jason moran plays duke ellington (202?)
ich würde ja auch gerne melissa aldana als album des monats nominieren, aber dann kam das hier dazwischen (bisher digital only, aber wer weiß, es gibt einen credit für packing und hair...). zwischenstand vom karrierelangen projekt, ellington zu spielen, uraufgeführt im kennedy center in washington, wenn ich das richtig sehe, 2024, als moran künstlerischer leiter war - das ist er seit der entlassung von präsidentin und vorstand durch trump selbstbestimmt nicht mehr. ich höre das mit fröhlicher fassungslosigkeit (mein langes projekt: ellington hören), welche tiefe da zwischendrin erzeugt wird (melancholia), wobei manche basslinien wie DNA-samples heutiger popsongs daherkommen (reflections in d), anderes, wie das blues-ostinato-skelett von "jeep's blues", fast wie die rückübersetzung eines hiphop-samples, aber insgesamt ist das ein schillernd-komplexes komplettangebot, so, als wäre die ganze jazzpianistik bei ellington angelegt. manchmal resonieren da nur holz und raum, aber ich glaube auch jeden ton, wenn mal blues gespielt wird. die große conferencier-geste ist da, führt aber zwischendurch auch in eine attacke, die ich nicht anders als politisch lesen kann: die "black and tan fantasy" wird so breakbeathaft angegangen, dass wäre sie ein straßenkampf, stürzt dann aber jäh (nein, eigentlich nicht jäh) in eine cluster-wolke ab, die minutenlang dröhnt, dabei aber - ganz fein - die farben wechselt. highlights, gestaffelt.