Emanuel "Duke" Brooks

redbeansandrice
Beiträge: 325
Registriert: 04 Dez 2023, 12:13
Has thanked: 65 times
Been thanked: 66 times

Emanuel "Duke" Brooks

Beitrag von redbeansandrice »

Bild

Emanuel "Duke" Brooks (11.4.1921 - 8.7.1951)

Über den Pianisten Duke Brooks hatten wir die letzten Wochen gelegentlich geschrieben, das eine oder andere herausgesucht... in diesem Thread wollen wir den Dingen eins nach dem anderen noch einmal auf den Grund gehen... Die Geschichte beginnt im Thread zum Black & White Mosaic (link). gypsy berichtete, dass der Pianist Duke Brooks auf der Cee Pee Johnson Session von Oktober 1945 laut booklet Emmanuel St. Clare Brooks sei, ein früher Weggefährte von Miles Davis aus East St Louis... thelonica und ich hatten den gleichen Impuls: Wäre es nicht logischer, wenn das Dudley Brooks wäre, der früher in den 40ern bei Cee Pee Johnson war, und in Kalifornien gut dokumentiert ist...

Inzwischen sind wir weiter: Nein, es ist nicht Dudley. Emanuel schreibt sich mit einem "m", St Clare oder St Clair als zweiter Vorname ist vermutlich falsch - auch wenn sowohl Miles Davis als auch Clark Terry es verwendet haben... und Emanuel Brooks war tatsächlich in der Mitte der 40er als Pianist in Los Angeles tätig, mit Red Callender, mit Teddy Edwards, mit Cee Pee Johnson und auch in einer der Capitol Sessions von Sonny Greer... ein paar Credits als Komponist hat er auch, zum Beispiel bei Jesse Price. Er war etwa von 1944 bis 1947 (Aufnahmen mit Teddy Edwards) in Kalifornien, Edwards, Red Callender und Hampton Hawes haben sich in Interviews an ihn in diesen Jahren erinnert. Aber auf discogs zB fehlt Duke Brooks komplett, weil scheinbar der Konsens war, dass er und Dudley die selbe Person waren... Ein grosser Teil von Dudleys Jazzcredits auf discogs ist tatsächlich Emanuel

Miles schrieb in seiner Autobigraphie das folgende ...
When I was in high school I started hanging out with a piano player named Emmanual St. Claire 'Duke' Brooks. he got his nickname 'Duke' because he knew and could play all of Duke Ellington's music. He used to play with the bassist Jimmy Blanton at a place across the street from where I lived then called the Red Inn. Duke Brooks was two or three years older than me, but he had a big influence on me because he was into the new music hat was happening at the time. Man ... he played like Art Tatum. He used to teach me chords and shit. He lived in East St. Louis and had a room by himself in his parents' house, off the porch. I'd go over to his house and listen to him at lunchtime when i was going to Lincoln High School. he smoked a lot of reefer and I think he was killed when he was hoboing a ride on a train somewhere in Pennsylvania.


Der tödliche Unfall 1951 ist gut dokumentiert, besser als die Jahre davor: Der Güterzug, auf dem Brooks mitreiste entgleiste und sein Wagen viel um und er wurde verschüttet... Der Ort in Pennsylvania war an der Südseite des Erie-Sees, wo fast alle Züge von Osten nach Westen entlangkamen (s hier die Karte)

Die Zeit um alles in Ruhe zu besprechen hab ich auch jetzt leider nicht, aber die Themen, wie ich sie momentan sehe, sind die folgenden:
- Dukes Familienhintergrund in East St Louis - da ist die Seite bei findagrave ein guter Start, und familysearch.
- Erinnerungen von anderen an ihn (Miles Davis und Clark Terry mehrfach, ausserdem Edwards, Callender, Hawes und vielleicht andere...)
- Seine Karriere in um 1940 in East St Louis, er spielte unter anderem mit Archie Burnside und Jimmy Dixon, zu denen man auch noch mehr herausfunden kann... und natürlich mit Miles und mit Jimmy Blanton... Es gibt einiges an Material in den lokalen Zeitungen...
- Seine kalifornischen Jahre... hier sind vor allem die Gigs mit Red Callender gut dokumentiert
- Seine Kompositionen... ein paar Credits hat er auch in diesem Bereich.
- Seine Diskografie... Es gibt zwei grössere Sessions, die mit Sonny Greer und eine mit Teddy Edwards (hier) dazu ein paar Tracks mit Cee Pee Johnson und vor allem ein paar Sachen mit Red Callender, die etwas unübersichtlicher sind...
- andere "Duke Brooks": Dudley Brooks hat sich nach unserem Wissen nie Duke genannt... aber ein paar andere Duke Brooks tauchen trotzdem hier und da in Brooks Umgebung auf, obwohl sie wer anders sind... Dazu bei Zeiten mehr.
- Die späten Jahre... viel hab ich noch nicht gefunden, aber ein paar Spuren in East St Louis gibt es, Clark Terry arbeitete um 1948/49 mit ihm zusammen... und vielleicht war er ja doch nochmal woanders - am Ende wollte er angeblich sein Glück in New York versuchen... aber davon hab ich neben Miles' Erinnerungen keine Spuren gefunden...
Zuletzt geändert von redbeansandrice am 29 Mai 2026, 14:54, insgesamt 1-mal geändert.
redbeansandrice
Beiträge: 325
Registriert: 04 Dez 2023, 12:13
Has thanked: 65 times
Been thanked: 66 times

Re: Emanuel "Duke" Brooks

Beitrag von redbeansandrice »

Zwei Sachen wollte ich jetzt noch posten, das eine ist dieser Link zu einem Artikel von vor ein paar Wochen... Zev Feldman hat scheinbar nochmal ernsthafte Detektivarbeit betrieben und eine Platte aufgetan, die um 1943 aufgenommen wurde, ein junger Miles Davis trifft auf Sonny Stitt, begleitet werden die beiden von Duke Brooks und dem Drummer Nick Haywood... das wird wahrscheinlich nicht die beste oder bestklingende Miles Platte aller Zeiten sein - aber ein faszinierender Blick auf die ganz ganz fühen Jahre des Bebop.... mit Duke Brooks mittendrin.
redbeansandrice
Beiträge: 325
Registriert: 04 Dez 2023, 12:13
Has thanked: 65 times
Been thanked: 66 times

Re: Emanuel "Duke" Brooks

Beitrag von redbeansandrice »

das andere ist hier zu finden, eine Copyright Registration von Emanuel (Duke) Brooks, wohnhaft 1039 3/4 Fedora in Los Angeles für ein Stück namens Deep Meditation, eingereicht im August 1945... und um genau die Zeit im Sommer 1945 nahm die Band von Howard McGhee ein Stück in Los Angeles ein Stück mit genau diesem ungewöhnlichen Namen auf, ein Feature für Teddy Edwards, mit dem Brooks auch ansonsten zusammenarbeitete...



Auf dem Cover steht kein Komponist, aber ich hab keine Zweifel, der Titel des Stücks ist zu ungewöhnlich... das Klavier spielt allerdings Vernon Biddle (und den Bass ein gewisser Charles Mingus, Stanley Morgan, der Vater von Frank, ist an der Gitarre zu hören, Nat McFay am Schlagzeug...)