Der letzte Film, den ich gesehen habe

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Friedrich
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Friedrich »

zissou hat geschrieben: 07 Mär 2026, 16:10
Friedrich hat geschrieben: 07 Mär 2026, 13:36

Verbrannte Erde (Thomas Arslan, 2024)

Hatte ich 2024 schon im Kino gesehen. Läuft gerade noch ein paar Tage bei arte im Stream. Einer der Filme, die beim zweiten mal Sehen noch viel besser werden, weil man da erst richtig erkennt, wie die Geschichte aufgebaut ist, wie die Figuren agieren und warum.

Man kann entweder sehr viel oder sehr wenig über Verbrannte Erde schreiben. Wir sehen eigentlich immer nur die Oberfläche. Was in den Köpfen und Seelen der Menschen im Film vorgeht, wird nur angedeutet. Sie sind schweigsam, selbst die Mimik ist kontrolliert und zurückhaltend. Kein Wort zuviel, nichts preisgeben, denn hier kann keiner dem anderen trauen. Die Spannung entsteht hier zwischen den wenigen gespochenen Sätzen und zwischen den Szenen, in den wirklich etwas passiert. Berlin als Kulisse besteht hier aus anonymen Hotelzimmern, stereotypen Büros, Parkhäusern, Stadtautobahnen und Gewerbegebieten. Das ist kühl, bitter, aber nicht zynisch, denn irgendwie fühlt man sich doch in die Hauptfigur Trojan ein, den einsamen Berufskriminellen, großartig gespielt von Mišel Matičević.

Ganz am Ende tut sich ein kleiner Spalt Hoffnung auf etwas menschliche Wärme zwischen Trojan und seiner Komplizin Diana (Marie Leuenberger) auf. Aber auch die löst sich in einer schauspielerisch unterkühlten, aber unterschwellig emotionsgeladenen Szene auf. Gefühl gehört leider nicht zum Geschäft.

Großartig!
war auch sehr begeistert, toller Film!
Freut mich!

Ich war gestern Abend wirklich hin und weg. Gleichzeitig fiel mir aber auch auf, wie bitter dieser Film ist. Wirklich berührend ist die letzte Szene, in der Trojan und Diana sich trennen. Dass zwischen den beiden eigentlich was laufen könnte, wird weiter vorne im Film angedeutet, als die beiden in einer der sehr wenigen Szenen, die die Figuren als "Privatpersonen" zeigt, gemeinsam einen Kaffee trinken und Diana etwas über den Menschen Trojan erfahren möchte. Der Versuch eines Flirts. Er bleibt einsilbig, wirkt fast etwas verlegen, man merkt aber, dass er in der Rolle des einsamen Wolfes gefangen und nicht glücklich ist. Die Abschiedsszene selbst wirkt zunächst unscheinbar, wenn man aber genau hinsieht, merkt man, wie dort mit wenigen Worten, langen Pausen, minimaler Gestik und Mimik sehr viel gesagt wird.

Übrigens spielt dieser Film sehr viel in Autos. Auch die Abschiedsszene.
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
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Ewalds Ghost
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Ewalds Ghost »

In die Sonne schauen (Mascha Schilinski, 2025)



Viel wusste ich vorab nicht über diesen Film, erwartet hatte ich ein ruhiges Sittengemälde auf einem Bauernhof über einen Zeitraum von etwa 100 Jahren, wie Menschen in diesem Zeitraum dort gelebt haben. Das ist der Film schon auch, aber noch viel mehr als das.

Es passiert eigentlich nicht sehr viel über die 150 Minuten, die Langsamkeit der Erzählweise gerät zuweilen fast provokant, dennoch faszinierte und verstörte mich der Film gleichermaßen. Mit seiner Bildsprache, seiner unheimlichen, melancholischen, manchmal geisterhaften Atmosphäre, zu der besonders das subtil verstörende Sounddesign beiträgt. Hauptdarsteller ist eigentlich der Hof auf dem all das stattfindet, und es scheint als ob die Ereignisse sich nach und nach in seinen Wänden, Räumen, Möbeln manifestieren. Was man sieht, betrachtet, ist alles "normal", nicht selten banal, und so in der Realität vieltausendfach passiert, dennoch hat man den Eindruck dass etwas nicht passt, nicht stimmt. Als Betrachter des Films ist man fast selber wie ein Geist, und manchmal scheint es als ob die Menschen die dort leben und die man im Film sieht einen für einen kurzen Moment erkennen.

Spontan kamen mir drei sehr unterschiedliche Referenzen in den Sinn: "Mulholland Drive" (2001, David Lynch), "Das Weisse Band" (Michael Haneke, 2009) und "A Ghost Story" (2017, David Lovery).

Bewertung vorerst 8/10, aber "In die Sonne schauen" ist zweifelsohne ein Film der sich einem erst nach mehrfachem Betrachten richtig erschliesst.
Stranded.
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Talking Head
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von Talking Head »

Gerade eben auf arte:

Der mit dem Wolf tanzt (Dance With Wolves, Kevin Costner, 1990)

Ein wahrlich epochales Spätmeisterwerk, das dem Western auch ein bisschen zum Wiedererstehen verholfen hat.

Der Film ist wirklich ganz schön lang und man muss sich die Zeit nehmen, um ihn auf sich wirken zu lassen. Die hatte ich heute und es hat sich absolut gelohnt.

Kommt mit Sicherheit wieder in meine TOP 10 Western!

@admin , ist es erlaubt, hier so einfach neue Threads zu eröffnen?
Das Leben als Pensionär ist einfach nur geil!
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salamandersalat
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Re: Der letzte Film, den ich gesehen habe

Beitrag von salamandersalat »

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Wenn gemeinhin von Filmen aus der Tschechoslowakei gesprochen wird, meint man meist Filme aus Tschechien. Eduard Grečners dritte Regiearbeit stammt jedoch wirklich aus der Slowakei. Selbst die herausragendsten, manchmal in Schlieren stehenden S/W-Bilder in Drak sa vracia werden von einem der stärksten Scores, den ich in letzter Zeit vernahm, an die Wand gespielt. Immer wieder folge ich gebannt der Musik, die Fotografie gerät etwas ins Hintertreffen. Komponist Ilja Zeljenka und die Tonmischer haben ganze Arbeit geleistet: Avantgardistische Klänge, Stimmfetzen, die Geräusche des Dorfes und der Natur, alle vereint, um den Konflikt des Einzelnen mit der Gemeinschaft nachzuzeichnen.
Keramikvasen geh'n jetzt wieder viel leichter kaputt.