Ich hab in das Weiss Album tatsächlich reingehört, aber für mich war es nicht...gypsy tail wind hat geschrieben: 22 Mär 2026, 13:49
Dan Weiss Quartet - Unclassified Affections | Hab mich endlich mal etwas hartnäckiger auf die Spuren von Patricia Brennan gemacht ... ihr Solo-Album auf dem Label von Alan Braufman (von dem auch bald ein neues Album erscheint) lief die letzten Wochen immer wieder. Hier ist sie Teil eins Quartetts, dessen Musik weite Bögen zwischen nervösem, hartem zeitgenössischen Jazz und gechillten Sounds zwischen ECM und Minimal Music. Peter Evans irrlichtert, Miles Okazaki spielt mal mit klarem Ton, dann ruppig und verzerrt, Weiss legt auch eher harte Beats drunter ... und Brennan hat viel Raum mit ihrem Vibraphon, gerne mehrstimmig und - wie beim Solo-Album - mit reicher Klangpalette (Motor in der Regel an, es gibt Delay-Effekte, die die Mehrstimmigkeit des Spiels noch potenzieren). Das swingt alles überhaupt nicht, Grooves gibt es schon irgendwie, aber die wechseln ständig die Richtung und den Takt und es kommt nur manchmal ein richtiger Flow auf. Alles so gewollt, klar, aber das sind halt so die Dinge im aktuelleren Jazz, mit denen ich mich immer noch oft schwer tue. Aber heute passt das gerade recht gut. Nehme an @NvF kennt das? @vorgarten vielleicht auch?
Ich höre gerade ... Jazz
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redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Re: Ich höre gerade ... Jazz
Der Track "Holotype" (Dan Weiss auf Bandcamp) klingt am Anfang ein bißchen wie Be Bop aus der Zukunft (haha). Klar, man denkt ein bißchen an Miles und Tony Williams oder Al Foster. Weiss spielt allerdings auch viel Polyrhythmen, manchmal solche Beats, die man sonst eher auf der Tabla hört, höre ich teilweise wohl auf den Cymbals und er mixt das mit anderen Einflüssen (Buddy Rich?, Chico Hamilton? Tony und defintiv Al Foster). Teilweise super busy beim Spielen, aber er kann es halt (Polyrhythmen sind vor allem seine Stärke). Mit dem Touch und seinem Sound könnte er vielleicht auch mehr wie Kenny Clark klingen, das wäre auch nicht schlecht.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Weiss kann ja tatsächlich Tabla spielen ... ich hörte ihn vor Jahren mal mit der Indo-Pak Coalition von Rudresh Mahanthappa (Trio mit Rez Abbasi an der Gitarre) und ich hab Weiss in der Pause darauf angesprochen, weil er die Tabla sogar in sein eigenwillig aufgebautes Kit eingebaut hatte ... und eben wirklich die ganze Schlagtechnik und alles drauf hat*, und er meinte, er habe das tatsächlich über längere Zeit beim jemandem gelernt ... Damals im Konzert (Januar 2010, wie das Archiv vom Moods mir sagt) kauerte er eher auf dem Schemel als dass er richtig drauf sass, spielte gewisse Teile des Kits - natürlich auch die Tabla mit den Händen am Boden, andere Teile konventionell, wie man halt ein Drum-Kit spielt (also auf Ständern, mit Fusspedalen ...)thelonica hat geschrieben: 22 Mär 2026, 14:39 Der Track "Holotype" (Dan Weiss auf Bandcamp) klingt am Anfang ein bißchen wie Be Bop aus der Zukunft (haha). Klar, man denkt ein bißchen an Miles und Tony Williams oder Al Foster. Weiss spielt allerdings auch viel Polyrhythmen, manchmal solche Beats, die man sonst eher auf der Tabla hört, höre ich teilweise wohl auf den Cymbals und er mixt das mit anderen Einflüssen (Buddy Rich?, Chico Hamilton? Tony und defintiv Al Foster). Teilweise super busy beim Spielen, aber er kann es halt (Polyrhythmen sind vor allem seine Stärke). Mit dem Touch und seinem Sound könnte er vielleicht auch mehr wie Kenny Clark klingen, das wäre auch nicht schlecht.
*) ich hab vor bald 30 Jahren auch mal einen Anlauf genommen und die Basics gelernt
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Bin jetzt woanders - im April 1993 meinte jemand zu Paul Bley (oder Paul Bley zu Nils Winther): "lass uns auch mal so ein Standards-Trio-Album machen wie dieser Keith dingens":

Paul Bley Trio – If We May | Selbst die Vokalismen kriegt man stellenweise mitgeliefert, allerdings als "schönes" leises Singen/Summen, nicht als Gebrumme und Gestöhne. Mit "Long Ago and Far Away" geht's wuchtig los, Adam Nussbaum befeuert das Trio ständig, Jay Anderson ist zugleich Dialog- oder besser Trialogpartner wie auch Taktgeber, Bley spielt melodiös, zusammenhängend, formt klassische Soli, Statements ... "Don't Explain" folgt, dann Bleys Titelstück. Weiter geht es mit "Indian Summer", "All the Things You Are" und "Goodbye". Und wenn am Ende "Confirmation" erklingt, ist auch das keine Novität, hat Jarretts Trio doch auch ganz gern ein Stück von Parker in seine Sets eingebaut. Bley kann das natürlich - das ist ein richtig gutes Album geworden, wirkt stets frisch und spontan und abseits ausgetretener Pfade.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)
Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

BETTY CARTER - Out There With Betty Carter
Hier gerade im Stream, weil Bruce Harris es empfehlen tut (eventuell kommt später noch ein längeres Video, upload am Sonntag meistens). Ich glaube die jüngere Betty Carter liegt mir ein bißchen mehr, weil die Arrangements hier gefallen und die Vocals hier sehr spielerisch ausfallen (was leicht klingt, war nicht immer leicht). Und keiner von den Musiker_innen musste wohl diszipliniert werden, denn sie hatten schon Erfahrung. Disziplin in den späteren Gruppen von/durch Carter wäre bestimmt ein interessantes Thema, weil es da ja hauptsächlich ums Lernen ging (sicher nicht ganz falsch), aber im Moment interessiert mich das nicht, weil "Out There" natürlich toll ist.
@ gypsy tail wind
aber aktuell machst Du keine Musik, oder? Es ist auf jeden Fall gut, manches mal wieder anzufangen. Piano könntest Du ja eventuell mal probieren, oder sogar komponieren. Deine Kenntnisse dürften ja vielleicht noch abrufbar sein. Letztes Jahr bin ich auch mal ins kalte Wasser gesprungen und war auf einer spontanen Jam Session mit einem jüngeren Kumpel, der das regelmässig mit seiner akustischen Gitarre macht, konnte für ca. 15-20 Minuten mit anderen spielen.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Nein @thelonica , ich mache schon länger nicht mehr aktiv Musik - meine Instrumente waren die Klarinette und dann die Saxophone (Tenor hauptsächlich, aber die letzte Zeit, in der ich noch spielte, war's v.a. Alt). Ich hab so von 15 bis Anfang 20 intensiv gespielt, aber dann den Entscheid gefällt, nicht Klarinette an Musikhochschule (Jazzschule war nie eine Option - war ja auch noch knapp vor der Professionalisierung, die Musikhochschule hiess damals noch "Konservatorium" und es ging noch nicht um ECTS-Punkte) sondern Geschichte an der Uni zu studieren und das war sicher richtig für mich (hab's grad letzte Woche mit meiner Mutter davon gehabt). Die Instrumente habe ich noch, aber den Raum, zu spielen, halt nicht. In der Wohnung geht das einfach nicht.
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Es läuft seit einer Weile:

Joachim Kühn / Daniel Humair / Jean-François Jenny-Clark – Usual Confusion | Den Unsympathen aus Leipzig ertrage ich nur in Abhängigkeit von den Sidemen oder Co-Leadern ... sein Trio live war fürchterlich, sein Solo-Doppelalbum auf Intakt gebe ich gerne weiter, wenn's wer will (es ist echt nicht schlecht, aber ich mag's nicht nochmal hören). Mit Jenny-Clark und Humair geht aber ab und zu ganz gut. Ich habe zwei Alben dieses Trios, von denen das hier das erste ist ("Triple Entente" das zweite), aufgenommen am 31. Mai und 1. Juni 1993 in Suresnes bei Paris (auf der anderen Seite der Seine ennet dem Bois de Boulogne ... Paris hat halt nie eingemeindet). Es gibt vertrackte Rhythmen - die aber durchgezogen werden, nicht wie bei Weiss ständig die Richtung wechseln -, freien Flow, manches ist hymnisch, anderes geht eher in Richtung freie Improvisation. Aber die meiste Zeit überwiegt die Freude am Melodischen Gesang (was Jenny-Clark genauso betrifft wie Kühn). Über allem steht das Interplay, aus dem man die Vertrautheit der drei ablesen kann. "Lili Marleen", "Internal Affair" von Jerry Bergonzi und Humairs "Helligoli" folgen auf drei Kühn-Stücke und am Ende gibt es ühns Titelstück.
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Es läuft seit einer Weile:

Joachim Kühn / Daniel Humair / Jean-François Jenny-Clark – Usual Confusion | Den Unsympathen aus Leipzig ertrage ich nur in Abhängigkeit von den Sidemen oder Co-Leadern ... sein Trio live war fürchterlich, sein Solo-Doppelalbum auf Intakt gebe ich gerne weiter, wenn's wer will (es ist echt nicht schlecht, aber ich mag's nicht nochmal hören). Mit Jenny-Clark und Humair geht aber ab und zu ganz gut. Ich habe zwei Alben dieses Trios, von denen das hier das erste ist ("Triple Entente" das zweite), aufgenommen am 31. Mai und 1. Juni 1993 in Suresnes bei Paris (auf der anderen Seite der Seine ennet dem Bois de Boulogne ... Paris hat halt nie eingemeindet). Es gibt vertrackte Rhythmen - die aber durchgezogen werden, nicht wie bei Weiss ständig die Richtung wechseln -, freien Flow, manches ist hymnisch, anderes geht eher in Richtung freie Improvisation. Aber die meiste Zeit überwiegt die Freude am Melodischen Gesang (was Jenny-Clark genauso betrifft wie Kühn). Über allem steht das Interplay, aus dem man die Vertrautheit der drei ablesen kann. "Lili Marleen", "Internal Affair" von Jerry Bergonzi und Humairs "Helligoli" folgen auf drei Kühn-Stücke und am Ende gibt es ühns Titelstück.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Misha Mengelberg Trio – Who's Bridge | Power Station, Februar 1994 mit Brad Jones, Joey Baron und all den grossen Vorbildern, die über die Schulter gucken: Ellington, Monk, Nichols - und Cecil Taylor. Mengelberg ist als Pianist ein Chamäleon, der in drei Takten vom Stride zum Free und zurück findet, der ruckelige Grooves à la Monk und Nichols mit einem eleganten Flow à la Golson verbinden kann ... der noch bei kargstem Spiel einen Klangreichtum wie Ellington/Strayhorn herbeizaubern kann - um dann unvermittelt ein paar Basie-Figuren einzustreuen und wenig später aus Block-Akkorden im Shearing-Stil am freien, atonalen Spiel kratzt. Faszinierend, gerade weil es bei all den disparaten Einflüssen völlig aus einem Guss wirkt - das Material, das die halbe Zeit so vertraut klingt, ist allesamt von Mengelberg selbst.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Die Doppel-LP-Ausgabe wurde um 28 Tracks gekürzt, da blieb sehr viel auf der Strecke.stardog hat geschrieben: 22 Mär 2026, 19:06
Sehr schöne Compilation, diesmal erfreulicherweise nicht wie sonst mit ihren bekannten Songs.
serenity now!
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Nachdem ich im Gefolge der Tracks-Umfrage zu Franklin endlich die Box mit den ganzen Columbia-Alben gefunden habe, geht meine 3-CD-Box an einen guten Freund. Mochte die Compilation bis dahin auch ganz gerne, aber freue mich jetzt - trotz durchwachsener Bilanz - drauf, das Gesamtpaket zu erkunden.
Hier läuft:

Kenny Barron with Roy Haynes and Charlie Haden – Wanton Spirit | Nach einer längeren Pause nach der ersten leisen Enttäuschung gefällt mir das Album heute wider Erwarten gut. Ist ja auch nicht mehr die Frage nach irgendwelche Lieblingsalben, sondern einfach eine lockere Nachbereitung. Ein paar der Leute, die bei Mengelberg verarbeitet werden, sind hier auch präsent, zumindest ist es die Klangwelt von Ellington ("Do the Coltrane" öffnet das Album, später gibt es noch "Melancholia") und Strayhorn ("Passion Flower") ist vertreten, dazu Kollegen wie Herbie Hancock ("One Finger Snap" beschliesst das Album), Richie Beirach ("Nightlake" steht mittendrin), es gibt aber auch Tom Harrells "Sail Away" und eine überraschende Version von "Be Bop" von Dizzy Gillespie: ist erster als Trompeten-Poet wohlbekannt, so ist der Effekt einer langsamen (na ja, mittelschnellen, aber beim üblichen Tempo fühlt sich das fast wie Zeitlupe an) Version von Gillespies Stück sehr überraschend - und ähnlich wie beim Trio Jewels and Binoculars und ihren Dylan-Versionen wird das melodische Potential eines Stücks offenbar, bei dem man nie daran gedacht hat. Von Victor Lewis stammt die Ballade "The Loss of a Moment", von Earl McDonald das Titelstück mit einem tollen Beat von Haynes. Barron selbst hat nur ein Stück beigesteuert, "Madman". Charlie Haden und Roy Haynes werden nicht ganz zu gleichberechtigten Partnern hier - Barron ist nimmt dafür etwas zu viel Raum ein - dennoch ein Album, das ich gerade neu entdecke und mehr schätze denn je bisher. Ich möchte direkt sagen, dass es sich nicht vor "Art of the Three" (Cobham mit Barron und Carter) verstecken braucht, aber das sind Äpfel und Orangen, so unterschiedlich sind diese zwei Trios.
Hier läuft:

Kenny Barron with Roy Haynes and Charlie Haden – Wanton Spirit | Nach einer längeren Pause nach der ersten leisen Enttäuschung gefällt mir das Album heute wider Erwarten gut. Ist ja auch nicht mehr die Frage nach irgendwelche Lieblingsalben, sondern einfach eine lockere Nachbereitung. Ein paar der Leute, die bei Mengelberg verarbeitet werden, sind hier auch präsent, zumindest ist es die Klangwelt von Ellington ("Do the Coltrane" öffnet das Album, später gibt es noch "Melancholia") und Strayhorn ("Passion Flower") ist vertreten, dazu Kollegen wie Herbie Hancock ("One Finger Snap" beschliesst das Album), Richie Beirach ("Nightlake" steht mittendrin), es gibt aber auch Tom Harrells "Sail Away" und eine überraschende Version von "Be Bop" von Dizzy Gillespie: ist erster als Trompeten-Poet wohlbekannt, so ist der Effekt einer langsamen (na ja, mittelschnellen, aber beim üblichen Tempo fühlt sich das fast wie Zeitlupe an) Version von Gillespies Stück sehr überraschend - und ähnlich wie beim Trio Jewels and Binoculars und ihren Dylan-Versionen wird das melodische Potential eines Stücks offenbar, bei dem man nie daran gedacht hat. Von Victor Lewis stammt die Ballade "The Loss of a Moment", von Earl McDonald das Titelstück mit einem tollen Beat von Haynes. Barron selbst hat nur ein Stück beigesteuert, "Madman". Charlie Haden und Roy Haynes werden nicht ganz zu gleichberechtigten Partnern hier - Barron ist nimmt dafür etwas zu viel Raum ein - dennoch ein Album, das ich gerade neu entdecke und mehr schätze denn je bisher. Ich möchte direkt sagen, dass es sich nicht vor "Art of the Three" (Cobham mit Barron und Carter) verstecken braucht, aber das sind Äpfel und Orangen, so unterschiedlich sind diese zwei Trios.
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