Zuletzt gesehen:
Jaws (Regie: Steven Spielberg - USA, 1975) [Re-Watch] 8,5/10
The Social Network (Regie: David Fincher - USA, 2010) 7/10
Luminous Procuress (Regie: Steven Arnold - USA, 1971) 9/10
John Williams Arbeiten für Steven Spielberg beschränken sich gemeinhin auf einen guten Einfall in Jingle-Länge, welcher mit Kleister und Sauce gestreckt wird, um einen zweistündigen Film untermalen zu können. Das führt im Finale von
Jaws dazu, Spannung und Atmosphäre noch vor dem Boot zu versenken, wenn immer wieder jubilierender Abenteuermuzak dazwischengrätscht. Glücklicherweise ist der Rest des Films stark genug, dies auszuhalten.
Steven Arnold, einst ein Dalí-Schützling, eröffnete 1965 den ersten Laden für Hippie-Klamotten in San Francisco und entwarf Plakate für die Konzerte im Matrix Club (u.a. für Blue Cheer), bevor er
Luminous Procuress drehte, eine kosmische Peep-Show mit Schlenkern zum improvisierten Tanztheater, die den Werken Kenneth Angers einiges verdankt. Arnold selbst nennt Carl Gustav Jung, wenn es um seine Inspirationen geht, auch dieser Einfluss wirkt offensichtlich.
Der Film erweist sich als Produkt und Kind seiner Zeit und Umgebung: Ein psychedelisch getönter Untergrundstreifen, der die queere Welt der Cockettes zum Dreh- und Angelpunkt auserkoren hat, ohne vordergründiges Narrativ, dafür mit dem letzten Aufbäumen der vielzitierten freien Liebe, die im Laufe der 70er Jahre ähnlich in der Versenkung verschwand wie
Luminous Procuress, bevor die 80er zum Gegenschlag ausholten, um die 50er zu restaurieren und zu re-installieren. Die Kernfamilie grinst wieder besonders sauber und adrett aus dem Werbefernsehen. Unsimulierter Sex auf der Leinwand? Dafür gibt es doch jetzt aseptische Hochglanzpornos in den Videotheken.
Vierzig Jahre später haben Kommerz und Werbung
queerness als schickes pseudo-progressives Mäntelchen entdeckt, natürlich kastriert und vollends verblödet, um den Leuten noch ein wenig mehr Schrott andrehen zu können, den die Geschäftswelt unbedingt loswerden will - und gleichzeitig poliert sie damit ihr angeknackstes Image auf.
Arnolds Film fristete in der Zwischenzeit ein Dasein im Obskuren, bevor qualitativ grauenvolle Kopien im Internet (z.B. auf YouTube) auftauchten. Mittlerweile kann man
Luminous Procuress in voller 2K-Pracht auf Blu-ray genießen. Und den freidrehenden Sixties-Electronics-Score muss man gehört haben. Keine sparsamen Moog-Tupfer in Popsongs, sondern völlig
bonkers.
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Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.