
Gerry Wiggins – Wiggin' Out
ist es sehr schlimm, Platten zu kaufen, wo man die CD schon hat, und sie sicher 10 Jahre nicht gehört wurde... ich hoffe nein - es war jedenfalls nicht teuer, und es gab eine originale Innenhülle und einen kleinen Katalog des Labels dazu, HiFi Jazz... und wenns hart auf hart kommt, kann ich immer noch behaupten, der Mono Mix sei mir wichtig gewesen...
wie auch immer: Wiggins und sein treuer Schlagzeuger Jackie Mills begleiteten zu dieser Zeit Marilyn Monroe und ihre Kollegen am Set von Let's make love und, laut liner notes, entstand das Album quasi ausgehend von der Begleitung, die Wiggins und Mills hinter einer Stripszene von Monroe gespielt hatten... jetzt sah sich Produzent David Axelrod im Studio mit der Leere konfrontiert, die immer dort ist, wo Marilyn Monroe gerade nicht ist... und schlug vor, die Lücke mit Harold Land zu füllen, dessen The Fox er gerade aufgenommen hatte... ein Blick aufs Cover verrät, dass Wiggins, der hier durchgängig Orgel spielt, nicht die nötige Ernsthaftigkeit besitzt, die Orgel anders als als Schiessbude zu benutzen... Mills fällt nicht gross auf... und so hat man hier im wesentlichen eine gute halbe Stunde Harold Land, mehr oder weniger auf sich gestellt im Orgeltrio... und da ist überhaupt nichts falsch mit. Axelrod ist schon nicht ohne Grund ein berühmter Produzent geworden... mit einem einfachen Kniff hat er so eine Platte geschaffen, die man trotz der Orgelsounds auch Jahrzehnte später noch anhören kann, ein ernsthaftes, nüchternes und fokussiertes Tenorsax, das den Irrsinn im Hintergrund auffängt...