Ich höre gerade ... Jazz

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hurley
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von hurley »

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Charlie Rouse- Two Is One
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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sonny stitt, saxophone supremacy (1959)

schlimmstes cover der musikgeschichte? auf jeden fall ein heißer anwärter. die musik dagegen lauwarm, vinegar und lewis sind selbstverschuldet uninspiriert, lou levy eigenartig abgehangen, dabei aber trotzdem interessant. was der leader hier anbietet, ist ziemlich gut, aber im abgezirkelten rahmen. diese band hätte ich gerne live gehört.
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hurley
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von hurley »

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Sonny Criss Orchestra- Sonny's Dream: Birth Of The New Cool
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

Falsches Label halt auch, denke ich, @vorgarten

Bessere Quartettalben mit nur Altsax:
https://en.wikipedia.org/wiki/37_Minute ... onny_Stitt
https://en.wikipedia.org/wiki/Sonny_Sti ... ew_Yorkers

Mit fast nur Altsax gäbe es gerade im Roost-Katalog noch mehr.
Don't play what the public want. You play what you want and let the public pick up on what you doin' - even if it take them fifteen, twenty years. (Thelonious Monk)

Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00
soulpope
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von soulpope »

hurley hat geschrieben: 09 Mär 2026, 19:26 Bild

Sonny Criss Orchestra- Sonny's Dream: Birth Of The New Cool
Eine der besten Stunden von Sonny Criss .... die Rhythmusgruppe Tommy Flanagan (p) + Al McKibbon (b) + Everett Brown Jr (dr) ist sehr glänzend .... und alles was Horace Tapscott anrührt wird eh zu Gold ....
"I'm not much but I'm all I have" (Philip K. Dick)
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »

redbeansandrice hat geschrieben: 09 Mär 2026, 10:03
Gary LeFebvre Quartet

vor Jahren hab ich diese Platte mal in einem Laden für 15 Euro stehenlassen... und hatte mich dann durch die Jahre langsam zu der Erkenntnis gearbeitet, dass das sicher ein Fehler war... bis sie letzte Woche beim zufälligen Griff in eine der 3 Euro Kisten plötzlich in perfektem Zustand vor mir lag... jetzt muss ich die Tage mal eine Stunde finden, um all diese Kisten in Ruhe durchzusehen - aber das ist eine andere Geschichte...

Gary LeFebvre (*1939), einer der letzten klassischen Tenorsaxophonisten des West Coast Cool Jazz, präsentiert hier sein Debutalbum, 1981 also im Alter von 42 Jahren. Sieht er im Bild aus wie 42? Das will man durch die Jahrzehnte nicht beurteilen wollen, aber. Die Karriere hatte hoffnungsvoll begonnen, die Schülerband aus San Diego mit Don Sleet, Mike Wofford und John Guerin hinterlässt im Lighthouse einen hervorragenden Eindruck, es folgen Gigs bei Shorty Rogers, Terry Gibbs, Stan Kenton, Down Beat vergleicht ihn mit Jimmy Giuffre... und dann ist Welt des Cool Jazz plötzlich vorbei, keiner will das Zeug mehr hören und LeFebvre fällt in eine tiefe Krise...

Die Liner Notes zum Album hat seine Frau geschrieben, und offensichtlich will sie einiges gerade rücken, hat mutmasslich auch selbst dazu beigetragen, dass Gary seine Suchtprobleme in den Griff bekommen hat. Wie das Foto, das mutmasslich ein Passfotoautomat geschossen hat, uns klar macht, hat Gary jetzt wieder ein Saxophon, zwei sogar, brandneu. Und ja, er sei schüchtern, und reagiere dann oft nicht gut, wenn er in seine Musik vertieft sei, unterbreche sie ihn auch nicht für Mahlzeiten. Aber, die Landluft in Ventura nördlich von LA tue im gut und so war er nun endlich in der Lage, ein Debutalbum nach Mass einzuspielen.

Das Album lief am Wochenende einige Male, es ist ziemlich erstaunlich. Am Fender Rhodes wird LeFebvre von seinem treuen Sidekick Kei Akagi begleitet, der von den 70ern bis in die Mitte der 80er bei ihm blieb, um dann zunächst von Airto und Flora Purim und danach um 1990 von Miles Davis abgeworben zu werden. Und Keyboarder bei Miles Davis im Jahr 1990 ist nicht das gleiche wie Pianist bei Shelly Manne oder Shorty Rogers im Jahr 1965... Akagi liegt auf dem Album hier stilistisch irgendwo dazwischen, spielt ein sehr pures Fender Rhodes, das irgendwie von Chick Corea und Bill Evans herkommt. Der Rest der Rhythmusgruppe ist dann ein harter Kontrast, Leroy Vinegar und Frank Butler, beide mit freundlicher Erlaubnis von Xanadu Records an Bord, sind vielleicht das beste akustische Bass-Drums Team, das man um 1980 für klassischen West Coast Jazz an der Westküste hätte finden können. Die beiden verbiegen sich auch gar nicht, haben jede Menge Spielfreude mitgebracht und bilden einen tollen Kontrast zu Akagi. Tatsächlich war dieser Kontrast der Aspekt des Albums, der damals bei Down Beat (****) die meisten Abzüge brachte, da hätte man sich wohl eher Lou Levy gewünscht; ausserdem einen etwas expansiveren Bassisten... aber ich muss sagen, ich find es gerade gut so, auch weil es LeFebvres Bemühungen, relevant zu bleiben, betont, im Repertoire finden sich auch Wayne Shorter und Chick Corea - und weil Vinegar/Butler immer Spass macht. LeFebvres Saxophonspiel wird bei Down Beat sehr gelobt, Coltrane, Oliver Nelson und Warne Marsh seien gleichermassen zu hören, ich finds auch sehr gut. Die eine Produktionsentscheidung, die es für mich nicht gebraucht hätte, sind die Saxophonoverdubs, die LeFebvre in den Themen benutzt hat, um mehrstimmig spielen zu können, ein bisschen wie auf den klassischen West Coast Jazz Alben von Leuten wie Bill Perkins und RIchie Kamuca, aber da kann man drüber hinweghören.

Gary Lefebvre – Another Time, Another Place

Das zweite LeFebvre Album (gibt noch etwas mehr auf selbstproduzierten CDs/Streams.) Die Funktionsweste sagt uns, dass die Frau aus Ventura, CA, sich noch um ihn kümmerte, der Albumtitel deutet an, dass er im Kopf schon wieder weiter ist [pure Spekulation, gebe ich zu... aber ich vermute, dass die Ehe nach dem Album nicht mehr lange hielt]. Mit den Jahren verstärkte sich bei mir wie gesagt das Gefühl, es sei ein Fehler gewesen, das LeFebvre Album auf Discovery nicht gekauft zu haben... Ein Grund war, dass "Leroy Vinegar (b), Frank Butler (dr)" mit den Jahren immer interessanter wurde...

Der andere Grund war, dass ich mir inzwischen relativ sicher bin, also, so 60/40, Gary LeFebvre einmal getroffen zu haben... Tatsächlich war er mutmasslich der erste Jazzmusiker, den ich kennenlernen durfte... und das kam so: Im September 1997 war ich Austauschschüler in San Diego und wollte natürlich alles über Jazz lernen. Auf der Stan Kenton Mailing List gab jemand den Tipp, dass Daniel Jackson im Auftrag einer Stiftung öffentliche Workshops anbiete, an denen jeder teilnehmen könne... Also ging ich da hin, offensichtlich ohne zu wissen, was mich erwartete, zwei Stunden mit dem Bus hin, zwei Stunden wieder zurück, der öffentliche Nahverkehr in San Diego ist anders als zu Hause... Es war Samstag mittag, das Kulturzentrum, wo der Unterricht stattfinden sollte, war schnell gefunden, El Campo Ruse.

Zunächst war keiner da, ich ging nochmal um den Block, beim nächsten Mal sassen zwei Herren zwischen ca 50 und 60 vor dem Eingang, ein Herr mit Schnäuzer der aus einer Papiertüte ein geistiges Getränk trank und dabei vor sich hin schimpfte, wie alle andere die Chancen kriegt, die ihm eigentlich zugestanden hätten... ich bin mir inzwischen fast sicher, dass das LeFebvre war... und George, ein Gitarrist, der nach eigenen Angaben nur Musik machte, um sich das Geschimpfe seiner Frau nicht anhören zu müssen... erzählte er mir später einmal - vielleicht war er in dem Moment erleichert, dass mal alle andere schuld waren und nicht er... oder er war etwas genervt. Wie auch immer... die Frage "was war zuerst, der böse, besoffene Mann, oder all die Chancen, die immer nur die anderen hatten..." drängte sich ein bisschen auf, ohne dass ich in dem Moment irgendwas vom Hintergrund gewusst hätte. Und weil ich 16 war, hielt ich einfach die Klappe.

Bei der Musikstunde fand sich dann ein netter Saxophonstudent von der UCSD, Kompositionsklasse von George Lewis, bei dem ich mit in die Noten schauen durfte... (Ich hatte übrigens ein bisschen das Gefühl, musikalisch erheblich weniger zu können als die meisten anderen, absolut zu Recht)... wie auch immer, am Ende hatten wir eine Gruppe von etwa zehn Schülern, ein Pianist, drei Gitarristen, einige Bläser, Daniel Jackson spielte so wie meistens Schlagzeug... der Herr mit dem Schnäuzer spielte etwas lieblos die Congas, die vor Ort herumstanden... Und nach etwa einer halben Stunde entstand ein Tumult, der Herr mit dem Schnäuzer warf unseren Notenständer um, scheinbar beim Versuch damit einen Flötisten zu verletzen, der entweder Manuel oder Steve hiess (ein Wunder, an wieviel ich mich noch erinner... "I don't like your face, man"... war die Begründung) und dann wurde der Herr mit dem Schnäuzer des Raumes verwiesen ("This is my space, get out of it.")

Warum denk ich, dass es LeFevbre war? Zunächst mal kam aus seinen Erzählungen klar heraus, dass er ein Saxophonist war, der schon bessere Zeiten gesehen hatte, er habe neulich im Park Song For My Father gespielt und alle seien völlig hin und weg gewesen, war der grösste Erfolg der jüngeren Vergangenheit. Daniel Jackson war für ihn eindeutig ein Massstab, und er war eindeutig der Meinung, mehr zu können... LeFebvre und Jackson spielten in den 50ern in der gleichen Szene... und Jacksons Karriere lief jetzt schon nicht gerade nach Plan, es gab wenig Grund für Neid... aber da sind ein paar Meilensteine, die nicht jeder Hard Bop Saxophonist im Lebenslauf hat... Tourneen als Solist mit Buddy Rich und Ray Charles, Quintettalben als Sideman auf Riverside und Pacific Jazz mit vielen eigenen Kompositionen, Gigs mit Art Farmer und Jimmy Smith, Mentor von Arthur Blythe, Gregory Porter und einigen anderen... und bei aller Bescheidenheit: wenn er spielte, merkte einfach jeder im Raum, dass echt ein Meister am Werk ist, sein Ziel war es, so wie James Moody zu spielen - und vielleicht war er 2% schlechter, aber ohne den direkten Vergleich mit Moody, war er schon ein ziemlich beeindruckender Musiker, wenn er sein Saxophon auspackte und man aus der Nähe zusah. Die Idee "Jackson hatte es so einfach, obwohl ich so viel mehr Talent hab" wirkte damals abwegig, und sie ist es noch immer - es sei denn man war jemand wie LeFevbre, der schon in den 50ern dabei war, und für einen kurzen Moment um 1960 vielleicht tatsächlich die besseren Karten und Skills hatte...

Er sei dabei, zusammen mit Chucky McPherson (Drummer, Sohn, fester Sideman von Jackson) was ganz grosses aufzubauen hiess es auch noch... daraus wurde nichts, aber tatsächlich blühte LeFevbres Karriere in den späten 90ern nochmal auf, nachdem es zwischendurch wieder schwierige Jahre gegeben hatte... Also: Es gab noch ein zweites Album aus Ventura um 1986, das lief heute einige Male... wieder mit Kei Agaki, der inzwischen wieder mehr Klaviersounds verwendet, und John Patitucci am Bass, dem Symbol für die fiesen Basssounds der 80er, wie Iverson neulich bemerkte... und dann folgte ein Umbruch, er zog nach Europa, das klappte nicht, und dann halt zurück nach San Diego... um 1990 dann nochmal ein Schwung an Aktivitäten in San Diego... und dann wieder Stille... und in den späten 90ern frühen 2000ern dann das, was die Karriere eines Musikers aus seiner Generation krönt, endlich die eigene Big Band, mit einem jungen Gerald Clayton am Klavier... Gary Lefebvre starb 2013 mit 74 Jahren.

Zuletzt geändert von redbeansandrice am 10 Mär 2026, 15:18, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von atom »

lotterlotta hat geschrieben: 08 Mär 2026, 17:12

dave holland&norma winston&the london vocal project-vital spark(music of kenny wheeler), wurde ja neulich schon von @atom kurz vorgestellt. warum man holland&winston dort als headliner hinstellen musste hat wahrscheinlich nur mit ihrem bekannten namen zu tun. gerechter würde man dem ganzen, wenn dort nur der album titel mit music of kenny wheeler stehen würde und darunter alle beteiligten musiker mit dem arrangeur. klar nimmt man winston als sängerin sehr direkt wahr aber es ist tasächlich die ganze band die hier die letzten werke von wheeler ganz hervorragend darbietet, eine feine und sehr entspannende darbietung.....sollte hier jeder mal gehört haben!! neben winstons stimme finde ich piano und gitarre doch schon besonders in erscheinung tretend! hier die beteiligten

norma winstone - voice
dave holland - bass
nikki iles - piano
james maddren - drums
mark lockheart - tenor & soprano sax
john parricelli - guitar (on ‘not waving but drowning, jazzonia, fuite d’enfance, infant joy & heavenly city)

the london vocal project: 8x sopran-, 9x alt-. 4xtenor-, 4x bass-stimmen
director: pete churchill
Das Album habe ich heute noch ein paar Mal gehört und es bestätigt sich: ein sehr stimmiges Projekt, das Wheelers Musik wirklich gerecht wird. Ich nehme das Ensemble ebenfalls als Ganzes wahr – gerade in den Passagen mit den Vokalisten verschwimmen die Hierarchien angenehm. Dass Holland trotzdem als Co-Leader firmiert, stört mich nicht; sein Bass gibt dem Ganzen eine tragende Mitte, auch wenn er sich nie in den Vordergrund drängt. Iles und Parricelli fallen mir ebenfalls positiv auf. Ein weiteres Highlight in einem starken ersten Quartal.
serenity now!
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

redbeansandrice hat geschrieben: 09 Mär 2026, 10:03 der andere Grund war, dass ich mir inzwischen relativ sicher bin, also, so 60/40, Gary LeFebvre einmal getroffen zu haben... Tatsächlich war er mutmasslich der erste Jazzmusiker, den ich kennenlernen durfte... und das kam so:
schöne geschichte!
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gypsy tail wind
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von gypsy tail wind »

Ja, danke sehr fürs Erzählen @redbeansandrice!

Morgenmusik, ein Track aus der Tube - Neneh Cherry wird heute 62 Jahre alt (krass, die "Jungen" sind auch längst alt, gilt ja auch für uns), seit Jahren nicht gehört ... ich war ja zunächst längst nicht so begeistert wie die meisten - es dauerte einfach etwas länger - und das echt super gealtert:

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Mirror Man
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Mirror Man »

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