
ReShonda Tate: With Love from Harlem (William Morrow, 2026) - Das Buch erzählt die Geschichte von Hazel Scott, der gefeierten Pianistin aus Harlem, die mit ihren Klassik-Verjazzungen grosse Erfolge feierte und nicht nur in Harlem eine Berühmtheit war. Wir gehen mit ihr durch den Alltag, treffen immer wieder ihre Freundin Billie Holiday (mal zugedröhnt im Hotel, dann als Begleitung beim Kleiderkauf mit Scotts Mutter) ... und bald beginnt Scotts Affäre mit dem Baptistenprediger und Politiker Adam Clayton Powell Jr., der ersten PoC im New York City Council (der Legislative der Stadt) und bald dem zweiten PoC Kongressabgeordneten.
Wenn ich zögere, das Buch zu empfehlen, hat das viel mit der Form zu tun, die ich nicht mag: wenn schon recherchiert wurde, warum nicht einfach eine 100seitige Biographie? Der Text ist schwatzhaft, redundant und - pardon - einfach nicht besonders gut geschrieben. Und dann gibt es einzelne Passagen - mir fällt es natürlich da auf, wo es um Musik geht - in denen Details nicht stimmen oder seltsam rüberkommen. Dass Nina Simone als Mädchen ein Autogramm holt und ermutigt wird, hat Tate frei erfunden (das steht im erwähnten Nachwort) - kein Ding. Aber dass Miles Davis 1944 schon als der cocky selbstbewusste Jungstar eingeführt wird, wenn Scott sich zur Jam-Session im Minton's verirrt. wo sie dann Monk am Klavier ablöst und allen einen Mindfuck verpasst, wie es die ganzen Bebopper nicht konnten ... okay. Dass Monk aber auf der gegenüberliegenden Seite dann plötzlich "Thelonius" heisst und im Jam nach dem Klavier von Scott mit Dizzy die Trompete spielt ... ne, das hätte echt wer bemerken können.
Aber gut, ich werde es zu Ende lesen und finde es als Informationssteinbruch zu Scott interessant. Als Roman mit ausführlicher Liebesgeschichte (die ist wohl "doomed", ich hab nicht bei Wiki nachgelesen, nur gesehen, dass die Ehe von 1945 bis 1960 dauerte und nicht Powells erste - das ist Thema im Buch, der Priester, der seine Frau fürs Showgirl verlässt, der Klatsch und Tratsch in Harlem - und nicht seine letzte war). Die Idee hinter dem Buch (dem x-ten der Vielschreiberin Tate) ist wohl, eine Art Schlüsselmoment, in dem sich die Wege zweier grosser, bedeutender Figuren aus Harlem kreuzen, zu verarbeiten ... aber eine lobenswerte Absicht macht leider nicht automatisch ein richtig gutes Buch daraus.


