Ich höre gerade ... Jazz

redbeansandrice
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von redbeansandrice »


Dolo Coker - Third Down

eins dieser Xanadu Alben, die erstmal nach nicht viel aussehen, aber: Leroy Vinegar / Frank Butler sind Weltklasse, und auch der Leader ist vielen Wassern gewaschen, Ben Webster in den 40ern, Kenny Dorham in den 50ern... hat nicht jeder im Lebenslauf stehen... Coker ist jemand, der seine ganze Leaderdiskografie bei Xanadu in den 70ern hat... und Don Schlitten hatte absolut recht: Coker ist ein super Bebop Pianist, der auch eine Menge von Blues versteht, die Musik ist unaufgeregt aber weiss den Raum zu füllen... auf zwei der sieben Tracks kommt noch Harry Edison an der Trompete dazu.
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Mirror Man
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Mirror Man »

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Sylvaine Hélary - Glowing Life
Thokei
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Thokei »

Donald Byrd- Royal Flush

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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »

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amina claudine myers, song for mother E (1979)

warum kein bass? wahrscheinlich, weil myers hier sehr viel orgel spielt und dabei den bass in den füßen hat. aber auch sonst ist der raum mit dem hyperaktiven schlagzeugspiel von pheeroan aklaff gut gefüllt. ein ziemlich breites portfolio wird hier aufgeblättert, in dem frühe afroamerikanische pianistik ziemlich selbstverständlich in die avantgarde führt. die aussage "I'm not afraid" bildet dabei den rahmen. heute mochte ich die orgel-sachen sehr gerne, wahrscheinlich, weil sie sonst auf ihren alben nicht so oft zum einsatz kommt, sie aber eigentlich einen sound darauf hat, den ich vielleicht sogar blind wiedererkennen würde.
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vorgarten
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von vorgarten »



jason moran plays duke ellington (202?)

ich würde ja auch gerne melissa aldana als album des monats nominieren, aber dann kam das hier dazwischen (bisher digital only, aber wer weiß, es gibt einen credit für packing und hair...). zwischenstand vom karrierelangen projekt, ellington zu spielen, uraufgeführt im kennedy center in washington, wenn ich das richtig sehe, 2024, als moran künstlerischer leiter war - das ist er seit der entlassung von präsidentin und vorstand durch trump selbstbestimmt nicht mehr. ich höre das mit fröhlicher fassungslosigkeit (mein langes projekt: ellington hören), welche tiefe da zwischendrin erzeugt wird (melancholia), wobei manche basslinien wie DNA-samples heutiger popsongs daherkommen (reflections in d), anderes, wie das blues-ostinato-skelett von "jeep's blues", fast wie die rückübersetzung eines hiphop-samples, aber insgesamt ist das ein schillernd-komplexes komplettangebot, so, als wäre die ganze jazzpianistik bei ellington angelegt. manchmal resonieren da nur holz und raum, aber ich glaube auch jeden ton, wenn mal blues gespielt wird. die große conferencier-geste ist da, führt aber zwischendurch auch in eine attacke, die ich nicht anders als politisch lesen kann: die "black and tan fantasy" wird so breakbeathaft angegangen, dass wäre sie ein straßenkampf, stürzt dann aber jäh (nein, eigentlich nicht jäh) in eine cluster-wolke ab, die minutenlang dröhnt, dabei aber - ganz fein - die farben wechselt. highlights, gestaffelt.
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atom
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von atom »

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BILLY GAULT - When Destiny Calls (The Music Of Billy Gault) (SteepleChade, 1975)

Zufällig bei Honest Jon's in London entdeckt als es dort lief. Einziges Album von Billy Gault, tolle Besetzung: Quintett und Gesang. Unglaublich tolles Album.
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soulpope
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Beitrag von soulpope »

atom hat geschrieben: 02 Mär 2026, 18:39 Bild

BILLY GAULT - When Destiny Calls (The Music Of Billy Gault) (SteepleChade, 1975)

Zufällig bei Honest Jon's in London entdeckt als es dort lief. Einziges Album von Billy Gault, tolle Besetzung: Quintett und Gesang. Unglaublich tolles Album.
Mit dem zu wenig dokumentierten Bill Saxton (ts) ....
"I'm not much but I'm all I have" (Philip K. Dick)
Thokei
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von Thokei »

Tord Gustavsen Trio- Seeing

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Friedrich
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

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Chet Baker - Chet (1959)

Was habe ich noch als Vinyl im Regal stehen, wo Bill Evans mitspielt? Nicht viel, aber bei diesem Chet Baker-Album sitzt er am Klavier. Doch eigentlich fällt er hier nicht besonders auf, sondern verschwimmt etwas im Hintergrund. Das ist hier auch gut so und das hätte ein weniger subtiler Pianist wohl nicht so gut hingekriegt. Denn im Vordergrund stehen hier die Bläser in der etwas ungewöhnlichen Kombination Chet Baker(tp), Herbie Mann (fl) und Pepper Adams (b-sax), die warme und flauschige Klangwolken erzeugen. Auf drei Stücken aber auch Baker als einziger Bläser, begleitet nur von der rhythm section, zwei mal davon mit Kenny Burrell an der Gitarre statt Bill Evans am Piano. Auch Kenny Burrell sehr zurückhaltend, mit nur ganz sanft gesetzten Tupfern. Alles ein bisschen wie benebelt, wie durch einen Schleier betrachtet.

Eine Übung in subtil geschichtetem Klang, Understatement und Langsamkeit - aber auch in Sinnlichkeit. Ist an mir beim ersten Hören vor vielen Jahren ganz am unteren Ende der Aufmerksamkeitsschwelle vorbeigezogen. Muss man sich drauf einlassen. Dann entfaltet sich hier eine außergewöhnliche feine Schönheit.
Zuletzt geändert von Friedrich am 05 Mär 2026, 17:09, insgesamt 1-mal geändert.
„Für mich ist Rock’n’Roll nach wie vor das beste Mittel, um Freundschaften zu schließen.“ (Greil Marcus)
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Beitrag von lotterlotta »

vorgarten hat geschrieben: 02 Mär 2026, 18:21

jason moran plays duke ellington (202?)

ich würde ja auch gerne melissa aldana als album des monats nominieren, aber dann kam das hier dazwischen (bisher digital only, aber wer weiß, es gibt einen credit für packing und hair...). zwischenstand vom karrierelangen projekt, ellington zu spielen, uraufgeführt im kennedy center in washington, wenn ich das richtig sehe, 2024, als moran künstlerischer leiter war - das ist er seit der entlassung von präsidentin und vorstand durch trump selbstbestimmt nicht mehr. ich höre das mit fröhlicher fassungslosigkeit (mein langes projekt: ellington hören), welche tiefe da zwischendrin erzeugt wird (melancholia), wobei manche basslinien wie DNA-samples heutiger popsongs daherkommen (reflections in d), anderes, wie das blues-ostinato-skelett von "jeep's blues", fast wie die rückübersetzung eines hiphop-samples, aber insgesamt ist das ein schillernd-komplexes komplettangebot, so, als wäre die ganze jazzpianistik bei ellington angelegt. manchmal resonieren da nur holz und raum, aber ich glaube auch jeden ton, wenn mal blues gespielt wird. die große conferencier-geste ist da, führt aber zwischendurch auch in eine attacke, die ich nicht anders als politisch lesen kann: die "black and tan fantasy" wird so breakbeathaft angegangen, dass wäre sie ein straßenkampf, stürzt dann aber jäh (nein, eigentlich nicht jäh) in eine cluster-wolke ab, die minutenlang dröhnt, dabei aber - ganz fein - die farben wechselt. highlights, gestaffelt.
...wird wohl physisch nicht veröffentlicht, wie es scheint!
ich wurde mal gefragt warum ich jazz höre. ganz einfach, weil er frei von hautfarbe und emotional ist....