Der letzte Film, den ich gesehen habe

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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

Ich wär fast ins Kino für "EPIC", nachdem ich das hyperartifizielle Biopic letztes Jahr mal am Fernseher nachgeholt hatte, weil es über den Live-Film hiess, er sei sehr anders ... aber ganz hab ich der Sache dann auch nicht getraut (und die Rezensionen waren ja auch nicht durchweg positiv).
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Talking Head
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Talking Head »

Full Metal Jacket (Stanley Kubrik, 1987)

Den sehe ich mir immer und immer wieder sehr gerne an.

Mal abgesehen davon, dass der Film sehr gut widerspiegelt, wo die Supermacht USA nicht hingehen/eingreifen sollte (Indochina/Vietnam nach (der damaligen) Großmacht Frankreich, Afghanistan nach der Sowjetunion etc.) erinnere ich mich auch immer und eigentlich in der Retrospektive gerne an meine eigene Ausbildung bei der Berliner Polizei.

Ähnlich wie in diesem Film wurden wir acht Wochen lang "geschliffen" von Menschen, die eigentlich kleine erbärmliche Hampelmänner waren.

Auf der einen Seite hat es mich stark gemacht für mein späteres Leben, auf der anderen Seite ist es echt erstaunlich, dass es Menschen gibt, die zu nichts anderem geboren zu sein scheinen.

Die Personalien von Gunnery Sergeant Hartman und Unteroffizier Himmelstoß (ehemaliger Briefträger) kann man eigentlich eins zu eins übereinanderlegen.

Mein Ausbilder reiht sich da wunderbar ein. Ein kleines (unsportliches) unscheinbares Männlein.
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

Bei Himmelstoß hatte ich immer den Eindruck, er liebe das Schinden um des Schindens Willen. Gunny Hartman dagegen habe ich immer als jemanden gesehen, der tatsächlich das Beste für seine Rekruten will. Also aus militärischer Sicht. Er will sie hart, widerstands- und leidensfähig, damit sie erstens den USA als Waffe dienen können und zweitens dabei möglichst nicht krepieren. Aus Sicht des Rekruten mag das irrelevant sein, weil es sich gleich anfühlt. Trotzdem bewerte ich beide Figuren ziemlich unterschiedlich.
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

salamandersalat hat geschrieben: 30 Mär 2026, 18:22 @Friedrich: Ich finde Baz Luhrmann, besser seine Filme, ziemlich furchtbar. Unterscheidet sich EPIC von seinen üblichen An- und Ausfällen?

Hahaha!

Ich kenne von Baz Luhrmann Romeo & Julia, Moulin Rouge, The Great Gatsby und das Elvis-Biopic. Mit Ausnahme von The Great Gatsby (war mir visuell zu ausschweifend auf Kosten von Handlung und Charakteren) fand ich alle Filme sehr gut. Ich kann nur vermuten, was du an BL "ziemlich furchtbar" findest. Was ist denn typisch für ihn? Die visuelle Opulenz, das Operettenhafte, das "bigger-than-life"?

Da EPIC eine Doku ist, ist das da natürlich bei weitem nicht so ausgeprägt. Aber der Film ist schon rasant geschnitten und betont natürlich vor allem die Höhepunkte von Elvis' Engagement in Las Vegas. Der darauf folgende Absturz wird nicht gezeigt - wenn man davon weiß, kann man es aber in Andeutungen aus dem Film herauslesen. Es gibt ja auch backstage Szenen, kleine Exkurse zu seiner Herkunft, der Tod der Mutter, die Anstrengungen von 2 Shows am Tag über Wochen hinweg, die Ehe, die kurz vorm Scheitern ist ... Aber es ist keine Doku über Elvis' Leben, sondern vor allem eine Doku seiner Auftritte im International Hotel Anfang der 70er. Und die sind in EPIC wirklich mitreißend auf die Leinwand gebracht.
gypsy tail wind hat geschrieben: 30 Mär 2026, 18:59 Ich wär fast ins Kino für "EPIC", nachdem ich das hyperartifizielle Biopic letztes Jahr mal am Fernseher nachgeholt hatte, weil es über den Live-Film hiess, er sei sehr anders ... aber ganz hab ich der Sache dann auch nicht getraut (und die Rezensionen waren ja auch nicht durchweg positiv).
Am Fernseher? Und was heißt denn "der Sache trauen"? Erwartest Du von Baz Luhrmann Realismus und Authentizität? ;) Rhetorische Frage ...
Zuletzt geändert von Friedrich am 30 Mär 2026, 21:50, insgesamt 1-mal geändert.
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

Mir missfällt an Luhrmann vor allem sein grauenhafter Farbeinsatz, kombiniert mit einer Glätte in der Optik, bei der ich schreien möchte. Ich liebe ja bunte Filme, aber nicht in Luhrmanns Ausführungen. Wirkt auf mich immer billig und penetrant.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.
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Talking Head
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Talking Head »

motörwolf hat geschrieben: 30 Mär 2026, 21:03 Bei Himmelstoß hatte ich immer den Eindruck, er liebe das Schinden um des Schindens Willen. Gunny Hartman dagegen habe ich immer als jemanden gesehen, der tatsächlich das Beste für seine Rekruten will. Also aus militärischer Sicht. Er will sie hart, widerstands- und leidensfähig, damit sie erstens den USA als Waffe dienen können und zweitens dabei möglichst nicht krepieren. Aus Sicht des Rekruten mag das irrelevant sein, weil es sich gleich anfühlt. Trotzdem bewerte ich beide Figuren ziemlich unterschiedlich.
Sorry, aber das bewerte ich, vielleicht auch auf Grund eigener Erfahrungen, ein wenig anders. Ein "Schleifer" ist ein Schleifer und auch Himmelstoß kämpft ja nach einem kurzen Moment der Feigheit patriotisch in diesem sinnlosen Kampf.
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

Talking Head hat geschrieben: 30 Mär 2026, 22:11
motörwolf hat geschrieben: 30 Mär 2026, 21:03 Bei Himmelstoß hatte ich immer den Eindruck, er liebe das Schinden um des Schindens Willen. Gunny Hartman dagegen habe ich immer als jemanden gesehen, der tatsächlich das Beste für seine Rekruten will. Also aus militärischer Sicht. Er will sie hart, widerstands- und leidensfähig, damit sie erstens den USA als Waffe dienen können und zweitens dabei möglichst nicht krepieren. Aus Sicht des Rekruten mag das irrelevant sein, weil es sich gleich anfühlt. Trotzdem bewerte ich beide Figuren ziemlich unterschiedlich.
Sorry, aber das bewerte ich, vielleicht auch auf Grund eigener Erfahrungen, ein wenig anders. Ein "Schleifer" ist ein Schleifer und auch Himmelstoß kämpft ja nach einem kurzen Moment der Feigheit patriotisch in diesem sinnlosen Kampf.
Sorry, dann bist du zur Charakter-Beurteilungs-Kommission in der Causa Himmelstoß und Hartman nicht länger zugelassen. Wegen Befangenheit :lol:
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

@Friedrich Ich fand das Biopic in der Ästhetik unerträglich. Komplett flach, alles geputzt - auch die Farben. Perfekt eingeebnet aber völlig glanzlos, kein Pep, nichts (="Glätte der Optik" passt) - und auch nichts, woran das Auge sich festhalten kann, alles gleitet ständig weiter, wie die grauen Limousinen mit dem grauen Elvis auf dem grauen Asphalts des grauen Flughafens unter grauem Himmel ... in der Summe fast noch schlimmer als das für Chalamet so gesäuberte Greenwich Village, dass man von der Strasse essen kann* (da blies auch bei sieben mal Trailer im Kino, den fand ich schon schwer zu ertragen). Was ich bei Luhrman erwarte: keinen Film, der mir gefällt. Aber das Material, das in "EPIC" Verwendung fand, würd ich halt schon seeeeeehr gerne sehen, einfach von wem anderem zusammengestellt ;)

*) Das gibt's doch nur in Zürich, voll unrealistisch ey! :D
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

gypsy tail wind hat geschrieben: 31 Mär 2026, 07:17 @Friedrich Ich fand das Biopic in der Ästhetik unerträglich. Komplett flach, alles geputzt - auch die Farben. Perfekt eingeebnet aber völlig glanzlos, kein Pep, nichts (="Glätte der Optik" passt) - und auch nichts, woran das Auge sich festhalten kann, alles gleitet ständig weiter, wie die grauen Limousinen mit dem grauen Elvis auf dem grauen Asphalts des grauen Flughafens unter grauem Himmel ... in der Summe fast noch schlimmer als das für Chalamet so gesäuberte Greenwich Village, dass man von der Strasse essen kann* (da blies auch bei sieben mal Trailer im Kino, den fand ich schon schwer zu ertragen). Was ich bei Luhrman erwarte: keinen Film, der mir gefällt. Aber das Material, das in "EPIC" Verwendung fand, würd ich halt schon seeeeeehr gerne sehen, einfach von wem anderem zusammengestellt ;)

*) Das gibt's doch nur in Zürich, voll unrealistisch ey! :D
In Baz Luhrmanns Spielfilmen wird alles zur Operette. Wenn man das nicht mag, ist man da im falschen Film.

Complete Unknown habe ich nicht gesehen und spare mir einen Kommentar dazu. So wie du es beschreibst, vermute ich aber, dass es da den Anspruch des Realismus gibt, der durch die sauber gescheuerte Oberfläche* untergraben wird.

Das Material, dass Luhrmann für die Dokumentation - oder besser: den Konzertfilm - EPIC verwendet ist toll und er montiert es mitreißend. Daher gibt's von meiner Seite eine dicke Empfehlung!

* Basel ist auch sehr schön sauber. Hier in Berlin liegt aber buchstäblich der Müll auf der Straße. Müsste man auch mal darstellen. Eine Herausforderung an den Filmausstatter ;-)
Zuletzt geändert von Friedrich am 31 Mär 2026, 09:43, insgesamt 1-mal geändert.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

Aber Operette ist doch lebendig, bunt, quirlig ... Luhrmann ist flach, farblos (ich weiss schon, dann nehmt ihm halt mal all die Filter und die KI-Programme zum Bilder aufräumen weg!) und emotionslos, tot. Aber gut, I rest my case, ist mir auch alles echt nicht wichtig, finde es nur schade, dass sich nicht wer mehr nach meinem Geschmack der Elvis-Aufnahmen angenommen hat.
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