Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

latho hat geschrieben: 13 Mär 2026, 14:55
Grievous Angel hat geschrieben: 13 Mär 2026, 14:00 Weiß ich doch, hätte ja sein können. :D Welche Fragen hattest du den an den Herrn Graf, wenn ich fragen darf?
Also zuerst mal habe ich mir die Frage verkniffen, weil wir nebeneinander am Pissoir standen... Aber wenn ich mich richtig erinnere, wollte ich seine Meinung hören, ob er Electric Horseman für einen Western hält (weil mich da auch seine Definition interessiert hätte) - hat er aber nicht richtig beantwortet.
Nebenbei hat er in der Q&A-Session auch erwähnt, dass er sich seine Filme fürs Fernsehen (Tatort etc) gar nicht mehr ansieht, nur noch seine eigene Fassung. Anscheinend trauen sich die Beamten auch an Filme von Dominik Graf heran, um das Publikum nicht mit Kunst zu verschrecken.
Da war er am Pissoir wohl zu fokussiert um über diese Frage tiefer nachdenken zu können... Wie wäre deine Antwort auf die Frage?
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

Grievous Angel hat geschrieben: 13 Mär 2026, 14:03
Friedrich hat geschrieben: 13 Mär 2026, 13:54 Nouvelle Vague (Richard Linklater, 2025)
Gerne gelesen, danke dafür!
gypsy tail wind hat geschrieben: 13 Mär 2026, 14:28Danke Dir - hatte eine Karte für eine Vorstellung beim Zurich Film Festival letzten Herbst aber konnte an dem Abend nicht und musste die Karte verschenken. Läuft seit gestern sehe ich gerade ... dann geh ich die Tage mal!
Gern geschehen!

Hat Spaß gemacht über Nouvelle Vague zu schreiben. Der Film ist inspirierend und belebend, Jean-Luc Godard ist größenwahnsinnig, unverschämt und faszinierend. Schaut Euch den Film an! Bin gespannt auf Eure Eindrücke.

Außer Atem habe ich vor langer, langer Zeit mal gesehen. Müsste jetzt eigentlich wieder in Kino kommen! Ich wünsche mir sogar eine ganze Nouvelle Vague-Retrospektive. Ansonsten muss ich auf Stream oder DVD ausweichen.
Zuletzt geändert von Friedrich am 13 Mär 2026, 17:20, insgesamt 1-mal geändert.
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Shanks
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Shanks »

Friedrich hat geschrieben: 13 Mär 2026, 17:05 Außer Atem habe ich vor langer, langer Zeit mal gesehen. Müsste jetzt eigentlich wieder in Kino kommen!
Nächste Woche Samstag ist der Film in den Hackeschen Höfen zu sehen. Auf 35mm.
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

Shanks hat geschrieben: 13 Mär 2026, 17:20
Friedrich hat geschrieben: 13 Mär 2026, 17:05 Außer Atem habe ich vor langer, langer Zeit mal gesehen. Müsste jetzt eigentlich wieder in Kino kommen!
Nächste Woche Samstag ist der Film in den Hackeschen Höfen zu sehen. Auf 35mm.
Danke!

Außerdem in der Brotfabik und im Cinema Paris.

Ach, und noch was: Die epd Film widmet ihre aktuelle Ausgabe der Nouvelle Vague.

Bild

(Habe etwas getan, was Godard niemals getan hätte und habe meinen Ursprungspost etwas editiert. Schreiben über Nouvelle Vague / Außer Atem erfordert den entsprechenden Schwung! Das gelingt mir nicht immer auf Anhieb. Bei Godard sind es aber wohl fast immer erste takes und "Coupe!")
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »

Friedrich hat geschrieben: 13 Mär 2026, 17:05 Außer Atem habe ich vor langer, langer Zeit mal gesehen. Müsste jetzt eigentlich wieder in Kino kommen! Ich wünsche mir sogar eine ganze Nouvelle Vague-Retrospektive. Ansonsten muss ich auf Stream oder DVD ausweichen.
Ich hab vor ein paar Jahren mal einen Sommer lang jeden Abend einen Godard-Film geschaut ... bin ein grosser Fan des Werks und finde den seltsamen grumpy Kerl auch irgendwie interessant. War gerade in Mailand endlich mal in der Fondazione Prada und hab dort erstmal fast zwei Stunden im Godard-Raum verbracht.





https://www.fondazioneprada.org/project ... uc-godard/

P.S.: ein Mädchen, einen Revolver und – nicht ganz unwichtig – eine Kamera ;-)
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latho
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von latho »

Grievous Angel hat geschrieben: 13 Mär 2026, 15:02 Da war er am Pissoir wohl zu fokussiert um über diese Frage tiefer nachdenken zu können... Wie wäre deine Antwort auf die Frage?
Der Film ist ein Western, ein Spät-Western, dessen exaktes Thema so nicht in den klassischen Western hätte auftauchen können. Redford als von Natur, Pferden und seiner Arbeit Entfremdeter bekommt durch eine Kurzschlusshandlung (buchstäblich. Und was für Bilder!) seine Würde und Freiheit zurück, lebt zunehmend in der unbesiegbaren Natur (keiner kann ihn fangen, am Ende wird die Company sich greenwashen). Fondas Figur ist quasi der Zuschauer, der diese Wandlung miterlebt (und Redfords ländlichem Charme erliegt) und am Ende ist diese Beziehung auch nicht von Dauer, kann nicht von Dauer sein, den der Naturbursche ist eben zurück in der Natur, da wo wir eigentlich alle nicht mehr hinkönnen. Kein Wunder, dass Redford da mitgemacht hat. Im Kino besser als auf Mattscheibe (natürlich!), zumal Pollacks Weichzeichner auf der großen Leinwand besser wirkt.
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Grievous Angel
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Grievous Angel »

Friedrich hat geschrieben: 13 Mär 2026, 17:05
Grievous Angel hat geschrieben: 13 Mär 2026, 14:03
Friedrich hat geschrieben: 13 Mär 2026, 13:54 Nouvelle Vague (Richard Linklater, 2025)
Gerne gelesen, danke dafür!
gypsy tail wind hat geschrieben: 13 Mär 2026, 14:28Danke Dir - hatte eine Karte für eine Vorstellung beim Zurich Film Festival letzten Herbst aber konnte an dem Abend nicht und musste die Karte verschenken. Läuft seit gestern sehe ich gerade ... dann geh ich die Tage mal!
Gern geschehen!

Hat Spaß gemacht über Nouvelle Vague zu schreiben. Der Film ist inspirierend und belebend, Jean-Luc Godard ist größenwahnsinnig, unverschämt und faszinierend. Schaut Euch den Film an! Bin gespannt auf Eure Eindrücke.

Außer Atem habe ich vor langer, langer Zeit mal gesehen. Müsste jetzt eigentlich wieder in Kino kommen! Ich wünsche mir sogar eine ganze Nouvelle Vague-Retrospektive. Ansonsten muss ich auf Stream oder DVD ausweichen.
Wie bei gypsy ist auch bei mir Godard eine fixe Größe in meiner filmischen Welt. Mein Kinobesuch bei "Bande à part" in Verbindung mit ein, zwei anderen Erlebnissen war meine Inititalzündung, mich Anfang 20 und damit de facto als Spätchecker für Film zu interessieren. Bei meiner ersten vollen Retrospektive im Wiener Filmmuseum habe ich dann 2015 jeden Tag mit mindestens einem Godard-Film verbracht, bis heute ist er ein Top 5 Regisseur geblieben. In meiner letzten Film-Top 200 von 2019 (huch, schon sieben Jahre her) ist er auch mit sechs Werken vertreten. Im Gegensatz zu seinen größten Bewunderern ist mir einiges aus der ersten Hälfte der 70er mittlerweile ein bisschen zu anstrengend, aber einmal sollte man jeden JLG-Film gesehen haben.

Richard Linklater mag ich ebenfalls, da habe ich allerdings seit "Everybody Wants Some!!" nichts mehr im Kino gesehen. Die beiden vom letzten Jahr interessieren mich aber, auch wenn es hier mit Kinobesuchen für mich nicht so einfach ist wie in der Heimat.
latho hat geschrieben: 14 Mär 2026, 00:34
Grievous Angel hat geschrieben: 13 Mär 2026, 15:02 Da war er am Pissoir wohl zu fokussiert um über diese Frage tiefer nachdenken zu können... Wie wäre deine Antwort auf die Frage?
Der Film ist ein Western, ein Spät-Western, dessen exaktes Thema so nicht in den klassischen Western hätte auftauchen können. Redford als von Natur, Pferden und seiner Arbeit Entfremdeter bekommt durch eine Kurzschlusshandlung (buchstäblich. Und was für Bilder!) seine Würde und Freiheit zurück, lebt zunehmend in der unbesiegbaren Natur (keiner kann ihn fangen, am Ende wird die Company sich greenwashen). Fondas Figur ist quasi der Zuschauer, der diese Wandlung miterlebt (und Redfords ländlichem Charme erliegt) und am Ende ist diese Beziehung auch nicht von Dauer, kann nicht von Dauer sein, den der Naturbursche ist eben zurück in der Natur, da wo wir eigentlich alle nicht mehr hinkönnen. Kein Wunder, dass Redford da mitgemacht hat. Im Kino besser als auf Mattscheibe (natürlich!), zumal Pollacks Weichzeichner auf der großen Leinwand besser wirkt.
Danke für die Einschätzung, toll beschrieben! Mir sind von dem Film vor allem ein paar coole Bilder von Redford im Nudie Suit (!?) in Erinnerung geblieben, habe ich nur einmal auf Servus TV oder so gesehen, als ich noch bei meiner Mutter gewohnt hatte.
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gypsy tail wind
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von gypsy tail wind »



Gestern im Kino: Macho Dancer (PH 1989), nächste Runde in der Brocka-Reihe, und allmählich setzen sich die Stücke zu einem Bild zusammen. Die Verbindung von hartem Sozialdrama, Pop (bis hin zum Trash), Melodram, Synthesizer-Disco-Sound, Stadtaufnahmen, Missbrauch aller Arten, der Clash von Armut und Reichtum, Korruption, Gewalt, Ausweglosigkeit und Auflehnung ... und das alles in queeren Milieus natürlich. Gestern die Geschichte vom Callboy Pol, der in die Hauptstadt zieht, dort zum "Macho Dancer" wird, bei einem Kollegen unterkommt, der nach seiner verschwundenen Schwester sucht (eine Parallele zu "Manila in the Claws of Light"). Lange Tanzszenen aus dem Nachtclub (in dem auch Frauen sitzen - Strip-Shows von schönen Männern, eine Dusch-Nummer, die es im Film gleich zweimal ausführlich zu sehen gibt ...). Pol verliebt sich derweil in eine Prostituierte ... die Schwester wird gefunden, in einem kurzen Shootout kommt der Freund/Bruder um, Pol rächt sich, ein versöhnliches Ende kann es nicht geben, obwohl die Liebe nicht stirbt - einen düstern Schluss gibt es ebensowenig, stattdessen einfach einen offenen. Wuchtig und zugleich geradezu zärtlich sind Brockas Filme.
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motörwolf
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von motörwolf »

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“Wuthering Heights” – Sturmhöhe (“Wuthering Heights”, Emerald Fennell, 2026)

Catherine Earnshaw (Margot Robbie) bekommt von ihrem trunksüchtigen Vater schon in jungen Jahren ein ganz besonderes Haustier [sic!] geschenkt, den jungen und zunächst stummen Heathcliff (Jacob Elordi). Beide wachsen miteinander auf, und als sie erwachsen sind, lieben sie einander. Doch wegen der Pleite ihrer Familie braucht Cathrine Geld, das Heathcliff nicht besitzt, außerdem hat sie Standesdünkel gegenüber einer Beziehung zu einem Knecht. Da kommt ihr Edgar Linton, der neue reiche Nachbar, gerade Recht. Sie heiraten, doch Heathcliff verschwindet mit gebrochenem Herzen. Als er vermögend zurückkehrt, entwickelt sich eine toxische Vierecksgeschichte zwischen den Dreien und Isabella, Lintons Schwester.
Ich habe den Roman von Emily Brontë nie gelesen, was wahrscheinlich ein Vorteil ist, wenn man den Film schaut, denn im Vergleich zur Vorlage hat sich doch wohl einiges geändert. Heathcliff ist im Film ein Weißer, viele der Nebencharaktere sind, wenn man so will, deutlich verfälscht. Mich stört das nicht, da Film und Buch nun einmal zwei unterschiedliche Medien aus völlig anderen Zeiten sind, aber einigen Kritikern hat das wohl missfallen, Dabei weisen schon die Anführungszeichen im Titel darauf hin, dass der Zuschauer hier eben keine 1 zu 1-Verfilmung erwarten sollte.
Ich selbst war überraschend zufrieden mit dem Film, den ich vornehmlich aus zwei Gründen geschaut habe. Erstens wegen Margot Robbie, die immer gerne sehe (nur wegen ihr war mir auch vom ersten Trailer an klar, dass ich Barbie schauen muss). Zweitens mochte den Debutfilm von Emerald Fennell, Promising Young Woman (2020). Robbie ist dann im Film tatsächlich eine Wucht, gerade im Zusammenspiel mit Jacob Elordi. Da ist es mir auch egal, dass sie im Prinzip fehlbesetzt ist, denn als 18-jährige geht sie natürlich nicht durch. Fennels Beitrag zum Film ist nicht ganz so eindeutig positiv. Auf der Habenseite stehen die Bilder, und hier ganz besonders die Landschaftsaufnahmen. Bis auf die Farbsättigung erinnern diese oftmals zum Beispiel an die Herr der Ringe-Filme, so mythisch überhöht sind diese Szenen. Aber auch die Innenaufnahmen sind stark und zeigen wunderbare Details (der Flaschenhaufen Wuthering Heights, die Hände am Kamin in Lintons Anwesen). Ebenso gelungen sind die Kostüme. Über weite Strecken trägt das alles den Film schon fast allein, außerdem ist er mindestens in der ersten Hälfte erstaunlich witzig. Die sich dabei aufbauende, auch sexuelle Spannung zwischen Catherine und Heathcliff ist wirkt glaubhaft, alles in Ordnung also. Bis es dann zu einem scheinbar endlosen Zusammenschnitt von sexuellen Begegnungen der beiden kommt. Sex in der Kutsche, Sex im Freien, Sex hier und Sex da. Doch entgegen dem, was manche Kritiken vermuten lassen, Stichwort Hochglanzporno, ist das sehr bieder inszeniert, und, was schlimmer ist, die Aneinanderreihung nervt. Mehr als jeder Kitsch, den der Film sonst bietet. Ob andere Szenen mit sexuellem Inhalt, besonders die zwischen Heathcliff und Isabella, wirklich gut sind, mag jeder für sich entscheiden. Interessanter sind sie auf jeden Fall. Und auch zwischen Catherine und Heathcliff gibt es diesbezüglich bessere Szenen. Vieles davon wird sich so kaum in der Romanvorlage finden, denke ich, das wäre 1847 wohl deutlich zu gewagt gewesen. Was Fennel also tut, sie streicht weite Teile der Handlung, vereinfacht andere Elemente, und das alles, um eine zwar auf Erotik und Sex konzentrierte Version der Geschichte zu erzählen, aber eben keinen Porno, auch nicht mit Hochglanz. Damit verschieben sich auch die behandelten Probleme: Rassismus spielt im Film keine Rolle mehr, stattdessen wird die Toxizität von Beziehungen behandelt. Ob man dafür das Romansetting gebraucht hätte? Nein, aber mich stört das eben auch nicht. 6,5/10 Trensenknebeln
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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

@gypsy tail wind
@Grievous Angel

Das Zitat von JLG lautet im Original so:
„Tout ce dont vous avez besoin pour faire un film, c’est une fille et un pistolet.“
Deutsch: „Alles, was man braucht, um einen Film zu machen, ist ein Mädchen und eine Pistole.“ Also – andersrum, als ich es wiedergegeben habe - zuerst das Mädchen und dann die Pistole. Ist ja auch logisch, denn wo es kein Mädchen gibt, braucht man natürlich auch keine Pistole. Die Kamera bringt JLG selbst mit und weil es eine man’s man’s man’s world ist – jedenfalls im Jahr 1960 - versteht sich der Mann von selbst. ;-)

Der Vorteil so eines pseudo-dokumentarischen Films ist, dass man wirklich glaubt, dass er die Realität abbildet und ihn als authentisch wahrnimmt. Gleichzeitig ist genau das aber auch der Nachteil, denn jetzt glauben wir, zu wissen, wie À bout de souffle gedreht wurde.

Apropos Kamera, JLG wird zwar einerseits als Bohemien dargestellt, der im Bistro schlaue Sprüche klopft, andererseits aber auch als einer, der zwar als Regisseur sehr unerfahren ist, aber von der technischen Seite des Filmens durchaus etwas versteht. So heuert er gezielt einen Kameramann an, der zuvor im Indochinakrieg als Kriegsberichterstatter gearbeitet hat und daher gewohnt ist, unter „schwierigen“ Bedingungen zu arbeiten und schlägt auch eine Handkamera und besonders lichtempfindliches Filmmaterial vor, das eigentlich nicht für Spielfilme verwendet wird, um ohne künstliche Beleuchtung auszukommen. Aber genug ge-spoilert!

Leider bin ich, was JLG betrifft, bei weitem nicht so sattelfest wie Ihr. Überhaupt bin ich erst spät Filmfreund geworden, da ich meine Jugend an einem Ort verbracht habe, wo das nächste Kino gut 10 km entfernt war. Und außerdem habe ich noch andere Hobbys, die ebenfalls Zeit beanspruchen.

Und Apropos Richard Linklater, es läuft fast parallel noch ein anderer Film von Linklater, und auch ein Film über eine reale Person, nämlich den Broadway Musical-Texter Lorenz Hart (Teil des Duos Rodgers & Hart). Ich glaube, der Film spielt an einem einzigen Tag. Kritiken und Trailer erscheinen vielversprechend.

„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)