Ok, die CD Ausgabe kenne ich gar nicht.
Ich höre gerade ... Jazz
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Paul Bley - Reality Check | Oktober 1994, wieder ein fürchterliches Cover ... ist ja zum Glück nur ein musikalischer Schönheitswettbewerb. Hymnisch geht es los, Bley summt leise mit in seinem Opener, auf den fünf weitere Originals und "I Surrender Dear" folgen. Mit Jay Anderson und Victor Lewis ist das auf ganz andere Art ebenso intensiv wie "If We May": viel freier, poetischer, offener, die Rhythmen flexibler. Das färbt auf Bley ab, der zwar oft grosse Bögen schlägt, erzählende Soli spielt, aber auch in die andere Richtung geht, die der Auflösung, des Fragmentierens. Ich hatte keine Ahnung mehr, wie gut dieses Album ist!
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Demnächst auf Radio StoneFM: gypsy goes jazz, #173 – 09.06.2026, 22:00
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Ich höre gerade ... Jazz
Ein "missink link" hier ist das SteepleChase Album "Speachless", welches Paul Bley mit diesem Trio und Tenorsaxer Rich Perry ebenfalls im Oktober 1994 (mglws. identes Studiodate ?) aufnahm .... und auch hier ist Victor Lewis ein Gamechanger .... sehr gutgypsy tail wind hat geschrieben: 22 Mär 2026, 21:03
Paul Bley - Reality Check | Oktober 1994, wieder ein fürchterliches Cover ... ist ja zum Glück nur ein musikalischer Schönheitswettbewerb. Hymnisch geht es los, Bley summt leise mit in seinem Opener, auf den fünf weitere Originals und "I Surrender Dear" folgen. Mit Jay Anderson und Victor Lewis ist das auf ganz andere Art ebenso intensiv wie "If We May": viel freier, poetischer, offener, die Rhythmen flexibler. Das färbt auf Bley ab, der zwar oft grosse Bögen schlägt, erzählende Soli spielt, aber auch in die andere Richtung geht, die der Auflösung, des Fragmentierens. Ich hatte keine Ahnung mehr, wie gut dieses Album ist!
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Das Album mit Perry kenne ich bisher nicht ... ist halt immer so eine Sache mit Online-Bestellungen, wenn man bei Steeplechase keine Ahnung hat, ob man eine CD-R kriegt oder eine richtige CD. Die vorhandenen habe ich allesamt gekauft, bevor das los ging.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz
Verstehe Dein "produktionsbedingtes" Zögern gut .... die Performance der "Rhythmusgruppe" auf dem Quartett Date ist jedenfalls (noch) intensiver als auf der Piano Trio Aufnahme ....gypsy tail wind hat geschrieben: 23 Mär 2026, 07:15 Das Album mit Perry kenne ich bisher nicht ... ist halt immer so eine Sache mit Online-Bestellungen, wenn man bei Steeplechase keine Ahnung hat, ob man eine CD-R kriegt oder eine richtige CD. Die vorhandenen habe ich allesamt gekauft, bevor das los ging.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Mary Mulligan & Bud Freeman – Midnight Session
Bud Freeman sammeln macht eine Menge Spass, man findet immer mal wieder Sachen, die man überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, und das meiste ist irgendwie super... Mary Mulligan - übrigens nicht die Zuhörerin auf dem Cover - war eine Sängerin und dieses Album hier von 1960 ihr "shot at the big time". Sie singt Lieder wie "Foggy Day" (was für ein blöder Text) oder "I got it bad" auf eine Art, die von mir aus ok ist - ich hab ja generell nicht so die Affinität zum gesungenen Jazz... Eddie Condon hat einen credit für das dirigieren ihrer Gesangsperformances... jetzt war es laut liner notes so, dass sie während der Session erkrankte und für längere Zeit ausfiel - weitere Spuren von ihr neben den resultierenden vier Tracks hab ich nicht gefunden... und so mussten Bud Freeman und seine Band noch sieben Instrumentalstücke einspielen, damit es ein Album wurde... und die Band ist super, Dick Cary (Trompete und Althorn) ist der zweite Bläser, Jimmy Jones spielt Klavier... also zweimal eher moderne Leute + es gibt nur zwei Leute in der Frontline, was die krasseren Dixie-Exzesse ausschliesst... dazu gibt es Leonard Gaskin (b) und auf einigen Stücken George Wettling (dr)... (ich warte und warte ja die Tage auf Kapitel zwei von Vinnie Sperazza's "History of Jazz Drumming", link - Wettling wird dort seine Rolle haben, aber wohl noch nicht im zweiten Kapitel). Freeman ist hier der Star, wird auch in der Aufnahme ziemlich in Szene gesetzt - stereo wird hier grossgeschrieben - aber auch Jones und Cary sind wirklich super, das konservative Ende des Mainstream Jazz der 50er, klar ist Freeman kein Lester Young, aber er steht schon auf eine interessante Art neben ihm... hier kann man es auch bei bandcamp hören (Anspieltip: The Very Thought Of You)
Zuletzt geändert von redbeansandrice am 23 Mär 2026, 22:09, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: Ich höre gerade ... Jazz

Better Late Than Never: The Jack Montrose & Pete Jolly Quartet Plays David Holt
Jack Montrose war ein führender Tenorist und Arrangeur des Small Group West Coast Jazz der 50er... dann starb sein wichtigster Mitmusiker, der Baritonist Bob Gordon, und ein paar Jahre später war es auch mit dem West Coast Jazz vorbei... manche seiner Mitmusiker hier fanden sich in der neuen Welt zurecht, der Bassist Chuck Berghofer spielte die berühmte Basslinie in These Boots are Made for Walking und auch Pianist Pete Jolly hat Zeilen wie "Leonard Cohen - Death of a Ladies Man" im Lebenslauf stehen... Montrose hatte eher einen Karriereknick, und ging irgendwann nach Las Vegas um in Show Bands zu spielen... Auf diesem Album kehrt er zum Small Group Jazz zurück, der ihn mal berühmt gemacht hatte... jetzt gibt es hundert Gründe für so eine Rückkehr... Nostalgie, eine Rückbesinnung auf die eigenen Stärken ... oder halt ein Millionär, der statt seine Yacht neu zu streichen ein paar Musiker dafür bezahlt nochmal so zu tun, als wäre es 1958 statt 1985... Wie der Deal zwischen dem Immobilienmakler David Holt und der Band um Montrose und Jolly genau ausschaute, weiss ich natürlich nicht, aber zwei Sachen sind klar: Erstens stand im Kleingedruckten, dass nur Kompositionen von Holt gespielt werden sollten; und zweitens waren alle Beteiligten offenbar so zufrieden mit dem Ergebnis, dass in den kommenden sieben Jahren noch zwei weitere Alben mit Holts Kompositionen in der gleichen Besetzung folgen sollten, Nick Martinis spielt Schlagzeug, auf dem dritten Album kommt dann Bill Watrous an der Posaune dazu.

Jetzt war David Holt (1927-2003, wiki) natürlich nicht irgendein Immobilienmakler... Bereits als Sechsjähriger hatte er sein Hollywooddebut im Schimpansenkostüm als Affe in einem der Tarzan Filme... es folgten noch einige Filmrollen aber der Wechsel vom Kinderstar ins Erwachsenenfach gelang nicht so recht... und so versuchte sich Holt schon in den 50ern als Songwriter - und das nicht ohne Erfolg. Sein "Christmas Blues" wurde von Dean Martin aufgenommen und landete Jahre später sogar auf Bob Dylans Weihnachtsalbum... und auch wenn Holt in späteren Jahren im Immobiliengeschäft viel mehr Geld verdiente, scheint er gedacht zu haben, dass das Komponieren seine Karriere hätte sein sollen... und mit den drei Montrose Alben wollte er das richtig stellen - man sieht ihn quasi in den 50er Jahren vor sich, wie er denkt "warum schon wieder Richard Rodgers und nicht ich" wenn das neue Shorty Rogers oder Jack Montrose Album in die Läden kam...
Kurz gesagt: die Geschichte hinter dem Album ist super, und ein paar Sachen hat Holt schon richtig gemacht. Andere Millionäre hätten jetzt auch noch ihre Enkel auf dem Album was vorlesen lassen, er scheint die Musiker - im Rahmen der gesteckten Grenzen - weitgehend machen lassen. Seine Kompositionen sind auch nicht schlechter als andere Standards aus der dritten Reihe. Ab Album Nummer zwei hat Holt auch die Cover nicht mehr selber designt, das hier schon noch... In den liner notes zum zweiten Album (das ich nicht kenne) hat Holt geschrieben, Montrose habe nie besser gespielt... das scheint mir Wunschdenken ... manche Ideen, die 1954 noch irgendwie von Charlie Parker herkamen waren 1985 halt dann doch der Schnull, den man schon hunderte Male in irgendwelchen Kasinos oder bei Matineen zum besten gegeben hatte... Ne, das ist wirklich nicht schlecht... aber ich hab das Album und das Freeman Album heute im Wechsel gehört... und Freeman ist hinter der Fassade total lebendig, der real deal... das hier wacht oft auf, und der Basssound ist gar nicht so schlecht, auch wenn er besser sein könnte... aber die Drums von Nick Martinis, eigentlich einem echten West Coast Jazzer (obit von 2023) klingen mir ein bisschen zu sehr, als hätten er oder der Toningenieur in der Zeit auch ganz gerne Dave Weckl gehört...



