor schwebende, sehr sehr schöne Klänge in Adès Couperin-Bearbeitungen. Es brauchte einen Moment, bis ich da reinfinden konnte, aber allmähliche fächerte die Musik mit ihrer reichen Palette sich vor mir auf und wurde immer schöner, immer lebendiger - und das, obwohl sie ganz nah an den Vorlagen bleibt. Nach der Pause eine dunkle, schlanke, fast getriebene "Schottische" - grosser Applaus rundum, stehende Ovationen für alle. Und keine Zugabe von Jansen. Klar, was hätte sie da auch noch hinzufügen sollen, wo alles, wirklich alles, gesagt war.
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15.03.2026 - Zürich, Tonhalle - Klavierabend mit Evgeny Kissin
Evgeny Kissin Klavier
Ludwig van Beethoven Klaviersonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3
Frédéric Chopin Aus 4 Mazurkas op. 41: Nr. 2 e-Moll (Mazurka Nr. 27)
Aus 4 Mazurkas op. 41: Nr. 4 As-Dur (Mazurka Nr. 29)
Aus 3 Mazurkas op. 56: Nr. 3 c-Moll (Mazurka Nr. 35)
Aus 3 Mazurkas op. 63: Nr. 1 B-Dur (Mazurka Nr. 39)
Mazurka a-Moll B. 140 (Mazurka Nr. 51)
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Robert Schumann «Kreisleriana» op. 16
Franz Liszt «Ungarische Rhapsodie» Nr. 12 cis-Moll S 244
Weihnachtsgeschenk für meine Mutter ... und ein sehr schöner Abend. Die "Kreisleriana" live zu hören war sehr toll, in der Interpretation schon dunkel, aber nicht so rätselhaft, wie ich die Stücke gerne höre - etwas zu gradlinig vielleicht. Den Beethoven am Anfang fand ich unerwartet gut, vollkommen stimmig. Und den Chopin natürlich auch sehr, sehr gut. Am Ende wurde es virtuos. Sehr. Wir blieben noch für zwei Zugaben (es galt, einen Zug zu erwischen, das Konzert war für einen Sonntag etwas spät angesetzt, auch für meinen Geschmack - die Tonhalle selbst lässt die Sonntagskonzerte früher beginnen, aber Kissin trat im Rahmen einer Reihe eines anderen Veranstalters auf) - von der ersten weiss ich nicht, was es war, die zweite war dann wiederum vollkommen bekloppt virtuos... und ein totaler Mindfuck. Das Stück gibt es von Kissin in früheren Einspielungen auch in der Tube, aber die unglaubliche Dynamik wird da nicht greifbar. Er spielte die rasendsten Läufe im zartesten Pianissimo - mit einer unglaublichen Kontrolle und Perfektion. Stehende Ovationen natürlich, mehrmals, riesiger Applaus (ein voller Saal auch, inklusive hundert Zusatzplätzen auf der Bühne).
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18.03.2026 - Zürich, Tonhalle - Paavo Järvi & Hilary Hahn
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Gustav Mahler Adagio aus Sinfonie Nr. 10 Fis-Dur
Gestern dann wieder Järvi mit seinem Orchester (ich lese, dass er 2028/29 das LPO übernimmt - das ist dieselbe Saison, bis zu der noch sein Vertrag mit dem Tonhalle-Orchester läuft ... wäre schade, wenn die Reise nicht weitergeht, aber sie war auf jeden Fall sehr ergiebig und hat, so dünkt mich, dem Orchester auch wirklich viel gebracht. Das wurde gestern einmal mehr sehr deutlich, schon im Honegger mit wohl 60 Streichern (ich konnte die 1. Geigen nur teils und die Bässe gar nicht sehen, aber 2. Geigen gab es 14, Bratschen 12, Celli 10), und im dritten Satz natürlich einer Solo-Trompete (Philippe Litzler vom TOZ). Wuchtig brodelnde Streicher mit kompaktem, vollem, dunklen Klang in einer hervorragenden, packenden Lesart des Stückes. Der Drive im dritten Satz war wirklich mitreissend, der Klang in allen Schattierungen von Dunkelheit, bin hin zum düsteren Abgrund.
Nach der Pause Hahn, die noch eine Zugabe von Bach spielte - spielen musste, das Publikum wollte mehr von ihr hören und das Konzert von Prokofiev ist kurz. Auch das eine hervorragende Aufführung, wie bei Jansen wurde die Dynamik voll ausgekostet, es gab Momente, in denen die Musik fast verschwand, der wunderbare Klang des Saales umso deutlicher wurde - und wie bei Jansen die immense Projektionskraft der Solistin noch im Pianissimo. Danach Mahler, das letzte Adagio - ein wilder Ritt, ein verzweifelter Tanz, unerbittlich weht das Ende über allem. Klar ist das ein Blick ex post - aber die Musik bricht ab, sammelt sich neu, kommt getrieben zu einem Höhepunkt. Wieder und wieder. Beeindruckend.
Nicht nur Mahler wurde mitgeschnitten, auch eine Honegger-CD-Produktion ist geplant - sehr erfreulich! (Und, das muss ich nachreichen, das war schon auf einem anderen Level als die Honegger-Sichtweise auf die Nr. 4 in Basel im Herbst 2024, die mich nicht so sehr zu überzeugen vermochte - das Konzert, das mit der "Pastorale d'été" begann, hatte ich drüben nur ganz knapp erwähnt).
Schön war auch das kleine Vorkonzert in der Reihe "Surprise", die von Studierenden der Zürcher Hochschule der Künste ZHdK bestritten wird - gestern von Chouchan Siranossian einstudiert:
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Arthur Honegger (1892-1955): Sonatine für Violine und Violoncello (1932)
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Schnyders kurzes Stück, haben die Schwestern Siranossian schon eingespielt - gestern wurde es quasi als Zugabe am Schluss noch einmal wiederholt. Hauptsächlich stand aber auch da Honegger auf dem Programm, ein Kammermusikwerk, das knapp zehn Jahre vor der Symphonie im Hauptprogramm entstanden ist. Glaub ich hab die Sonatine zuletzt mit Kopatchinskaja/Gabetta gehört - auf der alpha-CD, aber nicht im Konzert, das ich 2021 von dem Duo auch hörte (und das mir etwas zu klamaukig war). Also auch da: toll, das Stück live hören zu können - und wie mich dünkte in einer durchaus gelungenen Lesart.
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Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
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soulpope
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Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Sah Jewgenij Kissin am 7ten März 2026 mit identem Programm@ Musikverein Wien .... kann Deine Eindrücke weitestgehend nachvollziehen, aber besonders gut gefiel mir sein Chopin und die phänomenale Liszt Interpretation ....
"I'm not much but I'm all I have" (Philip K. Dick)
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Ich mochte das Liszt Stück nicht sehr ... lag wohl eher am Stück, weniger an Kissin. Irgendwie fühlte sich das dann doch zu sehr nach Schaulaufen an - und klar, danach gab's gleich stehende Ovationen (nach der ruhigen ersten Zugabe dann nicht mehr, erst wieder nach der zweiten). Wie viele Zugaben gab es denn in Wien? Ich gehe eigentlich nie vorzeitig, aber in diesem Fall wollte ich nicht im Weg stehen.
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soulpope
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Er gab drei Zugaben .... eine Chopin Etude, das zweite Stück mir nicht bekannt und schliesslich den Mai aus Tschaikowskijs Jahreszeiten ....gypsy tail wind hat geschrieben: 20 Mär 2026, 08:32 Ich mochte das Liszt Stück nicht sehr ... lag wohl eher am Stück, weniger an Kissin. Irgendwie fühlte sich das dann doch zu sehr nach Schaulaufen an - und klar, danach gab's gleich stehende Ovationen (nach der ruhigen ersten Zugabe dann nicht mehr, erst wieder nach der zweiten). Wie viele Zugaben gab es denn in Wien? Ich gehe eigentlich nie vorzeitig, aber in diesem Fall wollte ich nicht im Weg stehen.
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Danke. Die erste könnte auch in Zürich Chopin gewesen sein. Die zweite in Wien war nicht der Strauss-Romp, den ich oben verlinkt hab?
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soulpope
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Nein, es schien mir etwas "spanisches" zu sein ....gypsy tail wind hat geschrieben: 20 Mär 2026, 12:29 Danke. Die erste könnte auch in Zürich Chopin gewesen sein. Die zweite in Wien war nicht der Strauss-Romp, den ich oben verlinkt hab?
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
02.05.2026 - Theater Basel - Kurtág: Fin de partie
Fin de Partie - Oper in einem Akt
Musik von György Kurtág, Text vom Komponisten nach Samuel Beckett
Musikalische Leitung – Gábor Káli / Inszenierung – David Marton / Bühne und Kostüme – Márton Ágh / Lichtdesign – Thomas Kleinstück / Dramaturgie – Elise Boch
Hamm – Nathan Berg / Clov – Michael Borth / Nell – Ursula Hesse von den Steinen / Nagg – Ronan Caillet
Statisterie Theater Basel
Sinfonieorchester Basel
Ein paar lose Gedanken zu meiner zweiten Aufführung von "Fin de partie", nach der Uraufführung in Mailand im November 2018. Es war grossartig, dieses seltsame Ding von Kurtág noch einmal hören und sehen zu können. Ein starker Kontrast zu Mailand war es auch. Das Theater Basel ist sehr viel sehr kleiner, d.h. musikalisch war das Erlebnis viel unmittelbarer, direkter. Auch lauter war es, so dass man tatsächlich ständig hören konnte, welche Instrumente spielen - die Vielfalt, die Kurtág an den Tag legt, ist gross, und dass manches tatsächlich fast opernhaft klingt - es gibt ja nach dem vorangestellten englischen Gedicht, von Nell rezitiert, sogar eine Art instrumentaler Ouvertüre - und anderswo auch Bartók oder Janácek um die Ecke zu schielen scheinen ... das war mir in Mailand alles nicht so sehr aufgefallen. Trotz der Unmittelbarkeit blieb die Rätselhaftigkeit, die natürlich auch in der Lakonik von Becketts Text liegt, der ja gekürzt bleibt (dem Programmheft ist zu entnehmen, dass Kurtág nach Mártas Tod den Plan, den restlichen Text noch zu vertonen, aufgegeben habe - und längst hat das Stück, unfertig wie es sein mag, ein Eigenleben gewonnen, nach Mailand wurde es inzwischen an diversen weiteren Orten aufgeführt). Der zweite grosse Kontrast zur Uraufführung lag in der Inszenierung selbst, die sich etwas von Becketts Anweisungen entfernt - aber in einem Rahmen, den ich völlig vertretbar fand. Statt in Tonnen stecken Nagg und Nell in einem dreisitzigen Sofa, links und rechts, wo in der Sitzfläche Klappen eingebaut wurden, in der Mitte dämmert Hamm vor sich hin. Dazu gab es eine Art postapokalyptische Szenerie auf einem Dach mit zwei Aufbauten (eines davon die Küche, in der Clov mal rumhantiert und auch mal die Warhol-Platte von Velvet Underground in den Händen hält), und hinten im Bühnenraum, vor der Projektion einer Stadtlandschaft aus lauter hässlichen Betonkuben, einem Geländer, über das Dinge geworfen werden und über das Nell irgendwann springt. Es gab leichte Slapstick-Elemente, doch der Humor kam dennoch einzig aus Becketts Text (ich hab mehrmals leise vor mich hingekichert, sonst war es ziemlich still im leider schlecht besetzten Haus, ein paar Leute sind auch frühzeitig gegangen). Und dass ganz am Ende ein stummes Kind auftaucht - die grösste Lizenz, die die Regie sich nahm, denke ich - war auch keinerlei Hinweis auf einen möglichen versöhnlichen Ausgang (wie eine der Online-Rezensionen nach der Premiere in Basel meinte) - sondern eher, so schien es mir, die Erkenntnis: Es hört niemals auf. Und damit noch schwärzer in gewisser Weise, als wenn es eben doch einfach so aufhört. Musikalisch fand ich das - nach leisen Schwierigkeiten in den ersten paar Minuten, die aber ganz schnell überwunden waren (es spielte das Symphonieorchester Basel, Dirigent und Regisseur beide aus Ungarn, waren mir beide noch nicht mal namentlich bekannt) - nahezu perfekt. Ich staunte auch wieder, wie gut sich das alles fügt, es wirkte wirklich so, als würden Text und Musik - und eben auch die Regie, die Bewegung oder die Bewegungslosigkeit der Figuren - sich perfekt ineinander verschränken. Beeindruckend.
Fin de Partie - Oper in einem Akt
Musik von György Kurtág, Text vom Komponisten nach Samuel Beckett
Musikalische Leitung – Gábor Káli / Inszenierung – David Marton / Bühne und Kostüme – Márton Ágh / Lichtdesign – Thomas Kleinstück / Dramaturgie – Elise Boch
Hamm – Nathan Berg / Clov – Michael Borth / Nell – Ursula Hesse von den Steinen / Nagg – Ronan Caillet
Statisterie Theater Basel
Sinfonieorchester Basel
Ein paar lose Gedanken zu meiner zweiten Aufführung von "Fin de partie", nach der Uraufführung in Mailand im November 2018. Es war grossartig, dieses seltsame Ding von Kurtág noch einmal hören und sehen zu können. Ein starker Kontrast zu Mailand war es auch. Das Theater Basel ist sehr viel sehr kleiner, d.h. musikalisch war das Erlebnis viel unmittelbarer, direkter. Auch lauter war es, so dass man tatsächlich ständig hören konnte, welche Instrumente spielen - die Vielfalt, die Kurtág an den Tag legt, ist gross, und dass manches tatsächlich fast opernhaft klingt - es gibt ja nach dem vorangestellten englischen Gedicht, von Nell rezitiert, sogar eine Art instrumentaler Ouvertüre - und anderswo auch Bartók oder Janácek um die Ecke zu schielen scheinen ... das war mir in Mailand alles nicht so sehr aufgefallen. Trotz der Unmittelbarkeit blieb die Rätselhaftigkeit, die natürlich auch in der Lakonik von Becketts Text liegt, der ja gekürzt bleibt (dem Programmheft ist zu entnehmen, dass Kurtág nach Mártas Tod den Plan, den restlichen Text noch zu vertonen, aufgegeben habe - und längst hat das Stück, unfertig wie es sein mag, ein Eigenleben gewonnen, nach Mailand wurde es inzwischen an diversen weiteren Orten aufgeführt). Der zweite grosse Kontrast zur Uraufführung lag in der Inszenierung selbst, die sich etwas von Becketts Anweisungen entfernt - aber in einem Rahmen, den ich völlig vertretbar fand. Statt in Tonnen stecken Nagg und Nell in einem dreisitzigen Sofa, links und rechts, wo in der Sitzfläche Klappen eingebaut wurden, in der Mitte dämmert Hamm vor sich hin. Dazu gab es eine Art postapokalyptische Szenerie auf einem Dach mit zwei Aufbauten (eines davon die Küche, in der Clov mal rumhantiert und auch mal die Warhol-Platte von Velvet Underground in den Händen hält), und hinten im Bühnenraum, vor der Projektion einer Stadtlandschaft aus lauter hässlichen Betonkuben, einem Geländer, über das Dinge geworfen werden und über das Nell irgendwann springt. Es gab leichte Slapstick-Elemente, doch der Humor kam dennoch einzig aus Becketts Text (ich hab mehrmals leise vor mich hingekichert, sonst war es ziemlich still im leider schlecht besetzten Haus, ein paar Leute sind auch frühzeitig gegangen). Und dass ganz am Ende ein stummes Kind auftaucht - die grösste Lizenz, die die Regie sich nahm, denke ich - war auch keinerlei Hinweis auf einen möglichen versöhnlichen Ausgang (wie eine der Online-Rezensionen nach der Premiere in Basel meinte) - sondern eher, so schien es mir, die Erkenntnis: Es hört niemals auf. Und damit noch schwärzer in gewisser Weise, als wenn es eben doch einfach so aufhört. Musikalisch fand ich das - nach leisen Schwierigkeiten in den ersten paar Minuten, die aber ganz schnell überwunden waren (es spielte das Symphonieorchester Basel, Dirigent und Regisseur beide aus Ungarn, waren mir beide noch nicht mal namentlich bekannt) - nahezu perfekt. Ich staunte auch wieder, wie gut sich das alles fügt, es wirkte wirklich so, als würden Text und Musik - und eben auch die Regie, die Bewegung oder die Bewegungslosigkeit der Figuren - sich perfekt ineinander verschränken. Beeindruckend.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
Pavel Haas Quartet
Fr, 24. April 2026, 19.30 Uhr Pierre Boulez Saal, Bln
Veronika Jarůšková, Violine
Marek Zwiebel, Violine
Šimon Truszka, Viola
Peter Jarůšek, Violoncello
Vítězslava Kaprálová: Streichquartett Nr. 1 Op. 8 (1935)
Bohuslav Martinů: Streichquartett Nr. 5, H. 268 (1938, Vítězslava Kaprálová gewidmet)
-Pause-
Antonín Dvořák: Streichquartett Nr. 14 As-Dur, Op. 105 (1895)
https://www.boulezsaal.de/de/event/pave ... 07/program mit Essay von Anne do Paço
Der Zuschauerbereich im Boulez Saal war leider nur zu ca. zwei Dritteln besetzt... In Berlin ist derzeit einfach sehr viel los und Ende April fand ein paar Meter weiter im Konzerthaus auch das Berliner Klavierfestival statt. Das Pavel Haas Quartet wurde aber lautstark vom Publikum begrüßt.
Das Programm begann mit dem Streichquartett von Vítězslava Kaprálová (1915-1940), das sie 1935 in den Sommerferien komponierte. Besonders im Kopfsatz kommt so richtig Unbeschwertheit und Lebensfreude durch. Bohuslav Martinů komponierte sein 5. Streichquartett 1938 und widmete es V. Kaprálová. Im digitalen Programmheft (Link s.o.) ist zu lesen: "Bewusst enthielt er das Werk dann auch der Öffentlichkeit vor und gestattete erst 1958, ein Jahr vor seinem Tod, die Drucklegung." Die Erstaufführung fand 1958 in Prag durch das Novák Quartett statt. Von der Klangsprache her ist es düster. Live ist mir nochmal mehr aufgefallen, wie abwechslungsreich es durch die verschiedenen Techniken ist und ich war froh, dass ich für den ersten Teil des Programms einen Blick auf die vier Musiker hatte. (Im Boulez Saal sitzen die Musiker in einem Oval und haben auch freie Wahl, wie sie sich zum Publikum hin ausrichten; meist wird die Richtung nach der Pause geändert). Emotional hat es mich sehr berührt und die nöchsten Tage gar nicht losgelassen. Mittlerweile habe ich es mir auch von mehreren Streichquartetten angehört (auch von der aktuellen CD des Pavel Haas Q./Supraphon). Eine schöne Erfahrung des Abends war, wie gut das As-Dur Streichquartett von Dvořák zu den beiden Streichquartetten des ersten Teils passte. Den ersten Satz begann Dvořák noch in den USA, weiterkomponiert und beendet wurde es dann in der Heimat.
Von der Stimmung her geht es düster los nach und nach wird es heller mit Bezug zur Folklore und zum Schluss Lebensfreude wie zu Beginn des Programms.
Nach sehr langem Schlussapplaus spielten die vier noch eine Zugabe, aber da sie leider zur Gegenseite ausgerichtet waren, war die Ansage nicht zu verstehen. Mich hat es sehr gefreut, das Quartett wiederzuhören. (Ich hörte sie/mit anderer Besetzung an der Bratsche im März 2022 zum Schostakowitsch Festival mit Korngold 3, Suk "Svatý Václave" Meditation und Schostakowitsch Klavierquintett mit Boris Giltburg).
Fr, 24. April 2026, 19.30 Uhr Pierre Boulez Saal, Bln
Veronika Jarůšková, Violine
Marek Zwiebel, Violine
Šimon Truszka, Viola
Peter Jarůšek, Violoncello
Vítězslava Kaprálová: Streichquartett Nr. 1 Op. 8 (1935)
Bohuslav Martinů: Streichquartett Nr. 5, H. 268 (1938, Vítězslava Kaprálová gewidmet)
-Pause-
Antonín Dvořák: Streichquartett Nr. 14 As-Dur, Op. 105 (1895)
https://www.boulezsaal.de/de/event/pave ... 07/program mit Essay von Anne do Paço
Der Zuschauerbereich im Boulez Saal war leider nur zu ca. zwei Dritteln besetzt... In Berlin ist derzeit einfach sehr viel los und Ende April fand ein paar Meter weiter im Konzerthaus auch das Berliner Klavierfestival statt. Das Pavel Haas Quartet wurde aber lautstark vom Publikum begrüßt.
Das Programm begann mit dem Streichquartett von Vítězslava Kaprálová (1915-1940), das sie 1935 in den Sommerferien komponierte. Besonders im Kopfsatz kommt so richtig Unbeschwertheit und Lebensfreude durch. Bohuslav Martinů komponierte sein 5. Streichquartett 1938 und widmete es V. Kaprálová. Im digitalen Programmheft (Link s.o.) ist zu lesen: "Bewusst enthielt er das Werk dann auch der Öffentlichkeit vor und gestattete erst 1958, ein Jahr vor seinem Tod, die Drucklegung." Die Erstaufführung fand 1958 in Prag durch das Novák Quartett statt. Von der Klangsprache her ist es düster. Live ist mir nochmal mehr aufgefallen, wie abwechslungsreich es durch die verschiedenen Techniken ist und ich war froh, dass ich für den ersten Teil des Programms einen Blick auf die vier Musiker hatte. (Im Boulez Saal sitzen die Musiker in einem Oval und haben auch freie Wahl, wie sie sich zum Publikum hin ausrichten; meist wird die Richtung nach der Pause geändert). Emotional hat es mich sehr berührt und die nöchsten Tage gar nicht losgelassen. Mittlerweile habe ich es mir auch von mehreren Streichquartetten angehört (auch von der aktuellen CD des Pavel Haas Q./Supraphon). Eine schöne Erfahrung des Abends war, wie gut das As-Dur Streichquartett von Dvořák zu den beiden Streichquartetten des ersten Teils passte. Den ersten Satz begann Dvořák noch in den USA, weiterkomponiert und beendet wurde es dann in der Heimat.
Von der Stimmung her geht es düster los nach und nach wird es heller mit Bezug zur Folklore und zum Schluss Lebensfreude wie zu Beginn des Programms.
Nach sehr langem Schlussapplaus spielten die vier noch eine Zugabe, aber da sie leider zur Gegenseite ausgerichtet waren, war die Ansage nicht zu verstehen. Mich hat es sehr gefreut, das Quartett wiederzuhören. (Ich hörte sie/mit anderer Besetzung an der Bratsche im März 2022 zum Schostakowitsch Festival mit Korngold 3, Suk "Svatý Václave" Meditation und Schostakowitsch Klavierquintett mit Boris Giltburg).
- gypsy tail wind
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Re: Klassik live - Konzerte, Opern, Festivals
09.05.2026 - Basel, Stadtcasino - Kammerorchester Basel: Aufbruch
Kammerorchester Basel / Pierre Bleuse
Vilde Frang Violine
Paul Hindemith (1895 – 1963): Kammermusik Nr. 4 op. 36 Nr. 3 für Solo-Violine und grösseres Kammerorchester
Franz Schubert (1797 – 1828): Sinfonie Nr. 8 in C-Dur «Die Grosse», D 944
Der Saisonabschluss beim Kammerorchester Basel war so gut wie erhofft - und noch viel mehr. Es gab in der ersten Hälfte Hindemiths vierte Kammermusik mit der wie immer umwerfenden Vilde Frang. Das eigenwillig besetzte Stück - vier Bratschen, vier Celli und vier Kontrabässe, neun Holz- und drei Blechbläser, Schlagzeug - war wohl der Anlass für die die besondere Aufstellung, die Bleuse wählte und für den Schubert gleich beibehalten hat. Hindemiths Stück kommt in fünf Sätzen, wobei die Einleitung und der zweite sowie der vierte und fünfte jeweils attacca gespielt werden und der mittlere Satz, ein "Notturno", der mit Abstand gewichtigste ist. Los geht es mit so dicht geschichteten Akkorden, dass der Einstieg fast atonal wirkt. Die Violine steigt erst mit dem zweiten Satz ein. Im langsamen Notturno entwirrt sich alles, das Gehör findet Vertrautes oder wenigstens Passagen, Motive, an denen es Halt finden kann. Und das Konzert wird tatsächlich immer mehr zur Kammermusik, die Violine tritt immer wieder mit anderen Instrumenten in den Dialog. Im vierten Satz, einer Art Marsch, ist es das Kornett, das fast zur zweiten Solo-Stimme wird - und jetzt verdichtet sich die Musik wieder, wirkt am Ende fast chaotisch. Das wirkte auf mich sehr souverän gespielt, nicht nur von Frang, die noch eine ganz kurze Zugabe ergänzte.
Nach der Pause sassen weiterhin die Holzläser im innersten Kreis vorne, die beiden Naturhörner direkt hinter ihnen und die Bässe blieben in der dritten Reihe in der Mitte. Auch für Schuberts Grosse C-Dur-Symphonie behielt Bleuse diese Aufstellung - und machte das wohlbekannte Werk anders erhörbar, als man es kennt. Natürlich hatte daran auch die Besetzung ihren Anteil. Wenn ich es richtig sah, gab es je acht Geigen, vier Bratschen, fünf Celli und Vier Kontrabässe, also einen vergleichsweise dunkeln Streicherklang - mit Darmsaiten und beim Blech alten Instrumenten (bei den Posaunen war ich da nicht ganz sicher, aber Trompeten und Hörner auf jeden Fall). Das ganze hatte ein so lebendige Textur, wie ich es zuletzt auch bei den Mendelssohn-Aufführungen der Basler unter Herreweghe so toll gefunden habe. Und klar: D 944 hatte auf Mendelssohn und auch auf Schumann einen grossen Einfluss. Am Ende gefiel mir die Aufführung wohl nochmal eine Spur besser als die Konzerte, die ich vom Schubert-Zyklus de KOB mit Holliger mitgekriegt habe (ob dort D 944 dabei war, weiss ich nicht mal mehr, es waren andere, die mich beeindruckten, Nr. 4 und Nr. 6 und dann vor allem die Fragmente und all das, Friedrich Haas, ich hatte im alten Forum damals ausführlich dazu geschrieben).
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #174 – 11.08.2026, 22:00