Lionel Loueke & Dave Holland (26.03.2026, Zig Zag Jazz Club, Berlin)
Zwei Musiker, die von der Herkunft kaum unterschiedlicher sein könnten, wie Dave Holland auch feststellt: Lionel Loueke, Jahrgang 1973 stammt aus Benin/Westafrika, Dave Holland ist 1946 in Wolverhampton, England geboren. Das ist auch äußerlich unübersehbar: Hier der eher zierlich wirkende grauhaarige weiße ältere Herr, dort der kräftige schwarze Glatzkopf. Getroffen haben sich beide in Amerika und verbunden sind sie über alle Unterschiede hinweg durch die Musik.
Im ausverkauften Zig Zag mit vielleicht 200 Menschen im Publikum herrscht fast Wohnzimmeratmosphäre. Neben mir mit dabei der angereiste lotterlotta, vorgarten und meine Begleiterin U.
Bei Dave Holland fällt mir sofort wieder sein lebhaftes Spiel auf dem Bass auf. Seine Finger tanzen über das Griffbrett und die Saiten. Das hat nichts mit einem walking bass als Begleitung zu tun, wobei es ihm gelingt, bei aller improvisatorischen Freiheit immer irgendwie den Bezug zu einem zugrundeliegenden Thema, einer Figur zu bewahren. Loueke lässt sich von Hollands Spiel anstoßen, reflektiert und kommentiert es, hakt ein und ergänzt dieses Gewebe. Hier und da zurückhaltender Gesang und rhythmische Schnalzlaute von Loueke. Mal tritt der eine oder der andere etwas mehr in den Vordergrund, aber am schönsten es, wenn nicht mehr auszumachen ist, wer hier führt und wer hier folgt. Wie ein gemeinsam improvisierter Tanz. Einige der schönsten Momente sind, wenn Loueke zu Hollands Spiel nur etwas mit den Händen auf der Gitarre trommelt. Manchmal setzt er aber auch zu einem Solo an, entfernt sich etwas vom gemeinsamen groove und schweift ab. Da reißt die Spannung zwischen ihm und Holland ab und ich war immer erleichtert, wenn er wieder zurückfand. Andere haben das aber offenbar anders gehört.
Ein feines, sensibles musikalisches Gewebe, ein respektvoller, oft zarter Umgang der beiden miteinander. Blickkontakt, Lächeln, manchmal brechen sie in Lachen aus. Dave Holland erzählt berührt und berührend von seiner großen Inspiration Wayne Shorter, dessen Stück United dem gemeinsamen Album von Loueke und Holland den Titel gab. Ganz am Ende das Stück Life Goes On. Wenn der so kräftig wirkende Lionel Loueke mit sanfter und zerbrechlicher Stimme singt und beide auf ihren Instrumenten die Töne fast nur tupfen ist das „in these troubled times“ (Holland) ein Hoffnung stiftender Moment. Ein schöner, entspannter und sanft stimmender kammermusikalischer Abend!
Meine Begleiterin verabschiedet sich müde. Dann noch Bierchen mit lottertotta und vorgarten am Tresen. vorgarten fährt mit dem Fahrrad, lotterlotta und ich fahren nachts um 1 mit der Ringbahn durch die halbe Stadt nach hause bzw. zur Gastgeberin.
@lotterlotta ist am Samstag noch in der Philharmonie bei Klaus Hoffmann,
@vorgarten wieder im Zig Zag bei Steve Coleman. Ich erwarte ausführliche Berichte!