
Ich höre gerade ... Jazz
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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Rufus Harley – Scotch & Soul
eben gefunden; einer der Tracks war neulich bei .org in einem Blindfoldtest... und quasi unmöglich zu erraten, weil keiner im Kopf hat, wie Harleys Musik ohne Dudelsack klingt - denn auf der Hälfte dieses Albums von 1966 spielt Harley einfach Flöte, Sopransax oder Tenorsax... und dann hört man in erster Linie, dass Harley und seine sonst nicht besonders prominenten Homies (Oliver Collins, James Glenn, Billy Abner) aus Philadelphia die Musik von Coltranes klassischem Quartett komplett internalisiert haben, so als wäre es ihre Folklore, die sie schon in jungen Jahren von ihren älteren Nachbarn wie Coltrane oder McCoy Tyner gelernt haben...
nein, nicht das ganze Album ist so fantastisch wie dieser Track... aber der Track ist ja auch unglaublich gut.
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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Jack Montrose Sextet featuring Bob Gordon
so eine gute Platte! Jack Montrose war vielleicht nicht der beste Tenorist des West Coast Jazz, aber er war einer der schlausten, man kann das schön in diesem späten Interview nachvollziehen, also, diese Idee, dass die grossen Erneuerer des Jazzvokabulars wie Charlie Parker oder John Coltrane immer auch einen neuen Saxophonsound für ihre neue Sprache nötig hatten... das war für mich ein sehr neuer Gedanke, den ich total logisch finde, seid ich ihn gelesen hab...
Don Byas was the man who made me want to play the tenor, but Charlie Parker has to be my all-time favorite instrumentalist. He was absolute perfection as a creator, and any player who grew up during that time would have to admit there was no denying Bird. His solos were actually compositions on a level far advanced from anyone else, and some guys became so taken with him that they became cripples; they couldn't play anymore. They missed the message, which is to be yourself and not be a copy. Funnily enough, the first time I heard him, I wasn't really impressed with his sound, but I soon realized that his ideas required that particular sound. When I understood that, Bird became a fixture in my consciousness, as did John Coltrane later on. John had a sound without historical evolution—totally unique, and it went with what he played. The ideas couldn't have been produced with any other sound, which is true of every great player.
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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Bheki Mseleku - Celebration
das Debutalbum mit 38 (dieses hier), die letzten Aufnahmen mit 48 ein paar Jahre vor dem viel zu frühen Tod mit 53... über diese Jahre in der vermeintlichen Mitte des Lebens liest man vergleichsweise wenig - und Künstler, die ihr gesamtes Werk hier untergebracht haben... fallen mir ansonsten keine ein... Van Gogh zum Beispiel hat alles in den Jahren zwischen 27 und 37 untergebracht, für ein Genie ein vermeintlich langsamer Start, aber... wenn Van Gogh im Südafrika der Apartheid grossgeworden wäre, wär er vielleicht schon tot gewesen, bevor er das erste Bild gemalt hätte... whatever. Der 38jährige Bheki Mseleku war auf jeden Fall bereit für alles mögliche, als das Album hier entstand, es ist fantastisch.
Re: Ich höre gerade ... Jazz
JACK WILSON - Easterly Winds

Für Wiederauflagen wie diese schätze ich die Tone Poet Serie. Nie und nimmer wäre ich darauf gekommen mich mit diesem Album zu beschäftigen, wenn mir die LP nicht zufällig beim Stöbern untergekommen oder - wie geschehen - in einer interessanten Reissue Serie erschienen wäre. Sehr lässig groovende Band, toe-tapping music. Hier werden keine Grenzen ausgetestet und keine neuen Wege beschritten, man hört glänzend aufgelegte Musiker, die eine tolle Soul Jazz Scheibe einspielen und das in einer Tonqualität, dass man hören kann, welche Zigarettenmarke Jack Wilson da gerade pafft. Keine Platte für "Die besten 50 Blue Note Alben"-Listen, aber wenn man etwas mit Soul Jazz anfangen kann bestimmt eine LP, die man immer mal wieder gern auflegt.

Für Wiederauflagen wie diese schätze ich die Tone Poet Serie. Nie und nimmer wäre ich darauf gekommen mich mit diesem Album zu beschäftigen, wenn mir die LP nicht zufällig beim Stöbern untergekommen oder - wie geschehen - in einer interessanten Reissue Serie erschienen wäre. Sehr lässig groovende Band, toe-tapping music. Hier werden keine Grenzen ausgetestet und keine neuen Wege beschritten, man hört glänzend aufgelegte Musiker, die eine tolle Soul Jazz Scheibe einspielen und das in einer Tonqualität, dass man hören kann, welche Zigarettenmarke Jack Wilson da gerade pafft. Keine Platte für "Die besten 50 Blue Note Alben"-Listen, aber wenn man etwas mit Soul Jazz anfangen kann bestimmt eine LP, die man immer mal wieder gern auflegt.
- gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz


Birdland Dream Band / Maynard Ferguson - Birdland Dream Band Volume 2 | Auf der ersten Platte, bei zwei Sessions Anfang September 1956 aufgenommen (der Closer vermutlich bei einer der Vol. 2-Sessions), findet man Fergusons Namen nur im Line-Up und in den Liner Notes, wie damit öffnen, wie Morris Levy (vom Mob und vom Birdland) und Jack Lewis von RCA bzw. dem Sublabel VIK gemeinsam die Idee für die Band hatten. Das Line-Up ist eher eines, das für Kenner von Big Bands (und Tanzbands und orchestraler Studio-Sessions) eine Traumband ist, aber ein paar grosse Namen finden sich in allen Registern, besonders bei den Saxophonen und der Rhythmusgruppe. Trompeten spielen Ferguson (Kenton, Barnet, Raeburn, J. Dorsey), Al De Risi (Elliot Lawrence, Goodman, beide Dorseys, Sauter-Finegan), Nick Travis (Herman, McKinley, Goodman, T. Dorsey, Les Elgart, Tex Beneke, Lawrence, Sauter-Finegan) und Joe Ferrante (Barnet, Goodman, McKinley, Beneke, Art Mooney, Sauter-Finegan). Die Posaunensection besteht aus Jimmy Cleveland (Hampton, Gulda), Sonny Russo (Kenton, Sam Donohue, Shaw, beide Dorseys, Sauter-Finegan) und Eddie Bert (Herman, Donohue, Norvo, McKinley, Herbie Fields, Elgart). Die Sax-Section besteht aus Herb Geller (Venuti, Thornhill, Millinder, Billy May nebst all den West Coast-Credentials), Ernie Wilkins (Basie, Hines usw.), Al Cohn (Joe Marsala, Georgie Auld, Alvino Rey, Buddy Rich, Herman, Lawrence usw.) und Budd Johnson (Bennie Moten, Teddy Wilson, Armstrong, Hines, Eckstine). Die Rhythmusgruppe ist exzellent besetzt mit Hank Jones (da werden diverse Swingmusiker und Bebopper sowie Eckstine und Ella Fitzgerald und auch JATP erwähnt), Milt Hinton (der älteste der Band, ein halbes Jahr vor Johnson geboren; Calloway, Eddie South, Erskine Tate, Zutty SIngleton, Armstrong, Goodman, Jimmy McPartland, Basie usw.) und Jimmy Campbell (beeinflusst von Don Lamond und zuletzt auch Art Blakey, Gigs bei Ralph Flanagan, Thornhill und Beneke). Ernie Royal (Ellington und Basie und viele mehr, er fehlt in den Liner Notes) stösst auf vier Stücken dazu; auf einem weiteren kommt Al Stewart an der Trompete dazu und Arnold Fishkin und Don Lamond übernehmen für Hinton und Campbell.
Da kommen also ein paar Jahrhunderte an Big-Band-Erfahrung zusammen, von leichten weissen Tanzbands bis zu den massgeblichen afro-amerikanischen Bands (fast ohne Ellington und Lunceford allerdings ... Lunceford-Leute zogen ja eh selten weiter, und Ellington war zwar beim Mutterlabel und auch mal im Birdland, aber soweit dachten Gauner und Produzent wohl nicht ... die Band ist vornehmlich weiss (Johnson, Jones und Hinton sind die Ausnahmen, wenn ich niemand vergesse). Unterm Strich ist das die Sauter-Finegan-Band (die auch bei RCA war) und dazu Ferguson und ein und sein Buddy Geller, und dazu eine handverlesene Rhythmusgruppe. Von der andere Küste kommen allerdings auch die Arrangements zum grösseren Teil: Jimmy Giuffre, Bill Holman und Marty Paich, dazu Johnny Mandel (in NYC geboren aber als Kind nach LA gezogen), Manny Albam (auf der Dominikanischen Republik geworden, in NYC grossgeworden) und Bob Brookmeyer, der aus Kansas City stammte und mit Mulligan quasi zu den Fake-Westküstlern aus New York gehört.
Bei Vol. 2, zwei Sessions ein paar Wochen später, Ende September 1956, ist das Foto runtergerutscht und Fergusons Namen oben ergänzt worden. Das Line-Up ist jetzt immer mit Fishkin am Bass, am Schlagzeug wechseln sich Don Lamond (mit der um Al Stewart erweiterten Trompetensesction) bzw. Osie Johnson und/oder Campbell ab (eine Session mit Stewart und Stan Fishehslon statt Travis und De Risi und Frank Socolow statt Budd Johnson, die andere - bzw. angeblich dieselbe, es wechselt nur das Line-Up - mit einer Trompetensection aus Ferguson, Ferrante, Travis, Jimmy Nottingham, Royal und De Risi und wieder Johnson am Tenorsax). Die Credits zu den neuen: Fishelson (Profi ab 14 Jahren, Ina Ray Hutton, Raeburn, Goodman, Shaw, Alvino Rey, Rich, Herman, drei Jahre in der Band für "Guys and Dolls"),, Nottingham (Hampton, Barnet, Millinder, Leadtrompete bei Basie, Perez Prado, Noro Morales, mit 18 schon in Brooklyn in einer Band mit Max Roach und Cecil Payne), Ernie Royal (Vernon Alley, Ellington, Kenton, Phil Moore, Hampton, Basie, Herman, Barnet und in Paris dann auch noch music hall mit Jacques Hélian), Socolow (Jack Melvin, Auld, Roy Stevens, Van Alexander; Raeburn, Shaw, Ted Fio Rito, Shep Fields, Chubby Jackson), Arnold Fishkin (Berigan, Teagarden, Les Brown, Tristano, Barnet), Don Lamond (Raebburn, Sonny Durham, Herman). Arrangiert haben wieder Albam, Giuffre, Holman und Paich, dazu auch Willie Maiden (der auch eine Latin-Nummer beisteuert, "Cervezita") und Jack Lewis, der Produzent ("not, strictly speaking, a writer"). Neben dem ominpräsenten Ferguson (auch wieder diverse Soli an der Ventilposaune und all die Highnote-Schnörkel) kriegen wir wieder Travis, ev. Fishelson (in "Mogo"), Cleveland, Geller und Cohn zu hören, während Johnson hier im zweiten Glied verschwindet und nur in "Everybody Moan" zu hören ist - neben Wilkinns am Barisax und Cohn. Jones kriegt auch mal ein Solo, ebenso Fishkin, vor allem aber - klar in so einem Setting - ist Lamond ziemlich prägend (oder dann halt Campbell, so genau weiss man's ja nicht ... aber in der Liste im CD-Booklet taucht in immerhin vier der zwölf Stücke Lamonds Name auf. Hier gibt's auf der Ausgabe von 2003 fünf Alternate Takes von fünf Stücken - nicht zuletzt einen vom Closer, "Nightmare Alley", mit Herb Geller im Bebop-Modus, der eine ganze Minute länger dauert als der Master Take (bei 12 Stücken pro LP - bei RCA damals üblich, wenn sie nicht grad quasi aus Versehen Art Blakey produzierten) ist halt nicht viel Zeit für die einzelnen Stücke (auch die Alternates von "Say It with Trumpets" und "Everybody Moan" sind jeweils eine halbe Minute länger).
Der Basie-Einfluss überwiegt hier, nette kontrapunktische Etüden und sowas suchen wir vergeblich. Es gibt die hochlagigen Trompeten - auch im Dialog oder Duell wie gleich zum Einstieg mit Travis und Ferguson, der sich davor schon an der Ventilposaune mit Cleveland misst. Johnson spielt im zweiten Stück das erste Sax-Solo - und im vierten das zweite. Es gibt hier also deutlich mehr Blech, Ferguson ist oft zu hören (auch mehrfach an der Ventilposaune), Travis auch ... die anderen kommen dafür alle zu kurz, selbst Cleveland ist nach dem zweiten Solo im dritten Stück nicht mehr wieder zu hören, die folgenden (Ventil-)Posaunensoli gehören alle Ferguson. Das Trompetensolo in "Blue Birdland" ist vielleicht Royal. Neben diversen tollen Johnson-Soli gibt es auch mehrmals Geller und noch öfter Cohn (in "Rosebud" und "Button Noes" kriegt man ihn und Johnson jeweils beide zu hören), der ja bei RCA auch als Leader zum Stamm gehörte. Auf der CD-Ausgabe von 2002 (BMG France, nicht BMG/Fresh Sound) gibt es ganze neuen Alternate Takes (von fünf der zwölf Stücke) - und klar, das macht Spass, das sind Solisten, die nicht alles im Voraus konzipiert haben und abspulen. Ferguson ist insofern schon etwas der Star hier, als dass er alle Verzierungen in der Höhe spielt und oft auch am Ende der Stücke nochmal in der Höhe zu hören ist.
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Zwischen dem Oktett-Album von 1955 und der Birdland Dream Band habe ich ein paar Lücken: die 12"-Ergänzungs-Session für das erste Album "Dimensions" vom August 1955 (vier Stücke mit Candoli, Bernhart, Geller, Nino Tempo, Gordon, Lorraine Geller, Red Mitchell und Garry Frommer) und das zweite von Holman arrangierte Album "Around the World with Maynard Ferguson" (ein Alternate Take von der Session und ein Stück von einer unveröffentlichten Session ein paar Tage davor, "Taking a Chance on Love", landeten 1985 auf dem japanischen 4-CD-Set "The V.S.O.P. Album", damals wohl ein ziemlich begehrenswertes Ding mit 47 unveröffentlichten Stücken/Takes aus dem Mercury-Katalog, von Kiyoshi Koyama in zwei Jahren Arbeit zusammengestellt, wie im Blurb auf Discogs steht.
Nach der Dream Band (schöner Verschreiber bei Bruyninckx, der die Band beim Eintrag zur zweiten Platte "Dreamland Band" nennt) gibt es zwei Live-Mitschnitte aus Los Angeles bzw. Hollywood, die ich gerade bestellt habe (was das gestrige und heutige Hören ausgelöst hat), der erste 1980 als "Maynard Ferguson and His Original Dreamband Recorded Live 1956" auf dem Label Artistry erschienen, der zweite dann 1993 als CD bei Jazz Hour als "Live at Peacock Line". Fresh Sound hat die zwei unter dem Titel "Live at Peacock Lane Hollywood 1956-1957" auf zwei CDs 2003 wieder herausgebracht, und das ist die Ausgabe, die ich bestellt habe. Vor dem Wechsel zu Roulette im Jahr 1958 und der neuen Band u.a. mit Slide Hampton und der Sax-Section Don Sebesky, Jimmy Ford, Carmen Leggio, Willie Maiden und Jay Cameron, später auch u.a. mit Joe Zawinul oder Jaki Byard, Don Ellis Frankie Dunlop, folgte dann noch ein Mercury/EmArcy-Album, das ich auch nicht habe, "Boy with Lots of Horns", Anfang 1957 aufgenommen.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

BILL FRISELL - In My Dreams (Blue Note, 2026)
Zum 75. Geburtstag veröffentlicht das Frisell Trio ein Album mit einem Streicher Ensemble, welches den Stücken einen kammermusikalischen Flair verleiht. Durchaus ein faszinierendes Spätwerk, für das ich noch weitere Durchgänge brauche.
serenity now!
Ich höre gerade ... Jazz
Ein Old And New Dreams Liveauftritt vom 21sten Juli 1979 @ Nervi Italien (in schon exzellenter Aufnahmequalität) .... dies war wohl Teil einer "Aufwärmtour", welcher folgend im August @ Talent Studio Oslo das erste Album für ECM dokumentiert wurde ....
"I'm not much but I'm all I have" (Philip K. Dick)

